Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)
Übersicht
Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ direkt unter der Leber. Sie sammelt Gallenflüssigkeit, die beim Verdauen von Fett hilft. Bei einer Gallenblasenentfernung – medizinisch Cholezystektomie genannt – wird dieses Organ operativ herausgenommen. Der Körper kann ohne Gallenblase gut leben, weil die Gallenflüssigkeit weiterhin direkt aus der Leber in den Darm fließt. Der Eingriff wird meist dann nötig, wenn Gallensteine oder eine Entzündung immer wieder starke Beschwerden verursachen.
Wichtige Fakten
- Die Gallenblase speichert Gallenflüssigkeit – zum Leben ist sie nicht unbedingt nötig.
- Meist wird die Operation als Schlüsselloch-Operation (laparoskopisch) durchgeführt: kleine Schnitte, meist kürzere Erholungszeit.
- Nach dem Eingriff verdauen die meisten Menschen normal; fettreiche Mahlzeiten brauchen anfangs manchmal etwas Gewöhnung.
Ja. Die Gallenblasenentfernung gehört in Deutschland zu den häufigsten Operationen im Bauchraum. Jedes Jahr werden viele zehntausend Eingriffe durchgeführt.
Gallensteine und Gallenblasenentzündungen treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Das Risiko steigt mit dem Alter, bei Übergewicht, in der Schwangerschaft und bei schnellem Gewichtsverlust. Auch Kinder können betroffen sein, aber deutlich seltener.
Symptome
- Starke, plötzlich auftretende Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl
- Gelbfärbung von Haut und Augen zusammen mit Bauchschmerzen
- Anhaltendes Erbrechen, Bewusstseinstrübung oder Kreislaufprobleme
- ⚠Wiederkehrende Oberbauchschmerzen zusammen mit Fieber
- ⚠Gelbfärbung von Haut oder Augen (Gelbsucht)
- ⚠Dunkler Urin und heller Stuhlgang
- ⚠Zunehmende Schmerzen, die den Alltag deutlich einschränken
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, oft nach fettreichen Mahlzeiten
- Schmerzen, die in den Rücken oder in die rechte Schulter ausstrahlen
- Übelkeit und Erbrechen
- Völlegefühl und Blähungen
- Druckempfindlichkeit im Oberbauch beim Abtasten
Ursachen
Hauptursachen
- Gallensteine sind die häufigste Ursache. Sie können den Gallengang blockieren und eine Entzündung auslösen.
- Akute oder wiederkehrende Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)
- Gallenblasenpolypen, die groß sind oder wachsen
- Bauchspeicheldrüsenentzündung, die durch Gallensteine entsteht
- Funktionsstörung der Gallenblase ohne nachweisbare Steine
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 40 Jahre
- Übergewicht, besonders Bauchfett
- Schneller, starker Gewichtsverlust oder sehr strenge Diäten
- Schwangerschaft
- Familiäre Veranlagung
- Bestimmte Bluterkrankungen mit erhöhtem Abbau roter Blutkörperchen
- Manche Medikamente – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke
- Bewegungsmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Bauchschmerzen, vor allem im rechten Oberbauch
- Fieber zusammen mit Bauchschmerzen
- Gelbfärbung von Haut oder Augen
- Wiederholtes Erbrechen, sodass keine Flüssigkeit im Körper bleibt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Immer wiederkehrende Oberbauchschmerzen nach dem Essen
- Völlegefühl und Blähungen über mehrere Wochen
- Beschwerden, die nach einer Gallenkolik erneut auftreten
- Fragen zu einer geplanten Operation oder zu Ängsten davor
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach den Beschwerden und tastet den Bauch ab. Der wichtigste Schritt ist meist eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. Damit lassen sich Gallensteine, eine verdickte Gallenblasenwand oder eine Entzündung gut erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall des Oberbauchs
- Blutuntersuchung mit Entzündungswerten sowie Leber- und Gallenwerten
- Bei Bedarf weitere Bildgebung, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT)
- Bei unklaren Fällen oder Verdacht auf einen blockierten Gallengang: Spiegelung der Gallenwege
- Weitere Untersuchungen, um andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern nicht lange. Beim Ultraschall wird etwas kaltes Gel auf den Bauch aufgetragen. Oft liegen die Ergebnisse noch am selben Tag vor, manchmal erst beim nächsten Termin.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Stärke der Beschwerden. Bei einer einmaligen, milden Beschwerde kann zunächst abgewartet werden. Bei wiederkehrenden Schmerzen, einer Entzündung oder Komplikationen ist die Entfernung der Gallenblase die übliche und dauerhafte Lösung. Meist geschieht das als Schlüsselloch-Operation; in bestimmten Situationen ist ein offener Bauchschnitt nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Große, fettreiche Mahlzeiten zunächst meiden, wenn sie Beschwerden auslösen
