Das Herz: So funktioniert es und so bleibt es gesund
Übersicht
Das Herz ist ein faustgroßer Muskel in der Mitte des Brustkorbs, etwas nach links versetzt. Es arbeitet wie eine Pumpe: Es nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper auf, schickt es in die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird, und pumpt es dann wieder in den ganzen Körper. So gelangen Sauerstoff und Nährstoffe in alle Organe – ins Gehirn, in die Muskeln, in die Haut. In Ruhe schlägt das Herz etwa 60 bis 90 Mal pro Minute, am Tag sind das weit über 100.000 Schläge. Das Herz ist in der Hausarztpraxis ein Sammelthema: Gemeint sind alle Beschwerden und Erkrankungen rund um Herz und Kreislauf – von zu hohem Blutdruck über Herzrhythmusstörungen bis zur Herzschwäche.
Wichtige Fakten
- Das Herz ist ein Muskel von der Größe einer Faust und pumpt täglich mehrere tausend Liter Blut durch den Körper.
- Viele Herzerkrankungen entwickeln sich über Jahre, oft ohne Beschwerden. Regelmäßige Vorsorge hilft, sie früh zu erkennen.
- Vieles lässt sich beeinflussen: Bewegung, Ernährung, Rauchverzicht und ein gut eingestellter Blutdruck schützen das Herz.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen und sind die häufigste Todesursache. Bluthochdruck zum Beispiel betrifft hierzulande etwa jeden dritten Erwachsenen.
Grundsätzlich kann es jeden treffen – auch junge und sportliche Menschen. Das Risiko steigt mit dem Alter, aber auch Rauchen, Übergewicht, Diabetes und eine familiäre Veranlagung spielen eine große Rolle. Männer erkranken im Durchschnitt etwas früher, bei Frauen treten Herzbeschwerden oft später und manchmal mit anderen Anzeichen auf.
Symptome
- Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der länger als fünf Minuten anhält oder in Arm, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlt
- Schwere Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder ein kurzer Zusammenbruch
- Herzrasen zusammen mit Schwindel, Schwäche oder Atemnot
- Bläuliche Lippen oder ein graues, blasses Gesicht
- Wenn jemand nicht mehr reagiert und nicht normal atmet: sofort 112 anrufen und mit der Wiederbelebung beginnen
- ⚠Neues Herzstolpern oder Herzrasen, das nicht von selbst aufhört
- ⚠Brustschmerz bei Belastung, der in Ruhe wieder verschwindet
- ⚠Plötzlich geschwollene Beine oder eine rasche Gewichtszunahme von mehreren Kilos in wenigen Tagen
- ⚠Zunehmende Atemnot über Stunden oder Tage
- ⚠Fieber mit Schüttelfrost bei einer bekannten Herzerkrankung
Häufige Symptome
- Enge, Druck oder ein beengtes Gefühl in der Brust, besonders bei Anstrengung oder Kälte
- Kurzatmigkeit bei Belastung, die früher leichtfiel
- Herzklopfen, Herzstolpern oder ein spürbar schneller Puls
- Ungewöhnliche Müdigkeit und Leistungsabfall
- Geschwollene Knöchel oder Unterschenkel
- Schwindel oder das Gefühl, kurz vor einer Ohnmacht zu stehen
- Nächtliches Wasserlassen oder Atemnot im Liegen
- Manche Herzerkrankungen verursachen lange gar keine Beschwerden
Symptome bei Kindern
- Angeborene Herzfehler fallen oft schon bei den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt auf
- Trinkschwäche, schlechtes Gedeihen oder schnelle Atmung beim Füttern
- Bläuliche Lippen oder Fingernägel
- Schnelle Erschöpfung beim Spielen und Toben
- Häufige Atemwegsinfekte oder auffällig langsames Wachstum
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Atemnot schon bei leichten Tätigkeiten wie Treppensteigen oder Anziehen
- Wassereinlagerungen in Beinen, Knöcheln oder Bauch
- Nächtliches Aufwachen mit Luftnot
- Verwirrtheit oder plötzliche Schwäche, manchmal ganz ohne Brustschmerz
- Bei Frauen und Menschen mit Diabetes oft untypische Zeichen wie Übelkeit, Rückenschmerz oder Erschöpfung
Ursachen
Hauptursachen
- Verkalkte oder verengte Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit) – das sind die Gefäße, die den Herzmuskel selbst versorgen
- Dauerhaft hoher Blutdruck, der das Herz überlastet
- Erkrankungen des Herzmuskels oder der Herzklappen
- Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Vorhofflimmern (ein unregelmäßiger, oft schneller Herzschlag)
- Angeborene Herzfehler
- Entzündungen des Herzens, etwa nach einem Infekt
