Grippe (Influenza)
Übersicht
Die Grippe – medizinisch Influenza genannt – ist eine ansteckende Erkrankung der Atemwege, die durch Grippeviren ausgelöst wird. Sie beginnt meist plötzlich und fühlt sich deutlich heftiger an als eine normale Erkältung: hohes Fieber, starke Glieder- und Kopfschmerzen und ein trockener Husten sind typisch. Eine Erkältung (grippaler Infekt) klingt oft langsam aus, die echte Grippe trifft dagegen häufig wie aus dem Nichts und wirft viele Menschen für ein bis zwei Wochen aus der Bahn.
Wichtige Fakten
- Grippe wird durch Viren ausgelöst, nicht durch Bakterien – deshalb helfen Antibiotika gegen die Viren selbst nicht.
- Die Ansteckung erfolgt vor allem über winzige Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen sowie über die Hände und Gegenstände.
- Die meisten Menschen erholen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig; bei bestimmten Gruppen kann die Grippe aber schwer verlaufen.
- Eine Schutzimpfung gibt es jedes Jahr neu – sie wird in Deutschland für Risikogruppen empfohlen.
Ja, Grippe ist sehr verbreitet. Sie tritt typischerweise in Wellen auf, meist in den Herbst- und Wintermonaten. Nicht jedes Jahr ist eine Welle gleich stark – manche Winter sind ruhiger, andere bringen deutlich mehr Erkrankungen.
Grippe kann jeden treffen, auch junge und gesunde Menschen. Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen der Lunge, des Herzens, der Nieren oder mit einem geschwächten Abwehrsystem. Auch Rauchen erhöht das Risiko für einen schwereren Verlauf.
Symptome
- Schwere Atemnot, Atemnot in Ruhe oder bläulich verfärbte Lippen und Fingerspitzen
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder ein Krampfanfall
- Plötzlich auftretende Verwirrtheit, die vorher nicht da war
- Starke, anhaltende Brustschmerzen oder ein Kreislaufzusammenbruch
- Bei Säuglingen: Trinkschwäche, auffällige Atmung oder sehr hohes Fieber – im Zweifel den Notruf 112 wählen
- ⚠Fieber, das länger als drei bis fünf Tage anhält oder nach einer Besserung erneut kommt
- ⚠Zunehmende Atembeschwerden, pfeifende Atmung oder eitriger Auswurf
- ⚠Starke Ohrenschmerzen oder starke Schmerzen im Gesicht (Nebenhöhlen)
- ⚠Anzeichen von Flüssigkeitsmangel: kaum Urin, trockener Mund, Schwindel beim Aufstehen
- ⚠Keine Besserung nach etwa einer Woche oder eine deutliche Verschlechterung
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber und Schüttelfrost
- Starke Kopf- und Gliederschmerzen
- Trockener, oft quälender Husten
- Halsschmerzen und Schnupfen
- Deutliche Müdigkeit, Schwäche und ein allgemeines Krankheitsgefühl
- Manchmal Übelkeit, Appetitlosigkeit oder ein Druckgefühl hinter dem Brustbein
Symptome bei Kindern
- Oft sehr hohes Fieber, das schneller steigt als bei Erwachsenen
- Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind häufiger als bei Erwachsenen
- Ohrenschmerzen durch eine begleitende Mittelohrentzündung
- Kinder wirken oft schlapp, weinerlich und essen und trinken wenig
- Bei Fieberkrämpfen (Krampfanfall bei Fieber) sofort den Notruf 112 wählen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber kann ganz fehlen – die Erkrankung zeigt sich dann nur durch Schwäche
- Plötzliche Verwirrtheit oder ein plötzlich verändertes Verhalten sind ernste Warnzeichen
- Erhöhtes Risiko für Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) und Stürze
- Bestehende Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen können sich verschlechtern
Ursachen
Hauptursachen
- Grippeviren der Typen A und B lösen die Erkrankung aus
- Übertragung über Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft gelangen
- Übertragung über die Hände und über Oberflächen wie Türklinken oder Haltestangen
- Die Viren verändern sich laufend, deshalb gibt es jedes Jahr neue Wellen und einen angepassten Impfstoff
Risikofaktoren
- Alter über 65 Jahre oder ein sehr junges Alter (kleine Kinder)
- Schwangerschaft
- Chronische Erkrankungen von Lunge, Herz, Leber, Nieren oder Stoffwechsel
- Ein geschwächtes Abwehrsystem, zum Beispiel durch eine Krankheit oder eine Therapie, die das Immunsystem beeinflusst
- Rauchen
- Viel Kontakt mit anderen Menschen, etwa in Pflegeberufen, Kitas oder Schulen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot oder bläuliche Lippen – hier gilt: Notruf 112
- Plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderung – Notruf 112
- Fieber über mehrere Tage ohne Besserung oder wiederkehrendes Fieber
