Uveitis – Entzündung im Inneren des Auges
Übersicht
Bei einer Uveitis ist eine Schicht in der Mitte des Auges entzündet. Ärzte nennen diese Schicht „Uvea“ (gesprochen: U-ve-a), auf Deutsch auch „mittlere Augenhaut“. Sie liegt zwischen der weißen Außenhaut des Auges und der Netzhaut im Inneren. Zur Uvea gehören unter anderem die Regenbogenhaut (die farbige Scheibe im Auge, auch Iris genannt) und der Strahlenkörper (ein kleiner Muskelring, der beim Scharfstellen hilft). Ist diese Schicht entzündet, wird das Auge rot, es schmerzt und das Sehen wird oft verschwommen. Eine Uveitis ist nicht ansteckend. Sie kann plötzlich auftreten oder in Schüben wiederkommen. Wichtig zu wissen: Wird sie früh erkannt und behandelt, lässt sich das Sehvermögen meist gut schützen.
Wichtige Fakten
- Uveitis bedeutet: eine Entzündung im Inneren des Auges – nicht dasselbe wie eine Bindehautentzündung.
- Typische Zeichen sind ein rotes, schmerzendes Auge, Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen.
- Bei vielen Betroffenen findet man keine äußere Ursache. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.
- Mit einer rechtzeitigen Behandlung bessern sich die Beschwerden in den meisten Fällen gut.
Uveitis ist nicht sehr häufig, aber auch nicht selten. In Deutschland erkranken jedes Jahr schätzungsweise mehrere Tausend Menschen neu daran. In Augenarztpraxen gehört sie zu den wichtigen Gründen für ein plötzlich rotes und schmerzendes Auge.
Grundsätzlich kann jede Altersgruppe betroffen sein. Am häufigsten sind Erwachsene zwischen etwa 20 und 60 Jahren. Auch Kinder können erkranken – oft im Zusammenhang mit einer rheumatischen Gelenkerkrankung, und dann manchmal ganz ohne Schmerzen. Deshalb werden Kinder mit solchen Erkrankungen regelmäßig augenärztlich untersucht.
Symptome
- Plötzlicher, starker Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Sehr starke Augenschmerzen zusammen mit Übelkeit oder Erbrechen und Regenbogenfarben um Lichtquellen – das kann ein Notfall wie ein akuter Grüner Star sein
- Verletzung des Auges oder Kontakt mit ätzenden Chemikalien (Auge sofort mit Wasser spülen und Notruf 112 wählen)
- Schnell zunehmende Schwellung und Rötung um das Auge zusammen mit Fieber
- ⚠Ein neu aufgetretenes rotes, schmerzendes Auge
- ⚠Plötzlich beginnende deutliche Lichtempfindlichkeit
- ⚠Verschwommenes Sehen, das nicht besser wird
- ⚠Zunehmende „fliegende Mücken“ oder ein dunkler Schatten im Sichtfeld
- ⚠Bei bekannter rheumatischer Erkrankung oder früherer Uveitis: neue Beschwerden am Auge
Häufige Symptome
- Rotes Auge, häufig nur auf einer Seite
- Schmerzen im Auge oder in der Umgebung des Auges
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie) – helles Licht tut weh
- Verschwommenes Sehen oder ein Schleier vor dem Auge
- Tränen und ein Gefühl wie „Sand im Auge“
- Die Pupille wirkt manchmal kleiner als auf der anderen Seite
- Punkte oder „fliegende Mücken“ im Sichtfeld (Glaskörpertrübungen)
Symptome bei Kindern
- Oft weniger auffällig: Kinder klagen manchmal kaum über Schmerzen.
- Mögliche Zeichen sind Augenreiben, häufiges Blinzeln, Lichtscheu oder ein rotes Auge.
- Bei Kindern mit rheumatischen Gelenkerkrankungen kann eine Entzündung im Auge lange unbemerkt bleiben – sie wird bei den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen entdeckt.
