Gicht: Was Sie selbst tun können
Übersicht
Gicht ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke. Im Blut schwimmt Harnsäure. Das ist ein Abfallstoff, der beim Abbau von Purinen entsteht. Purine sind Stoffe, die in vielen Zellen vorkommen, auch in manchen Lebensmitteln. Ist zu viel Harnsäure im Blut, kann sie sich in Gelenken als winzige Kristalle ablagern. Der Körper erkennt diese Kristalle als Fremdkörper. Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung. Dann wird das Gelenk rot, heiß, geschwollen und schmerzt stark.
Wichtige Fakten
- Gicht wird durch Harnsäurekristalle in den Gelenken ausgelöst.
- Typisch ist ein plötzlich sehr schmerzhaftes, rotes und geschwollenes Gelenk, oft am großen Zeh.
- Gicht ist gut behandelbar. Mit ärztlicher Betreuung und passendem Lebensstil lassen sich Anfälle oft deutlich reduzieren.
Gicht ist eine der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen. Vor allem Männer sind betroffen, Frauen meist erst nach den Wechseljahren.
Gicht kann jeden treffen. Häufiger betroffen sind Männer über 40, Frauen nach den Wechseljahren, Menschen mit Übergewicht, Nierenerkrankungen oder familiärer Veranlagung. Auch Alkohol, zuckerreiche Getränke und manche Medikamente können eine Rolle spielen.
Symptome
- Hohes Fieber zusammen mit einem heißen, roten und geschwollenen Gelenk – das kann auf eine Gelenkinfektion hindeuten.
- Schüttelfrost, Verwirrtheit, schnelle Atmung, Kreislaufprobleme oder ein allgemein sehr schlechtes Befinden.
- Wenn Sie das Gefühl haben, es handelt sich um einen Notfall, zögern Sie nicht, 112 anzurufen.
- ⚠Ein erster Gichtanfall oder ein sehr starker Anfall.
- ⚠Ein heißes, geschwollenes Gelenk ohne Fieber, das sich nicht bessert.
- ⚠Gelenkschmerzen zusammen mit Fieber, aber ohne die oben genannten Notfallzeichen – lassen Sie sich am selben Tag ärztlich beraten.
- ⚠Wenn Sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen, und ein Gelenk entzündet ist.
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzende, sehr starke Gelenkschmerzen, oft nachts.
- Das betroffene Gelenk ist rot, heiß, geschwollen und berührungsempfindlich.
- Häufig am Grundgelenk der großen Zehe; möglich sind auch Sprunggelenk, Knie, Hand oder Ellenbogen.
- Schon leichte Berührung, eine Bettdecke oder Socken können unangenehm sein.
- Ein Anfall klingt ohne Behandlung oft innerhalb von Tagen bis Wochen ab.
- Zwischen den Anfällen können Beschwerden ganz fehlen.
Symptome bei Kindern
- Gicht ist bei Kindern sehr selten.
- Wenn ein Kind ein plötzlich geschwollenes, schmerzhaftes Gelenk hat, sollte es ärztlich untersucht werden.
- Dann müssen andere Ursachen wie eine Infektion ausgeschlossen werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen sein.
- Fieber kann fehlen.
- Bestehende Nierenerkrankungen und andere Medikamente sollten ärztlich überprüft werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Zu viel Harnsäure im Blut ist die Hauptursache.
- Die Nieren scheiden Harnsäure oft nicht ausreichend aus.
- Manchmal wird auch zu viel Harnsäure gebildet.
- Kristalle in den Gelenken lösen die Entzündung aus.
Risikofaktoren
- Familiäre Veranlagung
- Übergewicht
- Alkohol, vor allem Bier
- Zuckerreiche Getränke mit Fruchtzucker
- Nierenerkrankungen
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel harntreibende Mittel – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Austrocknung, Fasten, Stress, Operationen oder Verletzungen können einen Anfall auslösen
- Purine sind Stoffe in tierischen und pflanzlichen Zellen. Besonders viel enthalten Innereien, bestimmte Fleisch- und Fischsorten sowie Meeresfrüchte.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Ein erster Gichtanfall oder ein sehr starker Anfall.
- Ein heißes, geschwollenes Gelenk ohne Fieber, das sich nicht bessert.
- Gelenkschmerzen zusammen mit Fieber, aber ohne die oben genannten Notfallzeichen – lassen Sie sich am selben Tag ärztlich beraten.
