Augenerkrankungen – ein Überblick
Übersicht
„Augenerkrankungen“ ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene Probleme am Auge. Damit sind zum Beispiel Veränderungen der Linse (die klare „Lupe“ im Auge), des Sehnervs (die Leitung vom Auge zum Gehirn), der Netzhaut (die lichtempfindliche Schicht hinten im Auge) oder der Bindehaut (die dünne Haut auf dem Auge) gemeint. Auch trockene Augen, Entzündungen oder Fehlsichtigkeiten gehören dazu. Viele Augenerkrankungen beginnen langsam und tun nicht weh – das Sehen wird einfach nach und nach schlechter. Andere kommen plötzlich und sind dann ein Notfall. Wichtig zu wissen: Je früher eine Veränderung erkannt wird, desto besser lässt sie sich meist behandeln.
Wichtige Fakten
- Das Auge verändert sich im Laufe des Lebens – manche Veränderungen sind normal, andere brauchen Behandlung.
- Viele Augenerkrankungen verursachen anfangs keine Schmerzen. Regelmäßige Kontrollen sind deshalb sinnvoll.
- Plötzliche Sehverschlechterung, starke Schmerzen oder ein „Vorhang“ vor dem Auge sind Notfälle und müssen sofort abgeklärt werden.
- In Deutschland orientieren sich Augenärztinnen und Augenärzte bei der Behandlung an den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Ja, Augenerkrankungen sind sehr verbreitet. Sehprobleme gehören zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Mit dem Alter nehmen sie zu: Ab etwa 50 Jahren treten Veränderungen der Linse, der Netzhaut und des Sehnervs deutlich häufiger auf. Aber auch jüngere Menschen und Kinder können betroffen sein.
Grundsätzlich kann jeder betroffen sein – vom Baby bis zu älteren Menschen. Häufiger betroffen sind ältere Menschen, Menschen mit Diabetes (Zuckerkrankheit), Menschen mit starken Kurz- oder Weitsichtigkeiten, Raucherinnen und Raucher sowie Menschen, in deren Familie Augenerkrankungen vorkommen. Bei Kindern zeigen sich manche Probleme durch Schielen, häufiges Reiben der Augen oder Schwierigkeiten in der Schule.
Symptome
- Plötzlicher Verlust des Sehvermögens auf einem oder beiden Augen – sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste augenärztliche Notaufnahme aufsuchen
- Chemikalien oder Spritzmittel im Auge: sofort mit viel Wasser spülen und den Notruf 112 rufen
- Verletzung des Auges mit einem Gegenstand, der ins Auge eingedrungen ist – nichts herausziehen, sofort 112
- Starke Augenschmerzen zusammen mit Übelkeit, Erbrechen, rotem Auge und verschwommenem Sehen – sofort 112 oder augenärztlicher Notdienst
- Plötzlich ein „Vorhang“ oder eine dunkle Wand im Sichtfeld, oft zusammen mit Lichtblitzen und vielen neuen Punkten – sofort 112 oder augenärztlicher Notdienst
- ⚠Plötzlich viele neue „fliegende Mücken“ oder Lichtblitze im Sichtfeld – noch am selben Tag zum Augenarzt
- ⚠Plötzliche Doppelbilder – zeitnah abklären lassen
- ⚠Starke Rötung des Auges mit Schmerzen und Lichtscheu – am selben Tag abklären
- ⚠Kontaktlinsenträger mit Augenschmerzen, Rötung und Schleiersehen – Linsen sofort herausnehmen und noch am selben Tag zum Arzt
- ⚠Plötzlich auftretende Gesichtsfeldausfälle – umgehend abklären lassen
Häufige Symptome
- Langsam schlechter werdendes Sehen, oft zuerst beim Lesen oder in der Dämmerung
- Unscharfe oder verschwommene Sicht, verschwommene Konturen
- Blendungsgefühl, Lichtempfindlichkeit oder „Strahlen“ um Lichtquellen
- Trockene, juckende oder brennende Augen
- Rötung, Tränen, verklebte Augen am Morgen
- Fremdkörpergefühl oder das Gefühl, „Sand“ im Auge zu haben
- Doppelbilder oder Schatten im Sichtfeld
Symptome bei Kindern
- Schielen oder ein Auge, das ständig in eine andere Richtung wandert
- Häufiges Reiben der Augen, Kopfschmerzen oder Augenreiben beim Lesen
- Das Kind hält Dinge sehr nah an die Augen oder sitzt sehr nah am Fernseher
- Schwierigkeiten, an der Tafel mitzulesen, oder unerklärliche Probleme in der Schule
- Weißliche oder graue Veränderung in der Pupille, die im Foto auffällt – das muss sofort ärztlich abgeklärt werden
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Allmähliche Abnahme der Sehschärfe, Kontraste erscheinen schwächer
- Schwierigkeiten beim Autofahren in der Nacht oder bei schlechtem Licht
- Verzerrtes Sehen, gerade Linien wirken wellig
- Ein dunkler Fleck im Zentrum des Sehens beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern
- Erhöhte Blendungsempfindlichkeit und verblassende Farben
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingte Veränderungen: Linse, Netzhaut und Sehnerv verändern sich im Laufe des Lebens
- Erhöhter Druck im Auge, der den Sehnerv auf Dauer schädigen kann