- Ein auffälliger Unterschied beim Sehen zwischen beiden Augen oder Schwierigkeiten in der Schule können Hinweise sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Eine Uveitis kann zusammen mit anderen Erkrankungen auftreten, zum Beispiel nach einer Gürtelrose im Gesicht.
- Manche Formen verlaufen mit wenigen Schmerzen und werden deshalb leicht übersehen.
- Bei älteren Menschen sind Verläufe manchmal hartnäckiger, besonders wenn die Augen schon vorbelastet sind.
- Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, weil sich auch der Augendruck verändern kann.
Ursachen
Hauptursachen
- Am häufigsten steckt eine Fehlreaktion des Immunsystems dahinter: Die körpereigene Abwehr richtet sich gegen Strukturen im Auge, ohne dass Erreger beteiligt sind.
- Manchmal lösen Krankheitserreger die Entzündung aus, zum Beispiel Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten.
- Eine Verletzung oder eine Operation am Auge kann eine Entzündung in Gang setzen.
- Bei vielen Betroffenen lässt sich keine Ursache finden. Das ist häufig und bedeutet nicht, dass der Verlauf schlechter ist.
Risikofaktoren
- Rheumatische Erkrankungen, zum Beispiel Gelenkentzündungen oder Morbus Bechterew
- Bestimmte Erbanlagen (zum Beispiel HLA-B27)
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Infektionen, zum Beispiel Gürtelrose, Toxoplasmose oder Tuberkulose
- Verletzungen oder Operationen am Auge
- Rauchen – ein Risikofaktor, den man selbst beeinflussen kann
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn ein Auge plötzlich rot wird und schmerzt, besonders zusammen mit Lichtempfindlichkeit
- Wenn das Sehen innerhalb von Stunden oder Tagen schlechter wird
- Wenn Übelkeit, Erbrechen und starke Schmerzen am Auge auftreten – dann sofort ärztliche Hilfe holen
- Wenn Sie eine rheumatische Erkrankung haben und neue Augenprobleme bemerken
- Wenn bei einem Kind ein rotes Auge länger als einen Tag besteht oder es lichtscheu wirkt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Beschwerden nach einer Behandlung nicht verschwinden oder immer wiederkehren
- Wenn Sie über längere Zeit „fliegende Mücken“ oder Punkte im Sichtfeld bemerken
- Wenn bei Ihnen eine rheumatische Erkrankung oder eine entzündliche Darmerkrankung bekannt ist – dann ist eine augenärztliche Kontrolle sinnvoll, auch ohne Beschwerden
- Wenn Sie unsicher sind, ob ein gerötetes Auge harmlos ist
Diagnose
Die Augenärztin oder der Augenarzt untersucht das Auge mit einer Spaltlampe – einem Gerät mit Mikroskop und hellem Licht. Damit lassen sich Entzündungszellen im vorderen Teil des Auges gut erkennen. Zusätzlich werden die Sehschärfe gemessen, die Pupillenreaktion geprüft, der Augendruck bestimmt und der Augenhintergrund angeschaut. Danach wird geklärt, ob eine andere Erkrankung dahintersteckt, die mitbehandelt werden muss. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an einer medizinischen Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) zur Uveitis.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest (Prüfung der Sehschärfe)
- Untersuchung an der Spaltlampe
- Messung des Augeninnendrucks
- Untersuchung des Augenhintergrunds, meist nach Weitung der Pupille
- Blutuntersuchungen, wenn der Verdacht auf eine Grunderkrankung besteht
- Manchmal zusätzliche Untersuchungen wie eine Röntgenaufnahme der Lunge oder eine Vorstellung bei anderen Fachrichtungen
- Bei Kindern: regelmäßige augenärztliche Kontrollen im Rahmen der rheumatologischen Betreuung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei. Für den Blick in den Augenhintergrund werden Augentropfen gegeben, die die Pupille weiten. Danach ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und helles Licht blendet stärker – eine Sonnenbrille hilft. Oft gibt es schon am selben Tag eine Einschätzung. Blutwerte oder weitere Befunde können ein paar Tage dauern. Wichtig ist, den vereinbarten Kontrolltermin wahrzunehmen, auch wenn die Beschwerden bereits besser sind.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist dreifach: die Entzündung stoppen, die Schmerzen lindern und das Sehvermögen langfristig schützen. Meist beginnt die Behandlung mit entzündungshemmenden Augentropfen. Bei schweren oder wiederkehrenden Verläufen kommen Medikamente dazu, die das Immunsystem regulieren – als Tablette oder als Spritze am Auge. Steckt ein Erreger dahinter, wird gezielt dagegen behandelt. Augenärztinnen und Augenärzte arbeiten dabei oft mit Rheumatologinnen, Rheumatologen oder anderen Fachrichtungen zusammen. Die Behandlung wird über Wochen geplant und nicht plötzlich abgesetzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Tropfen Sie die verordneten Augentropfen zuverlässig und lassen Sie sich in der Praxis zeigen, wie es am besten gelingt.
