Divertikulose und Divertikulitis
Übersicht
Bei einer Divertikulose bilden sich kleine Ausstülpungen in der Wand des Dickdarms – wie kleine Beulen, die nach außen zeigen. Diese Beulen heißen Divertikel. Viele Menschen haben sie, ohne es je zu merken. Von einer Divertikulitis spricht man, wenn sich solche Divertikel entzünden. Dann schmerzt der Bauch, oft kommt Fieber dazu. Wichtig zu wissen: Nur bei einem kleinen Teil der Menschen mit Divertikeln entzündet sich irgendwann eines.
Wichtige Fakten
- Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmwand. Für sich genommen tun sie meist nicht weh.
- Viele Menschen mit Divertikeln bemerken sie nie – oft fallen sie zufällig bei einer Darmspiegelung auf.
- Die Entzündung betrifft meist den linken Unterbauch und geht häufig mit Fieber einher.
Sehr häufig. Schätzungen zufolge haben mehr als die Hälfte der Menschen über 70 in Deutschland Divertikel, die meisten davon unbemerkt. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher sind sie.
Vor allem Menschen über 50. Männer und Frauen sind ähnlich häufig betroffen. In Ländern mit westlicher Lebensweise kommen Divertikel häufiger vor als dort, wo viel ballaststoffreiche Kost gegessen wird.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Ein harter, brettharter Bauch, der sich nicht entspannen lässt
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost und schnellem Herzschlag
- Ohnmacht, kalter Schweiß, Kreislaufkollaps
- Starkes Erbrechen von Blut oder viel Blut im Stuhl
- Zeichen eines Schocks: blasse, kalte Haut, Verwirrtheit, Atemnot
- ⚠Bauchschmerzen, die länger als einige Stunden anhalten
- ⚠Fieber zusammen mit Bauchschmerzen
- ⚠Anhaltendes Erbrechen, sodass keine Flüssigkeit drin bleibt
- ⚠Stark geblähter Bauch, es geht kein Wind und kein Stuhl mehr ab
- ⚠Sichtbares Blut im Stuhl
Häufige Symptome
- Divertikulose: meist gar keine Beschwerden
- Divertikulitis: Schmerzen im linken Unterbauch, oft dumpf und anhaltend
- Druckempfindlicher Bauch, der sich hart anfühlen kann
- Fieber und manchmal Schüttelfrost
- Übelkeit, Appetitlosigkeit, Blähungen
- Veränderter Stuhlgang – Verstopfung oder Durchfall
- Manchmal leichte Blutungen aus dem Darm
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine Divertikulitis sehr selten und tritt fast nur bei bestimmten angeborenen oder chronischen Erkrankungen auf.
- Bauchschmerzen bei Kindern haben meist andere Ursachen – lassen Sie sie ärztlich abklären.
- Bei Kindern mit starken Bauchschmerzen und Fieber gilt: zeitnah ärztlichen Rat suchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter steigt die Häufigkeit deutlich.
- Beschwerden können untypisch sein: Fieber fehlt manchmal, die Schmerzen sind weniger genau lokalisierbar.
- Komplikationen treten häufiger auf, deshalb wird eher eine Behandlung im Krankenhaus geraten.
- Bei plötzlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands frühzeitig Hilfe holen.
Ursachen
Hauptursachen
- In der Darmwand gibt es von Natur aus schwache Stellen, an denen die Darmschleimhaut nach außen drückt.
- Erhöhter Druck im Dickdarm – etwa durch harten Stuhl bei ballaststoffarmer Ernährung – begünstigt das.
- Mit dem Alter wird das Bindegewebe der Darmwand weniger elastisch.
- Wichtig: Nüsse, Körner oder Popcorn lösen keine Divertikulitis aus. Dieser alte Rat gilt heute als überholt.
Risikofaktoren
- Alter über 50
- Ballaststoffarme Ernährung über viele Jahre
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Rauchen
- Verstopfung
- Divertikel bei nahen Angehörigen
- Häufige Einnahme bestimmter Schmerz- und Entzündungsmedikamente – sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber zusammen mit Bauchschmerzen
- Starke, anhaltende Bauchschmerzen
- Blut im Stuhl
- Erbrechen, das nicht aufhört
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Bauchschmerzen oder Blähungen
- Veränderter Stuhlgang über mehrere Wochen
- Fragen zu Ernährung oder Vorsorge nach einer Divertikel-Diagnose
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden und tastet den Bauch ab. Eine Divertikulose wird oft zufällig bei einer Darmspiegelung entdeckt. Bei Verdacht auf eine Entzündung kommen Blutwerte und eine Bildgebung dazu.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch und körperliche Untersuchung mit Abtasten des Bauchs
- Blutuntersuchung – Entzündungswerte lassen sich im Blut erkennen
- Ultraschall des Bauchs
- Computertomografie (CT) – besonders genau bei Verdacht auf eine Entzündung oder Komplikation
- Stuhluntersuchung, um andere Ursachen auszuschließen
- Darmspiegelung (Koloskopie) – aber erst einige Wochen nach Abklingen der Entzündung, nicht im akuten Schub
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vieles lässt sich ambulant in der Praxis klären. Bei einer Entzündung kann zusätzlich eine CT im Krankenhaus nötig sein. Eine Darmspiegelung wird im akuten Schub bewusst vermieden, weil die entzündete Darmwand dann verletzlicher ist.
