Schwummrig beim Aufstehen – Schwindel beim Aufrichten
Übersicht
Wenn Ihnen beim Aufstehen plötzlich schwummrig wird, kurz schwarz vor Augen wird oder Sie sich festhalten müssen, sprechen Fachleute oft von einer „orthostatischen Hypotonie“. Das bedeutet: Der Blutdruck passt sich beim Aufrichten nicht schnell genug an. Beim Aufstehen sackt Blut in die Beine. Normalerweise ziehen sich die Blutgefäße dann schnell zusammen und der Herzschlag wird etwas kräftiger, damit das Gehirn weiter genug Blut bekommt. Klappt das nicht rasch genug, hat das Gehirn für einen Moment zu wenig Blut – und Ihnen wird schwindelig.
Wichtige Fakten
- Meist ist das kurz und harmlos: Der Schwindel dauert oft nur Sekunden bis wenige Minuten und geht vorbei, sobald Sie sich setzen oder hinlegen.
- Häufige Auslöser sind Flüssigkeitsmangel, Hitze, langes Stehen, schnelles Aufstehen oder eine längere Bettruhe.
- Manchmal stecken auch Medikamente oder eine Herz- oder Nervenerkrankung dahinter. Das lässt sich ärztlich abklären.
Ja, das ist sehr verbreitet. Viele Menschen kennen das Gefühl – vor allem an heißen Tagen, nach langem Sitzen oder Liegen oder wenn sie zu wenig getrunken haben. Bei älteren Menschen kommt es besonders häufig vor.
Es kann jeden treffen. Häufiger betroffen sind Jugendliche im Wachstum, Schwangere, Menschen nach langer Bettruhe oder Erkrankung, ältere Menschen sowie Menschen, die bestimmte Blutdruck- oder Herzmedikamente einnehmen. Auch wer viel steht oder in heißer Umgebung arbeitet, merkt es öfter.
Symptome
- Ohnmacht mit Verletzung, vor allem Kopfverletzung oder Sturz aus dem Stand
- Bewusstlosigkeit, die länger als eine Minute anhält oder aus der die Person nicht richtig wach wird
- Schwindel zusammen mit Brustschmerz, Atemnot oder Herzrasen
- Plötzliche Schwäche oder Gefühllosigkeit in Arm oder Bein, hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen (möglicher Schlaganfall – sofort 112)
- Ohnmacht während körperlicher Anstrengung oder im Liegen
- Krampfanfall, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Atmung
- Schwarzer Stuhl oder Bluterbrechen (mögliche innere Blutung)
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle ohne Vorwarnung
- ⚠Schwindel beim Aufstehen, der täglich auftritt und den Alltag beeinträchtigt
- ⚠Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag, der neu aufgetreten ist
- ⚠Zeichen von Flüssigkeitsmangel: sehr wenig Urin, trockener Mund, stehende Hautfalten, Kreislaufschwäche bei Fieber oder Durchfall
- ⚠Schwindel in der Schwangerschaft, wenn er neu ist oder häufig wird
- ⚠Beschwerden, die kurz nach dem Beginn eines neuen Medikaments auftreten
Häufige Symptome
- Schwummriges Gefühl oder Benommenheit direkt nach dem Aufstehen
- Kurz „schwarz vor Augen“ oder flimmernde Sicht
- Weiche Knie, Unsicherheit beim Gehen, das Bedürfnis, sich festzuhalten
- Herzklopfen oder ein schneller, kräftiger Puls
- Blässe im Gesicht, kaltes Schwitzen
- Übelkeit oder ein flaues Gefühl im Magen
- Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten für kurze Zeit
- In manchen Fällen eine kurze Ohnmacht (kurze Bewusstlosigkeit)
Symptome bei Kindern
- Kinder beschreiben es oft einfach als „mir ist schlecht“ oder „mir wird komisch“
- Plötzliches Blasswerden, Gähnen oder Schwitzen vor dem Umkippen
- Tritt häufig beim schnellen Aufstehen, nach langem Stehen in warmer Umgebung oder in der Wachstumsphase auf
- Meist kurz und harmlos, sollte aber bei Wiederholung ärztlich angesehen werden
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche
