Shigellen-Infektion (Shigellose): Durchfall durch Bakterien
Übersicht
Shigellen sind winzige Bakterien. Wenn sie in den Darm gelangen, können sie dort eine Entzündung auslösen. Fachleute nennen das Shigellose. Es ist eine Form der Gastroenteritis, also eine Magen-Darm-Entzündung. Typisch sind Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber. Der Durchfall ist oft blutig oder schleimig. Schon sehr wenige Bakterien reichen aus, um jemanden anzustecken.
Wichtige Fakten
- Shigellen werden meist von Mensch zu Mensch übertragen, über die Hände, über verunreinigtes Wasser oder über Lebensmittel.
- Die Beschwerden beginnen meist 1 bis 3 Tage nach der Ansteckung.
- Bei den meisten Menschen heilt die Infektion innerhalb von etwa einer Woche von selbst aus. Das Wichtigste ist, genug zu trinken.
- Der Nachweis von Shigellen ist in Deutschland meldepflichtig. Das Gesundheitsamt wird also informiert.
In Deutschland kommt die Shigellose eher selten vor. Weltweit ist sie aber eine der häufigsten Ursachen für blutigen Durchfall. Viele Fälle hierzulande werden aus dem Ausland mitgebracht, zum Beispiel von Reisen in Regionen mit schlechter Wasser- und Hygieneversorgung.
Jeder kann sich anstecken. Besonders häufig betroffen sind kleine Kinder, Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Pflegeheimen, Reisende sowie Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder plötzliche, sehr starke Schwäche
- Ein Krampfanfall
- Deutliche Zeichen starker Austrocknung, zum Beispiel seit vielen Stunden kein Urin, eingefallene Augen, Verwirrtheit
- Blutiger Durchfall zusammen mit Kreislaufproblemen wie sehr schnellem Puls, Blässe oder kaltem Schweiß
- Sehr starke Bauchschmerzen mit hartem, gespanntem Bauch
- ⚠Blut oder Schleim im Stuhl
- ⚠Hohes Fieber oder Fieber, das länger als zwei Tage anhält
- ⚠Durchfall, der nach drei Tagen nicht besser wird
- ⚠Erbrechen, sodass kaum Flüssigkeit im Magen bleibt
- ⚠Erste Anzeichen von Austrocknung: Durst, trockener Mund, dunkler und seltener Urin
- ⚠Ein geschwächtes Abwehrsystem oder eine schwere Grunderkrankung
Häufige Symptome
- Durchfall, der oft blutig oder schleimig wird
- Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen
- Fieber
- Übelkeit und Erbrechen
- Starker, plötzlicher Stuhldrang, manchmal mit nur wenig Stuhl
- Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen
- Kopfschmerzen und Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Kleine Kinder trocknen bei Durchfall besonders schnell aus.
- Warnzeichen sind eine Windel, die über viele Stunden trocken bleibt, wenig Urin, trockene Lippen und Mundschleimhaut, keine Tränen beim Weinen, eingefallene Augen und große Schlappheit.
- Bei hohem Fieber kann es selten zu einem Krampfanfall kommen. Dann sofort den Notruf 112 wählen.
- Kinder trinken bei Übelkeit oft nur in kleinen Schlucken. Bieten Sie häufig kleine Mengen an.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen verlieren bei Durchfall schneller Flüssigkeit und Salze.
- Bestehende Erkrankungen von Nieren, Herz oder Kreislauf können sich verschlechtern.
- Verwirrtheit oder plötzliche Schwäche können ein Zeichen von Austrocknung sein.
- Manche Medikamente wirken bei Flüssigkeitsmangel anders. Fragen Sie in der Praxis nach.
Ursachen
Hauptursachen
- Schmierinfektion von Mensch zu Mensch: Erreger aus dem Stuhl gelangen über die Hände in den Mund.
