Sehtest und Augenuntersuchung: Was Sie wissen sollten
Übersicht
Ein Sehtest prüft, wie gut Sie sehen. Dabei wird zum Beispiel gemessen, wie scharf Sie in der Nähe und in der Ferne erkennen, ob Sie eine Brille oder Kontaktlinsen brauchen und ob Ihre Augen gesund sind. Manche Tests macht der Optiker oder die Optikerin im Geschäft, andere nur eine Augenärztin oder ein Augenarzt in der Praxis. Ein Sehtest tut nicht weh und dauert meist nur wenige Minuten.
Wichtige Fakten
- Ein Sehtest ist schmerzlos und dauert in der Regel nur wenige Minuten.
- Nicht jeder Sehtest ist gleich: Beim Optiker wird vor allem die Sehschärfe gemessen, bei der Augenärztin oder dem Augenarzt kommt die Prüfung der Augengesundheit dazu.
- Viele Augenerkrankungen beginnen ohne Beschwerden – deshalb sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.
Ja. Sehtests gehören zu den häufigsten Untersuchungen überhaupt. Kinder haben in Deutschland im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) mehrere Sehprüfungen, und viele Erwachsene lassen ihre Augen regelmäßig beim Optiker oder in einer Augenarztpraxis kontrollieren.
Grundsätzlich alle Menschen. Besonders wichtig sind Sehtests für Kinder, weil sich das Sehen erst noch entwickelt, für Menschen ab etwa 40 Jahren, weil die Linse im Auge mit der Zeit starrer wird, für Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck und für alle, die viel am Bildschirm arbeiten.
Symptome
- Plötzlicher Verlust des Sehvermögens auf einem oder beiden Augen.
- Plötzliche, starke Augenschmerzen, oft zusammen mit Übelkeit und Erbrechen.
- Verätzung oder Verletzung des Auges durch Chemikalien, Splitter oder einen Schlag – vorher mit klarem Wasser spülen und sofort den Notruf 112 wählen.
- Plötzlich auftretende Lichtblitze, viele kleine schwarze Punkte und ein Schatten oder Vorhang im Sichtfeld.
- Plötzlich auftretende Doppelbilder, besonders zusammen mit Sprachstörungen, Lähmungen oder starkem Kopfschmerz.
- ⚠Eine Sehverschlechterung, die über Stunden bis wenige Tage deutlich zunimmt.
- ⚠Ein rotes, schmerzhaftes Auge mit Lichtempfindlichkeit oder verschwommenem Sehen.
- ⚠Neu aufgetretene viele kleine schwarze Punkte („fliegende Mücken“) oder Lichtblitze.
- ⚠Bei Diabetes: plötzlich schwankende oder verschwommene Sicht.
- ⚠Augenschmerzen nach einem Stoß oder nach einem Fremdkörper im Auge.
Häufige Symptome
- Sie kneifen die Augen zusammen oder halten Dinge näher heran oder weiter weg, um scharf zu sehen.
- Buchstaben oder Schilder wirken verschwommen, doppelt oder wie hinter einem Schleier.
- Kopfschmerzen oder müde, brennende Augen nach längerem Lesen oder Bildschirmarbeit.
- Sie brauchen mehr Licht als früher, um gut zu sehen.
- Probleme beim Autofahren in der Dämmerung oder bei Nacht, Blendung durch Scheinwerfer.
- Augen, die häufig jucken, tränen oder sich trocken anfühlen.
Symptome bei Kindern
- Das Kind sitzt sehr nah am Fernseher oder hält Bücher dicht vor das Gesicht.
- Häufiges Blinzeln, Augenreiben oder Kopfschütteln.
- Schiefe Kopfhaltung oder ein Auge, das nach innen oder außen abweicht.
- Klagen über Kopfschmerzen oder Anstrengung beim Lesen.
- Unsichere Handschrift, häufiges Stolpern oder Schwierigkeiten im Sport.
- Nachlassende Leistungen in der Schule, obwohl das Kind sich bemüht.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Kleingedrucktes lässt sich nur noch mit mehr Licht oder mit einer Lesebrille lesen.
- Farben wirken blasser, Kontraste schwächer.
- Die Augen brauchen länger, um sich an Dunkelheit oder an helles Licht anzupassen.
- Sehen wie durch einen Schleier, Doppelbilder oder Lichtkränze um Lampen.
- Häufigeres Stolpern oder Unsicherheit beim Gehen, besonders in der Dämmerung.
- Trockene, gereizte Augen.
Ursachen
Hauptursachen
- Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung – das Auge stellt nicht richtig scharf.
- Alterssichtigkeit: Die Linse im Auge wird mit den Jahren weniger beweglich, das Lesen in der Nähe fällt schwerer.
- Grauer Star (Katarakt): Die Linse trübt sich langsam ein.
- Grüner Star (Glaukom): Der Sehnerv wird geschädigt, oft durch zu hohen Augeninnendruck – anfangs meist ohne Beschwerden.
- Altersabhängige Makuladegeneration (AMD): Die Stelle des schärfsten Sehens wird in Mitleidenschaft gezogen.
