Sehnennaht an der Hand – wenn eine Sehne gerissen oder durchtrennt ist
Übersicht
Sehnen sind feste, kräftige Bindegewebsstränge. Sie verbinden Muskeln mit Knochen – ähnlich wie ein Zugseil. In der Hand gibt es zwei wichtige Gruppen: Die Beugesehnen auf der Handinnenseite ziehen die Finger zu, die Strecksehnen auf dem Handrücken strecken sie wieder. Wird eine solche Sehne durch einen Schnitt oder Riss getrennt, kann der Finger seine Bewegung nicht mehr richtig ausführen. Bei einer Sehnennaht (Fachbegriff: Sehnenrekonstruktion) näht ein Chirurg die beiden Enden der Sehne wieder aneinander. Danach braucht die Sehne Zeit und gezielte Übung, um wieder zu verheilen.
Wichtige Fakten
- Sehnen wachsen nicht von selbst wieder zusammen – sind sie durchtrennt, müssen die Enden meist operativ verbunden werden.
- Nach der Operation wird die Hand zunächst in einer Schiene ruhiggestellt; danach beginnt eine begleitete Handtherapie.
- Geduld zahlt sich aus: Mit konsequenter Übung wird die Hand in den meisten Fällen wieder deutlich beweglicher.
Handverletzungen mit Beteiligung einer Sehne sind nicht selten. Vor allem Schnittwunden durch Glas, Messer oder Blech führen häufig zu einer Sehnenverletzung an der Hand.
Grundsätzlich kann es jeden treffen. Häufiger sind Erwachsene im Berufsleben betroffen, zum Beispiel bei handwerklichen Tätigkeiten oder beim Kochen. Auch Sportlerinnen und Sportler sowie ältere Menschen mit dünner gewordenen Sehnen können betroffen sein. Kinder verletzen sich eher durch Stürze oder scharfe Gegenstände beim Spielen.
Symptome
- Starke Blutung, die trotz festem Drücken nicht aufhört
- Ein Finger ist blass, kalt oder ganz taub – ein Zeichen für eine gestörte Durchblutung
- Tiefe, klaffende Wunde mit sichtbarer Sehne oder sichtbarem Knochen
- Abgetrennter Finger oder Handteil (112 anrufen und den abgetrennten Teil sauber, trocken und kühl aufbewahren)
- Starke Schmerzen mit Kreislaufproblemen, Blässe und Schwitzen nach einem Unfall
- ⚠Jede tiefere Schnittwunde an der Hand, auch wenn sie kaum blutet
- ⚠Ein Finger, der nicht mehr beugt oder streckt
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln nach einer Verletzung
- ⚠Bissverletzung oder stark verschmutzte Wunde
- ⚠Eine Wunde, die genäht werden muss
Häufige Symptome
- Eine Schnittwunde an der Hand oder am Handgelenk, die oft zunächst wenig schmerzhaft ist
- Ein Finger lässt sich nicht mehr beugen oder nicht mehr strecken
- Der Finger bleibt in einer gebeugten Haltung hängen
- Schwäche beim Greifen oder Zuhalten
- Schwellung, Bluterguss und Schmerzen im Bereich der Verletzung
- Manchmal ein Taubheitsgefühl, wenn auch ein Nerv betroffen ist
Symptome bei Kindern
- Kleine Kinder zeigen Schmerzen oft nicht so deutlich – sie benutzen die Hand einfach nicht mehr.
- Oft fällt eine Schonhaltung auf, oder das Kind weint beim Wickeln oder Anziehen.
- Auch kleine Schnittwunden sollten angeschaut werden, wenn das Kind den Finger nicht mehr bewegt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Sehnen werden mit dem Alter etwas weniger belastbar; manchmal reißt eine Sehne auch ohne große Gewalteinwirkung.
- Nach der Operation dauert die Heilung möglicherweise etwas länger.
