Erythema nodosum – schmerzhafte Knoten unter der Haut
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Erythema nodosum ist eine entzündliche Reaktion der Haut, bei der sich schmerzhafte, rötliche Knoten bilden – meist an den Unterschenkeln. Die Knoten entstehen im Unterhautfettgewebe. Es ist keine ansteckende Hautkrankheit, sondern oft ein Hinweis darauf, dass im Körper etwas anderes vor sich geht.
Wichtige Fakten
- Die Knoten treten häufig beidseitig an den Schienbeinvorderseiten auf.
- Sie fühlen sich warm an und sind druckempfindlich.
- Im Verlauf verfärben sie sich wie ein Bluterguss – von rot über blau zu gelblich.
- Erythema nodosum heilt meist von selbst, die Ursache sollte aber ärztlich abgeklärt werden.
Erythema nodosum ist nicht selten, gilt aber nicht als Volkskrankheit. Fachleute schätzen, dass etwa 1 bis 5 von 100.000 Menschen pro Jahr betroffen sind.
Betroffen sind vor allem junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren. Frauen erkranken etwa dreimal so häufig wie Männer. Auch Kinder und ältere Menschen können ein Erythema nodosum entwickeln.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn die Knoten sich innerhalb weniger Stunden massiv ausbreiten.
- Wählen Sie 112 bei gleichzeitiger Atemnot, starken Brustschmerzen oder Kreislaufkollaps.
- Rufen Sie den Notarzt, wenn plötzlich hohes Fieber mit Schüttelfrost und massive Schwellungen auftreten.
- ⚠Suchen Sie am selben Tag eine ärztliche Praxis auf, wenn die Schmerzen unerträglich werden oder Sie hohes Fieber entwickeln.
- ⚠Wenn Sie schwanger sind und Knoten bemerken, lassen Sie dies am selben Tag abklären.
- ⚠Wenn Sie bereits wegen einer entzündlichen Erkrankung in Behandlung sind und neue Knoten auftreten, wenden Sie sich sofort an Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren Arzt.
Häufige Symptome
- Schmerzhafte, rote Knoten von 1 bis 5 Zentimetern Größe, meist an beiden Unterschenkeln
- Leicht geschwollene, warme und glänzende Haut über den Knoten
- Allgemeines Krankheitsgefühl, leichtes Fieber oder Abgeschlagenheit
- Gelenkschmerzen, besonders an Knöcheln und Knien
- Verfärbung der Knoten im Laufe der Tage wie bei einem Bluterguss
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Knoten oft weniger zahlreich.
- Fieber und Gelenkschmerzen können stärker ausgeprägt sein.
- Häufig ist eine kurz zuvor durchgemachte Infektion der Atemwege der Auslöser.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen tritt Erythema nodosum seltener auf.
- Die Knoten können unauffälliger wirken und werden leicht mit anderen Hautveränderungen verwechselt.
- Eine gründliche Abklärung ist gerade bei älteren Menschen wichtig, weil andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterielle Infektionen, zum Beispiel Mandelentzündungen durch Streptokokken
- Virusinfektionen wie Pfeiffersches Drüsenfieber
- Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Sarkoidose, eine entzündliche Erkrankung, die Organe wie Lunge und Lymphknoten betreffen kann
- Schwangerschaft
- Medikamente als Auslöser, zum Beispiel bestimmte Antibiotika oder hormonelle Verhütungsmittel
- In etwa der Hälfte der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache finden
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht und Alter zwischen 20 und 40 Jahren
- Bekannte Sarkoidose
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankung
- Kurz zurückliegende oder andauernde Infektionen
- Einnahme bestimmter Medikamente, die eine Hautreaktion auslösen können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sehr starke Schmerzen, die den Alltag unmöglich machen
- Hohes Fieber oder Schüttelfrost
- Knoten, die sich plötzlich ausbreiten oder aufbrechen
- Zeichen einer zusätzlichen Hautinfektion, zum Beispiel starke Rötung, Überwärmung oder Eiter
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Knoten an den Unterschenkeln bemerken, die nicht innerhalb einer Woche von selbst zurückgehen
- Wenn sich Knoten nach Abklingen erneut bilden
- Wenn zusätzlich Gelenkschmerzen, Nachtschweiß oder ungewollter Gewichtsverlust auftreten
- Wenn Sie eine Grunderkrankung haben und neue Hautveränderungen bemerken
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihrer Krankengeschichte, möglichen Infekten, Medikamenten und Begleitsymptomen. Anschließend betrachtet und tastet sie oder er die Knoten. Das typische Aussehen an den Schienbeinen weist bereits stark auf ein Erythema nodosum hin.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung mit Entzündungswerten wie Blutsenkung und CRP
- Rachenabstrich zum Nachweis von Streptokokken
- Röntgenaufnahme der Lunge bei Verdacht auf Sarkoidose
- Stuhluntersuchung bei Hinweisen auf eine Darmerkrankung
- Hautprobe (Biopsie) nur in unklaren Fällen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Je nach Ergebnis wird die Ärztin oder der Arzt Sie an Spezialistinnen und Spezialisten überweisen, zum Beispiel an eine Hautklinik, eine internistische oder rheumatologische Praxis. Es kann einige Wochen dauern, bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind. Ärztinnen und Ärzte in Deutschland orientieren sich dabei an aktuellen Leitlinien der AWMF.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich zuerst nach der auslösenden Ursache. Wenn eine Infektion oder Grunderkrankung gefunden wird, steht deren Behandlung im Mittelpunkt. In vielen Fällen heilt das Erythema nodosum auch ohne spezielle Therapie von selbst ab – unterstützt durch Schonung und kühlende Umschläge.