- Diabetische Retinopathie: Dauerhaft hoher Blutzucker schädigt über Jahre die kleinen Gefäße der Netzhaut.
- Trockene oder gereizte Augen, zum Beispiel durch Bildschirmarbeit, trockene Luft oder bestimmte Medikamente.
- Anstrengung der Augen durch langes Nahsehen am Bildschirm oder beim Lesen – meist vorübergehend.
Risikofaktoren
- Höheres Alter.
- Augenerkrankungen in der Familie, zum Beispiel Glaukom oder Makuladegeneration.
- Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.
- Starke Kurzsichtigkeit.
- Rauchen.
- Viel Zeit vor Bildschirmen ohne Pausen.
- Bestimmte Medikamente über längere Zeit – fragen Sie dazu Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
- Frühere Augenverletzungen oder Operationen am Auge.
- Arbeit mit UV-Strahlung, Staub oder Chemikalien ohne Schutz.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich Ihr Sehen plötzlich oder innerhalb von Stunden deutlich verschlechtert.
- Bei starken Augenschmerzen, einem roten Auge mit Lichtempfindlichkeit oder Schleiersehen.
- Bei neuen Lichtblitzen, vielen schwarzen Punkten oder einem Schatten im Sichtfeld.
- Nach einer Verletzung oder einem Fremdkörper im Auge.
- Bei plötzlichen Doppelbildern – hier gilt: im Zweifel sofort den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie merken, dass Sie schlechter sehen, aber die Veränderung kam nicht plötzlich.
- Sie brauchen eine neue Brille oder neue Kontaktlinsen.
- Sie sind über 40 und hatten noch nie eine augenärztliche Kontrolle.
- Sie haben Diabetes oder Bluthochdruck – nehmen Sie die empfohlenen Kontrolltermine wahr.
- In Ihrer Familie gibt es Glaukom oder Makuladegeneration.
- Ihr Kind zeigt Auffälligkeiten beim Sehen oder in der Schule.
Diagnose
Zuerst fragt die Praxis nach Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und danach, ob es in der Familie Augenerkrankungen gibt. Danach folgen je nach Alter und Anlass verschiedene Untersuchungen. Welche Tests sinnvoll sind, richtet sich nach Ihren Beschwerden und Ihren Risikofaktoren. In Deutschland orientieren sich Augenärztinnen und Augenärzte dabei auch an AWMF-Leitlinien – das sind gemeinsame fachliche Empfehlungen, an denen sich die Behandlung ausrichtet.
Mögliche Untersuchungen
- Sehschärfetest (Visus): Sie lesen Buchstaben oder erkennen Symbole auf einer Tafel oder einem Bildschirm, mit und ohne Brille.
- Refraktion: Ein Gerät oder das Ausprobieren verschiedener Gläser zeigt, welche Sehstärke Sie brauchen.
- Spaltlampenuntersuchung: Mit einer speziellen Lupe werden Lid, Hornhaut und der vordere Augenabschnitt angeschaut.
- Augendruckmessung (Tonometrie): Ein kurzer, meist berührungsfreier Impuls auf das Auge prüft den Druck.
- Kontrolle von Netzhaut und Sehnerv: Nach Tropfen, die die Pupille weit stellen, wird der Augenhintergrund angeschaut.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Sie zeigen an, wo Sie Lichtpunkte am Rand Ihres Sichtfelds wahrnehmen.
- Farbsehtest: Sie erkennen Zahlen oder Muster in farbigen Punkten.
- Bei Kindern: kindgerechte Sehtests, oft mit Symbolen, dazu eine Untersuchung der Augenstellung.
- Optische Kohärenztomografie (OCT): Eine moderne, berührungsfreie Aufnahme der Netzhautschichten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Tests sind schnell und schmerzlos. Wenn Ihre Pupillen weit getropft werden, kann Ihr Sehen für einige Stunden verschwommen sein und Sie sind lichtempfindlich. Planen Sie dann besser keine Autofahrt und nehmen Sie eventuell eine Sonnenbrille mit. Fragen Sie am besten vorher in der Praxis, ob getropft wird.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Ergebnis des Sehtests. Oft reicht eine Brille oder eine Kontaktlinse. Manchmal steckt eine Augenerkrankung dahinter, die dann gezielt behandelt wird. Wichtig: Nur eine Ärztin oder ein Arzt kann entscheiden, welche Behandlung zu Ihnen passt.
Selbsthilfe zu Hause
- Gute Beleuchtung beim Lesen und Arbeiten, das Licht möglichst von der Seite.
- Bildschirmpausen: etwa alle 20 Minuten kurz für 20 Sekunden in die Ferne schauen.
- Bildschirm etwa eine Armlänge entfernt und leicht unterhalb der Augenhöhe aufstellen.
- Sonnenbrille mit UV-Schutz im Sommer, am Meer und in den Bergen tragen.
- Bei trockenen Augen: bewusst blinzeln und die Raumluft nicht zu trocken halten.
- Schutzbrille bei handwerklicher Arbeit, im Sport und im Umgang mit Chemikalien.