- Die begleitete Handtherapie ist besonders wichtig, damit die Finger nicht steif werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Schnittwunden durch Glas, Messer, Blechdosen oder Werkzeug
- Quetschungen und Risse durch Stürze oder schwere Gegenstände
- Bissverletzungen, zum Beispiel von Tieren
- Sportverletzungen, etwa beim Klettern oder Ballsport
- Verschleiß oder altersbedingte Risse der Sehne
- Sehnenrisse bei entzündlichen Gelenkerkrankungen oder nach längerer Behandlung mit bestimmten entzündungshemmenden Medikamenten
Risikofaktoren
- Berufe mit viel Arbeit mit scharfen Gegenständen (Küche, Handwerk, Glaserei, Bau)
- Sportarten mit Sturzrisiko oder starker Zugbelastung an den Fingern
- Höheres Alter
- Entzündliche Gelenkerkrankungen
- Längere Ruhigstellung der Hand nach einer anderen Verletzung
- Wunden, die nicht ärztlich versorgt wurden
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jeder Schnittwunde an der Hand, bei der Sie den Finger nicht mehr richtig bewegen können
- Wenn die Wunde tief ist oder eine Sehne sichtbar ist
- Bei Taubheitsgefühl in den Fingern
- Bei einer Blutung, die nach etwa zehn Minuten festen Drückens nicht aufhört
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Kontrolle einer verheilten Wunde
- Zunehmende Steifheit oder Schwellung nach einer Handverletzung
- Wenn die Beweglichkeit nach einer Operation nicht so zunimmt, wie es besprochen wurde
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt schaut sich zuerst die Wunde an und prüft, ob der Finger sich noch aktiv beugen und strecken lässt. Dabei wird auch getestet, ob Gefühlsstörungen bestehen. Oft lässt sich eine Sehnendurchtrennung schon dabei erkennen. Manchmal wird die Wunde genauer untersucht, und bildgebende Verfahren helfen, Knochen- oder Sehnenschäden einzuschätzen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit der Finger aktiv und passiv prüfen
- Prüfung von Gefühl und Durchblutung
- Röntgenaufnahme, um Knochenverletzungen auszuschließen
- Ultraschall (Sonografie) zur Darstellung der Sehne
- In seltenen Fällen eine Magnetresonanztomografie (MRT, ein bildgebendes Verfahren mit Magnetfeld)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist geht es nach der Untersuchung schnell: Ist eine Sehne durchtrennt, wird die Wunde noch am selben Tag oder kurzfristig operativ versorgt. Sie werden gefragt, wie es passiert ist und ob Vorerkrankungen bestehen. Oft erfahren Sie direkt, wann die Operation stattfinden soll und wie Sie sich bis dahin verhalten.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist, dass die Sehne wieder zusammenwächst und der Finger seine Bewegung zurückbekommt. Bei einer durchtrennten Sehne ist eine Operation fast immer nötig. Danach folgt eine Phase der Ruhigstellung und anschließend eine gezielte Handtherapie. Bei kleinen Teilverletzungen kann im Einzelfall auch eine Behandlung ohne Operation mit Schiene und Übungen besprochen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Die Wunde trocken und sauber halten, so wie es Ihnen in der Praxis erklärt wurde
- Die Hand in den ersten Tagen hochlagern, um Schwellungen zu verringern
- Die Schiene konsequent tragen – nicht abnehmen, nur weil es gerade gut passt
- Nicht selbst an der Wunde ziehen und den Verband nur wechseln, wenn es Ihnen gezeigt wurde
- Nicht rauchen: Rauchen verschlechtert die Wundheilung
- Auf den Körper hören und Schmerzen ernst nehmen
Medizinische Behandlungen
Die Operation findet meist in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose statt. Die beiden Enden der Sehne werden mit feinen Fäden wieder verbunden. Manchmal werden dabei auch kleine Anker oder ein Stück Sehne aus dem eigenen Körper verwendet. Nach der Operation wird die Hand in einer Schiene gelagert, die je nach Verletzung und Vorgehen unterschiedlich lange getragen wird. Danach übernimmt eine Handtherapie (Ergotherapie oder Physiotherapie mit Schwerpunkt Hand): Sie zeigt Übungen, die die Sehne fordert, aber nicht überlastet, und hilft bei Schwellung, Narbenpflege und Alltagsbewegungen. Auch Mittel gegen Schmerzen können sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, was zu Ihnen passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist fast immer nötig, wenn eine Sehne vollständig durchtrennt ist. Auch bei offenen Wunden mit sichtbarer Sehne oder bei einem Riss mit deutlichem Kraftverlust wird meist operiert. Bei kleinen Teilrissen oder bei Menschen mit sehr hohem Operationsrisiko kann im Einzelfall eine Behandlung ohne Operation mit Schiene und Handtherapie besprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Wochen steht die Schonung im Vordergrund. Viele Alltagsdinge gehen dann nur mit einer Hand: Knöpfe schließen, Schuhe binden, kochen, Autofahren. Planen Sie für die erste Zeit Unterstützung ein und fragen Sie nach, was Sie trotz Schiene tun dürfen. Nach und nach kommt die Bewegung zurück – oft in kleinen Schritten.