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht, besonders Bauchfett
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Salz, Zucker und gesättigten Fetten
- Regelmäßiger Alkoholkonsum
- Dauerstress und Schlafmangel
- Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf)
- Herzerkrankungen in der Familie
- Höheres Lebensalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neue Beschwerden wie Brustenge, Herzrasen oder Atemnot
- Deutliche Verschlechterung einer bekannten Herzerkrankung
- Geschwollene Beine zusammen mit raschem Gewichtsanstieg
- Fieber und Schüttelfrost bei bekannter Herzerkrankung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie möchten Ihr Herzrisiko einschätzen lassen, zum Beispiel beim Gesundheits-Check-up
- Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte sind bekannt und sollen kontrolliert werden
- Sie haben Fragen zu Bewegung, Ernährung oder zu Ihren Medikamenten
- In der Familie gibt es Herzerkrankungen und Sie möchten darüber sprechen
- Sie fühlen sich bei Belastung schneller erschöpft als früher
Diagnose
In der Hausarztpraxis beginnt alles mit einem Gespräch: Was spüren Sie, seit wann, bei welcher Belastung, was hilft oder verschlimmert es? Danach folgt eine körperliche Untersuchung mit Abhören des Herzens, Blutdruckmessen und Tasten des Pulses. Je nach Befund schließen sich weitere Untersuchungen an, meist zuerst ein EKG (Elektrokardiogramm – eine Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität über aufgeklebte Elektroden). Wenn nötig, überweist die Praxis an eine Kardiologin oder einen Kardiologen.
Mögliche Untersuchungen
- EKG in Ruhe und unter Belastung (Belastungs-EKG, meist auf dem Fahrrad)
- Langzeit-EKG über 24 Stunden, um unregelmäßige Herzschläge zu finden
- Blutdruckmessung über 24 Stunden
- Blutuntersuchung, unter anderem auf Herzwerte, Blutzucker und Cholesterin
- Herzultraschall (Echokardiografie) – zeigt Größe, Pumpkraft und Herzklappen
- Herzkatheteruntersuchung, wenn der Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße besteht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Viele Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Bei einem EKG werden Elektroden auf Brust, Arme und Beine geklebt und einige Herzschläge aufgezeichnet. Für ein Langzeit-EKG bekommen Sie ein kleines Gerät mit nach Hause. Fragen Sie ruhig nach, wenn etwas unklar ist – eine gute Praxis erklärt gern, was gemessen wird und was das Ergebnis bedeutet.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In der Hausarztpraxis geht es meist zuerst um drei Dinge: Risikofaktoren senken, Beschwerden lindern und Folgeerkrankungen verhindern. Sehr oft reicht es nicht, nur ein Medikament zu nehmen – Bewegung, Ernährung und Rauchverzicht wirken ähnlich stark. Bei manchen Menschen kommen Medikamente dazu, bei anderen Verfahren wie ein Herzkatheter oder eine Operation.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung fest einplanen, zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Rauchstopp – die wirksamste einzelne Maßnahme fürs Herz; die Hausarztpraxis kann dabei unterstützen
- Blutdruck zu Hause messen und notieren, wenn es empfohlen wurde
- Wenig Salz, dafür viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn
- Alkohol möglichst gering halten
- Auf ausreichend Schlaf und Pausen achten
- Verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen und nicht eigenmächtig absetzen
- Bei Infekten mit Fieber das Herz schonen und ärztlichen Rat einholen
Medizinische Behandlungen
Ärztlich behandelt werden je nach Befund zum Beispiel ein zu hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte oder ein gestörter Herzrhythmus. Dafür gibt es verschiedene Gruppen von Medikamenten mit unterschiedlicher Wirkung: Manche senken den Blutdruck, manche entlasten das Herz, andere hemmen die Blutgerinnung. Welche Behandlung zu Ihnen passt, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen – auch im Hinblick auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Nennen Sie dabei immer alle Mittel, die Sie einnehmen, auch solche aus der Apotheke oder der Naturheilkunde.
Wann kommt eine Operation infrage?