- Schwindel tritt manchmal auch nach dem Essen auf (weil Blut in den Magen-Darm-Bereich fließt)
- Oft zusammen mit Durstgefühl, das im Alter schwächer ausgeprägt sein kann
- Häufig im Zusammenhang mit Blutdruck- oder Herzmedikamenten – ein Medikamentencheck beim Arzt hilft
Ursachen
Hauptursachen
- Orthostatische Hypotonie: Der Blutdruck fällt beim Aufstehen kurz ab, weil sich die Gefäße nicht schnell genug verengen
- Flüssigkeitsmangel (zum Beispiel durch zu wenig Trinken, Hitze, Fieber, Durchfall oder Erbrechen)
- Reflex- oder Kreislaufschwindel (auch „vasovagale Synkope“ genannt): Ein Reflex lässt Puls und Blutdruck kurz absinken, oft bei langem Stehen oder in warmen Räumen
- Medikamente, die den Blutdruck senken oder entwässern – dazu gehören manche Blutdruck-, Herz- und bestimmte andere Dauermedikamente
- Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche
- Blutarmut (Anämie), also zu wenig rote Blutkörperchen
- Nervenerkrankungen, etwa als Folge eines langjährigen Diabetes („autonome Neuropathie“ – Schädigung der Nerven, die Blutdruck und Kreislauf steuern)
- Störungen von Schilddrüse oder Nebenniere
- Langes Liegen oder Bettlägerigkeit, langes Stehen, große Mahlzeiten, Alkohol
- Starke Angst oder Panik, die den Kreislauf beeinflusst
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Schwangerschaft
- Zu wenig Trinken, große Hitze, Sauna, heißes Bad
- Schnelles Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen
- Langes Stehen, vor allem in warmen Räumen
- Bestimmte Dauermedikamente (Blutdruck-, Herz-, entwässernde Mittel)
- Diabetes oder andere Nervenerkrankungen
- Längere Bettruhe nach einer Operation oder Krankheit
- Sehr niedriges Körpergewicht oder Essstörungen
- Alkohol, große, schwere Mahlzeiten
- Vorherige Ohnmachtsanfälle in der Familie oder bei sich selbst
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie ohnmächtig geworden sind oder sich dabei verletzt haben
- Wenn der Schwindel mit Brustschmerz, Atemnot oder Herzrasen einhergeht
- Wenn Sie sich im Alltag nicht mehr sicher fühlen, weil Ihnen ständig schwindelig wird
- Wenn die Beschwerden plötzlich neu und stark auftreten oder schnell schlimmer werden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Schwindel beim Aufstehen regelmäßig wiederkehrt
- Wenn Sie unsicher sind, ob eines Ihrer Medikamente eine Rolle spielt
- Wenn Sie sich dadurch im Alltag einschränken, zum Beispiel seltener rausgehen
- Wenn Sie zusätzlich oft müde, blass oder kurzatmig sind
- Wenn in der Familie Herzerkrankungen oder Ohnmachtsanfälle bekannt sind
Diagnose
In der Hausarztpraxis wird zuerst ausführlich gesprochen: Wann genau wird Ihnen schwindelig? Wie lange dauert es? Haben Sie sich schon einmal verletzt dabei? Welche Medikamente nehmen Sie ein, und haben Sie sonst Erkrankungen? Danach wird der Blutdruck gemessen – im Liegen und nach dem Aufstehen. So lässt sich gut erkennen, ob er beim Aufrichten zu stark abfällt. Je nach Ergebnis folgen weitere Untersuchungen wie ein Herz-EKG oder eine Blutuntersuchung. Bei unklaren oder wiederholten Ohnmachten kann eine Überweisung an eine Kardiologin oder einen Kardiologen sinnvoll sein.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung im Liegen, Sitzen und nach dem Aufstehen (manchmal als „Schellong-Test“ bezeichnet)
- Blutuntersuchung, zum Beispiel Blutbild, Blutzucker, Schilddrüsen- und Nierenwerte
- EKG (Elektrokardiogramm – Aufzeichnung der Herzströme)
- Langzeit-EKG über 24 Stunden bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen
