Grippe (Influenza): verstehen, erkennen und gut durch die kalte Jahreszeit kommen
Übersicht
Die Grippe – medizinisch Influenza genannt – ist eine ansteckende Erkrankung der Atemwege. Auslöser sind Grippeviren. Sie werden über winzige Tröpfchen von Mensch zu Mensch weitergegeben, zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Sprechen. Eine echte Grippe fühlt sich meist plötzlich und heftig an: hohes Fieber, starke Glieder- und Kopfschmerzen und ein Gefühl, als hätte es einen „umgehauen“. Das ist etwas anderes als eine gewöhnliche Erkältung, auch wenn beide oft verwechselt werden. Eine Erkältung schleicht sich langsam ein, eine Grippe kommt meist über Nacht.
Wichtige Fakten
- Eine Grippe beginnt oft sehr plötzlich – manche Menschen sind morgens noch fit und abends richtig krank.
- Die meisten Menschen werden ohne Komplikationen wieder gesund, brauchen aber oft ein bis zwei Wochen, bis sie sich wieder richtig leistungsfähig fühlen.
- Grippeviren verändern sich ständig. Deshalb gibt es jedes Jahr einen neu angepassten Impfstoff.
- Antibiotika helfen bei einer Grippe nicht, weil sie nur gegen Bakterien wirken und nicht gegen Viren.
Ja. In Deutschland erkranken in jeder Saison viele Menschen an Grippe, vor allem in den Wintermonaten zwischen Oktober und März. Wie stark eine Saison ausfällt, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich – manche Winter sind mild, andere bringen deutlich mehr Krankheitsfälle.
Grundsätzlich kann jede Person an Grippe erkranken, auch junge und gesunde Menschen. Besonders häufig und oft auch schwerer betroffen sind ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Asthma, Herz- oder Lungenerkrankungen oder Diabetes.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Haut
- Bewusstseinstrübung, starke Verwirrtheit oder kaum ansprechbar sein
- Krampfanfall
- Kollaps oder Kreislaufversagen
- Bei Säuglingen: Fieber zusammen mit Trinkschwäche und auffälliger Schlappheit
- Bei Kindern: Einatmungsprobleme, starke Benommenheit oder ein steifer Nacken
- ⚠Fieber, das über drei bis vier Tage nicht sinkt
- ⚠Zunehmende Schwäche oder das Gefühl, immer kränker zu werden
- ⚠Anzeichen von Flüssigkeitsmangel: sehr wenig Urin, trockener Mund, Schwindel beim Aufstehen
- ⚠Verschlechterung nach einer ersten Besserung
- ⚠Neue Atemnot, Brustschmerzen oder ein pfeifendes Atemgeräusch
- ⚠Bei Risikogruppen: Grippesymptome, die schnell schlimmer werden
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes Fieber, häufig hoch
- Schüttelfrost und starkes Frösteln
- Ausgeprägte Kopf- und Gliederschmerzen
- Trockener, hartnäckiger Husten
- Halsschmerzen und Schnupfen
- Starke Müdigkeit und ein Gefühl tiefer Erschöpfung
- Appetitlosigkeit
- Manchmal leichte Übelkeit
Symptome bei Kindern
- Häufig höheres Fieber als bei Erwachsenen
- Auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall kommen vor
- Ohrenschmerzen oder eine Mittelohrentzündung
- Unruhe, Weinen oder ungewohnte Teilnahmslosigkeit
- Bei Säuglingen manchmal nur Trinkschwäche, Fieber und auffällige Schlappheit
- Kinder stecken andere oft schon an, bevor sie selbst krank wirken
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft kein hohes Fieber – die Grippe zeigt sich manchmal nur als plötzliche Schwäche
- Verwirrtheit oder plötzliche Orientierungslosigkeit
- Atemnot oder eine Verschlechterung einer bestehenden Herz- oder Lungenerkrankung
- Erhöhte Sturzgefahr durch Schwindel und Muskelschwäche
- Längere Erholungszeit und häufiger Komplikationen
- Manchmal weniger typische Beschwerden wie Appetitlosigkeit oder Rückzug
Ursachen
Hauptursachen
- Ansteckung über Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen entstehen und in die Nähe anderer Menschen gelangen
- Viren an Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffen oder Bildschirmen, die über die Hände an Mund, Nase oder Augen gelangen
- Sehr feine Virusteilchen in der Luft, vor allem in schlecht gelüfteten, vollen Räumen
- Ansteckung ist auch möglich, bevor jemand selbst Beschwerden bemerkt
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter, etwa ab 60 Jahren
- Kleine Kinder, besonders unter zwei Jahren
- Schwangerschaft
- Chronische Erkrankungen wie Asthma, COPD, Herzkrankheiten, Diabetes oder Nierenerkrankungen
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch bestimmte Behandlungen oder Erkrankungen
- Rauchen
- Viel Kontakt mit anderen Menschen, etwa im Gesundheitswesen, in der Pflege, in Schulen oder im öffentlichen Nahverkehr
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Atemnot, Brustschmerzen oder ein starkes Engegefühl in der Brust
- Plötzliche Verwirrtheit oder ungewöhnliche Benommenheit
- Fieber, das trotz Ruhe über mehrere Tage anhält oder wiederkehrt
- Zeichen von Flüssigkeitsmangel, besonders bei Kindern und älteren Menschen
