Diabetes verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Diabetes (Diabetes mellitus) ist eine Erkrankung, bei der der Blutzucker dauerhaft zu hoch ist. Glukose ist ein Zucker, der dem Körper Energie liefert. Das Hormon Insulin öffnet die Körperzellen, damit die Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangen kann. Bei Diabetes fehlt Insulin oder wirkt nicht richtig. Dadurch bleibt der Zucker im Blut und kann Schäden verursachen. Es gibt verschiedene Formen, am häufigsten sind Typ-1- und Typ-2-Diabetes.
Wichtige Fakten
- Unser Körper braucht Insulin, um den Blutzucker in die Zellen zu schleusen.
- Diabetes ist nicht heilbar, aber gut behandelbar.
- Mit einer guten Behandlung können schwere Folgen vermieden werden.
Ja. Diabetes ist eine Volkskrankheit. In Deutschland sind etwa 8 bis 9 Millionen Menschen betroffen. Die Zahl steigt seit Jahren an.
Typ-1-Diabetes beginnt meist bei Kindern und jungen Erwachsenen. Typ-2-Diabetes tritt früher vor allem bei über 50-Jährigen auf, aber auch immer häufiger bei jüngeren Menschen. Auch Schwangere können einen besonderen Diabetes entwickeln (Schwangerschaftsdiabetes).
Symptome
- Starke Übelkeit und Erbrechen
- Schnelle, tiefe Atmung
- Acetongeruch aus dem Mund (wie Nagellackentferner)
- Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Wenn diese Symptome auftreten, rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Schweres Zittern, Verwirrtheit und Herzklopfen ohne Bewusstlosigkeit – kann auf eine schwere Unterzuckerung hinweisen
- ⚠Hohes Fieber, das den Allgemeinzustand beeinträchtigt
- ⚠Dauerhafte Übelkeit und Erbrechen – suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis auf oder wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Häufige Symptome
- Starker Durst
- Häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Gewichtsverlust ohne Grund
- Schlecht heilende Wunden
- Juckreiz oder trockene Haut
Symptome bei Kindern
- Bettnässen, nachdem das Kind schon trocken war
- Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Plötzlicher Gewichtsverlust
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit
- Schwindel
- Stürze
- Harnwegsinfektionen
- Oder es treten keine typischen Symptome auf
Ursachen
Hauptursachen
- Typ-1-Diabetes: Das Immunsystem zerstört die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die genaue Ursache ist nicht bekannt.
- Typ-2-Diabetes: Die Zellen reagieren immer schlechter auf Insulin (Insulinresistenz) oder die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig Insulin. Ursachen sind oft Übergewicht und Bewegungsmangel.
- Schwangerschaftsdiabetes: Während der Schwangerschaft verändern sich die Hormone. Die Bauchspeicheldrüse kann dann manchmal nicht genug Insulin produzieren.
Risikofaktoren
- Übergewicht, besonders im Bauchbereich
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Fertigprodukten
- Rauchen
- Familiäre Vorbelastung (Diabetes in der Familie)
- Hoher Blutdruck oder erhöhte Blutfette
- Alter über 45 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Sehstörungen
- Bei Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Beinen
- Bei wiederholten Infektionen
- Bei sehr schlecht heilenden Wunden – wenden Sie sich innerhalb von 24 Stunden an eine Arztpraxis.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie erste Anzeichen bemerken, die länger als ein paar Tage anhalten, vereinbaren Sie einen Termin.
- Auch als gesunder Mensch sollten Sie ab 45 Jahren Ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren lassen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und misst den Blutzuckerspiegel. Meist wird er nüchtern im Blut bestimmt oder es wird ein Zuckertest gemacht. Dabei trinken Sie eine zuckerhaltige Lösung und danach wird der Blutzucker mehrfach gemessen.
