Epilepsie im Alter
Übersicht
Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der sich Nervenzellen plötzlich und unkontrolliert entladen. Man kann sich das wie ein kurzes Gewitter im Gehirn vorstellen. Solche Entladungen lösen einen Anfall aus. Ein Anfall kann sehr unterschiedlich aussehen: Manche Menschen zucken am ganzen Körper und verlieren kurz das Bewusstsein. Andere wirken nur für einige Sekunden abwesend, riechen etwas Seltsames oder sind danach für Minuten verwirrt. „Epilepsie im Alter“ meint zweierlei: Eine Epilepsie beginnt erst im höheren Lebensalter – oder sie besteht schon lange und die betroffene Person ist älter geworden. Wichtig zu wissen: Ein einzelner Anfall bedeutet noch nicht, dass jemand Epilepsie hat. Von Epilepsie spricht man, wenn Anfälle wiederholt auftreten.
Wichtige Fakten
- Epilepsie ist im Alter keine Seltenheit – neue Epilepsien treten bei Menschen über 60 Jahren sogar häufiger auf als bei jüngeren Erwachsenen.
- Anfälle sehen im Alter oft anders aus als bei jüngeren Menschen: Statt Zuckungen stehen manchmal Verwirrtheit, Gedächtnislücken oder ein „Wegtreten“ im Vordergrund.
- Die häufigste Ursache für eine neu auftretende Epilepsie im Alter ist ein früherer Schlaganfall.
- Bei älteren Menschen braucht die Behandlung oft mehr Feingefühl: Der Körper verarbeitet Medikamente langsamer, und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind häufiger.
- Mit einer gut abgestimmten Behandlung können die meisten Betroffenen ein weitgehend normales und selbstständiges Leben führen.
Ja, Epilepsie gehört zu den häufigeren neurologischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Je älter ein Mensch wird, desto wahrscheinlicher ist ein erster Anfall – einfach deshalb, weil mit den Jahren Erkrankungen von Gehirn und Herz-Kreislauf-System zunehmen. In Pflegeeinrichtungen und in der Geriatrie (Altersmedizin) ist Epilepsie ein regelmäßiges Thema.
Betroffen sind vor allem Menschen ab etwa 60 Jahren. Häufig sind es Personen, die schon einen Schlaganfall hatten, die eine Demenz entwickeln, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes leiden oder die mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen. Auch Menschen, die schon seit der Jugend Epilepsie haben und nun älter werden, gehören zu dieser Gruppe – ihre Bedürfnisse verändern sich mit den Jahren.
Symptome
- Ein Anfall dauert länger als 5 Minuten
- Mehrere Anfälle hintereinander, ohne dass die Person dazwischen wieder richtig wach wird
- Die Person atmet schwer, hat Atemnot oder die Lippen werden bläulich
- Die Person hat sich verletzt, ist gestürzt oder blutet stark
- Ein Anfall im Wasser oder beim Baden
- Der erste Anfall im Leben überhaupt – hier immer 112 rufen, wenn er nicht bereits vorbei ist oder die Person nicht wieder klar wird
- Die Person kommt nach dem Anfall nicht wieder zu Bewusstsein
- Schwangerschaft, hohes Fieber oder eine bekannte schwere Erkrankung zusammen mit einem Anfall
- Notruf in Deutschland und Europa: 112
- ⚠Ein neuer Anfall, der kurz war und vorbei ist – noch am selben Tag ärztlich abklären lassen
- ⚠Anfälle werden häufiger, länger oder anders als gewohnt
- ⚠Nach einem Anfall anhaltende Verwirrtheit, Sprachstörungen, Schwäche auf einer Körperseite
- ⚠Starke Müdigkeit, Schwindel oder Gangunsicherheit unter der Behandlung – Sturzgefahr!
