Legasthenie bei Erwachsenen (Lese-Rechtschreib-Störung)
Übersicht
Legasthenie – oft auch Lese-Rechtschreib-Störung genannt – bedeutet, dass jemand dauerhaft große Mühe mit Lesen und mit der Rechtschreibung hat. Die Verarbeitung von Buchstaben, Lauten und Wörtern im Gehirn läuft etwas anders ab als bei den meisten Menschen. Das Lesen strengt mehr an, das Schreiben ist fehleranfälliger, und vieles dauert länger. Wichtig zu wissen: Legasthenie hat nichts mit Faulheit, fehlender Übung oder geringer Intelligenz zu tun. Viele Erwachsene mit Legasthenie sind klug, kreativ und im Beruf erfolgreich – sie brauchen einfach andere Wege im Umgang mit Texten und manchmal passende Unterstützung.
Wichtige Fakten
- Legasthenie ist eine angeborene Besonderheit beim Umgang mit Schriftsprache. Sie „wächst sich nicht aus“, aber man kann sehr gut mit ihr leben.
- Sie sagt nichts über die Intelligenz aus. Viele Betroffene haben Ausbildung, Studium und Beruf erfolgreich gemeistert.
- Mit Strategien, Hilfsmitteln wie Hörbüchern oder Sprachausgabe und passenden Regelungen am Arbeitsplatz oder in der Ausbildung lassen sich die Schwierigkeiten deutlich abfedern.
Ja, Legasthenie ist häufig. Fachleute schätzen, dass etwa 5 bis 10 von 100 Menschen betroffen sind – in Deutschland also mehrere Millionen Erwachsene. Viele von ihnen wissen es gar nicht, weil sie nie untersucht wurden. Sie haben einfach gelernt, ihre Schwierigkeiten zu verstecken oder mit viel Aufwand auszugleichen.
Legasthenie kann Menschen jeden Alters, aller Bildungsabschlüsse und aller Einkommensschichten betreffen. Sie tritt in Familien gehäuft auf: Eltern und Kinder können beide betroffen sein. Oft kommt sie zusammen mit anderen Besonderheiten vor, zum Beispiel mit Aufmerksamkeitsproblemen, einer Rechenschwäche oder einer Sprachentwicklungsstörung in der Kindheit.
Symptome
- Plötzlich nicht mehr lesen oder schreiben können, zusammen mit Schwäche oder Taubheit einer Körperseite, hängendem Mundwinkel, verwaschener Sprache oder Sehstörungen – das können Anzeichen eines Schlaganfalls sein. Sofort den Notruf 112 wählen.
- Plötzliche Verwirrtheit, das Gefühl, bekannte Wörter nicht mehr zu erkennen, oder eine plötzlich auftretende Sprachstörung – ebenfalls Notruf 112.
- Akute Gedanken, sich selbst zu verletzen oder das Leben zu beenden – sofort Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren. Bitte bleiben Sie nicht allein.
- ⚠Starke Ängste, Panikattacken oder eine tiefe Niedergeschlagenheit, die Sie im Alltag stark einschränken – noch am selben Tag eine Arztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde kontaktieren.
- ⚠Plötzlich neu auftretende Lese- oder Schreibprobleme ohne weitere Beschwerden – zeitnah ärztlich abklären lassen, um andere Ursachen auszuschließen.
- ⚠Ein Zusammenbruch der beruflichen Situation oder ein drohender Abbruch von Ausbildung oder Studium wegen der Lese- und Schreibprobleme – kurzfristig Beratung suchen.
Häufige Symptome
- Lesen geht nur langsam und strengt stark an; Texte müssen oft mehrmals gelesen werden, bis der Inhalt „sitzt“.
- Beim lauten Vorlesen stockt es, Wörter werden verdreht oder erraten.
- Häufige Rechtschreibfehler, die auch nach viel Übung bleiben – zum Beispiel vertauschte Buchstaben oder fehlende Endungen.
