Erste Behandlung bei Nasenpolypen, die nicht besser werden
Übersicht
Nasenpolypen sind weiche, gutartige Wucherungen der Schleimhaut in der Nase und in den Nasennebenhöhlen. Gutartig heißt: Es ist kein Krebs. Sie entstehen meist durch eine lang anhaltende Entzündung. Die Polypen können die Nase verstopfen, den Geruchssinn beeinträchtigen und den Schlaf stören. Von „unkontrollierten“ Nasenpolypen sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn die Beschwerden trotz einer ersten Behandlung – zum Beispiel mit einem entzündungshemmenden Nasenspray – nicht ausreichend zurückgehen. Dann wird die Behandlung angepasst und erweitert.
Wichtige Fakten
- Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen – kein Krebs.
- Die erste Behandlung ist meist ein entzündungshemmendes Nasenspray mit Kortison, das über längere Zeit regelmäßig angewendet wird.
- Viele Menschen bekommen die Beschwerden damit gut in den Griff. Wenn nicht, gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten bis hin zu einer Operation.
Nasenpolypen sind recht häufig. Schätzungen zufolge haben etwa 2 bis 4 von 100 Menschen damit zu tun. Viele von ihnen brauchen irgendwann eine Behandlung, weil die Nase dauerhaft verstopft bleibt.
Meist sind Erwachsene zwischen etwa 30 und 60 Jahren betroffen, Männer etwas häufiger als Frauen. Oft treten Nasenpolypen zusammen mit Asthma, Allergien oder einer Überempfindlichkeit gegen bestimmte Schmerzmittel auf. Bei Kindern sind Nasenpolypen selten.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen
- Schwellung rund um das Auge oder in der Wange zusammen mit Fieber und starken Schmerzen
- Verschlechtertes Sehen, Doppelbilder oder ein hervortretendes Auge
- Plötzlich einsetzende, sehr starke Kopfschmerzen mit Nackensteife oder Fieber
- Nasenbluten, das auch nach längerem Drücken nicht aufhört
- Schwellung von Lippen, Zunge oder Hals, Nesselsucht oder Atemnot nach einem Medikament oder Kontakt mit einem Allergieauslöser (möglicher allergischer Schock)
- ⚠Zunehmende Schwellung im Gesicht oder um ein Auge
- ⚠Fieber zusammen mit starken Gesichtsschmerzen
- ⚠Plötzlich fehlender Geruchssinn nach einem Unfall oder einer Kopfverletzung
- ⚠Beschwerden, die trotz regelmäßiger Anwendung des Nasensprays über mehrere Wochen deutlich schlimmer werden
Häufige Symptome
- Dauerhaft verstopfte Nase, oft auf beiden Seiten
- Verminderter oder fehlender Geruchssinn
- Dünnflüssiges oder zähes Nasensekret, das in den Rachen läuft
- Druck oder Schweregefühl im Gesicht und an den Nasennebenhöhlen
- Mundatmung, besonders nachts
- Schnarchen und unruhiger Schlaf
- Häufige oder wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen
- Kopfschmerzen, vor allem im Bereich der Stirn
- Näselnde Stimme
- Nachlassender Geschmackssinn und verminderter Appetit
Symptome bei Kindern
- Dauerhaft verstopfte Nase und ständige Mundatmung
- Schnarchen, lautes Atmen oder Atempausen im Schlaf
- Häufige Nasennebenhöhlenentzündungen oder Mittelohrentzündungen
- Riechstörungen, die Kindern selbst oft nicht auffallen
- Bei Kindern sind Nasenpolypen selten – die Ärztin oder der Arzt prüft deshalb meist auch andere Ursachen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Eine verstopfte Nase wird oft als normale Alterserscheinung abgetan und lange nicht abgeklärt
- Riech- und Geschmacksstörungen fallen stärker auf und beeinflussen das Essen und die Lebensfreude
- Begleiterkrankungen wie Asthma oder Allergien sind häufiger vorhanden
- Andere Medikamente können Nebenwirkungen auf die Nase haben oder mit Behandlungen wechselwirken
Ursachen
Hauptursachen
- Andauernde Entzündung der Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen
- Allergien, zum Beispiel gegen Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben
- Asthma und eine bestimmte Form der Entzündung, die als Typ-2-Entzündung bezeichnet wird
- Überempfindlichkeit gegen Schmerzmittel wie Aspirin oder andere entzündungshemmende Schmerzmittel
- Seltene Grunderkrankungen wie Mukoviszidose oder Störungen des Immunsystems
- Angeborene Veranlagung – Nasenpolypen treten in manchen Familien gehäuft auf
Risikofaktoren
- Asthma bronchiale
- Heuschnupfen und andere Allergien
- Überempfindlichkeit gegen Aspirin und ähnliche Schmerzmittel
- Familiäre Veranlagung
- Mukoviszidose oder andere seltene chronische Erkrankungen
- Rauchen und Passivrauchen
- Dauerhafter Kontakt mit Staub, Chemikalien oder starken Gerüchen am Arbeitsplatz
- Männliches Geschlecht und Lebensalter zwischen 30 und 60 Jahren
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot oder starke Schluckbeschwerden
- Schwellung und Rötung rund um das Auge, Fieber oder starke Gesichtsschmerzen
- Sehstörungen wie Doppelbilder oder ein hervortretendes Auge
- Starkes Nasenbluten, das nicht aufhört
- Sehr starke, plötzlich auftretende Kopfschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Verstopfte Nase, die länger als zwei bis drei Wochen anhält
- Nachlassender Geruchs- oder Geschmackssinn
- Wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen
- Snarchen oder beobachtete Atempausen im Schlaf
- Das Gefühl, dass die bisherige Behandlung nicht ausreicht
- Der Wunsch, abschwellende Nasensprays aus der Apotheke dauerhaft zu nutzen, weil die Nase sonst zuschwillt
- Dauerhaftes Druckgefühl im Gesicht oder häufige Kopfschmerzen
Diagnose
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, über Allergien, Asthma, frühere Operationen und über Medikamente, die Sie einnehmen. Danach schaut sich die Ärztin oder der Arzt die Nase von innen an. Oft lässt sich die Behandlung schon damit gut planen. Bei unklaren oder hartnäckigen Beschwerden kommen weitere Untersuchungen dazu.
