Eileiterkrebs (Eileiterkarzinom)
Übersicht
Eileiterkrebs ist eine seltene Krebserkrankung. Dabei wachsen bösartige Zellen in einem oder in beiden Eileitern. Die Eileiter sind zwei schmale, etwa bleistiftdicke Schläuche. Sie verbinden die Eierstöcke mit der Gebärmutter. Normalerweise wandert die reife Eizelle durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter. Bilden sich in diesem Schlauch entartete Zellen, spricht man von Eileiterkrebs. Fachleute sagen auch Eileiterkarzinom oder Tubenkarzinom dazu.
Wichtige Fakten
- Eileiterkrebs ist sehr selten und kommt deutlich seltener vor als Eierstockkrebs.
- Die Beschwerden sind am Anfang oft unauffällig und ähneln Verdauungsproblemen. Deshalb wird die Erkrankung häufig erst spät erkannt.
- Die Behandlung ähnelt meist der von Eierstockkrebs: in der Regel eine Operation, oft gefolgt von einer medikamentösen Therapie.
- Neuere Forschungen zeigen: Ein Teil der Tumoren, die früher als Eierstockkrebs galten, entsteht eigentlich im Eileiter.
Nein. Eileiterkrebs gehört zu den seltensten Krebsarten der weiblichen Geschlechtsorgane. In Deutschland erkranken nur sehr wenige Frauen pro Jahr daran. Genaue Zahlen sind schwer zu nennen, weil viele Fälle früher dem Eierstockkrebs zugeordnet wurden.
Vor allem Frauen nach den Wechseljahren, häufig zwischen 50 und 70 Jahren. Grundsätzlich kann Eileiterkrebs aber in jedem Alter auftreten. Ein höheres Risiko haben Frauen mit bestimmten erblichen Veränderungen im Erbmaterial, zum Beispiel in den Genen BRCA1 oder BRCA2. Diese Gene sind normalerweise daran beteiligt, beschädigtes Erbmaterial zu reparieren.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Stark aufgetriebener Bauch mit Erbrechen und fehlendem Stuhlgang oder fehlendem Abgang von Winden (möglicher Darmverschluss)
- Hohes Fieber zusammen mit Schwäche, Verwirrtheit oder Kreislaufproblemen
- Starke Scheidenblutung, die nicht aufhört
- In diesen Situationen gilt: sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Neue, anhaltende Blähungen oder Völlegefühl über mehrere Wochen
- ⚠Wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch oder Becken
- ⚠Wässriger oder ungewöhnlicher Ausfluss
- ⚠Blutung nach den Wechseljahren
- ⚠Ungewollter Gewichtsverlust oder dauerhafte Müdigkeit
- ⚠Diese Beschwerden sollten innerhalb weniger Tage ärztlich abgeklärt werden.
Häufige Symptome
- Blähungen oder ein unangenehmes Völlegefühl, das über Wochen bleibt
- Drücken oder Schmerzen im Unterbauch oder im Becken
- Wässriger oder ungewöhnlicher Ausfluss aus der Scheide
- Blutungen außerhalb der Regel oder nach den Wechseljahren
- Häufiger Harndrang oder Druck auf die Blase ohne Harnwegsinfekt
- Übelkeit, Appetitlosigkeit oder schnell auftretendes Sättigungsgefühl
- Müdigkeit, allgemeine Schwäche, ungewollter Gewichtsverlust
- Zunehmender Bauchumfang, ohne dass Sie an Gewicht zulegen
Ursachen
Risikofaktoren
- Höheres Alter, vor allem nach den Wechseljahren
- Erbliche Veränderungen in den Genen BRCA1 oder BRCA2
- Andere erbliche Krebserkrankungen in der Familie, zum Beispiel das Lynch-Syndrom
- Eierstock- oder Brustkrebs bei nahen Angehörigen
- Eigene Krebserkrankung an Eierstock, Brust oder Darm
- Rauchen
- Starkes Übergewicht
- Keine Schwangerschaft in der Vorgeschichte
- Das Risiko steigt mit dem Alter; viele Frauen mit Eileiterkrebs haben keine dieser Risikofaktoren.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blutung nach den Wechseljahren – zeitnah abklären lassen
- Zunehmender Bauchumfang ohne Gewichtszunahme, also mögliche Bauchwassersucht (Aszites)
- Anhaltendes Erbrechen oder fehlender Stuhlgang – sofort Hilfe holen
- Neu aufgetretene, starke Schmerzen im Bauch- oder Beckenbereich
- Fieber mit Kreislaufproblemen oder Verwirrtheit – Notruf 112
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Seit Wochen bestehende Blähungen, Völlegefühl oder Verdauungsprobleme
- Veränderter Harndrang oder ständiger Druck auf die Blase ohne Harnwegsinfekt
- Neu aufgetretene Unregelmäßigkeiten im Zyklus
- Eileiter- oder Eierstockkrebs in der Familie oder eine bekannte BRCA-Veränderung – Beratungsgespräch in einer gynäkologischen Praxis oder einer humangenetischen Beratungsstelle
- Allgemeine Müdigkeit und Appetitlosigkeit, die über Wochen anhalten
Diagnose