- ⚠Hautausschlag, Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl unter der Epilepsiebehandlung
- ⚠Die Person hat aufgehört zu trinken oder zu essen oder ist plötzlich stark verändert
Häufige Symptome
- Anfälle mit Zuckungen und kurzem Bewusstseinsverlust (sogenannte generalisierte Anfälle)
- Plötzliches Starren, kurzes „Wegtreten“ oder ein paar Sekunden, in denen die Person nicht ansprechbar wirkt
- Seltsame Wahrnehmungen: Gerüche, Geschmäcker, Lichtblitze oder ein „komisches Gefühl“ im Bauch
- Unwillkürliches Zucken in einer Hand, einem Arm oder im Gesicht, manchmal bei vollem Bewusstsein
- Nach einem Anfall: Verwirrtheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder Sprachschwierigkeiten für Minuten bis Stunden
- Zungenbiss, unkontrollierter Urinabgang oder ein tiefer Schlaf nach dem Anfall
- Nicht selten: Bettnässen oder ein Sturz ohne erkennbaren Grund
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich Epilepsie oft als kurzes Innehalten, Starren oder Wegtreten, das leicht übersehen wird
- Manche Kinder haben Anfälle nur bei Fieber (Fieberkrämpfe) – diese sind meist harmlos, sollten aber ärztlich abgeklärt werden
- Häufige Beschwerden können auch Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder ein plötzliches Erschrecken sein
- Hinweis: Dieses Thema handelt von Epilepsie im Alter. Die Angaben zu Kindern dienen nur der Einordnung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Anfälle zeigen sich im Alter oft unauffälliger: kurze Verwirrtheit, „Blackouts“, Gedächtnislücken oder ein Zustand, der wie eine beginnende Demenz wirkt
- Ein Anfall wird manchmal mit Schwindel, Kreislaufschwäche oder einer „TIA“ (kurzzeitige Durchblutungsstörung des Gehirns) verwechselt
- Nach einem Anfall kann die Verwirrtheit länger anhalten als bei jüngeren Menschen – manchmal über Stunden
- Stürze, die sich niemand erklären kann, können ein Zeichen für einen unbemerkten Anfall sein
- Manche Anfälle gehen mit Herzrasen, Schwitzen oder einem seltsamen Gefühl im Bauch einher
- Wichtig: Die Wirkung von Medikamenten kann im Alter stärker und länger sein – auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Gangunsicherheit
Ursachen
Hauptursachen
- Schlaganfall (Durchblutungsstörung des Gehirns) – die häufigste Ursache im höheren Alter
- Durchblutungsstörungen und kleine Schäden in der weißen Substanz des Gehirns
- Demenzerkrankungen wie Alzheimer – Epilepsie und Demenz können zusammenhängen
- Hirntumor, auch gutartige Tumoren
- Kopfverletzungen, zum Beispiel nach einem Sturz
- Entzündungen oder Infektionen des Gehirns
- Stoffwechselentgleisungen, etwa ein stark entgleister Blutzucker oder Störungen der Salze im Blut
- Alkohol – vor allem plötzliches Absetzen bei chronischem Konsum
- Bestimmte Medikamente können Anfälle begünstigen, besonders in Wechselwirkung miteinander
- Starker Schlafmangel
- Bei etwa einem Drittel der Betroffenen findet sich keine erkennbare Ursache
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Früherer Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen des Gehirns
- Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette
- Herzerkrankungen, zum Beispiel Vorhofflimmern
- Demenz oder eine andere neurodegenerative Erkrankung
- Chronischer Alkoholkonsum
- Stürze mit Kopfverletzung
- Dauerhafter Schlafmangel
- Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente (Polymedikation)
- Familiäre Veranlagung – sie spielt im Alter eine geringere Rolle als früher angenommen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert oder sich wiederholt, ohne dass die Person zwischendurch wach wird – sofort 112
- Ein erster Anfall im Leben – umgehend ärztlich abklären lassen
- Plötzliche Verwirrtheit, die nicht innerhalb von Minuten abklingt
- Nach einem Anfall: anhaltende Schwäche, Sprachstörung oder Lähmungserscheinungen
- Sturz mit Kopfverletzung und anschließender Verwirrtheit
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie hatten schon länger keinen Anfall mehr und möchten die Behandlung überprüfen lassen