- Eine Verschlechterung, nachdem es schon besser geworden war
- Grippe bei einem Säugling, einer schwangeren Person oder bei einer schweren Vorerkrankung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie gehören zu einer Risikogruppe und möchten sich beraten lassen
- Die Beschwerden halten länger als etwa eine Woche deutlich an
- Sie sind unsicher, ob es sich um eine Grippe oder eine Erkältung handelt
- Sie möchten wissen, ob für Sie eine Schutzimpfung sinnvoll ist
- Sie brauchen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Diagnose
In der Arztpraxis wird eine Grippe meist schon anhand des typischen Krankheitsbildes erkannt: Wie schnell sind die Beschwerden gekommen? Wie hoch ist das Fieber? Gibt es gerade viele Grippefälle in der Region? In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an der AWMF-Leitlinie zur Influenza, also an gemeinsamen fachlichen Empfehlungen. Nach einer kurzen körperlichen Untersuchung ist oft keine weitere Testung nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung, zum Beispiel Abhören der Lunge und Blick in den Hals
- Abstrich aus Nase oder Rachen, manchmal als Schnelltest, manchmal als genauere Laboruntersuchung
- Bei Bedarf eine Blutuntersuchung
- Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung eine Röntgenaufnahme der Lunge
- Bei Kindern je nach Beschwerden eine Untersuchung der Ohren
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein Arztbesuch bei Grippeverdacht ist meist kurz und unspektakulär. Die Praxis wird Ihnen Fragen stellen, kurz untersuchen und mit Ihnen besprechen, ob Abwarten, eine Behandlung zu Hause oder eine gezielte Therapie sinnvoll ist. Wenn ein Abstrich gemacht wird, ist das in wenigen Sekunden vorbei. Fragen Sie gern nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben – das ist ausdrücklich erwünscht.
Behandlung
Bei den allermeisten Menschen heilt eine Grippe von selbst aus. Die Behandlung hat deshalb vor allem ein Ziel: dass Sie sich wohler fühlen, gut durch die Krankheit kommen und keine Komplikationen entstehen. Im Mittelpunkt stehen Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und Geduld mit dem eigenen Körper. In bestimmten Situationen kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich etwas verordnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bleiben Sie zu Hause und gönnen Sie sich echte Ruhe – das hilft Ihrem Körper und schützt andere.
- Trinken Sie regelmäßig, auch wenn Sie keinen Durst haben. Warme Getränke können guttun.
- Essen Sie, worauf Sie Lust haben, in kleinen Portionen. Zwanghaftes Essen ist nicht nötig.
- Lüften Sie regelmäßig und halten Sie die Raumluft nicht zu trocken.
- Messen Sie bei Fieber zweimal täglich die Temperatur und notieren Sie sie, wenn Sie unsicher sind.
- Waschen Sie sich oft die Hände und husten oder niesen Sie in die Armbeuge.
- Halten Sie Abstand zu Menschen aus Risikogruppen, solange Sie krank sind.
- Stehen Sie erst wieder auf, wenn Fieber und Schwäche deutlich besser sind – sonst droht ein Rückfall.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können in bestimmten Fällen spezielle Medikamente gegen Grippeviren verordnen. Diese Mittel wirken am besten, wenn sie sehr früh nach Krankheitsbeginn gegeben werden, und sind nicht für jeden sinnvoll – die Entscheidung hängt von Beschwerden, Risikofaktoren und dem Zeitpunkt ab. Gegen Fieber und Schmerzen gibt es rezeptfreie Mittel aus der Apotheke; lassen Sie sich dort oder in der Praxis beraten, welches zu Ihnen passt, besonders bei Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei Kindern. Antibiotika helfen bei einer Grippe nicht, weil sie gegen Viren nichts ausrichten. Wichtig: Nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein, wenn Sie schwanger sind, stillen oder regelmäßig andere Mittel einnehmen – fragen Sie vorher nach.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Grippe nicht Teil der Behandlung. Nur bei seltenen Komplikationen, etwa einem vereiterten Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrbereich, kann ein Eingriff notwendig werden – das bespricht die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt dann individuell mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Eine Grippe braucht vor allem Zeit. Planen Sie die ersten Tage ganz ohne Verpflichtungen und sagen Sie Termine ab – das ist kein Versagen, sondern Teil der Genesung. Viele Menschen unterschätzen, wie lange die Erschöpfung nach einer Grippe anhält: Rechnen Sie mit ein bis zwei Wochen, bis Sie wieder belastbar sind, und mit etwas mehr, bis die Kondition ganz zurück ist. Arbeiten Sie langsam wieder los, am besten stundenweise. Wenn Kinder krank sind, helfen feste, ruhige Rituale und viel Nähe – und eine klare Absprache mit der Betreuungseinrichtung, wann das Kind zurückkehren darf.