- Durchblutungsstörungen, zum Beispiel bei Diabetes oder hohem Blutdruck
- Entzündungen durch Viren, Bakterien oder Allergien
- Störungen der Tränenflüssigkeit – die Augen trocknen aus
- Fehlsichtigkeiten wie Kurz- oder Weitsichtigkeit (das Auge stellt nicht scharf)
- Verletzungen, Fremdkörper oder chemische Reizungen
- Angeborene oder erbliche Veränderungen des Auges
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Diabetes (Zuckerkrankheit) oder hoher Blutdruck
- Rauchen
- Starke Kurz- oder Weitsichtigkeit
- Augenerkrankungen in der Familie
- Viel Arbeit am Bildschirm und wenig Blinzeln
- Längere Sonnen- oder UV-Belastung ohne Schutz
- Bestimmte Medikamente, die über längere Zeit eingenommen werden (fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Verschlechterung des Sehens, auch ohne Schmerzen
- Starke Augenschmerzen, Lichtscheu oder ein harter, roter Augapfel
- Neu aufgetretene Lichtblitze, viele neue Punkte oder ein Schatten im Sichtfeld
- Verletzung oder Fremdkörper im Auge
- Rötung mit Schleiersehen bei Kontaktlinsenträgern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Seit Wochen oder Monaten nachlassende Sehschärfe
- Regelmäßiges Blinzeln, Brennen oder Trockenheitsgefühl
- Häufige Kopfschmerzen beim Lesen oder am Bildschirm
- Der Eindruck, dass eine Brille nicht mehr passt
- Auffälligkeiten bei Kindern, zum Beispiel Schielen oder häufiges Augenreiben
- Bei Diabetes: regelmäßige Kontrolle der Netzhaut, auch ohne Beschwerden
Diagnose
Die Untersuchung ist meist schmerzfrei und dauert nicht lange. Zuerst sprechen Sie über Ihre Beschwerden, Ihre Vorerkrankungen und ob es in der Familie Augenerkrankungen gibt. Danach prüft die Praxis Ihr Sehvermögen mit einer Sehtafel, schaut sich das Auge mit einer Spaltlampe (einem speziellen Mikroskop mit Licht) genau an und misst in der Regel auch den Augeninnendruck. Bei Bedarf werden die Pupillen mit Tropfen erweitert, damit der Augenhintergrund gut sichtbar wird.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest für Nähe und Ferne
- Untersuchung mit der Spaltlampe (Mikroskop mit Licht)
- Messung des Augeninnendrucks
- Spiegelung des Augenhintergrunds (Netzhaut und Sehnerv)
- Gesichtsfeldmessung – prüft, ob Sie an den Rändern noch alles sehen
- OCT (optische Kohärenztomografie) – ein schonendes Bildgebungsverfahren, das die Netzhautschichten sichtbar macht
- Ultraschall des Auges, wenn der Einblick erschwert ist
- Bei Bedarf Blutuntersuchungen oder eine Überweisung an eine Augenklinik
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Planen Sie für eine ausführliche Untersuchung etwas Zeit ein, vor allem wenn die Pupillen erweitert werden. Danach ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und blendungsempfindlich – Autofahren ist dann nicht ratsam. Bringen Sie am besten Ihre aktuelle Brille, eine Liste Ihrer Medikamente und – wenn vorhanden – frühere Befunde mit. Schreiben Sie sich vorher auf, was Sie fragen möchten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich ganz nach der Art der Augenerkrankung. Manche Veränderungen brauchen nur eine passende Brille oder regelmäßige Kontrollen. Andere lassen sich mit Augentropfen, Laserbehandlungen oder kleinen Eingriffen gut behandeln. Das Ziel ist immer, das Sehen so lange wie möglich zu erhalten und das Fortschreiten zu bremsen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen machen und bewusst blinzeln – zum Beispiel alle 20 Minuten kurz in die Ferne schauen
- Für gutes, blendfreies Licht am Arbeitsplatz und beim Lesen sorgen
- Augen nicht reiben, besonders nicht bei Rötung oder nach Kontakt mit Schmutz
- Bei trockenen Augen: Raumluft nicht zu trocken halten, Zugluft meiden
- Kontaktlinsen sauber halten und die Tragezeiten einhalten
- Bei Arbeiten mit Staub, Chemikalien oder Funken eine Schutzbrille tragen
- Sonnenbrille mit UV-Schutz an hellen Tagen tragen
- Blutzucker und Blutdruck gut im Blick behalten, wenn Sie Diabetes oder Bluthochdruck haben
Medizinische Behandlungen