- Starke Schmerzen, eitriger Auswurf oder ein allgemein sehr schlechter Eindruck
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (zum Beispiel Schwangerschaft oder eine chronische Erkrankung) und grippetypische Beschwerden bekommen – melden Sie sich früh
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Unsicherheit, ob es sich um eine Grippe oder eine Erkältung handelt
- Beschwerden, die nicht besser werden oder Sie sehr belasten
- Sie möchten wissen, ob eine Grippeimpfung für Sie sinnvoll ist
- Sie brauchen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder eine Einschätzung zu Ihrem Arbeitsplatz
Diagnose
In der Arztpraxis beginnt die Einschätzung mit einem Gespräch: Wann haben die Beschwerden begonnen, wie schnell sind sie gekommen, haben Sie Fieber, welche Vorerkrankungen gibt es? Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem der Rachen angeschaut, die Lunge abgehört und die Atmung geprüft wird. In der Grippesaison lässt sich die Erkrankung auf diese Weise meist gut einordnen.
Mögliche Untersuchungen
- Abstrich aus Nase oder Rachen: Damit lässt sich nachweisen, ob Grippeviren vorhanden sind
- Schnelltest, dessen Ergebnis innerhalb kurzer Zeit vorliegt – er ist aber nicht immer zuverlässig
- Genauerer Labortest (PCR), wenn das Ergebnis wichtig für die Behandlung ist
- Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung kann eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht werden
- Bei Risikogruppen oder schwerem Verlauf eventuell weitere Blut- oder Herzuntersuchungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist bleibt es bei Gespräch und Untersuchung. Ein Abstrich ist kurz und unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Wichtig zu wissen: Bei gesunden Menschen mit typischen Beschwerden ist ein Virustest oft nicht nötig, weil sich an der Behandlung dadurch meist nichts ändert. Die Ärztin oder der Arzt bespricht mit Ihnen, welche Untersuchung in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Behandlung
Bei einer Grippe steht die Linderung der Beschwerden im Mittelpunkt. Der Körper bekämpft die Viren meist selbst, und die wichtigste Unterstützung ist Ruhe. Bei Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf kann eine gezielte Behandlung gegen die Viren sinnvoll sein – sie wirkt am besten, wenn sie früh beginnt. Ob das für Sie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bleiben Sie zu Hause und gönnen Sie sich Bettruhe, solange das Fieber anhält
- Trinken Sie regelmäßig – Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Säfte; Flüssigkeit ist jetzt besonders wichtig
- Ruhen Sie sich aus und vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten, Sport und Alkohol
- Fieber- und schmerzlindernde Mittel aus der Apotheke können die Beschwerden erleichtern – fragen Sie dort nach dem passenden Mittel und lesen Sie die Packungsbeilage, besonders bei Kindern
- Bei Kindern mit Fieber achten Sie auf ausreichendes Trinken und regelmäßige Kontrolle der Temperatur
- Halten Sie zu anderen Menschen etwas Abstand und lüften Sie regelmäßig, damit sich niemand ansteckt
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach Ihren Beschwerden und Ihrem Risikoprofil. In den meisten Fällen geht es darum, Fieber und Schmerzen zu lindern und die Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Für Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf kann eine ärztlich verordnete Behandlung gegen die Grippeviren in Betracht kommen; sie sollte möglichst früh in der Erkrankung beginnen. Antibiotika wirken nicht gegen Grippeviren und werden nur bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion eingesetzt. Für Deutschland gibt es Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften), an denen sich Ärztinnen und Ärzte orientieren. Welche Behandlung für Sie richtig ist, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Grippe normalerweise nicht nötig. Nur bei bestimmten Komplikationen, etwa einem eitrigen Abszess im Bereich der Atemwege oder einer schweren eitrigen Entzündung, kann eine chirurgische Behandlung im Einzelfall erforderlich werden.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie bewusst eine Auszeit ein: Die ersten Tage sind meist die anstrengendsten, und der Körper braucht danach oft noch eine Weile, bis die Kraft zurückkommt. Müdigkeit und ein trockener Husten können nach der akuten Phase noch ein bis zwei Wochen nachhallen. Steigern Sie Ihre Aktivitäten langsam und überfordern Sie sich nicht zu früh.