- Ähnlich aussehende Buchstaben oder ähnlich klingende Laute werden verwechselt.
- Formulare, Behördenschreiben oder lange E-Mails werden lange aufgeschoben oder ganz gemieden.
- Beim Abschreiben oder Mitschreiben gehen Informationen verloren; Notizen sind schwer zu entziffern.
- Fremdwörter, Namen und Fachbegriffe lassen sich schwer merken und schreiben.
- Das Lesen oder Schreiben am Bildschirm ermüdet schnell; nach kurzer Zeit kommen Kopfschmerzen oder Anspannung dazu.
- Zahlen- oder Zeitfolgen (Wochentage, Monate, Uhrzeiten) werden manchmal durcheinandergebracht.
- In Prüfungen oder unter Zeitdruck werden die Schwierigkeiten deutlich stärker.
Symptome bei Kindern
- Rückblickend fällt Erwachsenen oft auf: Buchstaben wollten in der Grundschule lange nicht „sitzen“, das Lesenlernen dauerte viel länger als bei anderen Kindern.
- Das Kind mied lautes Vorlesen, bekam Bauchweh vor der Deutschstunde oder wollte nicht über Hausaufgaben sprechen.
- Die Rechtschreibung blieb fehlerhaft, obwohl fleißig geübt wurde – oft mit dem Eindruck „Du strengst dich nicht genug an“.
- Häufig kamen Kommentare wie „schlau im Reden, schwach im Schreiben“ – ein typisches Muster, denn das Denken ist nicht betroffen.
- Manche Kinder entwickelten Tricks: auswendig lernen, abschreiben, andere für sich lesen lassen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Eine Legasthenie aus der Kindheit bleibt ein Leben lang bestehen; im Alter kann sie durch mehr Formulare, digitale Anwendungen oder kleinere Schrift am Bildschirm stärker auffallen.
- Wenn Lesen oder Schreiben plötzlich neu und ungewohnt schwerfällt, ist das keine Legasthenie – dann sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
- Nachlassendes Sehen oder Hören kann zusätzlich Druck auf das Lesen machen; eine Seh- und Hörtestung ist sinnvoll.
- Ältere Betroffene schämen sich manchmal mehr als jüngere und ziehen sich zurück – hier hilft ein offenes Gespräch in der Arztpraxis.
Ursachen
Hauptursachen
- Legasthenie ist überwiegend angeboren. Fachleute gehen davon aus, dass bestimmte Hirnareale, die für Sprache und Schrift zuständig sind, anders arbeiten und anders vernetzt sind.
- Es gibt eine deutliche erbliche Komponente: In vielen Familien finden sich mehrere betroffene Mitglieder.
- Nicht die Ursache sind: zu wenig Übung, zu viel Fernsehen oder Handy, ein „falscher“ Erziehungsstil, Zweisprachigkeit oder ein Umzug in ein anderes Land. Solche Vermutungen halten sich hartnäckig, treffen aber nicht zu.
- Manchmal bleibt die genaue Ursache im Einzelfall unklar – das ist normal und ändert nichts daran, dass man gezielt helfen kann.
Risikofaktoren
- Ein Elternteil oder Geschwisterkind mit Legasthenie
- Eine verzögerte Sprachentwicklung oder Schwierigkeiten beim Sprechenlernen in der Kindheit
- Weitere Lern- oder Aufmerksamkeitsbesonderheiten, etwa eine Rechenschwäche oder Aufmerksamkeitsprobleme
- Frühgeburtlichkeit oder frühe Hörprobleme in der Kindheit
- Häufige negative Erfahrungen in der Schule – sie verursachen keine Legasthenie, verstärken aber Angst und Vermeidung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich nicht mehr lesen oder schreiben können oder zusätzlich Sprach-, Seh- oder Gefühlsstörungen auftreten: Notruf 112.
- Wenn Sie unter starken Ängsten, Panik oder Hoffnungslosigkeit leiden oder Gedanken haben, sich etwas anzutun: sofort Hilfe holen, Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Notaufnahme.