- Herzultraschall (Echokardiografie) bei Verdacht auf eine Herzerkrankung
- Kipptischuntersuchung in einer Fachklinik, wenn die Ursache unklar bleibt
- Medikamentencheck: gemeinsames Durchgehen aller Mittel, die Sie einnehmen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schnell, schmerzfrei und ambulant möglich. Oft reicht ein Termin, um eine erste Einschätzung zu bekommen. Bringen Sie am besten Ihre aktuelle Medikamentenliste mit – auch Mittel, die Sie selbst gekauft haben, und pflanzliche Präparate. Notieren Sie vorher, wann der Schwindel auftritt; solche Notizen helfen sehr.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sehr oft reichen einfache Maßnahmen im Alltag aus: langsamer aufstehen, ausreichend trinken, bei Hitze nicht lange stehen. Wichtig ist außerdem, die Medikamente zu überprüfen: Manchmal ist ein Blutdruckmittel zu stark eingestellt und kann angepasst werden. Das darf aber nur die Ärztin oder der Arzt entscheiden – setzen Sie Medikamente nie selbst ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Stehen Sie langsam auf: erst an die Bettkante setzen, kurz durchatmen, dann erst hochkommen
- Halten Sie sich beim Aufstehen an einer stabilen Fläche fest
- Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend Wasser (bei Herz- oder Nierenerkrankungen die Trinkmenge mit dem Arzt besprechen)
- Wippen Sie beim Stehen mit den Zehen oder kreuzen Sie kurz die Beine – das hilft, das Blut zurück Richtung Herz zu bringen
- Machen Sie es sich nicht zu heiß: Lüften, keine langen heißen Duschen oder Saunagänge, wenn Sie empfindlich reagieren
- Essen Sie mehrere kleinere Mahlzeiten statt sehr großer Portionen
- Vermeiden Sie Alkohol als Kreislaufbelastung
- Ist Ihnen schwindelig, setzen oder legen Sie sich hin und heben Sie die Beine etwas an
- Sprechen Sie mit der Praxis über Kompressionsstrümpfe, wenn Sie häufiger Beschwerden haben
Medizinische Behandlungen
Zuerst wird die Ursache behandelt. Bei Flüssigkeitsmangel hilft Trinken, bei Blutarmut wird die Ursache gesucht, bei Herzrhythmusstörungen wird das Herz genauer behandelt. Ein wichtiger Schritt ist die Prüfung und gegebenenfalls Anpassung Ihrer bestehenden Medikamente durch die Ärztin oder den Arzt. Wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen, kann in bestimmten Fällen eine ärztlich verordnete Behandlung sinnvoll sein, die den Blutdruck oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflusst. Solche Mittel werden nur nach Untersuchung und mit Rücksprache verordnet, nie auf eigene Faust. Auch das Vorgehen bei einer zugrunde liegenden Herzerkrankung bespricht die Fachärztin oder der Facharzt individuell mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein operativer Eingriff ist bei diesem Beschwerdebild meist nicht nötig. Nur wenn eine behandlungsbedürftige Herzerkrankung dahintersteckt, kann in seltenen Fällen ein kleiner Eingriff helfen – zum Beispiel ein Herzschrittmacher bei bestimmten Rhythmusstörungen. Das bespricht die Kardiologin oder der Kardiologe ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit ein paar kleinen Gewohnheiten lässt sich das schwummrige Gefühl beim Aufstehen meist gut in den Griff bekommen. Viele Betroffene merken schnell, was hilft: morgens zuerst ein Glas Wasser, vor dem Aufstehen einen Moment sitzen bleiben, beim Stehen in Bewegung bleiben statt starr zu stehen. Es ist außerdem gut, Stürze zu vermeiden – zum Beispiel durch gute Beleuchtung in der Wohnung und freie Wege.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, moderate Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung
- Auf ausreichend Schlaf achten
- Bei Hitze körperliche Anstrengung in den kühleren Morgen- oder Abendstunden planen
- Nicht zu lange regungslos stehen, lieber ein paar Schritte gehen
- Beim Aufstehen aus dem Sitzen bewusst kurz innehalten
- Nach dem Essen lieber erst kurz sitzen bleiben, wenn Sie danach empfindlich reagieren
- Die Wohnung sturzsicher machen: Licht, freie Wege, keine losen Teppiche
Ernährung und Bewegung
Trinken Sie über den Tag verteilt regelmäßig Wasser. Ob Ihre Salzaufnahme angepasst werden sollte, besprechen Sie bitte mit der Praxis – mehr Salz ist nicht für alle gut, zum Beispiel nicht bei hohem Blutdruck oder Herzschwäche. Mehrmals am Tag kleinere Portionen zu essen kann helfen, wenn Ihnen nach großen Mahlzeiten schwindelig wird. Bewegung ist wichtig: Ausdauertraining wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen kräftigt den Kreislauf. Bei wiederholten Beschwerden sind Übungen mit den Beinen (Wippen, Anspannen, Überkreuzen) praktisch, weil sie den Blutfluss unterstützen. Steigern Sie sich langsam und sprechen Sie Sport bei bekannten Herzproblemen vorher ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schwindel kann verunsichern. Manche Menschen trauen sich nicht mehr hinaus, fahren nicht mehr Auto oder meiden Situationen, in denen sie sich festhalten können. Diese Angst ist verständlich – und sie lässt sich behandeln. Wenn Sie merken, dass Sie sich immer mehr zurückziehen oder ständig an den Schwindel denken, sagen Sie es in der Praxis. Es ist völlig in Ordnung, sich dabei Unterstützung zu holen. Bei Gedanken, die Ihnen Angst machen oder Sie belasten, gibt es jederzeit Hilfe über die Telefonseelsorge und den Notruf.
Vorbeugung
Nicht in jedem Fall – manche Ursachen wie eine Herzerkrankung lassen sich nicht verhindern. Viel lässt sich aber beeinflussen: ausreichend trinken, langsam aufstehen, Hitze und langes Stehen meiden, Alkohol begrenzen, Medikamente regelmäßig überprüfen lassen und in Bewegung bleiben. Bei älteren Menschen hilft es zusätzlich, die Wohnung sturzsicher zu gestalten.
Früherkennungsprogramme
Eine Blutdruckmessung ist eine einfache und gute Vorsorge – beim Hausarzt oder zu Hause. Gerade im höheren Alter und bei bestehenden Herz- oder Kreislauferkrankungen lohnt es sich, den Blutdruck im Liegen und Stehen einmal ansehen zu lassen. Die AWMF-Leitlinie zu Synkopen empfiehlt, wiederholte Ohnmachten strukturiert abklären zu lassen; solche Leitlinien – zu Synkopen und zu Schwindel – sind für Ärztinnen und Ärzte eine Orientierung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Stürze mit Verletzungen, zum Beispiel Knochenbrüchen oder Kopfverletzungen – besonders bei älteren Menschen
- Angst vor dem nächsten Schwindel oder davor, allein zu sein
- Weniger Bewegung und dadurch zunehmende Schwäche
- Selten: eine ernstere Herzerkrankung bleibt länger unentdeckt
- Einschränkung im Alltag, zum Beispiel beim Autofahren oder bei der Arbeit
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut. In den allermeisten Fällen findet sich eine gut behandelbare Ursache, und mit einfachen Maßnahmen im Alltag wird es deutlich besser. Viele Menschen haben nach einer Weile kaum noch Beschwerden. Wenn eine Herzerkrankung dahintersteckt, ist eine frühzeitige Abklärung sogar ein Vorteil – dann kann gezielt geholfen werden.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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