Grippe (Influenza) und die Grippeimpfung
Übersicht
Die Grippe – medizinisch Influenza genannt – ist eine ansteckende Krankheit der Atemwege. Sie wird von Grippeviren ausgelöst und kommt fast jedes Jahr in der kalten Jahreszeit in Wellen vor. Eine echte Grippe ist meist stärker als eine gewöhnliche Erkältung: Das Fieber steigt oft plötzlich hoch, und man fühlt sich innerhalb von Stunden richtig krank. Gegen die Grippe gibt es eine Schutzimpfung. Sie wird jedes Jahr neu empfohlen, weil sich die Viren ständig verändern und der Schutz mit der Zeit nachlässt.
Wichtige Fakten
- Grippe und Erkältung sind nicht dasselbe. Eine Erkältung kommt schleichend und verläuft meist mild, eine Grippe beginnt oft von einer Stunde auf die andere mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl.
- Die Grippeimpfung wird in Deutschland jedes Jahr im Herbst empfohlen – besonders für Menschen ab 60 Jahren, für chronisch Kranke, für Schwangere und für Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten.
- Die Impfung kann eine Ansteckung nicht immer ganz verhindern. Sie senkt aber deutlich das Risiko für einen schweren Verlauf und für Komplikationen wie eine Lungenentzündung.
Ja. In Deutschland erkranken in jeder Grippewelle viele Menschen – die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr stark. Manche Wellen sind mild, andere führen zu vielen Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten und auch Todesfällen. Die meisten Erkrankungen treten zwischen Dezember und März auf.
Grundsätzlich kann jeder Mensch an Grippe erkranken – auch junge und gesunde. Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind aber Menschen ab etwa 60 Jahren, Menschen mit chronischen Krankheiten (zum Beispiel von Herz, Lunge, Nieren oder mit Diabetes), Schwangere, sehr kleine Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Auch Personen, die beruflich viel Kontakt zu anderen Menschen haben, tragen ein höheres Ansteckungsrisiko.
Symptome
- Starke Atemnot, schnelle flache Atmung oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Bläuliche oder graue Lippen, Gesichtshaut oder Fingernägel
- Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, extreme Schläfrigkeit oder Ohnmacht
- Krampfanfall
- Fieber bei einem Säugling unter drei Monaten
- Zeichen starker Austrocknung bei Kindern: kein Urin seit vielen Stunden, trockener Mund, eingesunkene Augen, kaum Reaktion
- ⚠Fieber, das länger als drei bis vier Tage anhält oder nach Besserung wiederkehrt
- ⚠Zunehmender Husten mit Auswurf oder Brustschmerzen beim Atmen
- ⚠Starke Ohrenschmerzen oder eitriger Ausfluss aus dem Ohr
- ⚠Anhaltendes Erbrechen oder Trinkschwäche, sodass kaum Flüssigkeit aufgenommen wird
- ⚠Deutliche Verschlechterung einer bestehenden chronischen Krankheit
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber, oft mit Schüttelfrost
- Starkes Krankheitsgefühl und große Müdigkeit – man fühlt sich „wie vom Lastwagen überfahren“
- Muskel-, Glieder- und Rückenschmerzen
- Kopfschmerzen
- Trockener, hartnäckiger Husten
- Halsschmerzen und Schnupfen
- Appetitlosigkeit und Übelkeit
- Lichtempfindlichkeit und gerötete Augen
Symptome bei Kindern
- Oft sehr hohes Fieber, manchmal mit Fieberkrampf
- Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen
- Mittelohrentzündung als Begleiterkrankung ist bei Kindern relativ häufig
- Kinder können sehr schlapp und quengelig wirken und weniger trinken als sonst
- Bei Säuglingen kann Fieber ganz fehlen – stattdessen fallen Trinkschwäche und Unruhe auf
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber kann fehlen oder nur leicht erhöht sein – die Krankheit zeigt sich dann anders
- Plötzliche Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder ein allgemeiner Kräfteverfall
- Bestehende Krankheiten wie Herzschwäche oder Lungenerkrankung können sich deutlich verschlechtern
- Austrocknung (Dehydrierung) entsteht bei älteren Menschen schneller
- Erhöhte Sturzgefahr durch Schwäche und Schwindel
Ursachen
Hauptursachen
- Grippeviren (vor allem Typ A und Typ B) befallen die Schleimhäute der Atemwege
- Ansteckung über feine Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen (Tröpfcheninfektion)
- Ansteckung über die Hände oder über Gegenstände, die mit Viren behaftet sind (Schmierinfektion)
- Menschen sind schon etwa einen Tag vor den ersten Beschwerden ansteckend und bleiben es meist noch einige Tage danach
- In geschlossenen Räumen mit vielen Menschen verbreiten sich die Viren besonders leicht
Risikofaktoren
- Alter ab etwa 60 Jahren
- Chronische Krankheiten von Herz, Lunge, Leber oder Nieren, Diabetes, starkes Übergewicht
- Schwangerschaft
- Geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine Krankheit oder eine Behandlung, die die Abwehr dämpft
- Sehr junge Kinder, besonders Säuglinge und Kleinkinder
- Beruf mit viel Publikumsverkehr, zum Beispiel in Pflege, Medizin, Schule oder Verkauf
- Rauchen
- Wohnen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Seniorenheimen oder Wohnheimen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke, Menschen mit geschwächtem Immunsystem) und grippeartige Beschwerden bekommen – gehen Sie frühzeitig zur Ärztin oder zum Arzt
- Bei Atemnot, Brustschmerzen oder bläulichen Lippen: sofort den Notruf 112 rufen
- Bei Babys und kleinen Kindern mit hohem Fieber, Trinkschwäche oder auffälliger Schläfrigkeit
- Wenn sich die Beschwerden nach einer ersten Besserung wieder deutlich verschlechtern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine Grippe oder eine Erkältung handelt
- Wenn das Fieber länger als drei bis vier Tage anhält
- Wenn Sie wissen möchten, ob für Sie eine Grippeimpfung sinnvoll ist
- Wenn Sie eine chronische Krankheit haben und wissen wollen, wie Sie sich in der Grippesaison am besten schützen
Diagnose
In der Regel erkennt die Ärztin oder der Arzt eine Grippe schon am typischen Bild: plötzliches hohes Fieber, starke Glieder- und Kopfschmerzen und das ausgeprägte Krankheitsgefühl während einer Grippewelle. Zusätzlich wird abgehört, der Rachen angesehen und manchmal die Sauerstoffsättigung am Finger gemessen. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an den Empfehlungen der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften). Ein Labortest ist nicht immer nötig, kann aber in bestimmten Situationen helfen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören der Lunge und Blick in den Rachen
- Messung der Sauerstoffsättigung am Finger (kleines Gerät am Fingernagel)
- Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum, der im Labor auf Grippeviren untersucht wird – das ist vor allem in den ersten Krankheitstagen aussagekräftig
- Schnelltest auf Grippeviren, der aber nicht immer zuverlässig ist
- Bei Bedarf eine Blutuntersuchung oder ein Röntgenbild der Lunge, wenn eine Lungenentzündung vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist bleibt es bei einem Gespräch und einer kurzen Untersuchung. Ein Abstrich ist unangenehm, dauert aber nur wenige Sekunden. Bis ein Laborergebnis vorliegt, kann es je nach Test einige Stunden bis wenige Tage dauern. Oft beginnt die Behandlung schon vorher – ganz nach Ihren Beschwerden. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
Behandlung
Bei einer unkomplizierten Grippe steht die Linderung der Beschwerden im Vordergrund: Ruhe, Flüssigkeit und Zeit. Der Körper wehrt die Viren selbst ab. Bei Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich eine besondere Behandlung gegen die Viren erwägen – diese wirkt am besten, wenn sie sehr früh beginnt. Ob das für Sie sinnvoll ist, entscheidet die Praxis individuell.
Selbsthilfe zu Hause
- Bleiben Sie zu Hause und gönnen Sie sich Bettruhe, solange das Fieber anhält
- Trinken Sie regelmäßig – Wasser, Tee oder verdünnte Säfte –, damit die Schleimhäute feucht bleiben
- Lüften Sie mehrmals täglich kurz, aber kräftig, und halten Sie die Raumluft nicht zu warm
- Fieber können Sie mit Hausmitteln wie Wadenwickeln lindern, wenn Sie das als angenehm empfinden
- Halten Sie Abstand zu anderen Menschen, um niemanden anzustecken – besonders nicht zu Risikogruppen
- Husten Sie in die Armbeuge und waschen Sie sich oft die Hände
- Stehen Sie erst wieder auf, wenn das Fieber einige Tage weg ist – sonst droht ein Rückfall
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung richtet sich nach dem Verlauf. Möglich sind Mittel, die Fieber und Schmerzen lindern, sowie – bei Risikopatienten und frühem Beginn – spezielle antivirale Medikamente, also Arzneien, die die Vermehrung der Grippeviren bremsen. Solche Mittel werden nur von der Ärztin oder dem Arzt verordnet und nur, wenn sie im Einzelfall passen. Bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion, etwa einer Lungenentzündung, kann eine Behandlung mit Antibiotika nötig werden – Antibiotika wirken aber nicht gegen die Grippeviren selbst. Fragen Sie in Ihrer Apotheke oder Praxis nach, welche Maßnahmen für Sie geeignet sind, und nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Grippe normalerweise kein Thema. Sie kann höchstens dann eine Rolle spielen, wenn als Komplikation etwas entsteht, das operativ behandelt werden muss – etwa ein eitriger Abszess. Das ist selten und wird im Einzelfall ärztlich besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Die akute Phase dauert meist etwa eine Woche. Danach fühlen sich viele Menschen noch ein bis zwei Wochen schlapp und schnell erschöpft – das ist normal. Planen Sie in dieser Zeit bewusst Pausen ein und steigern Sie Ihre Aktivitäten langsam. Halten Sie während der ersten Krankheitstage Abstand zu anderen, besonders zu älteren Angehörigen und zu Menschen mit chronischen Krankheiten. Denken Sie auch daran: Solange Sie Fieber haben, sind Sie ansteckend und sollten nicht zur Arbeit gehen.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf – er unterstützt die Abwehrkräfte