Am Anfang steht ein Gespräch in der gynäkologischen Praxis. Dabei werden Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte und Krebserkrankungen in der Familie besprochen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Häufig wird ein Ultraschall über die Scheide gemacht. Bei Verdacht auf einen Tumor können weitere Bildgebungen und Blutuntersuchungen dazukommen. Sicher beweisen lässt sich Eileiterkrebs nur über eine Gewebeprobe. Diese wird meist bei einer Operation oder einer Bauchspiegelung entnommen und in einem Labor feingeweblich untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch zu Beschwerden, Vorgeschichte und Familiengeschichte
- Gynäkologische Tastuntersuchung
- Ultraschall über die Scheide, bei Bedarf zusätzlich über den Bauch
- Blutuntersuchung, unter anderem auf den Tumormarker CA-125 – dieser Wert allein beweist keinen Krebs und kann auch aus anderen Gründen erhöht sein
- Computertomografie oder Magnetresonanztomografie, um die Ausbreitung zu sehen
- Gewebeprobe durch Operation oder Bauchspiegelung – wichtigster Schritt zur sicheren Diagnose
- Humangenetische Beratung und Testung, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bis alle Ergebnisse vorliegen, können einige Tage bis Wochen vergehen. Das Warten kann belastend sein. Es hilft, sich Fragen aufzuschreiben, eine Vertrauensperson mitzunehmen und nachzufragen, wenn etwas unklar ist. In Deutschland wird die Behandlung von Krebserkrankungen der weiblichen Genitalien in spezialisierten gynäko-onkologischen Zentren geplant. Die Empfehlungen der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) geben dafür den Rahmen vor.
Behandlung
Wie behandelt wird, hängt davon ab, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat, wie das Gewebe unter dem Mikroskop aussieht und wie es Ihnen allgemein gesundheitlich geht. Fast immer ist eine Operation der erste Schritt. Danach kann eine medikamentöse Therapie folgen. Das Behandlungsteam bespricht mit Ihnen die Möglichkeiten, die Chancen und die möglichen Nebenwirkungen, bevor Entscheidungen getroffen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Schreiben Sie Fragen und Beschwerden auf, damit Sie sie beim nächsten Termin nicht vergessen
- Notieren Sie Nebenwirkungen der Behandlung mit Datum – das hilft dem Behandlungsteam, gut zu reagieren
- Planen Sie ausreichend Ruhephasen ein und belasten Sie sich nicht zu schnell
- Achten Sie auf ausreichend Trinken und eine regelmäßige, ausgewogene Ernährung
- Bewegen Sie sich, wenn es Ihnen möglich ist – schon kurze Spaziergänge tun oft gut
- Suchen Sie früh Unterstützung, zum Beispiel durch eine Sozialberatung im Krankenhaus oder eine Krebsberatungsstelle
- Sprechen Sie offen über Ängste – das Behandlungsteam ist dafür da und kann weitere Hilfe vermitteln
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung gehören meist eine Operation und eine medikamentöse Therapie, die über die Blutbahn wirkt und Zellen daran hindert, sich zu teilen. Diese Behandlung wird oft nach der Operation durchgeführt und kann auch vorher zum Einsatz kommen, um einen Tumor zu verkleinern. Bei bestimmten erblichen Veränderungen im Erbmaterial können zusätzlich zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden; sie greifen gezielt in bestimmte Eigenschaften der Krebszellen ein. In manchen Situationen kommen auch andere moderne Behandlungsformen in Frage, oft im Rahmen von Studien. Die Bestrahlung spielt bei dieser Krebsart eine kleinere Rolle. Welche Kombination für Sie passt, legt das Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen fest – bitte fragen Sie dort nach allen Einzelheiten, einschließlich Nutzen und Risiken.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist fast immer Teil der Behandlung. Üblich ist, dass Gebärmutter, beide Eileiter und beide Eierstöcke entfernt werden. Zusätzlich entfernt das chirurgische Team Tumorgewebe im Bauchraum so vollständig wie möglich; diesen Schritt nennt man Debulking. Ziel ist, möglichst wenig Tumorgewebe zurückzulassen. Wird der Krebs früh entdeckt, kann die Operation allein ausreichend sein. Bei Kinderwunsch ist in sehr frühen Stadien in Ausnahmefällen eine schonendere Vorgehensweise möglich – das sollte ausführlich mit einem spezialisierten Zentrum besprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Diagnose verändert sich der Alltag oft stark. Termine, Untersuchungen und die Erholung von der Behandlung bestimmen zunächst den Rhythmus. Viele Frauen empfinden es als hilfreich, den Tag in kleine Abschnitte zu planen und Aufgaben abzugeben. Es ist völlig in Ordnung, nicht jeden Tag gleich viel zu schaffen. Fragen Sie im Behandlungsteam nach Hilfsangeboten wie einer sozialen Beratung, einer psychoonkologischen Begleitung oder einer Reha.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie fest, wer Sie zu Terminen begleiten kann und wer im Alltag unterstützt