- Reiben Sie das Auge nicht und drücken Sie nicht darauf.
- Eine Sonnenbrille hilft bei Lichtempfindlichkeit und schützt vor Blendung.
- Machen Sie bei Bildschirmarbeit Pausen und blinzeln Sie bewusst.
- Notieren Sie Beschwerden und Kontrolltermine – bei wiederkehrenden Schüben hilft das der Praxis.
- Wenn Sie rauchen: Ein Rauchstopp ist ein guter Schritt für die Augen und die allgemeine Gesundheit. Ihre Hausarztpraxis kann Sie dabei unterstützen.
- Verwenden Sie keine frei verkäuflichen Augentropfen ohne Rücksprache, besonders nicht bei einer bekannten Entzündung im Auge.
Medizinische Behandlungen
Ärztlich verordnete entzündungshemmende Augentropfen sind die häufigste Behandlung. Sie wirken direkt am Auge und werden je nach Befund gesteigert und später langsam ausgeschlichen. Bei schweren Verläufen können Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem dämpfen – als Tabletten oder als Injektion am Auge. Ist eine Infektion die Ursache, kommen Mittel gegen den jeweiligen Erreger zum Einsatz. Zusätzlich können Maßnahmen nötig sein, um einen erhöhten Augendruck zu behandeln. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um den Verlauf zu beurteilen und mögliche Nebenwirkungen früh zu erkennen. Besprechen Sie alle Fragen zur Behandlung mit Ihrer Augenarztpraxis; ändern Sie nichts an der Therapie auf eigene Faust.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Uveitis meist nicht nötig. Sie kann aber später sinnvoll werden, wenn die Entzündung Spuren hinterlässt – etwa eine getrübte Linse (Grauer Star), Verwachsungen der Regenbogenhaut oder einen dauerhaft erhöhten Augendruck. Wichtig: Ein Eingriff wird in der Regel nur geplant, wenn die Entzündung gut unter Kontrolle ist.
Leben mit der Erkrankung
Eine Uveitis kann den Alltag zeitweise einschränken: Lesen und Arbeiten am Bildschirm fallen bei Lichtempfindlichkeit schwerer, und die Kontrolltermine kosten Zeit. Viele Betroffene haben nur eine einzige Episode und danach keine weiteren Probleme. Andere erleben Schübe über Jahre. Hilfreich ist ein ruhiger Umgang mit den Beschwerden: Sonnenbrille, Pausen, gute Tropf-Routine und ein Notizheft mit Terminen. Sprechen Sie offen mit Familie, Freunden und dem Arbeitgeber, wenn Sie Unterstützung brauchen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie Ihre Kontrolltermine ein, auch wenn die Augen beschwerdefrei sind.
- Schützen Sie die Augen bei Sonne, Wind und beim Umgang mit Chemikalien oder Werkzeug.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf – Übermüdung verstärkt oft das Gefühl von trockenen, gereizten Augen.