- Sie haben das Gefühl, dass Ihre Medikamente zu stark müde machen oder schwindelig
- Sie nehmen neue Medikamente ein und bemerken Veränderungen
- Sie bekommen häufiger „Aussetzer“, Gedächtnislücken oder kurze Verwirrtheit, die Sie sich nicht erklären können
- Ihre Angehörigen berichten von Momenten, in denen Sie „weg“ waren
- Sie haben Fragen zu Autofahren, Beruf, Reisen oder Sport mit Epilepsie
- Ihr Gewicht, Ihre Nieren- oder Leberwerte haben sich verändert – dann muss die Behandlung vielleicht angepasst werden
Diagnose
Am Anfang steht immer ein ausführliches Gespräch. Die Ärztin oder der Arzt fragt, was genau passiert ist: Wann war es, wie lange dauerte es, was hat die Person dabei gemacht, war sie ansprechbar, wie ging es ihr danach? Weil man sich an einen Anfall selbst oft nicht erinnern kann, sind Beobachtungen von Angehörigen, Freunden oder Pflegekräften besonders wertvoll – manchmal hilft ein Video vom Handy. Danach folgen eine körperliche und eine neurologische Untersuchung. In der Regel schließen sich ein EEG (Ableitung der Gehirnströme) und eine Bildgebung des Gehirns an. Wichtig: Ein einziges auffälliges EEG bedeutet nicht automatisch Epilepsie, und ein unauffälliges schließt sie nicht aus. Die Diagnose wird immer aus dem Gesamtbild gestellt.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte, möglichst mit einer Begleitperson
- Körperliche und neurologische Untersuchung
- Blutuntersuchungen, unter anderem Blutzucker, Salze, Nieren- und Leberwerte
- EEG (Elektroenzephalografie): Messung der Gehirnströme über Elektroden auf der Kopfhaut
- EEG über einen längeren Zeitraum oder nach Schlafentzug, wenn der erste Befund unklar bleibt
- MRT (Magnetresonanztomografie) des Kopfes, um Schlaganfall, Tumor oder andere Ursachen zu erkennen
- EKG und gegebenenfalls eine Herzuntersuchung – manche Herzrhythmusstörungen sehen Anfällen sehr ähnlich
- Bei Bedarf eine Untersuchung des Schlafs oder eine Überwachung im Krankenhaus
- Überprüfung aller eingenommenen Medikamente auf mögliche Wechselwirkungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Abklärung kann sich über mehrere Wochen ziehen – das ist normal und kein Zeichen dafür, dass etwas übersehen wird. Gerade im Alter lohnt sich die Zeit, weil viele andere Erkrankungen ähnliche Beschwerden machen können. Bringen Sie zu Terminen am besten eine Liste aller Medikamente mit (auch frei verkäuflicher und pflanzlicher Mittel) und, wenn möglich, eine Person, die Sie gut kennt. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben – Sie dürfen eine Erklärung verlangen, die für Sie Sinn ergibt.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: Anfälle verhindern und dabei die Lebensqualität erhalten. Im Alter geht es nicht darum, „so viel wie möglich“ zu behandeln, sondern so viel wie nötig – und so wenig wie möglich. Entscheidend ist, dass die Behandlung zu Ihrer Lebenssituation passt: Wie sturzgefährdet sind Sie? Welche anderen Medikamente nehmen Sie ein? Wohnen Sie allein? Möchten Sie Auto fahren? All das fließt in die Planung ein. Zuständig sind meist Neurologinnen und Neurologen, oft gemeinsam mit der Hausarztpraxis. Die AWMF-Leitlinie (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) zum Thema Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter gibt Behandelnden dazu eine Orientierung.
Selbsthilfe zu Hause
- Führen Sie ein Anfallstagebuch: Was ist passiert, wann, wie lange, wie ging es Ihnen danach? Das hilft der Behandlung sehr.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein – am besten mit einem Erinnerungssystem oder einem Wochen-Dosierer.
- Besprechen Sie jede neue Verordnung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch Mittel gegen Schmerzen, Schlafprobleme oder Infekte.
- Sorgen Sie für regelmäßigen Schlaf. Schlafmangel ist ein häufiger Auslöser für Anfälle.
- Seien Sie vorsichtig mit Alkohol – er kann Anfälle begünstigen und Wechselwirkungen verursachen.
