Diphtherie – die Infektionskrankheit verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Diphtherie ist eine schwere bakterielle Infektion, die durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelöst wird. Die Bakterien befallen vor allem den Rachen, die Mandeln und die Atemwege. Dort bilden sie einen grau-weißen Belag, der die Luftröhre verengen und das Atmen erschweren kann. Die Bakterien geben zudem ein Gift ab, das Herz und Nerven schädigen kann. Dank der Impfung ist Diphtherie in Deutschland heute sehr selten geworden.
Wichtige Fakten
- Diphtherie ist eine meldepflichtige Krankheit – das heißt, der Arzt muss den Fall dem Gesundheitsamt melden.
- Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen sowie durch Kontakt mit infizierten Hautstellen.
- Eine Impfung schützt zuverlässig vor der Erkrankung; vollständig Geimpfte erkranken nur äußerst selten und dann meist mild.
- Wird die Diphtherie früh erkannt und behandelt, ist sie gut behandelbar – die Prognose ist dann meist gut.
In Deutschland ist Diphtherie durch die flächendeckende Impfung sehr selten geworden. In einigen Ländern mit niedriger Impfquote kommt die Infektion jedoch weiterhin vor – insbesondere bei Auslandsreisen ist ein aktueller Impfschutz wichtig.
Diphtherie betrifft fast ausschließlich Menschen, die nicht oder nicht ausreichend geimpft sind. Auch Reisende in Regionen mit schlechter Impfabdeckung und Personen mit geschwächtem Immunsystem haben ein höheres Risiko, an Diphtherie zu erkranken.
Symptome
- Atemnot oder pfeifende Atmung
- Bläulich verfärbte Lippen oder Gesicht
- So starke Schluckbeschwerden, dass Speichel nicht mehr geschluckt werden kann
- Eine zunehmende Apathie oder Bewusstseinstrübung
- Rufen Sie in solchen Fällen sofort den Notruf 112 an – es kann sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handeln.
- ⚠Hohes Fieber mit einem grau-weißen Belag im Hals – das sollte noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden.
- ⚠Kontakt zu einer an Diphtherie erkrankten Person – auch ohne eigene Symptome sollte noch am selben Tag ein Arzt oder die örtliche Gesundheitsbehörde kontaktiert werden.
- ⚠Zunehmende Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, insbesondere wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie geimpft sind.
Häufige Symptome
- Halsschmerzen, die stärker werden und mit Schluckbeschwerden einhergehen
- Erhöhtes Fieber bis beinahe 39 °C
- Ein grau-weißer Belag auf Rachen, Mandeln und manchmal am Gaumen – dieser ist ein typisches Zeichen
- Geschwollene Halslymphknoten, oft wie ein dicker Hals
- Heiserkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigen sich dieselben Symptome, aber oft schneller: Der Belag bildet sich häufig innerhalb weniger Stunden.
- Es können Atemgeräusche oder ein bellender Husten auftreten, wenn die Atemwege verengt sind.
- Kinder wirken häufig schlapp, trinken schlecht und können austrocknen.
- Neben der Atemwegs-Diphtherie kann es zu Haut-Diphtherie kommen: flache, grau-gelbe Geschwüre, die oft kaum schmerzen und schwer zu erkennen sind.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann das Immunsystem schwächer reagieren, sodass die Krankheit schwerer verläuft.
- Es besteht ein größeres Risiko für Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder Nervenschäden.
- Auch ältere Erwachsene haben oft einen der Beläge im Rachen, aber manchmal sind auch nur leichte Halsbeschwerden vorhanden – das macht die Diagnose schwierig.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Infektion wird durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelöst. Es gelangt über Tröpfchen (Husten, Niesen, Sprechen) oder durch direkten Kontakt mit Hautwunden infizierter Personen in den Körper.
- Das Bakterium bildet ein Gift (Diphtherie-Toxin), das die Schleimhäute schädigt und über das Blut auch Herz, Nerven und Nieren erreichen kann – das ist die eigentliche Gefahr.
Risikofaktoren
- Fehlende oder unvollständige Impfung gegen Diphtherie.
- Reisen in Länder, in denen Diphtherie häufiger vorkommt – insbesondere ohne aktuellen Impfschutz.
