Group-B-Streptokokken (GBS)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Group-B-Streptokokken (GBS) sind Bakterien, die bei vielen gesunden Menschen im Darm, in der Scheide oder an den Harnwegen vorkommen. Sie verursachen meist keine Beschwerden, können aber in bestimmten Situationen schwere Infektionen auslösen – besonders bei Neugeborenen.
Wichtige Fakten
- GBS ist weit verbreitet: Etwa jede vierte Frau ist zeitweise besiedelt.
- Die meisten Erwachsenen und auch die meisten Neugeborenen haben keine Beschwerden durch GBS.
- Ein GBS-Test in der Schwangerschaft hilft, das Baby während der Geburt zu schützen.
Ja. GBS gehört zur normalen Bakterienflora vieler Menschen. Man schätzt, dass etwa 10 bis 30 Prozent der Erwachsenen GBS im Körper tragen, ohne krank zu sein.
GBS kann in jeder Lebensphase vorkommen, besonders beachtet wird es bei Schwangeren, Neugeborenen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Bei älteren Menschen kann es gelegentlich zu Infektionen kommen.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn bei Ihrem Baby eines dieser Zeichen auftritt: Fieber, Atemnot, auffallende Teilnahmslosigkeit, Krämpfe oder bläuliche Haut.
- Bei Erwachsenen: Plötzlich hohes Fieber mit Schüttelfrost, Verwirrtheit oder starker allgemeiner Krankheitszustand – Notruf 112 wählen.
- ⚠Wenn ein Neugeborenes auch nur ein Warnzeichen zeigt, sollte es noch am selben Tag ärztlich gesehen werden.
- ⚠Bei Schwangeren mit Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen oder vorzeitigen Wehen – Kontakt zur Geburtsklinik oder Hebamme aufnehmen.
- ⚠Wenn eine Wunde zunehmend schmerzt, stark anschwillt oder gelblich eitert – noch am selben Tag behandeln lassen.
Häufige Symptome
- Beschwerden fehlen meist ganz.
- Möglicherweise Harnwegsinfektionen (z.B. Brennen oder verstärkter Harndrang).
- Bei kleinen Wunden kann sich die Haut zusätzlich entzünden.
Symptome bei Kindern
- Fieber
- Trinkfaulheit oder Erbrechen
- Ungewöhnliche Schlappheit (Teilnahmslosigkeit)
- Schrilles Schreien
- Atmung fällt schwer oder ist unregelmäßig
- Blasse oder bläuliche Haut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Harnwegsinfektionen mit Schmerzen oder Fieber
- Wundinfektionen, wenn die Haut verletzt ist
- Selten auch Blutvergiftung mit Schüttelfrost und hohem Fieber
Ursachen
Hauptursachen
- GBS-Bakterien (Streptococcus agalactiae) können sich im Darm, in der Scheide oder in den Harnwegen ansiedeln. Sie werden durch direkten Kontakt übertragen – zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr oder bei der Geburt auf das Kind.
Risikofaktoren
- Schwangerschaft – besonders bei vorzeitigem Blasensprung oder Frühgeburt
- Älteres Lebensalter (etwa ab 65 Jahren)
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Diabetes, Krebsbehandlung oder eine intensive Medikamententherapie
- Ein früheres Kind, das an GBS erkrankt war
- Wenn GBS im Urin während der Schwangerschaft nachgewiesen wird
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neugeborenes: Bei Fieber, Schlappheit, Trinkproblemen oder Atemproblemen – sofort ärztliche Hilfe holen.
- Schwangerschaft: Bei Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber oder Unterleibsschmerzen noch am selben Tag die Geburtsklinik oder die gynäkologische Praxis kontaktieren.
- Erwachsene: Bei hohem Fieber, plötzlicher Verwirrtheit oder Ausbreitung einer Hautrötung sofort ärztlich vorstellen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie schwanger sind, in der 35.–37. Schwangerschaftswoche mit der Ärztin oder dem Arzt den GBS-Test besprechen.
- Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten können das beim Hausarzt oder in der Frauenarztpraxis abklären lassen.
Diagnose
GBS wird durch einen Tupferabstrich oder einen Urintest nachgewiesen. In der Schwangerschaft wird meist in der 35.–37. Schwangerschaftswoche ein Abstrich von der Scheide und vom Enddarm genommen.
