Das EKG: Eine Untersuchung des Herzens einfach erklärt
Übersicht
Ein EKG ist eine kurze, schmerzfreie Untersuchung, bei der die elektrischen Signale des Herzens gemessen werden. Die Abkürzung steht für „Elektrokardiogramm“ – übersetzt etwa „Aufzeichnung der Herzströme“. Sie bekommen dafür mehrere kleine Klebeelektroden auf Brust, Handgelenke und Fußknöchel. Ein Gerät zeichnet die Signale als Wellenlinien auf Papier oder Bildschirm auf. Aus diesen Linien kann die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel ablesen, wie schnell und wie regelmäßig das Herz schlägt und wie gut die elektrischen Signale durch das Herz weitergeleitet werden. Ein EKG ist kein Bild des Herzens, sondern eine Art „Stromprotokoll“. Wichtig zu wissen: Ein unauffälliges EKG schließt nicht jede Herzerkrankung aus, und ein auffälliges EKG bedeutet nicht automatisch, dass etwas Ernstes vorliegt.
Wichtige Fakten
- Ein Ruhe-EKG dauert meist nur fünf bis zehn Minuten und tut nicht weh – Sie liegen dabei ruhig auf dem Rücken.
- Das EKG nutzt keine Strahlung und ist auch mehrfach am Tag oder in der Schwangerschaft möglich.
- Das EKG zeigt den Herzrhythmus und die elektrische Weiterleitung – für andere Fragen braucht es zusätzliche Untersuchungen.
Sehr häufig. Das EKG gehört zu den am meisten durchgeführten Untersuchungen in Hausarztpraxen und Kliniken – Millionen Menschen bekommen jedes Jahr eines, oft ohne dass eine Herzerkrankung dahintersteckt.
Jeder kann ein EKG bekommen, vom Neugeborenen bis zu hochbetagten Menschen. Besonders oft wird es bei Menschen mit Herzrasen, Brustschmerzen, hohem Blutdruck oder Diabetes geschrieben – und vor Operationen oder beim Gesundheits-Check-up.
Symptome
- Starker Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der länger als etwa fünf Minuten anhält oder in Wellen wiederkommt
- Brustschmerz, der in Arm, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlt
- Plötzlich auftretende schwere Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder eine Person, die nicht normal atmet
- Herzrasen zusammen mit Schwindel, Schwächegefühl, kalten Schweiß oder drohender Ohnmacht
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Haut
- Sehr schneller oder sehr langsamer Puls mit Kreislaufkollaps
- In diesen Fällen zögern Sie nicht: Rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Neu aufgetretenes Herzstolpern oder Herzrasen, das immer wieder kommt
- ⚠Eine kurze Ohnmacht, auch wenn Sie sich danach wieder normal fühlen
- ⚠Zunehmende Beinschwellung zusammen mit Luftnot bei Belastung
- ⚠Ungewohnte Müdigkeit oder ein deutlicher Leistungsknick über mehrere Tage
- ⚠Diese Beschwerden sollten noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden – rufen Sie Ihre Praxis an oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Häufige Symptome
- Ein EKG wird nicht wegen einer bestimmten Krankheit gemacht, sondern weil es Beschwerden gibt, die vom Herzen kommen könnten.
- Herzstolpern, Herzrasen oder das Gefühl, dass das Herz „aussetzt“
- Druck, Enge oder Schmerzen in der Brust, besonders bei Belastung
- Kurzatmigkeit bei Anstrengung oder im Liegen
- Schwindel, Schwächegefühl oder kurze Ohnmachtsanfälle
- Geschwollene Fußknöchel oder Beine
- Ungewöhnliche Müdigkeit und ein plötzlicher Leistungsabfall
- Kontrollen bei bekanntem hohem Blutdruck, Diabetes oder nach einem Herzinfarkt
- Vor einer Operation oder bei der Einstellung bestimmter Medikamente
- Bei manchen Menschen auch ohne Beschwerden, zum Beispiel im Rahmen eines Gesundheits-Check-ups
Symptome bei Kindern
- Meist wird ein EKG bei Kindern wegen Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht oder einer familiären Vorbelastung geschrieben.