- Bewegen Sie sich regelmäßig. Moderate Bewegung tut gut und kann Entzündungsprozesse im Körper günstig beeinflussen.
- Wenn Sie rauchen: Ein Rauchstopp lohnt sich für die Augen und den ganzen Körper.
- Informieren Sie bei anderen Behandlungen – auch beim Zahnarzt oder in der Hausarztpraxis – über Ihre Augenerkrankung.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle „Augen-Diät“, die eine Uveitis heilt. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und guten Fetten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Fettreiche Seefische und Pflanzenöle liefern wichtige Bausteine, die auch für die Augen günstig sind. Regelmäßige moderate Bewegung – Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen – ist gut für Kreislauf und Immunsystem. Bei einer rheumatischen Grunderkrankung können Sie mit Ihrer Praxis besprechen, welche Bewegung zu Ihnen passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Augenbeschwerden und die Angst um das Sehen können belasten. Manche Menschen schlafen schlechter, fühlen sich unsicher oder ziehen sich zurück. Das ist verständlich und darf sein. Sprechen Sie darüber – mit Menschen, denen Sie vertrauen, und mit Ihrer Arztpraxis. Psychologische Unterstützung ist keine Schwäche, sondern eine gute Ergänzung. Wenn Sie sich hoffnungslos fühlen oder Gedanken an Selbstverletzung haben, holen Sie sich bitte sofort Hilfe: In Deutschland erreichen Sie die Telefonseelsorge anonym und kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 222 2222, in akuten Notfällen den Notruf 112.
Vorbeugung
Eine Uveitis lässt sich nicht sicher verhindern – viele Fälle entstehen ohne erkennbare Ursache. Man kann aber einiges tun, um rechtzeitig zu reagieren und das Sehvermögen zu schützen: Bei einer bekannten rheumatischen oder entzündlichen Erkrankung regelmäßig zu augenärztlichen Kontrollen gehen, die Augen vor Verletzungen schützen, nicht rauchen und bei Warnzeichen wie rotem, schmerzendem Auge mit Lichtempfindlichkeit früh ärztlichen Rat suchen.
Impfungen
Eine Impfung gegen Uveitis gibt es nicht. Ein vollständiger Impfschutz ist trotzdem sinnvoll, weil manche Infektionen auch die Augen betreffen können. Wenn bei Ihnen eine Behandlung geplant wird, die das Immunsystem beeinflusst, sprechen Sie vorher mit Ihrer Praxis über Impfungen – manche sollten rechtzeitig vorher erfolgen.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit bestimmten rheumatischen Erkrankungen – besonders Kinder mit Gelenkrheuma – gibt es feste Empfehlungen für regelmäßige augenärztliche Untersuchungen, auch ohne Beschwerden. Bei Erwachsenen mit einer bekannten entzündlichen Grunderkrankung ist eine Augenuntersuchung ebenfalls ratsam. Fragen Sie Ihre behandelnde Praxis, welcher Rhythmus für Sie passt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verwachsungen der Regenbogenhaut mit der Linse oder der Hornhaut (Synechien), die den Abfluss des Augenwassers stören können
- Erhöhter Augeninnendruck bis hin zum Grünen Star
- Trübung der Linse (Grauer Star)
- Einlagerung von Flüssigkeit in der Netzhautmitte (Makulaödem), die das Sehen verschlechtert
- Trübungen im Glaskörper mit „fliegenden Mücken“ oder Schleiersehen
- Dauerhafte Sehminderung, wenn die Entzündung über lange Zeit unbehandelt bleibt
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den meisten Fällen gut. Wird eine Uveitis früh erkannt und konsequent behandelt, lässt sich das Sehvermögen meist erhalten oder deutlich verbessern. Manche Menschen brauchen über längere Zeit Kontrollen und eine angepasste Behandlung, und bei einigen kommt die Entzündung in Schüben wieder. Mit einer guten augenärztlichen Begleitung und – wenn nötig – der Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen ist ein stabiles Sehen für viele Betroffene erreichbar.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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