Selbsthilfe zu Hause
- Beine hochlegen und die Knoten mit kühlen, feuchten Umschlägen kühlen
- Körperliche Schonung bis die akuten Schmerzen nachlassen
- Lockere Socken und weite Schuhe tragen, damit nichts drückt
- Auf Alkohol verzichten, weil er Entzündungen verstärken kann
- Keine Wärmflaschen oder warmen Auflagen verwenden – Wärme verstärkt die Entzündung
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente verschreiben. Sie werden nur nach ärztlicher Verordnung angewendet und richten sich nach Ursache, Schweregrad und Ihrer persönlichen Situation. In hartnäckigen Fällen kommen auch stärkere entzündungshemmende Präparate zum Einsatz. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim Erythema nodosum nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Die Knoten können einige Wochen lang schmerzen und den Alltag einschränken. Planen Sie Pausen ein, legen Sie die Beine immer wieder hoch und meiden Sie langes Stehen oder weite Wanderungen, solange die Beschwerden bestehen. In den meisten Fällen bilden sich die Knoten vollständig zurück.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und versuchen Sie, Stress zu reduzieren
- Behandeln Sie bekannte Grunderkrankungen konsequent nach ärztlicher Anleitung
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Kompressionsstrümpfe für Sie sinnvoll sind
- Achten Sie auf Warnzeichen des Körpers und suchen Sie bei Unsicherheit ärztlichen Rat
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Flüssigkeit unterstützt den Heilungsprozess. Bewegung in Maßen – zum Beispiel Spazierengehen oder Radfahren – ist erlaubt, sobald die akute Entzündung abklingt. Vermeiden Sie Sport, bis die Knoten nicht mehr schmerzhaft sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sichtbare Knoten können verunsichern und das Selbstbild belasten. Es ist normal, sich Sorgen zu machen, besonders wenn die Ursache anfangs unklar bleibt. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen. Wenn die Belastung anhält, kann eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
Ein Erythema nodosum lässt sich nicht gezielt verhindern, weil es eine Reaktion des Körpers auf einen Auslöser ist. Am besten beugen Sie vor, indem Sie bekannte Grunderkrankungen gut behandeln lassen und Infektionen früh medizinisch abklären.
Impfungen
Es gibt keine spezielle Impfung gegen Erythema nodosum. Ihr regulärer Impfschutz kann aber helfen, Infektionen zu vermeiden, die als Auslöser infrage kommen.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening für Erythema nodosum gibt es nicht. Gehen Sie bei unklaren Hautveränderungen frühzeitig zur Ärztin oder zum Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Knoten können über Wochen bestehen bleiben und starke Schmerzen verursachen
- Es können wiederkehrende Schübe auftreten
- Eine unerkannte Grunderkrankung wie Sarkoidose oder eine Darmentzündung könnte unbehandelt fortschreiten
Langzeitprognose
Die Prognose ist gut. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen heilt das Erythema nodosum innerhalb von drei bis sechs Wochen von selbst ab, auch ohne dass eine Ursache gefunden wird. Manchmal bleiben kurzfristig Verfärbungen oder kleine Dellen zurück. Rückfälle sind möglich, aber kein Zeichen für eine bösartige Erkrankung. Mit einer sorgfältigen ärztlichen Kontrolle und richtigen Behandlung der Grunderkrankung ist die Erkrankung in den allermeisten Fällen gut beherrschbar.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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