- Informieren Sie Menschen in Ihrem Umfeld, was im Anfall zu tun ist, und legen Sie einen Notfallplan an.
- Achten Sie auf Sturzprophylaxe: gute Beleuchtung, freie Wege, rutschfeste Matten, Haltegriffe im Bad.
- Trinken und essen Sie ausreichend – Flüssigkeitsmangel kann Anfälle begünstigen.
Medizinische Behandlungen
Anfälle werden meist mit Medikamenten behandelt, die die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn dämpfen (sogenannte Antiepileptika). Im Alter gilt dabei ein besonderes Vorgehen: Man beginnt meist mit einer niedrigen Dosis und steigert langsam. Der Körper baut Wirkstoffe im Alter oft langsamer ab, und Nieren- oder Leberfunktion können verändert sein. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Außerdem wird genau geprüft, ob sich das neue Mittel mit anderen Medikamenten verträgt – Wechselwirkungen sind im Alter der häufigste Grund für Probleme. Wenn eine Behandlung nicht gut wirkt oder starke Nebenwirkungen macht, gibt es Alternativen; manchmal ist es auch sinnvoll, ein Mittel ganz wegzulassen. Zusätzlich wichtig sind eine gute Behandlung der Grunderkrankungen (etwa Blutdruck, Herz, Diabetes) und die Vermeidung von Auslösern. Bei manchen Menschen kann auch eine Operation, ein implantierter Schrittmacher für den Nervus vagus oder eine spezielle Ernährungsform in Frage kommen – das wird aber immer individuell entschieden. Sprechen Sie über alle Fragen und Bedenken offen mit Ihrem Behandlungsteam, und ändern Sie Medikamente nie auf eigene Faust.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt bei Epilepsie im Alter eher selten in Betracht, ist aber in ausgewählten Fällen möglich – vor allem dann, wenn die Anfälle von einer klar umschriebenen Stelle im Gehirn ausgehen und Medikamente nicht ausreichend helfen. Vorher wird sehr genau abgewogen, ob der Nutzen das Risiko überwiegt, gerade mit Blick auf Gedächtnis, Sprache und allgemeine Gesundheit. Ein solcher Eingriff wird nur in spezialisierten Zentren geplant und gemeinsam mit Ihnen und Ihren Angehörigen entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit Epilepsie im Alter können ein gutes, selbstbestimmtes Leben führen. Der Alltag verändert sich meist weniger, als man befürchtet. Hilfreich ist ein fester Rhythmus mit regelmäßigen Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und zuverlässiger Medikamenteneinnahme. Klären Sie offene Fragen frühzeitig – etwa zum Autofahren, zum Baden, zum Treppensteigen oder zur Sicherheit in der eigenen Wohnung. Wichtig ist auch, dass Angehörige oder Pflegekräfte wissen, was zu tun ist, wenn ein Anfall kommt: Ruhe bewahren, die Person nicht festhalten, Gefahrenquellen entfernen, nichts in den Mund stecken, die Zeit im Blick behalten und bei länger als 5 Minuten die 112 rufen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Schlafenszeiten einhalten – Schlafmangel ist ein häufiger Auslöser
- Alkohol möglichst meiden oder deutlich reduzieren
- Ausreichend trinken, besonders bei Hitze
- Nicht rauchen und sich möglichst wenig Bluthochdruck-Risiken aussetzen
- Stress reduzieren und Entspannung in den Alltag einbauen
- Soziale Kontakte pflegen – Einsamkeit belastet und kann Anfälle begünstigen
- Sicherheitsanpassungen in der Wohnung: Haltegriffe, gute Beleuchtung, keine losen Teppiche
- Beim Baden und Duschen: lieber duschen als baden, Wassertemperatur nicht zu heiß
- Bei Fahrradfahren, Schwimmen oder Treppen immer eine Begleitperson oder Sicherheitsvorkehrungen einplanen
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle „Epilepsie-Diät“, die für alle passt. Eine ausgewogene, mediterran geprägte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunden Fetten ist eine gute Grundlage. Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit. Mäßige Bewegung ist ausdrücklich erwünscht: Spaziergänge, Gymnastik, Wassergymnastik oder Gleichgewichtstraining stärken Kraft und Standsicherheit und senken das Sturzrisiko. Wichtig ist dabei, es ruhig angehen zu lassen, sich nicht zu überanstrengen und beim Schwimmen oder Radfahren nie allein unterwegs zu sein. Besprechen Sie neue Sportarten am besten kurz mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anfälle können verunsichern. Viele Menschen fürchten sich vor dem nächsten Anfall, ziehen sich zurück oder schämen sich. Das ist verständlich und kommt häufig vor – Sie sind damit nicht allein. Angst und Niedergeschlagenheit sind behandelbar, und es ist keine Schwäche, darüber zu sprechen. Wenn Gedanken an das Ende des Lebens oder das Gefühl von Hoffnungslosigkeit sehr belastend werden, suchen Sie bitte zeitnah Unterstützung. In Deutschland ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 222 2222. Auch Ihre Hausarztpraxis kann Ihnen den Weg zu einer Gesprächsbegleitung oder Psychotherapie ebnen.
