Esthesioneuroblastom: ein seltener Tumor der Nasenhöhle
Übersicht
Ein Esthesioneuroblastom, auch olfaktorisches Neuroblastom genannt, ist ein sehr seltener Tumor, der von der Riechschleimhaut oben in der Nasenhöhle ausgeht. Diese Schleimhaut enthält Riechsinneszellen, die normalerweise Gerüche wahrnehmen. Der Tumor kann langsam wachsen und benachbarte Strukturen wie Nasennebenhöhlen, Augen oder die Schädelbasis erreichen. Er zählt zu den bösartigen Tumoren, ist aber sehr selten.
Wichtige Fakten
- Sehr seltener Tumor der oberen Nasenhöhle
- Entsteht aus Zellen der Riechschleimhaut
- Beschwerden sind oft einseitig und anfangs unspezifisch
Sehr selten. Esthesioneuroblastome machen nur einen sehr kleinen Teil aller Tumoren im Kopf-Hals-Bereich aus. Viele Ärztinnen und Ärzte sehen in ihrem Berufsleben nur wenige Fälle.
Symptome
- Sehr starke Nasenblutung, die nach 10 bis 15 Minuten festem Drücken nicht aufhört
- Plötzliche Atemnot
- Plötzlicher Sehverlust
- Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Nackensteife oder Krampfanfall
- Starke Schwellung um das Auge mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl
- Wenn Sie glauben, es handelt sich um einen Notfall, rufen Sie sofort 112 an
- ⚠Neu aufgetretene oder wiederkehrende einseitige Nasenblutung
- ⚠Einseitige Nasenatmungsbehinderung, die länger als zwei bis drei Wochen besteht
- ⚠Neuer Riechverlust ohne klare Erkältung
- ⚠Doppelbilder, Sehverschlechterung oder Hervortreten des Auges
- ⚠Taubheitsgefühl im Gesicht
- ⚠Starke, ungewohnte Kopfschmerzen
Häufige Symptome
- Einseitig verstopfte Nase
- Nasenbluten, oft nur auf einer Seite
- Vermindertes oder fehlendes Riechvermögen
- Wässriger oder eitriger Nasenausfluss
- Druck oder Schmerzen im Gesicht
- Kopfschmerzen
- Tränende Augen
- Hervortreten des Auges oder Schwellung um das Auge
- Doppelbilder oder Sehstörungen
- Schwellung an Stirn oder Wange
- Geschwollene Lymphknoten am Hals
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die Erkrankung extrem selten
- Beschwerden können wie eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder Allergie wirken
- Verstopfte Nase, Nasenbluten oder Kopfschmerzen
- Schwellung um das Auge oder Sehveränderungen
- Wegen der Seltenheit wird die Erkrankung bei Kindern oft erst nach längerem Verlauf erkannt
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden werden häufiger zunächst als chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder Allergie gedeutet
- Wiederkehrendes einseitiges Nasenbluten sollte abgeklärt werden
- Riechverlust, Sehstörungen oder Gesichtstaubheit verdienen ärztliche Aufmerksamkeit
- Auch bei älteren Menschen ist die Erkrankung sehr selten
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt
- Der Tumor entsteht aus Zellen der Riechschleimhaut
- In den Tumorzellen finden sich oft genetische Veränderungen, die aber nicht bedeuten, dass die Erkrankung vererbt wird
Risikofaktoren
- Keine sicher vermeidbaren Risikofaktoren bekannt
- Die beiden Häufigkeitsgipfel liegen im jungen Erwachsenenalter und im höheren Erwachsenenalter
- Klare Umweltrisiken sind nicht gesichert
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neue Sehstörungen, Doppelbilder oder Hervortreten des Auges
- Taubheitsgefühl im Gesicht
- Starke Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen
- Fieber zusammen mit einer Schwellung im Gesicht
- Nasenbluten, das häufig wiederkehrt oder schwer zu stoppen ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Einseitig verstopfte Nase über mehrere Wochen
- Wiederkehrendes Nasenbluten
- Riechverlust oder deutlich verändertes Riechen
- Chronischer einseitiger Nasenausfluss
- Ohrdruck oder Hörminderung ohne klare Ursache
- Geschwollener Lymphknoten am Hals, der nicht zurückgeht
Diagnose
Die Abklärung beginnt meist beim HNO-Arzt. Nach einem Gespräch und einer Untersuchung der Nase folgen Bildgebung und eine Gewebeprobe. Die Probe wird feingeweblich untersucht. Erst dadurch lässt sich die Tumorart sicher einordnen. Danach wird die Ausdehnung der Erkrankung bestimmt.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung von Nase, Mund und Hals
- Nasenendoskopie, also eine Untersuchung mit einer kleinen Kamera durch die Nase
- Gewebeprobe, auch Biopsie genannt
- Feingewebliche Untersuchung der Gewebeprobe
- Magnetresonanztomografie, kurz MRT
- Computertomografie, kurz CT
- Positronen-Emissions-Tomografie, kurz PET-CT, in ausgewählten Fällen
- Augenärztliche Untersuchung
- Ultraschall der Halslymphknoten
- Blutuntersuchungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Es können mehrere Termine nötig sein. Eine Gewebeprobe kann kurz unangenehm sein, die Bildgebung ist meist schmerzlos. Die Ergebnisse brauchen manchmal einige Tage. In einem spezialisierten Zentrum wird der Fall in einem Tumorboard besprochen. Sie dürfen Fragen stellen und eine zweite Meinung einholen.