Mögliche Untersuchungen
- Abstrich über die Scheide und den Enddarmbereich
- Urinuntersuchung
- Bei Neugeborenen mit Krankheitszeichen: Blutprobe, Urinprobe und in bestimmten Fällen eine Probe des Nervenwassers (Liquor) – das entnimmt ein erfahrener Arzt im Krankenhaus.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Abstrich ist kurz und tut nicht weh. Ein Wattestäbchen wird sanft über die Schleimhaut geführt. Das Ergebnis liegt meist innerhalb von ein bis drei Tagen vor. Wenn die Ärztin oder der Arzt bei Ihnen GBS feststellt, bekommen Sie verständliche Informationen und die nächsten Schritte werden gemeinsam besprochen.
Behandlung
Wenn GBS keine Beschwerden macht, ist keine Behandlung nötig. In der Schwangerschaft kann eine vorbeugende Behandlung während der Geburt sinnvoll sein: Die Ärztin oder der Arzt gibt dabei ein Antibiotikum über die Vene (intravenös). Das schützt das Baby vor einer Übertragung. Diese Maßnahme wird abhängig von der Situation empfohlen – zum Beispiel bei einem positiven GBS-Test oder einem erhöhten Risiko.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, wenn GBS im Urin gefunden wurde – das spült die Harnwege.
- Wunden sauber und trocken halten, um weitere Entzündungen zu vermeiden.
- Auf starke körperliche Belastung sollte man verzichten, solange kein akuter Infekt vorliegt.
Medizinische Behandlungen
Bei einer aktiven GBS-Infektion – etwa einer Harnwegsinfektion, einer Wundinfektion oder einer Blutvergiftung – werden Antibiotika eingesetzt. Die Wahl des Antibiotikums, die Dosis und die Dauer bestimmt die behandelnde Ärztin oder der Arzt individuell. Es ist wichtig, die Behandlung genau nach Anweisung zu beenden, auch wenn die Beschwerden nachlassen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei GBS in der Regel nicht nötig. Nur in seltenen Fällen, wenn sich ein eitriger Herd bildet, könnte ein kleiner chirurgischer Eingriff in Betracht kommen.
Leben mit der Erkrankung
Menschen, die GBS in sich tragen, können ganz normal leben. Eine Besiedlung ist kein Anzeichen für eine Schwächung des Immunsystems. Bei Bedarf lässt sich der GBS-Status bei einer Routineuntersuchung abklären.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßiges Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Kontakt mit einem Baby
- Tampons oder Binden häufiger wechseln und auf hygienische Intimpflege achten
- Wunden keimarm behandeln und mit einem Pflaster abdecken
- Impfungen auf dem aktuellen Stand halten (nach Empfehlung der Ärztin oder des Arztes)
Ernährung und Bewegung
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkorn kann das Immunsystem unterstützen. Regelmäßige Bewegung – zum Beispiel Spazierengehen oder leichte Gymnastik – ist für fast alle Menschen gut. In der Schwangerschaft ist es sinnvoll, vorher mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zu klären, welche Bewegung passend ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein GBS-Befund kann Ängste auslösen, besonders in der Schwangerschaft. Es hilft, offen mit dem medizinischen Team zu sprechen und sich vorzustellen, dass die meisten GBS-positiven Frauen gesunde Kinder bekommen. Angst ist normal – aber sie sollte nicht das Bestehen des Alltags überschatten.
Vorbeugung
Eine GBS-Besiedlung selbst lässt sich nicht so einfach verhindern, weil die Bakterien natürlich im Körper vorkommen. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist, bei der Geburt eine Übertragung auf das Kind zu vermeiden. Dafür wird in der Spätschwangerschaft nach GBS gesucht und bei Bedarf während der Geburt Antibiotika eingesetzt.
Impfungen
Es ist noch kein Impfstoff gegen GBS zugelassen. Die Forschung arbeitet jedoch daran.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland ist der GBS-Test keine Pflichtleistung, er wird aber von vielen Ärztinnen und Ärzten angeboten. Die medizinische Leitlinie (AWMF) empfiehlt, in der 35.–37. Schwangerschaftswoche bei allen Schwangeren einen GBS-Test durchzuführen. Klären Sie, ob und wie ein Test bei Ihnen erfolgen kann.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei Neugeborenen kann eine unbehandelte GBS-Infektion zu Blutvergiftung, Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung führen; unter Umständen mit bleibenden Schäden.
- Bei Schwangeren kann eine unbehandelte Harnwegsinfektion zu einem Entzündungsherd in der Gebärmutter nach der Geburt führen.
- Bei älteren Menschen kann eine GBS-Infektion in seltenen Fällen eine Blutvergiftung oder Gelenk- und Knocheninfektion auslösen.
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut, wenn eine GBS-Infektion früh erkannt und behandelt wird – gerade bei Neugeborenen. Viele Babys mit GBS-Infektion werden dank rechtzeitiger Behandlung ganz gesund. Für gesunde Erwachsene ist GBS in der Regel harmlos.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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