Vorbeugung
Nicht jede Epilepsie lässt sich verhindern – manche Ursachen wie eine erbliche Veranlagung oder ein Tumor können Sie nicht beeinflussen. Ein großer Teil der Epilepsien im Alter hängt aber mit Durchblutungsstörungen des Gehirns zusammen. Und genau dort lässt sich viel tun: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gut im Griff zu halten, nicht zu rauchen und sich regelmäßig zu bewegen, senkt das Risiko für Schlaganfälle deutlich. Auch Sturzprophylaxe ist wichtig, denn Kopfverletzungen können Anfälle begünstigen. Und wenn Sie schon Epilepsie haben: Auslöser wie Schlafmangel, Alkohol oder eine unregelmäßige Medikamenteneinnahme zu vermeiden, kann helfen, Anfällen vorzubeugen.
Impfungen
Eine Impfung gegen Epilepsie selbst gibt es nicht. Sinnvoll sind aber die im Alter empfohlenen Standardimpfungen, denn schwere Infekte können den Körper belasten und bei manchen Menschen Anfälle begünstigen. Welche Impfungen für Sie passen, besprechen Sie am besten in Ihrer Hausarztpraxis – dort kennt man Ihren Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
Ein flächendeckendes Früherkennungsprogramm speziell für Epilepsie gibt es nicht. Sinnvoll sind aber die regulären Altersvorsorgeuntersuchungen, bei denen Blutdruck, Blutzucker und Herz-Kreislauf-Risiken erfasst werden. Das ist indirekt auch Vorbeugung gegen Epilepsie, weil es Schlaganfällen vorbeugt. Wenn in Ihrer Familie oder bei Ihnen selbst ein Schlaganfall aufgetreten ist, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, worauf Sie achten sollten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Anfälle, die den Alltag und die Sicherheit zunehmend einschränken
- Stürze und Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen – im Alter besonders gefährlich
- Verwirrtheit und Gedächtnisprobleme, die sich verstärken können
- Ein sehr langer Anfall (Status epilepticus) – ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss
- Sozialer Rückzug, Angst und Niedergeschlagenheit
- Mehr Wechselwirkungen zwischen Medikamenten, wenn die Behandlung nicht gut abgestimmt ist
- Mehr Krankenhausaufenthalte und eine insgesamt höhere Belastung für die Gesundheit
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Die meisten Menschen mit Epilepsie werden mit einer passenden Behandlung anfallsfrei oder haben nur noch selten Anfälle. Im Alter ist es besonders wichtig, die Behandlung sorgfältig auf Sie persönlich abzustimmen – dann lassen sich Wirksamkeit und Lebensqualität gut miteinander verbinden. Viele Betroffene leben über Jahre stabil und selbstständig. Es lohnt sich, Fragen offen anzusprechen und die Behandlung gemeinsam mit Ihrem Team immer wieder zu überprüfen. Kleine Schritte – ein gutes Anfallstagebuch, sichere Wohnung, regelmäßiger Schlaf – machen im Alltag oft einen großen Unterschied.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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