Mögliche Untersuchungen
- Nasenspiegelung: Mit einem dünnen, beleuchteten Instrument wird die Nase von innen betrachtet
- Allergietests, zum Beispiel Haut- oder Bluttests
- Computertomografie der Nasennebenhöhlen, wenn eine Operation geplant ist oder die Behandlung nicht anschlägt
- Riechtest, um das Ausmaß der Riechstörung einzuschätzen
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel auf Entzündungswerte oder allergiebezogene Antikörper
- Lungenfunktionstest, wenn ein Asthma vermutet wird
- Bei Verdacht auf eine Schmerzmittel-Überempfindlichkeit ein entsprechender Test in der Fachpraxis
- Bei Kindern gegebenenfalls ein Test auf Mukoviszidose
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel kurz und unkompliziert. Eine Nasenspiegelung kann etwas kribbeln oder tränen – das geht schnell vorbei. Sie müssen nichts Besonderes vorbereiten. Fragen Sie jederzeit nach, wenn Sie etwas nicht verstehen oder unsicher sind.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu beruhigen, die Polypen zu verkleinern und die Beschwerden zu lindern. Erster Schritt ist fast immer eine entzündungshemmende Behandlung als Nasenspray, die regelmäßig über mehrere Wochen angewendet wird. Wichtig ist die richtige Technik: Das Spray sollte in Richtung Augenwinkel gesprayt werden, nicht gerade nach oben in die Nasenscheidewand. Wenn die Beschwerden trotz richtiger Anwendung nicht ausreichend zurückgehen, also „unkontrolliert“ bleiben, gibt es mehrere Möglichkeiten, die Behandlung zu erweitern. Die Vorgehensweise orientiert sich an der Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) zur chronischen Nasennebenhöhlenentzündung.
Selbsthilfe zu Hause
- Spülen Sie die Nase regelmäßig mit einer Kochsalzlösung aus der Apotheke oder mit selbst angesetzter Salzlösung
- Wenden Sie das verordnete Nasenspray zuverlässig und in der richtigen Technik an – auch an guten Tagen
- Vermeiden Sie abschwellende Nasensprays aus der Apotheke über mehr als wenige Tage, sonst schwillt die Nase erst recht zu
- Halten Sie die Raumluft feucht und lüften Sie regelmäßig
- Vermeiden Sie Tabakrauch und starke Gerüche, Reinigungsmittel oder Chemikalien
- Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Kopf, wenn die Nase nachts zuschwillt
- Behandeln Sie bekannte Allergien konsequent und meiden Sie Ihre Auslöser, wenn das möglich ist
- Warme Kompressen oder ein warmes Getränk können das Druckgefühl im Gesicht lindern
Medizinische Behandlungen
Als erste Stufe wird in der Regel ein entzündungshemmendes Nasenspray mit Kortison verordnet. Kortison wirkt hier nur in der Nase und dämmt die Entzündung ein; die Polypen können dadurch schrumpfen. Es wirkt nicht sofort, sondern braucht einige Wochen regelmäßiger Anwendung. Wenn das nicht ausreicht, kann die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel vorübergehend ein Kortisonpräparat als Tablette einsetzen oder die Behandlung mit einer anderen Form der Entzündungshemmung ergänzen. Bei schweren, wiederkehrenden Verläufen mit einer bestimmten Entzündungsform gibt es moderne, gezielt wirkende Antikörper, die gespritzt werden. Welche Möglichkeit zu Ihnen passt, hängt von der Stärke der Beschwerden, von Begleiterkrankungen und von Ihrer Vorgeschichte ab. Besprechen Sie alle Schritte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und fragen Sie in der Apotheke nach der richtigen Anwendung. Bitte ändern oder beenden Sie eine verordnete Behandlung nicht ohne Rücksprache.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die Beschwerden trotz guter medikamentöser Behandlung deutlich bestehen bleiben, wenn die Nasennebenhöhlen stark betroffen sind oder wenn Komplikationen drohen. Dabei werden die Polypen und betroffene Schleimhaut meist über die Nase entfernt (funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation). Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose und oft stationär für kurze Zeit. Auch nach einer Operation ist eine weitere entzündungshemmende Behandlung wichtig, damit die Polypen nicht so schnell zurückkommen.