Tipps für den Alltag
- Stehen Sie erst wieder voll im Alltag, wenn Fieber und starke Beschwerden vorbei sind
- Lüften Sie regelmäßig und halten Sie Ihre Hände sauber
- Vermeiden Sie in den ersten Tagen engen Kontakt zu Menschen aus Risikogruppen
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf – er unterstützt die Erholung
- Rauchen belastet die Atemwege zusätzlich; wenn Sie rauchen, ist eine Grippe ein guter Anlass, Unterstützung beim Aufhören zu suchen
Ernährung und Bewegung
Es gibt kein besonderes „Grippe-Essen“ – wichtig ist vor allem, dass Sie genug trinken und überhaupt etwas zu sich nehmen. Leichte Kost, Suppen und Obst sind oft angenehm, wenn der Appetit fehlt. Mit Sport warten Sie, bis Sie sich wieder richtig fit fühlen. Bei Herz- oder Lungenerkrankungen sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, wann Sie wieder einsteigen können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Krank zu sein kann belasten: Sorgen um die Familie, um die Arbeit oder das Gefühl, einfach nur stillhalten zu müssen. Solche Gedanken sind normal und gehen meist mit der Genesung vorbei. Wenn Sie sich länger niedergeschlagen, ängstlich oder überfordert fühlen oder wenn die Belastung zu groß wird, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In einer seelischen Krise finden Sie jederzeit Hilfe – der Notruf 112 ist rund um die Uhr erreichbar, und auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 kann Ihnen weiterhelfen.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Grippe nicht, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Wichtig sind gute Handhygiene, regelmäßiges Lüften, etwas Abstand zu erkrankten Menschen und das Fernbleiben von der Arbeit oder Schule, wenn Sie krank sind. Auch das Meiden von Menschenmengen in der Hochsaison kann helfen.
Impfungen
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine jährliche Grippeimpfung vor allem für Menschen über 60 Jahre, für Schwangere, für Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten und für Personen mit viel Kontakt zu anderen, etwa im Gesundheitswesen. Der Impfstoff wird jedes Jahr an die kursierenden Viren angepasst; der beste Zeitpunkt ist meist im Herbst. Die Impfung kann eine Grippe nicht immer verhindern, senkt aber das Risiko für einen schweren Verlauf. Ob die Impfung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein Screening im Sinne einer Früherkennung gibt es bei der Grippe nicht. Sinnvoll ist stattdessen, dass Menschen mit hohem Risiko ihren Impfstatus kennen und bei ersten grippetypischen Beschwerden früh ärztlichen Rat einholen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenentzündung, die häufigste ernste Komplikation der Grippe
- Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung
- Verschlechterung bestehender Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen
- Flüssigkeitsmangel und Schwäche, besonders bei älteren Menschen
- Selten eine Herzmuskelentzündung, die sich manchmal durch Herzstolpern oder Leistungseinbruch zeigt
- Bei Menschen mit hohem Risiko kann die Grippe schwer verlaufen und im Krankenhaus behandelt werden müssen
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die große Mehrheit der Menschen erholt sich von einer Grippe ohne bleibende Folgen. Wichtig ist, auf den Körper zu hören, Warnzeichen ernst zu nehmen und bei Risikogruppen früh ärztlichen Rat zu suchen. Mit Impfung, guter Hygiene und etwas Rücksicht aufeinander lässt sich das Risiko für schwere Verläufe deutlich senken.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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