- Regelmäßig essen, aber in kleineren Portionen
- Ausreichend trinken
- Wenn eine Operation geplant ist: die Anweisungen zum Nüchternbleiben genau befolgen
- Rauchen möglichst einschränken oder aufhören – das unterstützt die Wundheilung
Medizinische Behandlungen
Medikamente können Schmerzen lindern und eine Entzündung behandeln. Es gibt auch Mittel, die Gallensteine auflösen können; sie wirken jedoch nur bei bestimmten Steinarten, brauchen viel Zeit und die Steine kommen häufig zurück. Welche Behandlung zu Ihnen passt, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen. Fragen Sie bei Unsicherheiten auch in Ihrer Apotheke nach.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist empfohlen, wenn Schmerzen wiederholt auftreten, eine Gallenblasenentzündung besteht, Steine den Gallengang blockieren oder die Bauchspeicheldrüse entzündet war. In der Schwangerschaft wird der Zeitpunkt besonders sorgfältig gewählt. Ob und wann operiert wird, entscheiden Sie gemeinsam mit dem Behandlungsteam.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation bleiben meist kleine Narben. Viele Menschen sind nach einigen Tagen wieder im Alltag unterwegs, andere brauchen ein bis zwei Wochen. Anfangs können weicher Stuhl oder Blähungen auftreten – das gibt sich oft mit der Zeit. Achten Sie auf die Wunden und melden Sie sich, wenn eine Wunde rot, geschwollen oder heiß wird oder Fieber auftritt.
Tipps für den Alltag
- Nach der Operation langsam wieder mit leichter Kost beginnen
- Fettreiche Speisen vorsichtig testen und die Menge langsam steigern
- Bewegung nach Anleitung des Behandlungsteams steigern
- Auf Wundzeichen und das eigene Körpergefühl achten
- Bei anhaltendem Durchfall Trinkmenge im Blick behalten und ärztlich abklären lassen
Ernährung und Bewegung
Nach der Entfernung verdaut der Körper Fett meist gut, weil die Leber weiterhin Gallenflüssigkeit bildet. In den ersten Wochen können fettreiche Mahlzeiten Durchfall oder Blähungen auslösen. Hilfreich sind kleinere Portionen, langsames Herantasten und regelmäßige Bewegung. Eine spezielle Diät, die für alle gilt, gibt es nicht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Operation am Bauch kann Unsicherheit oder Angst auslösen – das ist normal. Manche sorgen sich, ob sie ohne Gallenblase normal essen können; nach einer Eingewöhnungszeit ist das meist möglich. Bei anhaltender Anspannung, Schlafproblemen oder gedrückter Stimmung sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Psychologische Unterstützung ist ein normaler Teil der Versorgung.
Vorbeugung
Nicht alle Gallensteine lassen sich verhindern, denn Veranlagung und Alter spielen eine Rolle. Ein gesundes Gewicht, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können das Risiko aber senken. Wichtig: Gewicht möglichst langsam und nicht radikal abnehmen – das ist für die Gallenblase meist besser.
Impfungen
Eine Impfung gegen Gallensteine oder Gallenblasenentzündungen gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Eine Routineuntersuchung zur Früherkennung von Gallensteinen gibt es nicht. Bei Beschwerden oder Risikofaktoren hilft eine gezielte Abklärung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederkehrende, starke Schmerzen
- Gallenblasenentzündung, die sich verschlimmern kann
- Verschluss des Gallengangs mit Gelbsucht
- Bauchspeicheldrüsenentzündung
- In seltenen Fällen ein Durchbruch der Gallenblase mit lebensbedrohlicher Infektion
- Nach einer Operation selten: Nachblutung, Wundinfektion, Verletzung der Gallenwege oder anhaltende Verdauungsbeschwerden
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Die meisten Menschen leben nach der Entfernung der Gallenblase beschwerdefrei und können normal essen. Der Eingriff gehört zu den häufigsten und gut erprobten Operationen. Wie bei jeder Operation gibt es Risiken, die das Behandlungsteam ausführlich mit Ihnen bespricht – bei den allermeisten verläuft die Erholung unkompliziert.
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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
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