- Wenn die Schwierigkeiten Ihre Arbeit oder Ausbildung akut gefährden und Sie nicht mehr weiterwissen: kurzfristig einen Termin in der Hausarztpraxis vereinbaren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit der Kindheit Mühe mit Lesen und Rechtschreiben haben und wissen möchten, ob eine Legasthenie vorliegt.
- Wenn Sie beim Ausfüllen von Formularen, beim Lesen von Verträgen oder im Beruf dauerhaft an Grenzen stoßen.
- Wenn Sie merken, dass Sie Lesen und Schreiben zunehmend vermeiden und Ihnen das beruflich oder privat Probleme macht.
- Wenn Sie in Ausbildung, Studium oder Umschulung einen Nachteilsausgleich beantragen möchten – dafür braucht es meist eine schriftliche Feststellung.
- Wenn zu den Lese- und Schreibschwierigkeiten Ängste, Schlafprobleme oder ein gedrücktes Stimmungsbild dazukommen.
Diagnose
Eine Legasthenie wird nicht mit Blutwerten oder einem Röntgenbild festgestellt. Entscheidend ist eine ausführliche Testung von Lesen und Rechtschreiben durch dafür ausgebildete Fachpersonen, zum Beispiel in einer psychologischen oder lerntherapeutischen Praxis, einer Beratungsstelle oder einer spezialisierten Hochschulambulanz. Vorher ist ein ärztlicher Termin sinnvoll, um Sehen, Hören und allgemeine Gesundheit abklären zu lassen. Wichtig: Eine echte Legasthenie zeigt sich unabhängig davon, wie viel jemand übt – und sie passt nicht zum sonstigen Können und zur Bildung der Person.
Mögliche Untersuchungen
- Ein ausführliches Gespräch über die eigene Lernbiografie: Wie war es in der Schule, was fiel schwer, welche Tricks wurden entwickelt?
- Standardisierte Lesetests: Lesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit und Textverständnis.
- Standardisierte Rechtschreibtests, bei denen Fehlerarten genau angesehen werden.
- Ein Intelligenz- oder Leistungstest, um die Lese- und Schreibfähigkeit mit dem allgemeinen Können zu vergleichen.
- Fragebögen zum Alltag: Wie oft wird gelesen, was wird vermieden, wie belastend ist die Situation?
- Ärztliche Untersuchung von Sehen und Hören sowie ein Blick auf mögliche andere Ursachen wie Schlafmangel, Stress oder eine depressionstypische Antriebslosigkeit.
- Bei Kindern und Jugendlichen zusätzlich Beobachtungen aus der Schule und ein Gespräch mit den Eltern.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Testung dauert meist ein bis zwei Termine und besteht aus mehreren kurzen Aufgaben. Niemand wird bloßgestellt, und Sie können jederzeit Pausen machen. Am Ende erhalten Sie in der Regel einen schriftlichen Bericht mit dem Ergebnis und Empfehlungen für Hilfsmittel, Lernstrategien und mögliche Ausgleichsregelungen in Ausbildung und Beruf. Ob und wie die Kosten übernommen werden, ist je nach Situation unterschiedlich – fragen Sie vorher bei Ihrer Krankenkasse, beim Gesundheitsamt oder bei einer Beratungsstelle nach. Eine Diagnose ist kein Stempel, sondern ein Schlüssel: Sie erklärt, warum vieles so anstrengend war, und öffnet die Tür zu passender Unterstützung.
Behandlung
Eine Legasthenie muss nicht „wegbehandelt“ werden – sie ist eine Eigenschaft, keine Krankheit. Was hilft, sind gezieltes Training, gute Strategien und Erleichterungen im Alltag, in der Ausbildung und im Beruf. Für Erwachsene gibt es Leseförderung, Rechtschreibtraining und Kurse, in denen es um Lern- und Arbeitstechniken geht. Mindestens genauso wichtig sind Hilfsmittel und passende Rahmenbedingungen. Wenn zusätzlich Ängste, eine Depression oder eine Aufmerksamkeitsproblematik bestehen, sollten diese mitbehandelt werden – sprechen Sie das in der Arztpraxis offen an.