- Wenn Sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen, und ein Gelenk entzündet ist.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Anfälle
- Familienangehörige mit Gicht
- Nierensteine in der Vorgeschichte
- Knoten an Gelenken oder Ohren, sogenannte Tophi – das sind harte Ablagerungen aus Harnsäurekristallen
- Sie möchten Ihre Harnsäure und Ihre Medikamente überprüfen lassen
Diagnose
Ärztin oder Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und untersucht die Gelenke. Ein Bluttest zeigt die Harnsäure. Bei einer Gelenkpunktion wird etwas Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen und untersucht. So lassen sich Harnsäurekristalle nachweisen. Auch Ultraschall und Röntgen können helfen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Harnsäure
- Untersuchung der Gelenkflüssigkeit, sogenannte Gelenkpunktion
- Ultraschall des Gelenks
- Röntgenbild bei wiederkehrenden Anfällen oder Gelenkschäden
- Nierenfunktion und andere Blutwerte
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Harnsäurewert kann während eines Anfalls normal sein. Deshalb sind Verlauf und weitere Tests wichtig. Ergebnisse der Gelenkflüssigkeit dauern manchmal einige Tage. Die Behandlung kann oft schon vorher beginnen.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: den akuten Anfall lindern und langfristig die Harnsäure senken, damit Anfälle seltener werden. Ärztinnen und Ärzte orientieren sich dabei an Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie das betroffene Gelenk und lagern Sie es hoch.
- Kühlen Sie das Gelenk mit einem feuchten Tuch, nicht mit Eis direkt auf der Haut.
- Trinken Sie ausreichend Wasser.
- Verzichten Sie in der Akutphase auf Alkohol und zuckerreiche Getränke.
- Lassen Sie sich bei Schmerzmitteln beraten und nehmen Sie nicht eigenmächtig Medikamente ein.
- Bewegen Sie das Gelenk nach dem Abklingen des Anfalls langsam wieder.
Medizinische Behandlungen
Im akuten Anfall helfen entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente nach ärztlicher Verordnung. Langfristig können harnsäuresenkende Medikamente eingesetzt werden. Diese werden langsam eingestellt und regelmäßig kontrolliert. Nehmen Sie sie regelmäßig ein und brechen Sie sie nicht selbst ab. Bei manchen Menschen kann eine vorbeugende Behandlung schon nach dem ersten Anfall sinnvoll sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen sind bei Gicht selten. Sie können bei stark zerstörten Gelenken, großen Tophi oder wiederkehrenden Gelenkentzündungen diskutiert werden. Auch eine Gelenkinfektion muss manchmal operativ behandelt werden.
Leben mit der Erkrankung
Beobachten Sie, was Ihre Anfälle auslöst. Notieren Sie Beschwerden und mögliche Auslöser. Halten Sie Ihre Termine wahr und nehmen Sie Medikamente regelmäßig ein. Bleiben Sie aktiv, vermeiden Sie aber Überlastung.
Tipps für den Alltag
- Alkohol begrenzen, besonders Bier.
- Zuckerreiche Getränke meiden.
- Ausreichend trinken.
- Übergewicht langsam abbauen.
- Nicht streng fasten.
- Stress reduzieren.
- Gelenke bei einem Anfall schonen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten ist gut. Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte und Alkohol eher begrenzen. Verbote, die zu viel Stress machen, helfen oft nicht. Bewegung hilft, das Gewicht zu halten. Wählen Sie sanfte Aktivitäten wie Spazieren, Radfahren oder Schwimmen. Bei einem akuten Anfall sollten Sie das Gelenk schonen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen können frustrieren und belasten. Das ist normal. Sprechen Sie darüber. Wenn Sie sich niedergeschlagen, ängstlich oder hoffnungslos fühlen, holen Sie sich Hilfe. In einer seelischen Krise gibt es Krisentelefone und Notdienste. Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie sofort 112 an oder gehen Sie in die nächste Notaufnahme.
Vorbeugung
Ja, Anfälle lassen sich oft verhindern. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Betreuung, die richtige Behandlung und ein Lebensstil, der die Harnsäure nicht unnötig steigen lässt.
Impfungen
Für Gicht gibt es keine Schutzimpfung.
Früherkennungsprogramme
Bei Risikofaktoren kann der Harnsäurewert im Blut gemessen werden. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob ein Test sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederkehrende Anfälle
- Gelenkschäden und dauerhafte Schmerzen
- Tophi: harte Knoten aus Harnsäurekristallen, oft an Gelenken oder Ohren
- Nierensteine
- Nierenschäden
- Möglicher Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Langzeitprognose
Gicht ist gut behandelbar. Mit ärztlicher Begleitung, regelmäßigen Kontrollen und passenden Lebensgewohnheiten können viele Menschen weitgehend beschwerdefrei leben. Fragen Sie bei Unsicherheiten nach.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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