Mögliche Untersuchungen
- Nüchternblutzucker
- Langzeitzucker (HbA1c)
- Oraler Glukosetoleranztest
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist nicht lange. Bei einem erhöhten Wert wird der Test in der Regel wiederholt, um sicher zu sein. Die Ärztin oder der Arzt bespricht alle Ergebnisse mit Ihnen und erstellt gegebenenfalls einen Behandlungsplan.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Diabetes-Form und Ihrem persönlichen Gesundheitszustand ab. Bei allen Formen gilt: Blutzucker, Blutdruck und Blutfette sollten gut eingestellt sein. Ärztinnen und Ärzte orientieren sich dabei an der aktuellen Behandlungsleitlinie der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Blutzuckermessungen – Ihr Praxisteam erklärt Ihnen, wie es geht.
- Achten Sie auf Ihre Füße und Haut, um Wunden früh zu erkennen.
- Nehmen Sie Ihre Termine zur Kontrolle wahr.
- Führen Sie ein Diabetes-Tagebuch oder nutzen Sie eine App, wenn das hilfreich ist.
Medizinische Behandlungen
Je nach Diabetes-Art gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze. Bei Typ-1-Diabetes ist die Behandlung mit Insulin notwendig. Bei Typ-2-Diabetes stehen zuerst Änderungen des Lebensstils im Vordergrund. Im Verlauf können Medikamente zum Einsatz kommen, die den Blutzucker senken oder die Insulinwirkung verbessern. Diese dürfen nur von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden. Ihr Behandlungsteam passt die Therapie regelmäßig an. Es gibt verschiedene Insulinarten und modernere Medikamente – wichtig ist, dass Sie alles gut erklärt bekommen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann bei Diabetes in seltenen Fällen helfen, zum Beispiel eine Magenverkleinerung bei starkem Übergewicht. Das wird immer individuell entschieden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Leben mit der Erkrankung
Diabetes ist eine tägliche Aufgabe. Aber viele Menschen führen damit ein aktives und erfülltes Leben. Der Schlüssel ist, Ihren Blutzucker im Blick zu behalten, regelmäßig zu essen, sich zu bewegen und Medikamente zuverlässig einzunehmen – genau so, wie es mit dem Praxisteam abgestimmt ist.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung: mindestens 30 Minuten an den meisten Tagen
- Nicht rauchen
- Alkohol nur in Maßen und am besten nicht auf leeren Magen
- Stress vermeiden oder besser mit Stress umgehen
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen: viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, wenig Zucker und verarbeitete Lebensmittel. Eine Ernährungsberatung oder Diabetes-Schulung kann Ihnen helfen. Bewegung senkt den Blutzucker und verbessert die Insulinwirkung. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders wenn Sie Insulin spritzen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Diabetes kann belasten, etwa durch Angst vor Unterzuckerung oder Sorgen um die Zukunft. Das ist normal. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie brauchen. Viele Krankenkassen bieten Kurse, Schulungen und psychologische Beratung an. Sie sind mit Diabetes nicht allein.
Vorbeugung
Typ-1-Diabetes lässt sich nicht verhindern. Typ-2-Diabetes lässt sich durch einen gesunden Lebensstil oft vermeiden oder hinauszögern. Das gilt besonders für Menschen mit einem erhöhten Risiko, z. B. bei Übergewicht oder familiärer Vorbelastung.
Impfungen
Gut eingestellter Diabetes senkt das Infektionsrisiko. Trotzdem ist ein guter Impfschutz wichtig – z. B. gegen Grippe und Lungenentzündung. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Menschen mit Risikofaktoren sollten regelmäßig ihren Blutzucker überprüfen lassen. Auch im Rahmen von Check-up-Untersuchungen ab 35 wird der Blutzucker meist mitbestimmt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt und Schlaganfall
- Nierenschäden
- Sehstörungen bis zur Erblindung
- Nervenschäden, besonders an den Füßen
- Schlecht heilende Wunden
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und einem gesunden Lebensstil können die meisten Komplikationen verhindert oder hinausgezögert werden. Die Lebenserwartung von Menschen mit Diabetes hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Viele leben mit Diabetes ein aktives Leben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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