Guinea-Wurm-Krankheit (Drakunkulose)
Übersicht
Die Guinea-Wurm-Krankheit heißt in der Medizin auch Drakunkulose. Sie wird von einem sehr langen, dünnen Fadenwurm ausgelöst. Menschen stecken sich an, wenn sie Wasser trinken, in dem winzige, infizierte Krebstierchen schwimmen. Diese Tierchen sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht sieht. Im Körper wächst der Wurm etwa ein Jahr lang heran. Danach bohrt er sich meist am Unterschenkel oder am Fuß durch die Haut nach außen. Die Krankheit ist nicht von Mensch zu Mensch ansteckend.
Wichtige Fakten
- Die Ansteckung passiert fast immer über Trinkwasser aus offenen Brunnen, Tümpeln oder Teichen, nicht über Essen oder direkten Kontakt mit Kranken.
- Zwischen Ansteckung und den ersten Beschwerden liegt meist etwa ein Jahr. So lange spüren die Betroffenen oft gar nichts.
- Die Krankheit lässt sich gut verhindern, wenn Trinkwasser sicher ist – durch Filtern, Abkochen oder eine geschützte Wasserversorgung.
In Deutschland und in ganz Mitteleuropa kommt die Guinea-Wurm-Krankheit praktisch nicht vor. Weltweit ist sie stark zurückgegangen: In den 1980er-Jahren gab es noch mehrere Millionen Fälle pro Jahr, heute sind es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation nur noch wenige Dutzend. Sie gilt als eine der Krankheiten, die am ehesten ganz ausgerottet werden können.
Betroffen sind vor allem Menschen in ländlichen Gebieten ohne sicheres Trinkwasser, und zwar in einigen wenigen Ländern Afrikas. In Deutschland betrifft es fast ausschließlich Menschen, die in solchen Gebieten gelebt haben, sowie Reisende, Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer. Kleine Kinder und ältere Menschen sind genauso betroffen wie Erwachsene.
Symptome
- Hohes Fieber zusammen mit Verwirrtheit, schneller Atmung oder Kreislaufschwäche – das können Zeichen einer Blutvergiftung sein
- Rötung, die sich rasch ausbreitet, oder dunkle, absterbende Hautstellen
- Sehr starke Schmerzen, die plötzlich schlimmer werden, mit Blässe und Schweißausbrüchen
- Kieferklemme oder Muskelkrämpfe – Zeichen einer möglichen Tetanus-Erkrankung
- In Deutschland gilt für Notfälle die Notrufnummer 112
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder Wärme um die Wunde
- ⚠Eiter oder übel riechende Absonderung aus der Wunde
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Die Wunde heilt nicht oder wird größer
- ⚠Sie können das Bein nicht mehr belasten
Häufige Symptome
- Lange Zeit gar keine Beschwerden – meist etwa ein Jahr nach der Ansteckung
- Ein brennendes, schmerzhaftes Gefühl an einer Hautstelle, oft am Unterschenkel oder am Fuß
- Eine kleine Blase oder ein Knoten auf der Haut, die sich nach einigen Tagen öffnet
- Ein weißer, fadenartiger Wurm wird an der Hautstelle sichtbar
- Schwellung, Rötung und Wärme rund um die Stelle
- Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Juckreiz
- Schmerzen beim Gehen oder Stehen, manchmal fällt das Gehen schwer
Symptome bei Kindern
- Oft dieselben Beschwerden wie bei Erwachsenen, aber Kinder können sie schlechter beschreiben
- Weinen, Unruhe oder Angst, wenn der Wurm austritt
- Schwellung und Schmerzen am Bein, dadurch weniger Spielen und Bewegen
- Fehlen in der Schule, weil das Gehen wehtut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Wunden heilen oft langsamer, deshalb ist die Gefahr einer zusätzlichen Wundinfektion höher
- Bestehende Grunderkrankungen wie Diabetes können den Verlauf erschweren
- Stürze und Bewegungseinschränkung, wenn das Bein geschwollen und schmerzhaft ist
- Bei Fieber im Alter kann der Allgemeinzustand schneller schlechter werden
Ursachen
Hauptursachen
- Trinken von Wasser aus offenen Wasserstellen, in dem winzige Krebstierchen leben – diese heißen Ruderfußkrebse und sind oft mit Larven des Wurms befallen
- Im Magen und Darm werden die Larven freigesetzt, durchbohren die Darmwand und reifen im Körper heran
- Nach etwa einem Jahr wandert der weibliche Wurm zur Haut, meist am Unterschenkel, und bildet dort eine Blase
- Kommt die Hautstelle mit Wasser in Kontakt, platzt die Blase und der Wurm gibt neue Larven ins Wasser ab – so beginnt der Kreislauf von Neuem