- Lüften Sie regelmäßig und halten Sie sich in der Grippesaison nicht zu lange in vollen, schlecht gelüfteten Räumen auf
- Waschen Sie sich häufig die Hände mit Seife, das ist ein einfacher und wirksamer Schutz
- Verzichten Sie während der Krankheit auf Alkohol und auf das Rauchen – beides belastet den Körper zusätzlich
- Prüfen Sie jedes Jahr im Herbst, ob Ihre Grippeimpfung für Sie sinnvoll ist
Ernährung und Bewegung
In der akuten Krankheitsphase gilt: Essen Sie, wenn Sie Appetit haben, und zwingen Sie sich nicht. Leichte Kost wie Suppen, Brühe, Reis oder Obst bekommt den meisten gut. Wichtiger als das Essen ist das Trinken. Mit Sport warten Sie, bis das Fieber mindestens einige Tage vorbei ist und Sie sich wieder belastbar fühlen – beginnen Sie dann langsam mit Spaziergängen. Wer zu früh wieder Vollgas gibt, riskiert einen Rückfall.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Grippe kann auf die Stimmung schlagen. Wer mehrere Tage im Bett liegt und niemanden sehen darf, fühlt sich oft einsam, gereizt oder niedergeschlagen. Das ist verständlich und geht meist vorbei, wenn die Kraft zurückkommt. Helfen können kurze Telefonate, Hörbücher oder kleine Routinen im Tag. Wenn Sie sich länger als zwei Wochen innerlich leer oder sehr ängstlich fühlen, sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis darauf an. In einer seelischen Notlage können Sie sich jederzeit an eine Krisenberatung oder an die Telefonseelsorge wenden – deren aktuelle Nummer finden Sie auf deren offizieller Internetseite oder über Ihre Praxis.
Vorbeugung
Man kann das Risiko deutlich senken – ganz verhindern lässt sich eine Grippe aber nicht immer. Die wichtigste Maßnahme ist die jährliche Grippeimpfung. Zusätzlich helfen einfache Verhaltensregeln: häufig die Hände waschen, in die Armbeuge husten, Abstand zu erkrankten Menschen halten und gut lüften. Wer krank ist, bleibt am besten zu Hause, um andere zu schützen.
Impfungen
Die Grippeimpfung wird in Deutschland für viele Menschen jedes Jahr im Herbst empfohlen – vor allem für Menschen ab 60 Jahren, für chronisch Kranke, für Schwangere, für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie für Personal im Gesundheitswesen. Die Empfehlungen in Deutschland gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) heraus; Ihre Hausarztpraxis berät Sie persönlich. Weil sich die Grippeviren verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr angepasst, und der Schutz hält nur eine Saison. Der beste Zeitpunkt ist meist Oktober bis Mitte Dezember, bevor die Grippewelle richtig beginnt. Nach der Impfung kann der Arm einige Tage weh tun oder es kann kurz zu leichtem Unwohlsein kommen – das ist ein Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet, und geht schnell vorbei. Wichtig zu wissen: Die Impfung kann keine Grippe auslösen, weil sie keine vermehrungsfähigen Viren enthält. Ob und wann für Sie eine Impfung passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Reihen-Screening auf Grippe gibt es nicht. Sinnvoll ist es aber, in der Praxis zu klären, ob Sie zu einer Risikogruppe gehören – dann lässt sich der Impfschutz jedes Jahr rechtzeitig einplanen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenentzündung, die häufigste und ernsteste Komplikation
- Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung
- Verschlechterung bestehender Krankheiten wie Herzschwäche, Asthma oder Diabetes
- Austrocknung, besonders bei älteren Menschen und bei Kindern
- In seltenen Fällen eine Herzmuskel- oder Hirnhautentzündung
- Bei Menschen mit hohem Risiko kann eine Grippe lebensbedrohlich verlaufen
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die allermeisten Menschen werden wieder vollständig gesund. Bei gesunden Erwachsenen dauert es meist ein bis zwei Wochen, bis die Kraft zurück ist. Mit Ruhe, ausreichend Trinken und etwas Geduld heilt der Körper die Infektion in der Regel selbst aus. Wer zu einer Risikogruppe gehört, kann mit einer jährlichen Impfung und mit früher Rücksprache in der Praxis viel dafür tun, dass ein schwerer Verlauf gar nicht erst entsteht.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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