Behandlung
Die Behandlung eines Esthesioneuroblastoms gehört in ein spezialisiertes Zentrum. Dort planen Fachleute aus HNO-Heilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie, Strahlentherapie und Onkologie die Behandlung gemeinsam. Das Ziel ist, den Tumor zu entfernen oder zu kontrollieren und wichtige Funktionen wie Sehen, Riechen und Atmen zu erhalten. In Deutschland orientiert sich die Planung an interdisziplinären Empfehlungen und, wo vorhanden, an Leitlinien wie denen der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen Sie nicht und meiden Sie Passivrauch
- Nehmen Sie alle Untersuchungs- und Nachsorgetermine wahr
- Notieren Sie Beschwerden und Nebenwirkungen, damit Sie sie beim Termin ansprechen können
- Sprechen Sie Nasenpflege, Nasensprays oder Hausmittel mit Ihrem Behandlungsteam ab
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Pausen
- Nehmen Sie Unterstützung von Familie, Freunden oder Beratungsstellen an
Medizinische Behandlungen
Je nach Ausdehnung und Lage kommen eine Operation, eine Strahlentherapie und manchmal eine Chemotherapie infrage. In spezialisierten Zentren werden diese Verfahren oft kombiniert. Bei bestimmten Befunden können auch neue Behandlungsansätze im Rahmen von Studien besprochen werden. Ihr Behandlungsteam erklärt Nutzen und Risiken. Medikamente werden nur individuell verordnet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist oft ein wichtiger Teil der Behandlung. Ob und wann operiert wird, hängt von der Ausdehnung, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. In spezialisierten Zentren wird häufig endoskopisch operiert, also mit einer Kamera durch die Nase. Manchmal ist ein offener Zugang über den Schädel nötig. Vor oder nach der Operation kann eine Bestrahlung sinnvoll sein.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung stehen regelmäßige Nachsorgetermine im Mittelpunkt. Riechen und Schmecken können sich verändern. Manche Menschen sind müde oder haben Probleme mit den Augen. Planen Sie Termine und Erholung bewusst ein. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, welche Alltagstätigkeiten wieder möglich sind.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie auf Rauchen und meiden Sie Passivrauch
- Gehen Sie sorgsam mit der Nase um, besonders nach einer Operation
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Stresspausen
- Bewegen Sie sich regelmäßig, wenn Ihr Behandlungsteam zustimmt
- Besprechen Sie Reisen oder Flüge nach einer Operation vorher mit dem Team
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Trinken unterstützen den Körper. Nach einer Operation oder Bestrahlung kann der Geschmack verändert sein. Essen Sie dann, was Ihnen schmeckt und bekommt. Bewegung ist meist gut, sollte aber nach einer Operation oder bei Müdigkeit mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine seltene Tumorerkrankung kann Angst, Trauer, Wut oder Unsicherheit auslösen. Auch Schlafprobleme und Konzentrationsstörungen sind möglich. Solche Gefühle sind verständlich. Wenn Sie in einer akuten psychischen Krise sind oder Gedanken an Selbstverletzung haben, holen Sie sofort Hilfe: Rufen Sie 112 an oder gehen Sie in die nächste psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung ist nicht bekannt. Es gibt keinen bewiesenen Lebensstil, der diese seltene Tumorart verhindert. Allgemein ist es sinnvoll, nicht zu rauchen und bei anhaltenden einseitigen Nasenbeschwerden früh ärztlichen Rat zu suchen.
Impfungen
Eine Impfung gegen Esthesioneuroblastom gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Ein Screening für die Allgemeinbevölkerung gibt es nicht. Bei anhaltenden einseitigen Beschwerden wie Nasenbluten, Nasenatmungsbehinderung oder Riechverlust ist eine HNO-ärztliche Abklärung sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann in umliegendes Gewebe wachsen
- Sehstörungen oder Sehverlust
- Starke oder wiederkehrende Nasenblutungen
- Behinderung der Nasenatmung
- Schwellung und Druck im Gesicht
- Ausbreitung in Halslymphknoten oder andere Organe
- Schäden an der Schädelbasis
Langzeitprognose
Die Aussichten sind individuell. Wird der Tumor früh erkannt und in einem spezialisierten Zentrum behandelt, sind die Chancen auf eine gute Kontrolle oft günstig. Auch nach erfolgreicher Behandlung sind regelmäßige Nachsorgetermine wichtig. Bei Fragen zu Ihrer persönlichen Situation wenden Sie sich bitte an Ihr Behandlungsteam.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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