Scheibenförmiges Ekzem (nummuläres Ekzem)
Übersicht
Das scheibenförmige Ekzem wird auch nummuläres Ekzem genannt – nach dem lateinischen Wort für Münze. Dabei entstehen runde, münzgroße, entzündete Hautstellen. Die Haut ist rot, juckt oft stark und kann nässen, krusten oder schuppen. Ein Ekzem ist keine Infektion, sondern eine Entzündung der Haut. Es ist nicht ansteckend: Sie können niemanden damit anstecken.
Wichtige Fakten
- Typisch sind runde, münzförmige Hautstellen, meist an Armen und Beinen, manchmal auch am Rumpf oder an den Händen.
- Der Juckreiz kann stark sein, oft abends und nachts im Warmen unter der Bettdecke.
- Das Ekzem ist nicht ansteckend und hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.
- Mit guter Hautpflege und einer ärztlich begleiteten Behandlung lässt es sich meist gut in den Griff bekommen.
Ja, das scheibenförmige Ekzem ist eine recht häufige Hauterkrankung. Bei Erwachsenen kommt es deutlich öfter vor als bei Kindern.
Vor allem Erwachsene sind betroffen, besonders häufig im Alter zwischen etwa 50 und 65 Jahren. Männer erkranken im jüngeren Lebensalter etwas häufiger, Frauen eher später. Menschen mit sehr trockener Haut oder mit einer Neigung zu Allergien (Atopie, also eine angeborene Überempfindlichkeit der Haut und Schleimhäute) sind anfälliger. Auch wer unter Krampfadern leidet, bekommt häufiger Ekzeme an den Unterschenkeln.
Symptome
- Schwellung im Gesicht, an Lippen, Zunge oder Hals mit Atemnot oder Heiserkeit – mögliche schwere allergische Reaktion (Notruf 112)
- Fieber zusammen mit einer rasch größer werdenden, stark schmerzhaften Rötung der Haut (Notruf 112)
- Verwirrtheit, Kreislaufprobleme oder sehr schlechtes Allgemeinbefinden bei einer entzündeten Hautstelle (Notruf 112)
- ⚠Eiter, gelbe Krusten, zunehmender Schmerz oder eine sich ausbreitende Rötung – Hinweise auf eine bakterielle Infektion
- ⚠Fieber über 38 Grad zusammen mit einer geröteten Hautstelle
- ⚠Plötzliche, starke Ausbreitung des Ekzems innerhalb von ein bis zwei Tagen
- ⚠So starker Juckreiz, dass Sie nicht mehr schlafen können oder die Haut blutig kratzen
Häufige Symptome
- Runde oder ovale, münzgroße rote Hautstellen mit scharfen Rändern
- Starker Juckreiz, oft der belastendste Teil der Erkrankung
- Trockene, schuppende oder raue Haut an den betroffenen Stellen
- Nässen, Krusten oder kleine Bläschen, besonders in der akuten Phase
- Meist mehrere Herde gleichzeitig, häufig an Armen, Beinen, Rumpf oder Händen
- Die Haut kann sich nach dem Abheilen vorübergehend dunkler oder heller zeigen
Symptome bei Kindern
- Kommt bei Kindern eher selten vor
- Wenn doch, zeigen sich die runden Stellen oft an Armen, Beinen oder am Rumpf
- Der Juckreiz führt bei Kindern häufiger zu Unruhe und schlechtem Schlaf
- Kratzen begünstigt kleine Hautinfektionen – deshalb ist gute Pflege wichtig
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger betroffen, weil die Haut mit dem Alter trockener und dünner wird
- Oft an den Unterschenkeln, teilweise im Zusammenhang mit Krampfadern oder Wassereinlagerungen
- Die Haut heilt langsamer und neigt schneller zu Krusten und Rissen
- Bei gleichzeitigen anderen Erkrankungen oder Medikamenten lohnt sich ein genauer Blick mit der Ärztin oder dem Arzt
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass eine gestörte Hautbarriere eine zentrale Rolle spielt: Die Haut hält Feuchtigkeit schlechter und ist anfälliger für Reizungen.
- Sehr trockene Haut ist ein wichtiger Auslöser – deshalb tritt das Ekzem oft im Winter oder in beheizten Räumen auf.
- Kleine Hautverletzungen wie Kratzer, Insektenstiche oder Reibung können den Beginn einer runden Ekzemstelle auslösen.
- Reizstoffe wie scharfe Seifen, Duschgele, Wollkleidung oder häufiges Händewaschen können Schübe begünstigen.
- Manchmal steckt eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe dahinter, etwa Duftstoffe, Nickel oder Konservierungsstoffe in Pflegeprodukten.
- Bakterien auf der Haut, vor allem Staphylokokken, können die Entzündung unterhalten.