Je nach Erkrankung kommen sehr unterschiedliche Wege infrage: eine angepasste Brille oder Kontaktlinsen, vom Augenarzt verordnete Augentropfen (zum Beispiel zur Befeuchtung oder zur Senkung des Augeninnendrucks), Laserbehandlungen an der Netzhaut, Spritzen in das Auge bei bestimmten Netzhauterkrankungen oder ein operativer Eingriff. Welche Behandlung zu Ihnen passt, bespricht die Augenärztin oder der Augenarzt individuell mit Ihnen – inklusive Nutzen, Risiken und Alternativen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Eingriff kann sinnvoll sein, wenn die Linse trüb geworden ist und das Sehen deutlich einschränkt, wenn der Augeninnendruck trotz anderer Behandlung zu hoch bleibt oder wenn sich die Netzhaut ablöst. Solche Eingriffe gehören in erfahrene Hände und werden meist ambulant durchgeführt. Nach der Operation sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Augenerkrankung lässt sich meist gut leben. Viele Menschen profitieren von einfachen Anpassungen: größere Schrift auf dem Handy, eine gute Leselampe, eine rutschfeste Unterlage oder ein fester Platz für die Brille. Wer schlechter sieht, sollte Stürze vermeiden – gute Beleuchtung im Flur und im Bad hilft dabei. Und: Fragen Sie ruhig nach Hilfsmitteln, sie sind oft leichter zu bekommen, als viele denken.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen oder mit dem Rauchen aufhören – das ist einer der besten Schritte für die Augengesundheit
- Blutdruck und Blutzucker im Zielbereich halten
- Ausreichend schlafen und die Augen zwischendurch ausruhen
- Bei Wind und Sonne eine Schutzbrille tragen
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen und Befunde aufbewahren
- Medikamente zuverlässig und wie besprochen anwenden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, zum Beispiel grünem Blattgemüse, Karotten, Paprika und Beeren, versorgt den Körper mit Nährstoffen, die auch für die Augen wichtig sind. Fetter Seefisch ein- bis zweimal pro Woche ist ebenfalls eine gute Wahl. Denken Sie daran: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung – sprechen Sie deren Einnahme bitte vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke ab. Bewegung tut den Augen indirekt gut, weil sie Blutdruck und Blutzucker stabilisiert. Auch Ausdauersport wie Spazieren, Radfahren oder Schwimmen ist empfehlenswert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist völlig normal, sich Sorgen zu machen, wenn das Sehen nachlässt. Manche Menschen fühlen sich unsicher, ziehen sich zurück oder fürchten, im Alltag nicht mehr zurechtzukommen. Solche Gefühle dürfen sein – und sie lassen sich besprechen. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie es Ihnen geht; oft gibt es praktische Hilfen, die sofort entlasten. Wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen, ängstlich oder hoffnungslos fühlen, holen Sie sich bitte Unterstützung. In akuten seelischen Krisen erreichen Sie in Deutschland die Telefonseelsorge kostenlos und rund um die Uhr – oder Sie wenden sich an Ihre Hausarztpraxis. Bei akuter Gefahr für sich selbst gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Augenerkrankung lässt sich verhindern – manche Veränderungen gehören zum Älterwerden. Viel lässt sich aber beeinflussen: Nicht rauchen, Blutdruck und Blutzucker gut einstellen, die Augen vor UV-Licht und Verletzungen schützen und regelmäßig zur Kontrolle gehen. Das senkt das Risiko für viele Augenerkrankungen deutlich.
Impfungen
Für die meisten Augenerkrankungen gibt es keine Impfung. Sinnvoll ist der Schutz vor Infektionen, die auch die Augen betreffen können – dazu berät Sie Ihre Hausarztpraxis. Bei einer Gürtelrose im Gesicht kann eine Impfung erwogen werden; sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es verschiedene Früherkennungsangebote: die gesetzlichen Kinderuntersuchungen (U1 bis U10), bei denen auch die Augen geprüft werden, die augenärztliche Kontrolle des Augeninnendrucks und des Sehnervs zur Glaukom-Früherkennung (eine individuelle Gesundheitsleistung, deren Kosten Sie vorher erfragen sollten) sowie regelmäßige Netzhautkontrollen bei Diabetes. Fragen Sie Ihre Augenarztpraxis, welcher Rhythmus für Sie passt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Sehverschlechterung, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt
- Dauerhafter Verlust von Gesichtsfeld (Randbereiche des Sehens)
- Erhöhtes Risiko für Stürze und Unfälle im Alltag
- Mehr Abhängigkeit von Hilfe bei alltäglichen Dingen
- Stärkere Belastung im Beruf und im sozialen Leben
- Bei akutem grünem Star: dauerhafte Schäden am Sehnerv innerhalb kurzer Zeit
Langzeitprognose
Die Aussichten sind oft gut – vor allem, wenn eine Veränderung früh erkannt wird. Viele Augenerkrankungen verlaufen langsam, und es gibt wirksame Behandlungen, die das Sehen lange erhalten. Manche Schäden am Sehnerv lassen sich nicht rückgängig machen, aber aufhalten. Deshalb gilt: dranbleiben, Kontrollen wahrnehmen und bei plötzlichen Beschwerden nicht abwarten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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