- Leben auf engem Raum mit infizierten Personen, zum Beispiel in Notunterkünften oder Pflegeeinrichtungen.
- Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch manche Medikamente, eine HIV-Infektion oder eine Chemotherapie.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind einen grau-weißen Belag im Rachen sehen und gleichzeitig Fieber oder Atemwegsbeschwerden auftreten.
- Wenn Sie in den letzten 10 Tagen Kontakt zu einer Person mit Diphtherie hatten – auch wenn Sie keine Symptome spüren.
- Wenn eine anfangs harmlose Halsentzündung plötzlich stärker wird und das Schlucken oder Atmen erschwert.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Ihren Impfstatus überprüfen möchten oder unsicher sind, ob Ihr Impfschutz gegen Diphtherie noch aktuell ist.
- Vor einer geplanten Reise in ein Land mit erhöhtem Diphtherie-Risiko – fragen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt schon einige Wochen vor Abreise.
Diagnose
Der Arzt fragt zunächst nach den Symptomen, möglichen Kontakten und dem Impfstatus. Dann untersucht er Hals, Mandeln und den Rachen. Wenn der typische Belag sichtbar ist, wird sofort der Verdacht auf Diphtherie geäußert. Zur Bestätigung wird ein Abstrich vom Rachen oder vom Belag genommen und ins Labor geschickt, wo nach den Bakterien gesucht wird.
Mögliche Untersuchungen
- Rachenabstrich: Ein steriler Tupfer wird über den Rachen und die Beläge geführt, um Proben für das Labor zu gewinnen.
- Bakterienkultur: Aus der Probe werden die Bakterien auf einem Nährboden angesetzt, um das Bakterium sicher nachzuweisen.
- Molekulargenetischer Test (z. B. PCR): Mit dieser sehr empfindlichen Methode kann auch kleinste DNA-Spuren des Bakteriums gefunden werden – das geht schneller als die Kultur.
- Blutuntersuchung: Damit lässt sich feststellen, ob das Gift bereits im Körper wirkt und ob Antikörper gegen das Toxin vorhanden sind.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Laboruntersuchung dauert ein bis zwei Tage. Da Diphtherie eine lebensbedrohliche Erkrankung sein kann, beginnt die Behandlung manchmal bereits vor dem Laborergebnis – allein aufgrund der Symptome und der Verdachtsdiagnose. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung im Krankenhaus, auch wenn die Symptome zunächst mild erscheinen.
Behandlung
Diphtherie wird immer stationär im Krankenhaus behandelt – auch wenn es der Person anfangs gut geht. Das Gift der Bakterien kann Herz und Nerven schädigen, und die Atemwege können sich plötzlich verengen. Die Behandlung folgt der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Sie besteht aus mehreren Bausteinen, die je nach Verlauf angepasst werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie absolute Ruhe – Bettruhe ist meist verordnet, um den Kreislauf zu schonen.
- Trinken Sie ausreichend, wenn das Schlucken es zulässt: warme Tees, klare Brühen oder Wasser.
- Bevorzugen Sie weiche, pürierte oder flüssige Speisen, wenn das Schlucken schmerzt.
- Fragen Sie das Pflegepersonal, ob Feuchtluft oder Inhalationen die Atemwege beruhigen können.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst in der Regel zwei wichtige Komponenten: Erstens ein Mittel, das das Gift der Bakterien neutralisiert (Diphtherie-Antitoxin). Dieses wird meist als Spritze oder Infusion verabreicht. Zweitens ein Antibiotikum, das die Bakterien selbst abtötet. Welcher Wirkstoff eingesetzt wird, entscheidet das Behandlungsteam individuell – meist kommen gut geeignete Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide oder Penicilline zum Einsatz, aber es gibt auch andere wirksame Wirkstoffe. Zusätzlich überwachen Ärztinnen und Ärzte Herz und Atmung regelmäßig; bei schwerer Atemnot kann ein künstlicher Atemweg (Tubus) notwendig sein. Wichtig ist: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, dass keine Organschäden entstehen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur in seltenen und schweren Fällen muss die Atemwege chirurgisch oder interventionell offengehalten werden. Dabei kann zum Beispiel ein Tubus in die Luftröhre gelegt werden, um die Atmung zu sichern. Die Ärzte besprechen solche Eingriffe vorher mit Ihnen und sorgen dafür, dass Sie ausreichend informiert sind.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist es wichtig, dem Körper Zeit zur Erholung zu geben. Diphtherie ist eine ernste Infektion, die den ganzen Körper belasten kann. Nehmen Sie sich in den ersten Wochen zu Hause viel Ruhe und steigern Sie Ihre Aktivität langsam. Ihr Behandlungsteam wird Ihnen sagen, wann Sie wieder normal arbeiten oder die Schule besuchen können – oft ist das erst nach zwei bis vier Wochen der Fall.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend und legen Sie sich, wenn nötig, auch tagsüber hin.