- Auch vor Operationen oder bei angeborenen Herzfehlern kommt es zum Einsatz.
- Kinder haben von Natur aus einen schnelleren Puls – das EKG sieht deshalb anders aus als bei Erwachsenen, ohne dass es krankhaft ist.
- Kleine Kinder brauchen oft Geduld und Ablenkung, damit sie ruhig liegen bleiben; das ist ganz normal.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter wird ein EKG häufiger geschrieben, weil Herzrhythmusstörungen, hoher Blutdruck und Durchblutungsstörungen zunehmen.
- Typische Anlässe sind Schwindel, Stürze, ein plötzlicher Leistungsknick oder eine erstmals bemerkte Unregelmäßigkeit des Pulses.
- Auch die Kontrolle von Herzschrittmachern und die Vorbereitung auf Operationen gehören dazu.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein EKG ist eine Untersuchung, keine Krankheit – „Ursachen“ sind hier die Dinge, die ein EKG sichtbar machen kann.
- Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel ein zu schneller, zu langsamer oder unregelmäßiger Herzschlag
- Verengte Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel schlechter mit Sauerstoff versorgen
- Ein akuter Herzinfarkt oder ein früherer Herzinfarkt
- Eine verdickte oder erweiterte Herzmuskelwand, etwa durch langjährigen hohen Blutdruck
- Entzündungen von Herzmuskel oder Herzbeutel
- Störungen im Salz- und Mineralstoffhaushalt des Körpers
- Wirkungen von Medikamenten oder von Genussmitteln wie Alkohol und sehr viel Koffein
- Angeborene Besonderheiten der Herzstromleitung
Risikofaktoren
- Herz- oder Gefäßerkrankungen in der Familie, besonders in jungen Jahren
- Hoher Blutdruck
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Rauchen
- Erhöhte Blutfettwerte
- Starkes Übergewicht und Bewegungsmangel
- Hohes Alter
- Dauerstress und schlechter Schlaf, zum Beispiel bei unbehandelter Schlafapnoe
- Viel Alkohol oder sehr viel Koffein
- Diese Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass beim EKG etwas auffällt – sie sind aber kein Urteil und lassen sich oft gut beeinflussen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Brustschmerz, Engegefühl oder Druck in der Brust, besonders wenn es ausstrahlt oder länger anhält
- Herzrasen oder Herzstolpern mit Schwindel, Schwäche oder Atemnot
- Eine Ohnmacht oder ein Beinahe-Bewusstseinsverlust
- Plötzliche schwere Atemnot
- Bei diesen Zeichen gilt: Notruf 112. Warten Sie nicht ab und fahren Sie nicht selbst.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Herzstolpern, das Sie bemerken, auch wenn es nicht wehtut
- Wiederkehrender Schwindel ohne erkennbare Ursache
- Zunehmende Müdigkeit oder Belastungsluftnot über Wochen
- Geschwollene Knöchel am Abend
- Ein auffälliger Puls, den Sie selbst tasten können
- Ein Termin in den nächsten Tagen bis wenigen Wochen ist hier meist ausreichend – sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis.