- Bei Ekzemen an den Unterschenkeln spielt oft ein gestörter Blutabfluss in den Beinen mit hinein.
- Stress und Schlafmangel verschlechtern bei vielen Menschen die Haut.
Risikofaktoren
- Sehr trockene oder empfindliche Haut
- Neigung zu Allergien, Asthma oder Heuschnupfen (Atopie)
- Höheres Lebensalter
- Krampfadern, geschwollene Beine oder Durchblutungsstörungen
- Häufiger Kontakt mit Wasser, Seifen oder beruflichen Reizstoffen, zum Beispiel im Reinigungs-, Pflege- oder Handwerksberuf
- Kalte, trockene Witterung und trockene Heizungsluft
- Starke körperliche oder seelische Belastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn eine Ekzemstelle eitert, gelbe Krusten bildet, zunehmend schmerzt oder sich die Rötung rasch ausbreitet
- Wenn Fieber dazukommt
- Wenn sich das Ekzem innerhalb von ein bis zwei Tagen stark ausbreitet
- Wenn Sie zusätzlich zu einer Hautveränderung Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufprobleme bemerken – dann sofort den Notruf 112 wählen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Hautstellen länger als zwei Wochen bestehen bleiben
- Wenn der Juckreiz stark ist oder Sie nachts nicht schlafen lässt
- Wenn das Ekzem immer wiederkehrt oder sich trotz guter Pflege nicht bessert
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um ein Ekzem oder etwas anderes handelt – zum Beispiel eine Pilzerkrankung
- Wenn die sichtbaren Stellen Sie im Alltag oder im Beruf belasten
Diagnose
In der Regel erkennt die Ärztin oder der Arzt das scheibenförmige Ekzem schon beim Ansehen der Haut. Die runden, münzförmigen und oft schuppenden oder nässenden Stellen sind recht typisch. Wichtig ist außerdem ein Gespräch über Ihren Alltag: seit wann die Stellen bestehen, was Sie an Pflegeprodukten verwenden, ob es Allergien gibt und ob die Haut an bestimmten Stellen zuerst auftrat. Oft reicht das schon aus, um die Behandlung zu planen.
Mögliche Untersuchungen
- Blickdiagnose und Hautuntersuchung
- Gespräch über Beschwerden, Vorgeschichte, Beruf und Pflegegewohnheiten
- Abstrich oder Hautschuppen-Untersuchung, wenn ein Pilz oder eine bakterielle Infektion ausgeschlossen werden soll
- Allergie-Tests, etwa ein Epikutantest auf der Haut, wenn ein Kontaktallergen vermutet wird
- Blutuntersuchungen nur in bestimmten Fällen, zum Beispiel bei sehr ausgedehntem oder ungewöhnlichem Verlauf
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzlos und dauert meist nur wenige Minuten. Bringen Sie am besten eine Liste Ihrer Pflegeprodukte und Medikamente mit – auch frei verkäuflicher Salben. Notieren Sie vorher, wann die Beschwerden begannen und was sie verschlimmert. So kann die Ärztin oder der Arzt schneller einschätzen, was Ihnen hilft.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: die Entzündung beruhigen und die Hautbarriere wieder aufbauen. Fast immer gehören eine gute, rückfettende Hautpflege und der Schutz vor Reizstoffen dazu. Bei stärkerer Entzündung verordnet die Ärztin oder der Arzt zusätzlich eine passende Salbe oder Creme. Die Behandlung wird regelmäßig überprüft und an Ihre Haut angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich und großzügig rückfettende Salben oder Cremes ohne Duftstoffe verwenden – auch in beschwerdefreien Zeiten
- Kurz und lauwarm duschen statt heiß und lange baden
- Milde, parfümfreie Waschprodukte benutzen und Seife an den betroffenen Stellen möglichst meiden
- Nach dem Waschen die Haut vorsichtig trocken tupfen und innerhalb von wenigen Minuten eincremen
- Baumwolle auf der Haut tragen; Wolle und kratzige Stoffe direkt auf der Haut vermeiden
- Fingernägel kurz halten und möglichst nicht kratzen – kühle Umschläge oder Kühlen mit einem Tuch helfen gegen den Juckreiz
- Räume nicht zu warm und nicht zu trocken halten, im Winter eventuell Luftbefeuchter nutzen
- Bei der Arbeit an feuchten oder reizenden Tätigkeiten geeignete Schutzhandschuhe tragen
- Auslöser in einem kurzen Tagebuch festhalten, zum Beispiel neue Pflegeprodukte, Stress oder Wetterwechsel