- Meiden Sie Rauch und staubige Umgebungen – sie reizen die angegriffenen Atemwege zusätzlich.
- Achten Sie auf regelmäßiges und gründliches Händewaschen – auch um andere nicht anzustecken.
- Planen Sie nach der Krankheit allmählich wieder normale Aktivitäten, ohne den Körper zu überfordern.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie leicht verdauliche und weiche Kost, solange das Schlucken noch etwas unangenehm ist: Joghurt, Suppen, Kartoffelpüree. Später können Sie zu normaler, ausgewogener Ernährung zurückkehren. Bewegung ist nach Abklingen der akuten Phase sehr hilfreich – beginnen Sie mit kurzen Spaziergängen und steigern Sie sich langsam. Lassen Sie sich in den ersten Wochen nicht zu körperlicher Anstrengung drängen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine ansteckende Krankheit, die im Krankenhaus isoliert wird, kann Ängste auslösen – das ist verständlich. Es ist okay, sich traurig oder unsicher zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über Ihre Sorgen, oder bitten Sie eine psychologische Unterstützung im Krankenhaus an. Auch Angehörige können helfen, indem sie zuhören und in schwierigen Momenten da sind.
Vorbeugung
Ja, Diphtherie ist durch eine Impfung sehr gut vermeidbar. Die Ständige Impfkommission empfiehlt für Säuglinge die Grundimmunisierung mit insgesamt vier Impfstoffdosen im ersten Lebensjahr. Auffrischungen sind im Vorschulalter, im Jugendalter und danach alle zehn Jahre vorgesehen. Ihr Impfstatus lässt sich einfach im Impfpass nachprüfen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die nur gegen Diphtherie schützt. Die Diphtherie-Impfung ist in der Regel mit der Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) und keuchhusten kombiniert – auch im Erwachsenenalter als Kombinationsimpfung. Sie ist gut verträglich und hat dazu geführt, dass Diphtherie in Deutschland nahezu verschwunden ist. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Impfschutz vollständig ist, fragen Sie Ihre Arztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening auf Diphtherie gibt es nicht. Regelmäßige Impfstatusprüfungen sind jedoch Teil der allgemeinen Vorsorge – sinnvoll ist, bei jedem Arztbesuch den Impfpass vorzulegen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Belag kann die Atemwege so stark verengen, dass es zu Erstickungsanfällen kommt.
- Das Gift kann eine Entzündung des Herzmuskels verursachen, die zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen führt.
- Nervenschäden können auftreten und zu Schluck-, Sprach- oder Bewegungsstörungen führen.
- In seltenen Fällen können auch die Nieren geschädigt werden und langfristig an Funktion verlieren.
- Ohne Behandlung verläuft Diphtherie in einem von zehn Fällen tödlich – bei Kindern und älteren Menschen ist das Risiko höher.
Langzeitprognose
Mit der heutigen medizinischen Behandlung ist die Aussicht sehr gut, insbesondere wenn die Therapie früh beginnt. Durch die intensive Überwachung im Krankenhaus und den Einsatz von Gegengift und Antibiotika können schwere Komplikationen meist verhindert werden. Wer vollständig geimpft ist, hat ein äußerst geringes Risiko, überhaupt zu erkranken. Und selbst bei einer Erkrankung ist die Heilung von Komplikationen in der Regel möglich, wenn sie rechtzeitig behandelt werden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Örtliches Gesundheitsamt · Deutschland (bundeslandabhängig)
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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