Diagnose
Das EKG ist selbst eine Untersuchung – die „Diagnose“ entsteht aus dem EKG zusammen mit Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und oft weiteren Befunden. Beim Ruhe-EKG liegen Sie entspannt auf dem Rücken, die Haut an den Klebestellen wird eventuell kurz gereinigt, dann kommen mehrere Elektroden auf Brust, Handgelenke und Fußknöchel. Sie atmen normal, müssen nichts tun und spüren nichts. Nach wenigen Minuten ist die Aufzeichnung fertig. Reicht ein Ruhe-EKG nicht aus, kann die Ärztin oder der Arzt ein Belastungs-EKG, ein Langzeit-EKG über 24 bis 48 Stunden oder ein tragbares Aufzeichnungsgerät für mehrere Tage anordnen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: die Standarduntersuchung, wenige Minuten, keine Vorbereitung nötig
- Belastungs-EKG (Ergometrie): Aufzeichnung während Sie auf einem Fahrrad oder Laufband treten – zeigt, wie das Herz unter Anstrengung arbeitet
- Langzeit-EKG: Sie tragen ein kleines Gerät meist 24 bis 48 Stunden mit nach Hause, um seltene Rhythmusstörungen zu erwischen
- Ereignisrekorder: ein Gerät, das Sie über längere Zeit tragen und bei Beschwerden selbst auslösen
- Blutuntersuchung, zum Beispiel auf Herzwerte und Mineralstoffe
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie): zeigt Größe, Form und Pumpkraft des Herzens
- Langzeit-Blutdruckmessung
- In besonderen Fällen eine Herzkatheteruntersuchung oder eine Magnetresonanztomografie des Herzens
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie brauchen sich nicht besonders vorzubereiten. Kommen Sie in bequemer Kleidung, die sich am Oberkörper leicht öffnen lässt. Die Haut sollte trocken und frei von Creme oder Lotion sein, damit die Elektroden gut haften. Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente und vorhandene Befunde mit und sagen Sie, wenn Sie schwanger sind oder einen Herzschrittmacher tragen. Nach der Aufzeichnung bespricht die Ärztin oder der Arzt das Ergebnis meist direkt mit Ihnen. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie etwas nicht verstehen, und lassen Sie sich eine Kopie des Befundes mitgeben – das hilft bei späteren Terminen.
Behandlung
Ein EKG wird nicht „behandelt“ – es liefert Informationen. Was danach passiert, hängt ganz vom Ergebnis ab. Sehr oft ist nichts weiter nötig außer einer Kontrolle in einiger Zeit. Fällt etwas auf, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen die nächsten Schritte und erklärt, welche Möglichkeiten es gibt. Sie entscheiden dabei immer mit.
Selbsthilfe zu Hause
- Vor dem Termin: keine besondere Vorbereitung, kein Fasten, keine Creme auf der Haut
- Bequeme Kleidung wählen, die sich am Oberkörper öffnen lässt
- Medikamentenliste und frühere Befunde mitbringen
- Vorher kurz zur Ruhe kommen – Aufregung verändert den Puls und damit das EKG
- Nach dem Termin nachfragen, wann und wie Sie das Ergebnis bekommen
- Bei Herzklopfen notieren, wann es auftritt, wie lange es dauert und was Sie gerade getan haben – das hilft der Praxis sehr
- Allgemein dem Herzen Gutes tun: regelmäßig bewegen, nicht rauchen, wenig Alkohol, gut schlafen
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich immer nach dem, was gefunden wurde – und manchmal ist gar keine Behandlung nötig. Je nach Befund kommen in Frage: regelmäßige Kontrollen und ein gesunder Lebensstil, vom Arzt verordnete Medikamente (etwa zur Senkung des Blutdrucks oder zur Beruhigung des Herzrhythmus), Maßnahmen zur Wiederherstellung eines normalen Rhythmus, eine Anpassung bestehender Medikamente oder eine Behandlung durch Herzspezialisten. Welche Therapie zu Ihnen passt, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell mit Ihnen. Diese Seite nennt bewusst keine Medikamentennamen und keine Dosierungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur selten zeigt ein EKG einen Befund, der einen Eingriff nötig macht. Möglich sind zum Beispiel eine Herzkatheteruntersuchung mit Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße, das Einsetzen eines Herzschrittmachers bei einem zu langsamen Herzschlag oder eine Operation an den Herzklappen. Solche Schritte werden ausführlich mit Ihnen besprochen, meist gemeinsam mit Spezialistinnen und Spezialisten für Herzmedizin.