Tipps für den Alltag
- Bauen Sie nach der Genesung Schritt für Schritt wieder Bewegung ein, statt sofort Vollgas zu geben.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf – er ist einer der wichtigsten Bausteine für das Immunsystem.
- Händehygiene und regelmäßiges Lüften sind auch nach der Krankheit gute Gewohnheiten.
- Wenn Sie rauchen: Ein Rauchstopp ist einer der wirksamsten Schutzfaktoren für die Atemwege. Unterstützung dabei ist verfügbar.
- Halten Sie chronische Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes gut im Blick und sprechen Sie bei Verschlechterung mit Ihrer Praxis.
Ernährung und Bewegung
Während der akuten Krankheit gilt: trinken, trinken, trinken und essen, was gut tut – meist sind das leichte, warme Speisen. Es gibt kein Lebensmittel, das eine Grippe „wegheilt“. Mit Bewegung warten Sie, bis Fieber und Schwäche vorbei sind; dann sind Spaziergänge ein guter Anfang. Erst wenn Sie sich mehrere Tage stabil gut fühlen, können Sie wieder mit Sport beginnen – und auch dann zunächst mit deutlich weniger Intensität als gewohnt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Krank zu sein kann belastend sein: Man fühlt sich isoliert, macht sich Sorgen um die Familie, die Arbeit oder den Alltag, und wer viel liegt, schläft oft schlecht. Solche Gedanken sind normal und gehen mit der Genesung meist zurück. Sprechen Sie darüber mit Menschen, denen Sie vertrauen. Wenn Traurigkeit, Ängste oder Hoffnungslosigkeit länger anhalten oder Gedanken auftauchen, sich selbst etwas anzutun, holen Sie sich bitte sofort Hilfe – in Deutschland zum Beispiel über den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Grippe nicht, aber man kann das Risiko deutlich senken. Am wichtigsten sind regelmäßiges Händewaschen, Husten und Niesen in die Armbeuge, regelmäßiges Lüften geschlossener Räume und Abstand zu Menschen mit akuten Atemwegsbeschwerden. Wer krank ist, bleibt am besten zu Hause – so schützt man sich und andere.
Impfungen
Gegen Grippe gibt es eine Schutzimpfung, die jedes Jahr neu an die veränderten Viren angepasst wird. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) sie vor allem für Menschen ab 60 Jahren, für Schwangere, für Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen und für Personen mit viel Kontakt zu anderen, etwa im Gesundheitswesen. Der beste Zeitpunkt liegt meist im Herbst. Ob die Impfung für Sie persönlich sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis oder Ihrer Apotheke – die Impfung kann in der Regel die Erkrankungswahrscheinlichkeit senken und schwere Verläufe unwahrscheinlicher machen, sie bietet aber keinen hundertprozentigen Schutz.
Früherkennungsprogramme
Ein Reihenuntersuchungs-Programm zur Grippe gibt es nicht. Sinnvoll ist stattdessen Aufmerksamkeit: Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte frühzeitig ärztlichen Rat suchen, wenn typische Beschwerden auftreten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenentzündung, die häufigste ernste Komplikation
- Mittelohrentzündung, besonders bei Kindern
- Nasennebenhöhlenentzündung
- Verschlechterung bestehender Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Herzschwäche
- Herzmuskelentzündung, selten, aber ernst
- Flüssigkeitsmangel und Schwäche, vor allem bei älteren Menschen
- In schweren Fällen ein Krankenhausaufenthalt
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die große Mehrheit der Menschen übersteht eine Grippe ohne dauerhafte Schäden. Nach ein bis zwei Wochen fühlen sich die meisten wieder deutlich besser, auch wenn die Kondition manchmal etwas länger braucht. Komplikationen sind selten, und je früher sie erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, ist eine gute Absprache mit Ihrer Praxis der beste Weg, um sicher durch die Saison zu kommen.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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