Risikofaktoren
- Leben in einem ländlichen Gebiet ohne sichere Wasserversorgung in den noch betroffenen afrikanischen Regionen
- Reisen oder Arbeiten in solchen Gebieten mit Trinken von unbehandeltem Oberflächenwasser
- Berufliche Tätigkeiten wie Landwirtschaft, Viehhaltung oder Brunnenbau, bei denen man viel mit offenen Wasserstellen zu tun hat
- Fehlende Aufklärung über das Filtern und Abkochen von Trinkwasser
- Armut und fehlende Sanitärversorgung, die sichere Wasserversorgung erschweren
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn an einer Hautstelle ein fadenartiger Wurm sichtbar wird – bitte noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen
- Wenn eine Hautstelle stark schmerzt, gerötet ist oder eitert
- Wenn Fieber dazukommt
- Wenn Sie aus einer betroffenen Region zurückgekehrt sind und solche Beschwerden haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie in den letzten ein bis zwei Jahren in einem betroffenen Gebiet waren und unsicher sind, ob Ihr Trinkwasser sicher war
- Wenn Sie eine Reise in eine solche Region planen und wissen möchten, wie Sie sich schützen können
- Wenn der Tetanus-Schutz nicht aktuell ist – das lässt sich gut beim Hausarzt oder bei der Hausärztin klären
Diagnose
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt die Krankheit schon am Aussehen der Hautstelle: Der weiße, fadenartige Wurm ist oft direkt sichtbar. Wichtig ist außerdem ein Gespräch über Reisen und darüber, woher das Trinkwasser kommt. Die Untersuchung ist einfach und tut nicht weh.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Hautstelle
- Ausführliches Gespräch zu Reisen und zur Wasserversorgung
- Bildgebung wie Ultraschall oder Röntgen, wenn ein abgestorbener Wurm im Gewebe vermutet wird
- Laboruntersuchungen, wenn eine zusätzliche bakterielle Infektion vermutet wird
- Spezielle Antikörper-Tests sind nur in Ausnahmefällen und in spezialisierten Zentren nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In den meisten Fällen reicht die körperliche Untersuchung. Das Entfernen des Wurms dauert dann mehrere Tage bis Wochen, weil er ganz langsam herausgezogen werden muss. Ihr Behandlungsteam wird Ihnen genau zeigen, wie die Wunde zu versorgen ist und wie Sie sich in dieser Zeit schützen.
Behandlung
Es gibt kein Medikament, das den ausgewachsenen Wurm sicher abtötet. Die Behandlung besteht deshalb darin, den Wurm vorsichtig und langsam zu entfernen, die Wunde sauber zu halten und eine zusätzliche Infektion zu verhindern. Der Körper heilt danach in der Regel gut ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Die Wunde sauber und trocken halten und mit einem sauberen Verband abdecken
- Den Wurm auf keinen Fall gewaltsam herausziehen oder die Stelle ausdrücken – das kann den Wurm zerreißen und eine Infektion begünstigen
- Die Hautstelle nicht in Kontakt mit Teichen, Brunnen oder anderen Wasserstellen bringen, damit sich keine neuen Larven verbreiten
- Nur sicheres Trinkwasser trinken: abgekocht, gefiltert oder aus einer geschützten Versorgung
- Ausreichend ruhen und das Bein entlasten, solange es geschwollen und schmerzhaft ist
- Auf Zeichen einer Infektion achten: zunehmende Rötung, Schwellung, Eiter oder Fieber
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt wickelt den Wurm Tag für Tag ein kleines Stück weiter heraus, meist über einige Tage bis Wochen. Das klingt ungewöhnlich, ist aber die schonendste Methode. Dazu kommen eine gute Wundversorgung mit regelmäßigen Verbandswechseln und eine Behandlung von Schmerzen. Bildet sich eine zusätzliche bakterielle Infektion, kann eine antibiotische Behandlung nötig sein – darüber entscheidet die behandelnde Praxis individuell. Außerdem wird geprüft, ob der Tetanus-Schutz aktuell ist, und bei Bedarf aufgefrischt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig, zum Beispiel wenn der Wurm in einem Gelenk liegt, sich nicht entfernen lässt oder sich ein Abszess bildet. In solchen Fällen überweist die Praxis an eine geeignete Fachabteilung.