Leben mit der Erkrankung
Für die Untersuchung selbst müssen Sie Ihren Alltag nicht verändern – Sie können danach sofort wieder alles tun, auch Auto fahren. Wenn beim EKG etwas gefunden wurde, geht es im Alltag meist um kleine, gut machbare Dinge: Termine wahrnehmen, den Blutdruck messen lassen, auf den Körper hören und bei neuen Beschwerden nicht lange abwarten. Viele Menschen fühlen sich nach einem klaren Befund deutlich ruhiger.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, die Ihnen guttut – zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen
- Nicht rauchen; Unterstützung beim Aufhören gibt es in Ihrer Praxis
- Wenig Alkohol und nicht zu viel Koffein
- Ausreichend Schlaf und feste Ruhezeiten
- Stress im Alltag reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungsübungen
- Regelmäßig Blutdruck und – falls empfohlen – Blutzucker kontrollieren lassen
- Bei Herzschrittmacher oder Ereignisrekorder: Ausweis mitführen und die Hinweise der Praxis beachten
Ernährung und Bewegung
Eine herzfreundliche Ernährung ist meist einfach: viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Fisch und hochwertige Öle, dafür weniger stark verarbeitete Lebensmittel, weniger Salz und weniger zuckrige Getränke. Bei der Bewegung gilt: lieber regelmäßig als extrem. Schon etwa 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche – aufgeteilt auf mehrere Tage – tun dem Herzen gut. Wenn Sie lange nichts gemacht haben oder Beschwerden bei Belastung auftreten, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein EKG kann Sorgen auslösen – vor allem, wenn man auf das Ergebnis wartet oder ein Befund auffällt. Herzstolpern macht vielen Menschen Angst, auch wenn es oft harmlos ist. Solche Gefühle sind normal und dürfen sein. Sprechen Sie offen darüber: Fragen zu stellen nimmt Unsicherheit, und manchmal hilft ein Gespräch mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle. Wenn Ängste oder gedrückte Stimmung Ihren Alltag über längere Zeit bestimmen, suchen Sie bitte Unterstützung – es gibt gute Hilfe. In einer seelischen Krise erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 222 2222 (kostenfrei, Deutschland).
Vorbeugung
Eine EKG-Untersuchung selbst kann man nicht „verhindern“ – und man muss es auch nicht, denn sie ist harmlos. Verhindern lassen sich aber viele Herzerkrankungen, die ein EKG aufdecken kann: mit Bewegung, Rauchstopp, gesundem Essen, wenig Alkohol, gutem Schlaf und gut eingestelltem Blutdruck und Blutzucker. Ein EKG kann außerdem helfen, Probleme früh zu erkennen, bevor sie Beschwerden machen.
Früherkennungsprogramme
Ob ein EKG ohne Beschwerden sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. In Deutschland gehört der Gesundheits-Check-up für Erwachsene ab 35 Jahren alle drei Jahre dazu – ob dabei ein EKG geschrieben wird, entscheidet die Praxis individuell. Fachgesellschaften raten eher davon ab, bei gesunden Menschen ohne Beschwerden und ohne Risikofaktoren routinemäßig ein EKG zu machen, weil auffällige Befunde oft harmlos sind und dann unnötig verunsichern. Bei bestimmten Risiken, etwa familiären Herzerkrankungen, kann ein EKG dagegen sehr sinnvoll sein. Die AWMF-Leitlinien empfehlen eine solch individuelle Einschätzung. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, was für Sie passt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Untersuchung selbst hat keine Komplikationen – sie tut nicht weh und belastet den Körper nicht.
- Wird ein auffälliger Befund nicht weiter abgeklärt, können Herzrhythmusstörungen oder Durchblutungsstörungen unentdeckt bleiben.
- Ein unbehandelter hoher Blutdruck kann das Herz langfristig belasten.
- Seltene, aber ernste Rhythmusstörungen erhöhen ohne Behandlung das Risiko für Ohnmachten oder im schlimmsten Fall für einen plötzlichen Herzstillstand.
- Deshalb gilt: Ein auffälliges Ergebnis sollte immer besprochen und – wenn nötig – weiter untersucht werden.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut. Die große Mehrheit der EKGs ist unauffällig, und selbst wenn etwas gefunden wird, lässt sich heute sehr viel gut behandeln – oft schon durch einen gesünderen Lebensstil und regelmäßige Kontrollen. Ein EKG gibt Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Sicherheit und eine gute Grundlage für die nächsten Schritte. Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrer Praxis, dann sind Sie gut begleitet.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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