- Verunreinigtes Trinkwasser oder Eiswürfel aus unsicherer Quelle
- Rohe oder ungewaschene Lebensmittel, zum Beispiel Salat oder Obst
- Verschmutzte Oberflächen wie Türklinken, Wasserhähne oder Wickelauflagen
- Sexuelle Übertragung, wenn Erreger aus dem Analbereich in den Mund gelangen
- Fliegen können Erreger auf offene Lebensmittel bringen
Risikofaktoren
- Reisen in Regionen mit schlechter Wasser- und Hygieneversorgung
- Leben oder Arbeiten in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita, Schule, Heim oder Kaserne
- Kleine Kinder, die beim Toilettengang noch Hilfe brauchen
- Mangelnde Handhygiene, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen
- Ein geschwächtes Abwehrsystem oder eine Behandlung, die die Abwehr dämpft
- Berufliche Tätigkeit mit Lebensmitteln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut oder Schleim im Stuhl
- Zeichen der Austrocknung, etwa sehr wenig Urin, trockener Mund, Schwindel beim Aufstehen
- Hohes Fieber oder Fieber, das nicht sinkt
- Durchfall, der trotz ausreichenden Trinkens nicht besser wird
- Ein Baby, ein kleines Kind oder ein älterer Mensch mit Durchfall
- Eine geschwächte Abwehr oder eine schwere Grunderkrankung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine ansteckende Infektion handelt
- Wenn die Beschwerden nach einer Woche noch nicht abgeklungen sind
- Wenn Sie in einem Lebensmittelberuf arbeiten oder ein Kind in die Kita geht
- Wenn Sie wissen möchten, wann Sie wieder zur Arbeit oder in die Schule dürfen
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden. Wichtig sind auch Fragen nach Reisen, nach Kontakt zu erkrankten Menschen und nach Ihrer Umgebung. Danach wird meist eine Stuhlprobe im Labor untersucht. Nur so lässt sich sicher sagen, ob Shigellen die Ursache sind und nicht ein anderer Erreger.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung einer Stuhlprobe im Labor, um den Erreger nachzuweisen
- Bei Bedarf eine Blutuntersuchung, um Salz- und Nierenwerte zu prüfen
- Bei starken Beschwerden manchmal eine ärztliche Untersuchung des Enddarms
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Auf das Ergebnis der Stuhlprobe warten Sie meist einige Tage. In Deutschland muss der Nachweis von Shigellen an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Das übernimmt die Praxis. Der Grund ist der Schutz anderer Menschen, zum Beispiel in Kita oder Pflegeheim. Das Gesundheitsamt kann auch Fragen zum Arbeits- oder Besuchsverbot beantworten.
Behandlung
Bei den meisten Menschen heilt eine Shigellose von allein aus. Die wichtigste Behandlung ist deshalb Flüssigkeit. Trinken Sie oft kleine Schlucke, statt auf einmal eine große Menge. So bleibt die Flüssigkeit besser im Körper. Ausdrücklich gilt: Nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein und geben Sie Kindern keine Mittel ohne Rücksprache mit der Praxis.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken: Wasser, dünner Tee oder eine Elektrolyt-Trinklösung aus der Apotheke.
- Kleine Portionen und leichte Kost, zum Beispiel Zwieback, Reis, Banane oder klare Brühe.
- Ruhe gönnen Sie sich wirklich. Der Körper braucht Kraft für die Abwehr.
- Nach jedem Toilettengang gründlich die Hände waschen, mit Seife und mindestens 20 Sekunden.
- Eigene Handtücher verwenden und die Toilette regelmäßig reinigen.
- Nicht in Schwimmbäder gehen, solange Durchfall besteht.
- Klären Sie mit der Praxis, wann Sie wieder in Kita, Schule oder an den Arbeitsplatz dürfen.
Medizinische Behandlungen
Bei einem schweren Verlauf, bei bestimmten Risikogruppen oder wenn die Beschwerden nicht besser werden, kann die Ärztin oder der Arzt eine Behandlung mit Antibiotika verordnen. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten. Ob das sinnvoll ist und welches Mittel passt, entscheidet die Praxis. Mittel, die den Durchfall stoppen, sind bei blutigem Durchfall oder Fieber nicht geeignet: Die Erreger bleiben dann länger im Darm. Bei Flüssigkeitsmangel kann in der Praxis oder im Krankenhaus Flüssigkeit über eine Vene gegeben werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Shigellen-Infektion in der Regel nicht nötig.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Tagen geht es vor allem ums Trinken und Ausruhen. Bleiben Sie zu Hause, bis der Durchfall mindestens 48 Stunden vorbei ist. Für Kinder in Kita oder Schule und für Menschen, die mit Lebensmitteln arbeiten, gelten in Deutschland besondere Regeln. Die Praxis oder das Gesundheitsamt sagt Ihnen, wann eine Rückkehr möglich ist und ob dafür eine ärztliche Bescheinigung nötig ist.