Leben mit der Erkrankung
Nasenpolypen können den Alltag spürbar beeinflussen: Die Nase ist oft zu, der Geruchssinn lässt nach, der Schlaf wird unruhig und die Konzentration sinkt. Viele Betroffene merken erst nach einer erfolgreichen Behandlung, wie sehr sie darunter gelitten haben. Halten Sie Ihre Behandlung konsequent ein, auch wenn es Ihnen besser geht, und planen Sie regelmäßige Kontrolltermine ein. Notieren Sie sich, wie es Ihnen geht – das hilft, die Behandlung gut anzupassen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen Sie nicht und meiden Sie Orte mit Rauch
- Achten Sie auf eine gute Raumluft und trinken Sie ausreichend
- Sorgen Sie für regelmäßigen Schlaf und eine Schlafumgebung ohne Allergieauslöser
- Waschen Sie Bettwäsche regelmäßig heiß, wenn Sie auf Hausstaubmilben reagieren
- Halten Sie Ihre Allergiebehandlung aktuell
- Nutzen Sie Nasenspülungen als festen Bestandteil Ihres Tagesablaufs
Ernährung und Bewegung
Eine besondere Diät ist bei Nasenpolypen nicht nötig. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst unterstützt das allgemeine Wohlbefinden. Wenn bestimmte Lebensmittel bei Ihnen Beschwerden auslösen, kann ein Ernährungsprotokoll helfen – sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bewegung an der frischen Luft tut gut und kann das Atmen erleichtern. Bei Asthma achten Sie darauf, dass Ihre Behandlung gut eingestellt ist, und passen Sie die Intensität bei großer Kälte oder bei hoher Pollenbelastung an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Dauerhaft schlecht Luft zu bekommen und kaum noch riechen zu können, belastet viele Menschen mehr, als Außenstehende vermuten. Schlafmangel, Konzentrationsprobleme und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, können zu Anspannung, Traurigkeit oder Gereiztheit führen. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihrem Umfeld und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn die Belastung sehr groß wird oder Gedanken auftauchen, die Ihnen Angst machen, suchen Sie bitte zeitnah Unterstützung bei einer psychologischen Beratungsstelle oder wenden Sie sich an eine Krisenberatung in Ihrer Nähe. In Deutschland können Sie sich außerdem an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 wenden, wenn Sie nicht wissen, wohin Sie sich wenden sollen.
Vorbeugung
Ganz verhindern lassen sich Nasenpolypen nicht. Aber man kann das Risiko für häufige Entzündungen senken und Rückfällen vorbeugen: Allergien konsequent behandeln, nicht rauchen, Reizstoffe meiden, Nasenspülungen nutzen und eine verordnete Behandlung auch nach einer Operation weiterführen. Regelmäßige Kontrolltermine helfen, ein Wiederwachsen früh zu erkennen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Nasenpolypen. Lassen Sie sich jedoch zu den von der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlenen Impfungen beraten – besonders, wenn Sie Asthma haben und Atemwegsinfekte bei Ihnen schwer verlaufen.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für Nasenpolypen gibt es nicht. Wenn Sie Asthma, eine Allergie oder eine Überempfindlichkeit gegen Schmerzmittel haben, sprechen Sie bei Beschwerden frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhaft verstopfte Nase und Mundatmung
- Anhaltender oder dauerhafter Verlust des Geruchssinns
- Wiederkehrende oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
- Schlafstörungen bis hin zu Atempausen im Schlaf
- Verschlechterung eines bestehenden Asthmas
- Druck auf die Nasennebenhöhlen mit Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen
- In seltenen Fällen Ausbreitung der Entzündung auf das Auge oder die Hirnhäute – das ist ein Notfall
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Mit einer konsequenten, gut angepassten Behandlung lassen sich die Beschwerden bei den meisten Menschen deutlich bessern. Auch bei hartnäckigen Verläufen gibt es wirksame Möglichkeiten – von einer erweiterten medikamentösen Behandlung bis zu modernen Antikörpern oder einer Operation. Wichtig ist, dranzubleiben und im Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt die Behandlung so anzupassen, dass sie zu Ihrem Alltag passt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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