- Sprechen Sie offen mit Familie und Freunden darüber, welche Hilfe Sie möchten
- Planen Sie Pausen ein – Erholung ist kein Luxus, sondern Teil der Behandlung
- Vermeiden Sie Rauchen und gehen Sie achtsam mit Alkohol um
- Bleiben Sie bei anderen Vorsorge- und Arztterminen, zum Beispiel beim Zahnarzt oder bei der Hausärztin
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten unterstützt den Körper während der Behandlung. Nach Operationen am Darm kann vorübergehend eine leichte, gut verträgliche Kost sinnvoll sein – die behandelnde Praxis oder eine Ernährungsberatung kann das erklären. Bewegung ist ebenfalls hilfreich: Schon regelmäßige kurze Spaziergänge können Kraft und Stimmung verbessern. Bei körperlicher Anstrengung nach einer Operation oder während der Therapie gilt: lieber langsam steigern und im Zweifel nachfragen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst, Wut, Trauer, Schlafprobleme oder das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren – all das ist nach einer Krebsdiagnose verständlich und nichts, wofür Sie sich schämen müssen. Sprechen Sie darüber, wenn Sie es möchten. Psychoonkologische Angebote in Kliniken und Krebsberatungsstellen helfen dabei. Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sich bitte sofort Hilfe: Sie erreichen den Rettungsdienst unter der 112, und die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar. Sie sind mit diesen Gedanken nicht allein.
Vorbeugung
Einen sicheren Weg, Eileiterkrebs zu verhindern, gibt es nicht. Frauen mit einem bekannten sehr hohen Risiko – etwa einer BRCA1- oder BRCA2-Veränderung – können mit einem spezialisierten Zentrum besprechen, ob eine risikosenkende Operation sinnvoll ist. Dabei werden Eileiter und Eierstöcke entfernt, meist nach abgeschlossener Familienplanung. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung und gehört in eine ausführliche Beratung.
Impfungen
Eine Schutzimpfung gegen Eileiterkrebs gibt es nicht. Die HPV-Impfung schützt vor bestimmten Viren, die Gebärmutterhalskrebs und einige andere Krebsarten auslösen können – mit Eileiterkrebs hat sie nach heutigem Wissen nichts zu tun.
Früherkennungsprogramme
Ein flächendeckendes Früherkennungsprogramm speziell für Eileiterkrebs gibt es in Deutschland nicht. Frauen ab 20 Jahren haben Anspruch auf eine jährliche gynäkologische Untersuchung, die vor allem der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs dient. Ultraschall und Tumormarker werden bei Frauen ohne Beschwerden nicht routinemäßig empfohlen, weil ihr Nutzen als Früherkennung nicht belegt ist. Wichtig ist deshalb, neue und anhaltende Beschwerden anzusprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Krebs kann sich auf das Bauchfell ausbreiten, also die dünne Haut, die den Bauchraum auskleidet
- Es kann sich Bauchwasser bilden (Aszites), der Bauch wird dick und drückt
- Der Tumor kann den Darm einengen und einen Darmverschluss verursachen – ein Notfall
- Tochtergeschwulste (Metastasen) können in anderen Organen entstehen
- Durch die Ausbreitung können Kraft, Appetit und allgemeines Wohlbefinden deutlich abnehmen
Langzeitprognose
Eileiterkrebs wird oft erst spät entdeckt, weil die Beschwerden unauffällig sind. Das klingt beunruhigend, ist aber nur ein Teil der Geschichte: Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Bei einem Teil der Frauen lässt sich der Tumor gut unter Kontrolle bringen, manche leben viele Jahre mit der Erkrankung. Wie der Verlauf im Einzelnen aussieht, kann niemand im Voraus sagen. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen einschätzen, welche Ziele mit der Therapie erreichbar sind, und Sie dabei begleiten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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