Selbsthilfe zu Hause
- Hörbücher, Sprachausgabe und Vorlesefunktionen nutzen – für viele ist Hören der schnellere Weg zu Informationen.
- Texte per Spracheingabe diktieren statt tippen; Rechtschreibprüfung und Textbausteine verwenden.
- Wichtige Texte in kleinere Abschnitte teilen und nach jedem Abschnitt kurz zusammenfassen, was hängen geblieben ist.
- Beim Lesen einen Finger oder ein Lineal als Lesehilfe nutzen und auf ausreichend große, gut lesbare Schrift achten.
- Wichtige Informationen immer auch schriftlich mitnehmen – etwa bei Arztterminen um eine kurze Notiz bitten.
- Feste Routinen und Checklisten für Formulare, Rechnungen und Termine anlegen, statt alles im Kopf zu behalten.
- Pausen einplanen: Lesen kostet mehr Energie, deshalb lieber in kurzen Blöcken arbeiten als am Stück.
- Offen mit dem Umfeld sprechen – niemand muss sich für eine Legasthenie rechtfertigen.
Medizinische Behandlungen
Medikamente gegen Legasthenie selbst gibt es nicht – und sie werden auch nicht gebraucht. Die wichtigste „Behandlung“ ist eine gezielte Förderung: Lesetraining, Rechtschreibtraining, Lern- und Arbeitstechniken sowie die Nutzung moderner Hilfsmittel. Solche Angebote finden sich in Lerntherapie- und Beratungsstellen, an Volkshochschulen, in Berufsförderungswerken oder bei spezialisierten Anbietern. Ergänzend können Entspannungsverfahren oder eine Psychotherapie helfen, wenn Ängste, Scham oder depressive Beschwerden dazugekommen sind. Bei gleichzeitig bestehenden anderen Besonderheiten – etwa Aufmerksamkeitsproblemen – entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen über das weitere Vorgehen. In Ausbildung, Studium und Beruf können Ausgleichsregelungen beantragt werden, zum Beispiel mehr Zeit in Prüfungen oder die Nutzung eines Laptops. Wichtig: Es gibt viele teure „Wundermittel“ und Versprechen im Internet – besprechen Sie Angebote vorher mit einer Fachperson, bevor Sie Geld ausgeben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation hilft bei Legasthenie nicht, weil keine körperliche Veränderung vorliegt, die man operieren könnte. Auch andere invasive Eingriffe sind kein Thema. Konzentrieren Sie sich auf Training, Hilfsmittel und Unterstützung – das ist der wirksame Weg.
Leben mit der Erkrankung
Viele Erwachsene mit Legasthenie haben im Laufe der Jahre eigene Tricks entwickelt – und merken oft gar nicht, wie viel Kraft das kostet. Der Alltag wird leichter, wenn Sie diese Tricks bewusst einsetzen und ausbauen, statt sich für sie zu schämen. Erlauben Sie sich Hilfsmittel. Fragen Sie nach schriftlichen Zusammenfassungen. Bitten Sie im Beruf um klare Aufgabenbeschreibungen per E-Mail statt nur im Gespräch. Und planen Sie bewusst Zeitpuffer ein – nicht, weil Sie langsamer denken, sondern weil das Entziffern von Text mehr Konzentration braucht.
Tipps für den Alltag
- Am Arbeitsplatz offen ansprechen, was hilft – viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber finden gemeinsam mit Ihnen eine gute Lösung.
- Ein persönliches „Werkzeugkasten-System“ aufbauen: Vorlesefunktion, Diktierfunktion, Checklisten, Kalender mit Erinnerungen.
- Wichtige Dokumente zuerst durchlesen, dann in eigenen Worten notieren lassen – oder jemanden zum gemeinsamen Durchgehen bitten.