Manchmal reichen Medikamente und ein veränderter Lebensstil nicht aus. Dann können Eingriffe helfen: Bei verengten Herzkranzgefäßen werden zum Beispiel über einen Herzkatheter kleine Gefäßstützen eingesetzt oder eine Bypass-Operation geplant. Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen kann eine Verödung von Gewebe im Herzen helfen, bei manchen Herzklappen oder angeborenen Fehlern eine Operation. Solche Entscheidungen werden immer gemeinsam mit Herzspezialistinnen und Herzspezialisten getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einer Herzerkrankung leben gut und lange. Der Alltag verändert sich manchmal: Man lernt, Kräfte einzuteilen, merkt sich Warnzeichen und plant Pausen ein. Wichtig ist eine verlässliche Anbindung an die Praxis – regelmäßige Kontrollen, ein aktueller Medikamentenplan und das Wissen, wen man bei Beschwerden anrufen kann.
Tipps für den Alltag
- Bewegung nach ärztlicher Absprache langsam steigern, nicht von heute auf morgen
- Feste Zeiten für Mahlzeiten und Schlaf finden
- Stress abbauen, zum Beispiel durch Spaziergänge, Entspannung oder Gespräche
- Impfungen wahrnehmen – sie schützen das Herz bei Infekten
- Längere Reisen und Flugreisen bei Herzschwäche vorher ärztlich besprechen
Ernährung und Bewegung
Für das Herz gilt eine einfache Faustregel: viel Pflanzliches, wenig stark Verarbeitetes. Konkret heißt das reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte, dazu pflanzliche Öle wie Raps- oder Olivenöl. Salz sparsam verwenden, Süßgetränke sowie stark verarbeitete Wurst- und Fertigprodukte möglichst selten. Bei der Bewegung sind etwa 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche ein gutes Ziel, zum Beispiel fünfmal 30 Minuten zügiges Gehen. Auch kleine Schritte zählen: Treppe statt Aufzug, eine Haltestelle früher aussteigen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung kann Angst machen. Viele Menschen achten danach sehr genau auf ihren Körper und deuten jedes Stolpern als Gefahr. Das ist verständlich und trotzdem belastend. Angst, Niedergeschlagenheit und Schlafprobleme sind häufige Begleiter – und sie lassen sich behandeln. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an. Wenn Sie Gedanken haben, die Ihnen große Angst machen, oder sich nicht mehr weiterwissen: Holen Sie sich bitte sofort Unterstützung. In Deutschland erreichen Sie den Notruf unter 112. Es gibt außerdem regionale Krisendienste und die Telefonseelsorge; die aktuellen Nummern finden Sie auf deren offiziellen Seiten oder im Telefonbuch.
Vorbeugung
Zu einem großen Teil ja. Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen durch Faktoren, die man beeinflussen kann. Wer nicht raucht, sich regelmäßig bewegt, auf ein gesundes Gewicht achtet und Blutdruck sowie Blutzucker im Blick behält, senkt sein Risiko deutlich. Die AWMF-Leitlinien zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehlen genau diesen Weg und betonen: Kleine, dauerhafte Veränderungen bringen mehr als große Vorsätze.
Impfungen
Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) einen Schutz gegen Grippe und gegen Pneumokokken (Bakterien, die eine Lungenentzündung auslösen können). Infekte belasten das Herz zusätzlich. Fragen Sie in der Praxis, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Ab 35 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in Deutschland einen Gesundheits-Check-up in der Hausarztpraxis – mit Blutdruckmessung, Blutuntersuchung und Beratung zum Herzrisiko. Auch wer jünger ist, kann das mit der Praxis besprechen, besonders bei Herzerkrankungen in der Familie. Blutdruck messen zu lassen ist einer der einfachsten und wirksamsten Schritte.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhaft hoher Blutdruck kann Herz, Nieren und Augen schädigen
- Verengte Herzkranzgefäße können zu einem Herzinfarkt führen
- Eine unbehandelte Herzschwäche schränkt die Belastbarkeit zunehmend ein
- Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall
- Herzerkrankungen können auch andere Organe wie die Nieren beeinträchtigen
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die Herzmedizin hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Viele Menschen mit Herzerkrankungen leben heute lange und gut – besonders, wenn die Erkrankung früh erkannt und behandelt wird. Der eigene Beitrag macht dabei einen großen Unterschied: in Bewegung bleiben, auf das Rauchen verzichten, Medikamente zuverlässig einnehmen und Termine wahrnehmen. Es lohnt sich, Schritt für Schritt dranzubleiben, statt alles auf einmal zu wollen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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