- Nicht mit den Fingern ins Auge reiben.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen Brillen oder Kontaktlinsen, Augentropfen, Laserbehandlungen oder in manchen Fällen eine Operation infrage. Bei Erkrankungen wie Diabetes ist es wichtig, die Grunderkrankung gut einzustellen – das schützt auch die Augen. Bei Netzhauterkrankungen gibt es spezielle Behandlungen, die in einer Augenklinik oder in einer Augenarztpraxis durchgeführt werden. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen Nutzen und mögliche Risiken.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nicht bei jedem Sehproblem nötig. Sie kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn die Linse stark getrübt ist (Grauer Star), wenn der Augeninnendruck trotz Behandlung zu hoch bleibt oder wenn die Netzhaut behandelt werden muss. Auch eine Laser-Korrektur der Fehlsichtigkeit ist möglich – ob sie zu Ihnen passt, hängt von Ihren Augen und Ihren Wünschen ab. Lassen Sie sich ausführlich beraten.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Brille oder Kontaktlinse lässt sich meist ganz normal leben. Wichtig ist, dass Sie Ihre Sehhilfe regelmäßig tragen und sie bei Bedarf anpassen lassen. Achten Sie auf plötzliche Veränderungen und nehmen Sie Ihre Kontrolltermine wahr. Wenn Sie sich im Straßenverkehr unsicher fühlen, sprechen Sie offen darüber – es gibt gute Lösungen.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend schlafen und den Augen regelmäßig Pausen gönnen.
- Nicht rauchen – Rauchen erhöht das Risiko für mehrere Augenerkrankungen.
- Bei Diabetes und Bluthochdruck die Werte gut im Blick behalten.
- UV-Schutz und Schutzbrille tragen, wo es sinnvoll ist.
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und grünem Blattgemüse liefert wichtige Stoffe für die Augen. Bewegung ist ebenfalls gut – sie stärkt Herz und Kreislauf. Spezielle „Augen-Nahrungsergänzung“ aus der Werbung ersetzt keine ausgewogene Ernährung; sprechen Sie Ergänzungsmittel mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sehprobleme können belasten: Angst vor einer Verschlechterung, Unsicherheit im Alltag oder die Sorge, andere um Hilfe bitten zu müssen, sind verständlich. Sprechen Sie darüber – mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, mit Angehörigen oder in einer Beratungsstelle. Es gibt viele Hilfsmittel und Unterstützung, die den Alltag erleichtern. Wenn Sie sich länger niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, suchen Sie bitte professionelle Hilfe. In einer Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar.
Vorbeugung
Nicht alle Sehprobleme lassen sich verhindern – Kurzsichtigkeit oder das Älterwerden der Augen gehören dazu. Vieles lässt sich aber günstig beeinflussen: Sonnenschutz, Nichtrauchen, gute Blutzucker- und Blutdruckwerte und regelmäßige Kontrollen sorgen dafür, dass Veränderungen früh auffallen.
Impfungen
Für die Augengesundheit spielen Impfungen keine zentrale Rolle. Der allgemeine Impfschutz nach den Empfehlungen der STIKO ist trotzdem sinnvoll – manche Infektionen können auch die Augen betreffen. Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis nach Ihrem persönlichen Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland sind Sehprüfungen für Kinder im Rahmen der U-Untersuchungen vorgesehen, unter anderem bei der U7a und bei der Untersuchung vor der Einschulung. Für Erwachsene gibt es kein generelles gesetzliches Screening auf Glaukom; viele Fachleute empfehlen ab etwa 40 Jahren regelmäßige augenärztliche Kontrollen, besonders bei Risikofaktoren. Menschen mit Diabetes sollten ihre Augen etwa einmal im Jahr kontrollieren lassen. Ob die Kosten für eine bestimmte Untersuchung übernommen werden, ist unterschiedlich – fragen Sie am besten vorher bei Ihrer Krankenkasse nach.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei einem unbehandelten Glaukom können Sehnervenfasern unwiederbringlich verloren gehen – deshalb sind Kontrollen so wichtig.
- Eine nicht erkannte Sehschwäche bei Kindern kann sich dauerhaft festsetzen, wenn sie zu spät behandelt wird.
- Diabetische Netzhautveränderungen können ohne Behandlung fortschreiten.
- Unsicherheit beim Gehen und ein höheres Sturzrisiko, besonders bei älteren Menschen.
- Eingeschränkte Fahrtüchtigkeit – lassen Sie im Zweifel prüfen, ob Sie sicher Auto fahren können.
- Mehr Unfallrisiko im Alltag und im Beruf.
Langzeitprognose
Die meisten Sehprobleme lassen sich gut behandeln oder ausgleichen. Wer regelmäßig zur Kontrolle geht, hat gute Chancen, Veränderungen früh zu erkennen und rechtzeitig etwas zu tun. Auch bei einer fortgeschrittenen Augenerkrankung gibt es viele Hilfsmittel und Unterstützung, damit Sie Ihren Alltag gut bewältigen können.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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