- Ausreichend schlafen: Müdigkeit macht Lesen und Konzentration deutlich schwerer.
- Bewegung in den Alltag einbauen – sie hilft nachweislich gegen Stress und hebt die Stimmung.
- Sich selbst freundlich behandeln: Fehler beim Schreiben sind kein Charakterfehler.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät und kein Nahrungsergänzungsmittel, das Legasthenie beseitigt – solche Versprechen sind unseriös. Was wirklich hilft, ist das, was allen gut tut: ausgewogene Ernährung, ausreichend Wasser, regelmäßiger Schlaf und Bewegung. Sport und Spaziergänge bauen Stress ab, und Stress ist oft der Grund, warum Lesen an manchen Tagen besonders schwerfällt. Wenn Sie das Gefühl haben, dass bestimmte Lebensmittel oder ein Mangel Ihre Konzentration beeinflussen, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an – eine Blutuntersuchung kann hier Klarheit schaffen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Erwachsene mit Legasthenie haben in der Schule Kränkungen erlebt: „Du bist faul“, „Du gibst dir keine Mühe“. Solche Sätze bleiben hängen. Häufig entstehen daraus Scham, Prüfungsangst, ein geringes Selbstwertgefühl oder der Drang, Probleme zu verstecken. Manche entwickeln eine Depression oder eine Angststörung. Das ist verständlich – und es ist behandelbar. Sprechen Sie darüber. Psychotherapie, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen können sehr entlasten. Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder nicht mehr weiterleben zu wollen, holen Sie sich sofort Hilfe: Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik. Sie sind damit nicht allein, und Hilfe ist möglich.
Vorbeugung
Eine Legasthenie selbst kann man nicht verhindern, weil sie angeboren ist. Was man verhindern kann, sind die Folgen: Frust, Scham und Angst. Je früher ein Kind mit Lesen und Schreiben Unterstützung bekommt und je früher Erwachsene wissen, woran sie sind, desto weniger Belastung entsteht. Wichtig ist außerdem, dass niemand wegen seiner Rechtschreibung abgewertet wird – weder in der Schule noch im Beruf.
Früherkennungsprogramme
In der Schule gibt es in Deutschland verschiedene Screenings und Fördermaßnahmen, die Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten früh erkennen sollen. Für Erwachsene gibt es kein Routine-Screening. Wenn Sie den Verdacht haben, lassen Sie sich testen – zum Beispiel über eine psychologische oder lerntherapeutische Praxis, eine Beratungsstelle oder auf Empfehlung Ihrer Hausarztpraxis. Die AWMF-Leitlinie zur Lese- und Rechtschreibstörung empfiehlt eine umfassende Diagnostik, die Lesen, Rechtschreiben und die allgemeinen Fähigkeiten gemeinsam betrachtet.
Komplikationen
Unbehandelt
- Berufliche Nachteile: Aufgaben mit viel Lesen und Schreiben werden gemieden, Aufstiegschancen bleiben ungenutzt.
- Bildungswege werden abgebrochen, obwohl das Können für mehr reichen würde.
- Ständige Überanstrengung und Erschöpfung, weil das Ausgleichen so viel Energie kostet.
- Prüfungsangst, soziale Unsicherheit und Rückzug.
- Erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen, besonders wenn Scham und Kränkungen über Jahre andauern.
- Bei Kindern und Jugendlichen zusätzlich: Schulverweigerung, Verhaltensauffälligkeiten und ein sinkendes Selbstwertgefühl.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Legasthenie verschwindet nicht, aber sie lässt sich sehr gut bewältigen – viele Erwachsene leben mit ihr erfolgreich im Beruf und im Privatleben. Entscheidend sind drei Dinge: zu wissen, woran man ist, die passenden Hilfsmittel zu nutzen und Menschen an seiner Seite zu haben, die unterstützen statt abwerten. Es ist nie zu spät, damit anzufangen.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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