Tipps für den Alltag
- Alltagsaufgaben aufteilen und Pausen einplanen
- Hilfsmittel ausprobieren, zum Beispiel rutschfeste Unterlagen oder ein Einhand-Öffner
- Die verletzte Hand nicht zum Aufstützen benutzen
- Rauchen möglichst aufgeben
- Sport und schwere Lasten erst nach Rücksprache wieder aufnehmen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genug Eiweiß, Obst und Gemüse unterstützt die Heilung. Bewegung ist wichtig, aber in der richtigen Form: Die von der Handtherapie gezeigten Übungen sind kein Ersatz für Sport und umgekehrt. Fragen Sie, wann Sie wieder mit Krafttraining oder Sport anfangen dürfen – meist gibt es dafür klare Zeitpunkte.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist normal, sich mit einer ruhiggestellten Hand eingeschränkt und manchmal hilflos zu fühlen. Viele Menschen machen sich Sorgen, ob sie ihren Beruf wieder ausüben können. Solche Gedanken dürfen sein. Sprechen Sie darüber – mit Ihrem Umfeld oder im Behandlungsteam. Wenn Sie sich länger niedergeschlagen oder sehr ängstlich fühlen, holen Sie sich Unterstützung; es gibt Beratungsangebote und psychotherapeutische Hilfe. In akuten seelischen Krisen erreichen Sie in Deutschland den Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Vorbeugung
Nicht jede Verletzung lässt sich verhindern – Unfälle passieren. Ein paar Dinge senken aber das Risiko: scharfe Messer und Glasscherben nicht in der Spüle liegen lassen, schnittfeste Handschuhe bei der Garten- und Bastelarbeit tragen, schwere Gegenstände sicher greifen und bei Sportarten mit Sturzrisiko Handschuhe nutzen.
Impfungen
Nach einer offenen Wunde wird häufig gefragt, ob der Impfschutz gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) noch aktuell ist. Das lässt sich beim Hausarzt oder in Ihrer Praxis prüfen.
Früherkennungsprogramme
Eine Reihenuntersuchung auf Sehnenverletzungen gibt es nicht. Wichtig ist, Verletzungen früh anschauen zu lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Verbindung wächst die Sehne nicht wieder zusammen; der Finger bleibt unbeweglich
- Verwachsungen und Narben können die Gleitfähigkeit der Sehne einschränken
- Ein steifer Finger oder eine steife Hand
- Die genähte Sehne kann erneut reißen
- Wundinfektionen, besonders nach verschmutzten Wunden
- Dauerhafte Kraftminderung beim Greifen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in der Regel gut. Die meisten Menschen gewinnen mit einer Operation und konsequenter Handtherapie einen großen Teil ihrer Bewegung und Kraft zurück. Es kann Monate dauern, bis die Hand wieder voll belastbar ist, und manchmal bleibt eine kleine Einschränkung. Wichtig ist, geduldig dranzubleiben und die Termine zur Nachsorge wahrzunehmen.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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