Leben mit der Erkrankung
In den Wochen der Wurm-Entfernung steht die tägliche Wundpflege im Mittelpunkt. Viele Betroffene können in dieser Zeit nicht arbeiten oder zur Schule gehen, weil das Gehen schmerzt. Planen Sie Pausen ein und lassen Sie sich beim Verbandwechsel unterstützen, wenn es möglich ist. Fragen Sie in der Praxis nach einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wenn Sie nicht arbeiten können.
Tipps für den Alltag
- Hände waschen vor und nach jedem Verbandwechsel
- Keine offenen Wasserstellen zum Waschen der Wunde benutzen
- Auf ausreichend Schlaf und Ruhe achten, damit der Körper heilen kann
- Tetanus-Schutz aktuell halten
- Bei Reisen in betroffene Gebiete vorher informieren, wie Trinkwasser sicher wird
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Ernährung, die die Krankheit beeinflusst. Eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Eiweiß unterstützt die Wundheilung. Bewegen Sie das betroffene Bein so viel, wie es schmerzfrei möglich ist – kurze Spaziergänge fördern die Durchblutung. Vermeiden Sie längeres Stehen und belasten Sie das Bein nicht, solange die Wunde noch offen ist. Trinken Sie ausreichend, und zwar ausschließlich sicheres Wasser.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Wurm, der aus der Haut tritt, kann große Angst machen. Auch Scham, Ekel und das Gefühl, allein zu sein, kommen häufig vor. Solche Gefühle sind verständlich und dürfen sein. Sprechen Sie in der Praxis offen darüber – dort kann man Ihnen helfen oder Sie weitervermitteln. Bei anhaltender Belastung, Niedergeschlagenheit oder Angst können Sie sich an eine psychosoziale Beratungsstelle oder psychotherapeutische Praxis wenden. In akuten seelischen Krisen gibt es in Deutschland rund um die Uhr Hilfe über den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Notrufnummer 112.
Vorbeugung
Ja, die Guinea-Wurm-Krankheit lässt sich sehr gut verhindern. Der wichtigste Schutz ist sicheres Trinkwasser: Wasser durch ein feines Tuch filtern, abkochen oder aus einer geschützten Versorgung beziehen. In betroffenen Regionen gibt es außerdem Programme, die Wasserstellen behandeln und die Menschen vor Ort aufklären. Wer eine offene Wunde hat, sollte nicht in Teiche, Brunnen oder andere Wasserstellen steigen, damit keine Larven ins Wasser gelangen. Die Krankheit wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen, deshalb schützt man sich nicht durch Abstand zu Erkrankten, sondern durch sauberes Wasser.
Impfungen
Es gibt keine Schutzimpfung gegen die Guinea-Wurm-Krankheit. Wichtig ist aber, dass der Tetanus-Schutz aktuell ist, weil offene Wunden das Risiko für Tetanus erhöhen.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening gibt es nicht. In betroffenen Regionen werden Fälle aktiv gesucht, damit die Übertragungskette schnell unterbrochen wird. Wer aus einer betroffenen Region kommt oder dort gereist ist, sollte bei Hautveränderungen die Arztpraxis darauf hinweisen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bakterielle Wundinfektion, die sich ausbreiten kann
- Blutvergiftung (Sepsis) – eine schwere, aber behandelbare Komplikation
- Tetanus, wenn der Impfschutz fehlt
- Schäden an Gelenken, wenn der Wurm in der Nähe eines Gelenks liegt
- Längere Schonhaltung mit Bewegungseinschränkung und Muskelschwund
- Langanhaltende Schmerzen und Narben
- Wirtschaftliche Not und Schulausfall, wenn Betroffene wochenlang nicht arbeiten oder lernen können
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Nach dem Entfernen des Wurms heilt die Wunde in der Regel vollständig ab, manchmal bleibt eine Narbe zurück. Die Guinea-Wurm-Krankheit ist weltweit auf dem Rückzug und steht kurz davor, ganz ausgerottet zu werden. Mit sauberem Trinkwasser lässt sich die Ansteckung zuverlässig verhindern.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.