Behandlung
Eine Divertikulose ohne Beschwerden braucht keine Behandlung. Bei einer unkomplizierten Entzündung reichen oft Schonung, ausreichend Trinken und eine angepasste Ernährung; manchmal werden Schmerzmittel verordnet. Eine komplizierte Entzündung wird im Krankenhaus behandelt.
Selbsthilfe zu Hause
- Im akuten Schub: leichte, gut verträgliche Kost und ausreichend trinken
- Nach ein bis zwei Tagen langsam zur normalen Kost zurückkehren, dann dauerhaft ballaststoffreich essen
- Ruhe und Wärme können wohltun
- Fieber messen und den Verlauf beobachten
- In der Apotheke nachfragen, welche Schmerzmittel geeignet sind
- Keine übrig gebliebenen Antibiotika selbst einnehmen
Medizinische Behandlungen
Bei einer unkomplizierten Divertikulitis setzt die Behandlung auf Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und bei Bedarf schmerzlindernde Medikamente. Die deutsche Fachleitlinie (AWMF) empfiehlt, Antibiotika nicht routinemäßig zu geben, sondern nur in bestimmten Fällen. Bei einer komplizierten Entzündung kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein – mit Flüssigkeit über die Vene, engmaschiger Überwachung und gegebenenfalls dem Entlasten einer Eiteransammlung (Abszess).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur bei Komplikationen oder nach mehreren schweren Schüben ein Thema – zum Beispiel, wenn die Darmwand durchbricht, eine Eiteransammlung nicht entlastet werden kann oder eine Engstelle entsteht. Ob und wann operiert wird, besprechen Sie am besten ausführlich mit einem Facharzt oder einer Fachärztin für Chirurgie.
Leben mit der Erkrankung
Mit Divertikeln lässt sich gut leben. Die wichtigste Stellschraube ist die Ernährung: viel Ballaststoffe, ausreichend trinken, regelmäßig in Bewegung bleiben. Nach einem Schub gehen Sie am besten Schritt für Schritt zur gewohnten Kost zurück und merken mit der Zeit, was Ihnen guttut.
Tipps für den Alltag
- Ballaststoffreich essen: Vollkorn, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte
- Ausreichend trinken – etwa 1,5 bis 2 Liter am Tag, mehr bei Hitze
- Regelmäßig bewegen, zum Beispiel 30 Minuten zügiges Gehen an den meisten Tagen
- Übergewicht abbauen, falls das zutrifft
- Nicht rauchen
- Nüsse, Kerne und Popcorn müssen Sie nicht meiden – das gilt heute als überholt
Ernährung und Bewegung
Ballaststoffe machen den Stuhl weicher und senken den Druck im Darm. Die Umstellung lohnt sich langfristig, auch wenn sie nicht jeden Schub verhindern kann. Bewegung unterstützt die Verdauung und hilft beim Gewichthalten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Bauchbeschwerden können belasten: Man macht sich Sorgen vor dem nächsten Schub oder schämt sich, über Stuhlgang zu sprechen. Das ist verständlich und gehört dazu. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn die Sorgen groß werden, suchen Sie Unterstützung – in seelischen Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos erreichbar, und im Notfall gilt die 112.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Divertikulose nicht. Aber man kann das Risiko für Beschwerden und Entzündungen senken – vor allem mit einer dauerhaft ballaststoffreichen Ernährung, ausreichend Trinken und regelmäßiger Bewegung.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehört die Darmkrebsvorsorge zur Regelversorgung, unter anderem mit Stuhltest und Darmspiegelung. Weil bei einer Darmspiegelung oft auch Divertikel auffallen, ist das ein guter Anlass, in Ihrer Praxis nach dem für Sie passenden Zeitpunkt zu fragen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eiteransammlung (Abszess) neben dem Darm
- Durchbruch der Darmwand mit Bauchfellentzündung – ein Notfall
- Fistel: eine unnatürliche Verbindung zu anderen Organen
- Engstelle (Striktur) im Darm, die den Stuhlgang behindert
- Stärkere Blutungen aus dem Darm
- Wiederkehrende Entzündungsschübe
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Die meisten Entzündungen heilen mit einfacher Behandlung folgenlos aus, und viele Menschen haben danach lange oder dauerhaft keine Beschwerden mehr. Mit einer ballaststoffreichen Lebensweise und etwas Bewegung tun Sie selbst viel dafür.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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