Tipps für den Alltag
- Händewaschen ist die wichtigste Schutzmaßnahme: nach dem Toilettengang, vor dem Essen, nach dem Wickeln.
- Benutzen Sie in der akuten Zeit eigene Handtücher und waschen Sie Bettwäsche und Kleidung bei hoher Temperatur.
- Reinigen Sie Toilette, Wasserhähne und Türklinken regelmäßig.
- Halten Sie Abstand zu Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, solange Sie ansteckend sein könnten.
- Lassen Sie sich krankschreiben, wenn Sie sich noch nicht fit fühlen.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie, wenn Ihnen danach ist, und ruhig in kleinen Portionen. Gut verträglich sind Reis, Zwieback, Banane, gekochte Kartoffeln, klare Brühe und gedünstetes Gemüse. Vorsichtig sein sollten Sie mit sehr fettreichen, scharfen oder stark gezuckerten Speisen, mit Alkohol und mit viel Kaffee. Milchprodukte vertragen manche Menschen während der Erkrankung schlecht. Mit Sport warten Sie, bis der Durchfall weg ist und Sie sich wieder kräftig fühlen. Fangen Sie danach langsam an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Durchfall mit Blut ist beunruhigend. Viele Menschen schämen sich auch und ziehen sich zurück. Das ist verständlich, aber niemand muss sich für eine Infektion schämen. Wenn Sie merken, dass die Angst oder die Belastung nicht nachlässt, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis. In einer seelischen Krise finden Sie Unterstützung bei Beratungsstellen wie der Telefonseelsorge; die aktuelle Nummer steht auf deren offizieller Internetseite und in Ihrem örtlichen Telefonbuch. Bei akuter Gefahr für sich oder andere gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Ja. Mit guter Hygiene lässt sich das Risiko stark senken. Waschen Sie sich gründlich die Hände mit Seife, vor allem nach dem Toilettengang, nach dem Wickeln, vor dem Essen und vor dem Kochen. Spülen Sie Obst und Gemüse sorgfältig. Auf Reisen in Regionen mit unsicherer Wasserversorgung: nur abgefülltes oder abgekochtes Wasser trinken, keine Eiswürfel, keine rohen Speisen, Obst selbst schälen. Beim Sex auf Hygiene achten sowie auf Hände und Gegenstände, die in den Mund gelangen. Wenn jemand im Haushalt erkrankt ist, eigene Handtücher nutzen und die Toilette häufig reinigen.
Impfungen
Es gibt derzeit keinen Impfstoff gegen Shigellen, der allgemein verfügbar ist. Forschende arbeiten daran. Fragen Sie bei Reisen in Ihre Hausarztpraxis oder in eine reisemedizinische Beratung, welche Schutzmaßnahmen für Ihr Zielgebiet sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Eine Routineuntersuchung auf Shigellen gibt es nicht. Getestet wird bei Beschwerden und bei Menschen im Umfeld einer bekannten Infektion, zum Beispiel in Gemeinschaftseinrichtungen oder im Lebensmittelbereich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung: Der Körper verliert zu viel Wasser und Salze. Das ist die häufigste und wichtigste Komplikation.
- Störungen des Salzhaushalts, die Herz und Nieren belasten können
- Bei kleinen Kindern, älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem kann sich eine Blutvergiftung entwickeln. Sie ist selten, aber ernst.
- Bei bestimmten Erregertypen kann es vor allem bei kleinen Kindern zu einer schweren Blut- und Nierenkomplikation kommen.
- Wochen nach der Infektion können Gelenkbeschwerden oder gereizte Augen auftreten.
- Manche Menschen behalten vorübergehend Darmbeschwerden oder einen Reizdarm.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die allermeisten Menschen werden wieder ganz gesund. Bei typischem Verlauf klingen die Beschwerden innerhalb von etwa einer Woche ab. Mit genug Flüssigkeit lässt sich das Risiko von Komplikationen deutlich senken. Bleiben Beschwerden länger als eine Woche oder treten neue Symptome auf, ist ein Termin in der Hausarztpraxis sinnvoll — dann lässt sich gut gegensteuern.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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