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte verordnen bei entzündeten Hautstellen meist entzündungshemmende Salben oder Cremes. Sie werden nur zeitweise und in der Stärke angewendet, die zu Ihrer Haut und zum Ausmaß des Ekzems passt. Wichtig ist, die verordnete Menge und Dauer einzuhalten und die Behandlung nicht eigenmächtig abzubrechen, nur weil es besser aussieht. Bei sehr trockener Haut kommen zusätzlich feuchtigkeitsspendende und hautbarriere-stärkende Pflegeprodukte zum Einsatz. Hat sich die Haut zusätzlich bakteriell entzündet, kann vorübergehend eine antibakterielle Behandlung nötig sein. Bei ausgedehnten oder hartnäckigen Verläufen gibt es weitere Möglichkeiten, etwa eine Lichttherapie unter ärztlicher Aufsicht. Wenn ein Kontaktallergen gefunden wurde, hilft es, den Stoff konsequent zu meiden. Bitte wenden Sie keine Salben aus dem Internet oder von anderen Personen an und ändern Sie eine verordnete Behandlung nicht ohne Rücksprache.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim scheibenförmigen Ekzem normalerweise nicht nötig. Liegt dem Ekzem an den Beinen eine Venenschwäche mit Krampfadern zugrunde, kann eine venenärztliche Behandlung sinnvoll sein – das besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit einem scheibenförmigen Ekzem dreht sich vor allem um regelmäßige Pflege und darum, den Juckreiz nicht zu reizen. Bauen Sie das Eincremen fest in Ihren Tag ein, am besten morgens und abends nach dem Waschen. Halten Sie die Haut kühl und luftig, wenn es juckt. Kleidung aus Baumwolle ist angenehmer als Wolle. Und: Es ist normal, dass es gute und schlechtere Wochen gibt. Ein Schub bedeutet nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben.
Tipps für den Alltag
- Rauchen möglichst meiden – es verschlechtert die Durchblutung der Haut
- Ausreichend schlafen und Pausen einplanen, denn Stress und Schlafmangel verstärken Juckreiz oft
- Bei geschwollenen Beinen die Beine hochlegen und Bewegung im Alltag einbauen
- Neue Pflegeprodukte einzeln und an einer kleinen Stelle testen
- Waschmittel ohne starke Duftstoffe wählen und Kleidung gut ausspülen
- Im Winter auf zusätzliche Feuchtigkeit in der Raumluft achten
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die ein scheibenförmiges Ekzem heilt. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und ausreichend Flüssigkeit tut der Haut allgemein gut. Wenn Sie das Gefühl haben, dass bestimmte Lebensmittel den Juckreiz verstärken, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie Lebensmittel weglassen – sonst fehlen Ihnen möglicherweise wichtige Nährstoffe. Bewegung ist ausdrücklich willkommen. Schwitzen kann die Haut allerdings reizen: Duschen Sie sich nach dem Sport kurz lauwarm ab und cremen Sie die Haut anschließend gut ein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständiger Juckreiz, sichtbare Hautstellen und unruhige Nächte können sehr belasten. Viele Menschen schämen sich oder ziehen sich zurück – das ist verständlich und nichts, wofür Sie sich schämen müssen. Sprechen Sie offen darüber: mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, mit Menschen, die Ihnen nahestehen, oder in einer Selbsthilfegruppe. Wenn die Belastung sehr groß wird, etwa bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Ängsten oder Hoffnungslosigkeit, holen Sie sich bitte Unterstützung. In einer seelischen Krise können Sie sich an eine Krisenberatung oder an die Telefonseelsorge wenden. Im akuten Notfall gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich ein scheibenförmiges Ekzem nicht. Aber Sie können Ihre Haut so pflegen, dass Schübe seltener und milder ausfallen: regelmäßig eincremen, Reizstoffe meiden und kleine Hautverletzungen ernst nehmen.
Früherkennungsprogramme
Für das scheibenförmige Ekzem gibt es keine Reihenuntersuchung (Screening). Wichtig ist, Veränderungen der Haut selbst zu beobachten und bei anhaltenden Beschwerden einen Termin zu vereinbaren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bakterielle Infektionen: Durch Kratzen gelangen Keime in die Haut, die Stellen können eitern und schmerzen
- Verdickte, raue und lederartige Haut durch ständiges Kratzen (Lichenifikation, also eine Verdickung der Haut durch dauernde Reibung)
- Dunklere oder hellere Hautflecken, die nach dem Abheilen noch eine Zeit lang sichtbar bleiben können
- Schlafstörungen und Erschöpfung durch den Juckreiz
- Seelische Belastung durch sichtbare Hautstellen und wiederkehrende Beschwerden
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Ein scheibenförmiges Ekzem spricht meist gut auf eine passende Behandlung und gute Hautpflege an. Viele Menschen bekommen die Beschwerden gut in den Griff. Es kann allerdings sein, dass es in Abständen wiederkommt – dann hilft es, die erprobte Pflege beizubehalten und frühzeitig einen Termin zu vereinbaren.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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