Risikofaktoren für Herzkrankheiten
Übersicht
Herzkrankheiten sind Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Die häufigste Form ist die koronare Herzkrankheit (KHK). Dabei lagern sich über viele Jahre Fette und andere Stoffe in die Innenwände der Herzkranzgefäße ein. Das nennt man Arteriosklerose, auf Deutsch oft Gefäßverkalkung. Die Gefäße werden dadurch enger, und das Herz bekommt weniger Sauerstoff. Risikofaktoren sind Umstände und Gewohnheiten, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass so eine Herzkrankheit entsteht. Wichtig zu wissen: Risikofaktoren selbst spürt man meist nicht. Sie tun nicht weh. Aber man kann bei vielen von ihnen sehr viel verändern.
Wichtige Fakten
- Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen – zum Beispiel Rauchen, Blutdruck, Bewegung und Ernährung.
- Manche Risikofaktoren kann man nicht ändern: Alter, Geschlecht und familiäre Veranlagung.
- Risikofaktoren verursachen in der Regel keine Beschwerden. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig.
Herzkrankheiten gehören in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Das klingt ernst, und es ist auch ein wichtiges Thema. Die gute Nachricht: In den letzten Jahren sind die Zahlen deutlich gesunken. Der Grund ist vor allem, dass mehr Menschen ihre Risikofaktoren kennen und etwas dagegen tun.
Grundsätzlich kann jede und jeder betroffen sein. Das Risiko steigt mit dem Alter. Männer erkranken statistisch oft etwas früher, Frauen dafür nach den Wechseljahren. Ein höheres Risiko haben auch Menschen mit Diabetes (Zuckerkrankheit), mit Bluthochdruck oder mit Herzkrankheiten in der Familie. Und: Schon im Kindesalter können ungünstige Lebensgewohnheiten die Weichen für später stellen.
Symptome
- Starker Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der länger als einige Minuten anhält
- Brustschmerz, der in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer ausstrahlt
- Plötzliche starke Atemnot, auch in Ruhe
- Kaltschweißigkeit, Übelkeit und Todesangst zusammen mit Brustbeschwerden
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder ein kurzes Wegtreten
- Herzrasen mit Schwindel, Atemnot oder Ohnmachtsgefühl
- ⚠Neu aufgetretene Atemnot bei Belastung, die früher kein Problem war
- ⚠Herzstolpern, das über Stunden anhält oder häufiger wird
- ⚠Geschwollene Beine und Knöchel, die nicht wieder zurückgehen
- ⚠Ungewöhnliche Erschöpfung oder Leistungsabfall über mehrere Tage
- ⚠Ein sehr hoher Blutdruck, zum Beispiel über 180 zu 110, ohne Beschwerden
Häufige Symptome
- Risikofaktoren selbst machen keine Beschwerden – man merkt sie meist gar nicht.
- Eine beginnende Herzkrankheit verläuft oft lange ohne spürbare Zeichen.
- Mögliche Anzeichen sind ein Druck oder eine Enge in der Brust, besonders bei Anstrengung.
- Atemnot oder schnelle Erschöpfung bei Belastung, die früher leichtfiel.
- Herzstolpern oder ein unregelmäßiger Herzschlag.
- Geschwollene Knöchel oder Beine, vor allem am Abend.
- Schwindel oder ein komisches Gefühl in der Brust bei Kälte oder Stress.
Symptome bei Kindern
- Herzkrankheiten durch Risikofaktoren sind bei Kindern sehr selten.
- Angeborene Herzfehler sind etwas anderes: Sie entstehen in der Schwangerschaft und haben nichts mit Lebensstil zu tun.
- Wichtig ist trotzdem: Übergewicht, wenig Bewegung und Passivrauchen im Kindesalter erhöhen das spätere Risiko.
- Familiär erhöhte Blutfettwerte können schon bei Kindern auffallen – sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn Herzkrankheiten in der Familie früh aufgetreten sind.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen zeigen sich Herzkrankheiten oft untypisch.
- Statt Brustschmerz kommt es eher zu Müdigkeit, Luftnot bei leichter Anstrengung, Schwindel oder Verwirrtheit.
- Auch ein plötzlicher Leistungsabfall oder häufiges Stolpern kann ein Hinweis sein.
- Solche Zeichen sollten ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die häufigste Ursache ist die Arteriosklerose: Ablagerungen in den Innenwänden der Herzkranzgefäße, die über viele Jahre entstehen.
- Diese Ablagerungen können die Gefäße einengen oder bei einem Einriss ein Blutgerinnsel bilden. Dann wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet.
- Risikofaktoren wirken meist zusammen und verstärken sich gegenseitig. Rauchen plus Bluthochdruck plus Zucker ist also deutlich ungünstiger als nur ein Faktor allein.
Risikofaktoren
- Rauchen – der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor in Deutschland
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte, vor allem ein hohes LDL-Cholesterin
- Diabetes (Zuckerkrankheit) oder eine Vorstufe davon
- Übergewicht, besonders Fett am Bauch
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Salz, Zucker und gesättigten Fetten
- Dauerstress und schlechter Schlaf
- Zu viel Alkohol
- Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf)
- Alter – das Risiko steigt ab etwa 45 Jahren bei Männern und ab etwa 55 Jahren bei Frauen
- Familiäre Veranlagung: Wenn Eltern oder Geschwister früh eine Herzkrankheit hatten
- Bestimmte Erkrankungen wie Nierenschwäche oder Rheuma, die die Gefäße zusätzlich belasten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Brustbeschwerden, die neu sind oder häufiger auftreten
- Atemnot bei Belastung, die Sie sich nicht erklären können
- Herzstolpern, das länger anhält
- Geschwollene Beine, die nicht weggehen
- Sehr hohe Blutdruckwerte, besonders mit Kopfschmerz oder Schwindel
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie möchten wissen, wie es um Ihren Blutdruck und Ihre Blutfettwerte steht.
- In der Familie sind Herzkrankheiten früh aufgetreten.
- Sie rauchen und möchten aufhören – dabei kann man Sie gut unterstützen.
- Sie haben Diabetes oder Bluthochdruck und möchten die Behandlung überprüfen lassen.
- Sie möchten Ihren Lebensstil ändern und wissen, wo Sie am besten anfangen.
- In Deutschland ist der Gesundheits-Check-up eine Kassenleistung: Er wird allen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle drei Jahre angeboten. Er umfasst unter anderem eine Blutdruckmessung und eine Blutuntersuchung.
Diagnose
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Dabei geht es um Ihre Beschwerden, Ihren Lebensstil, Vorerkrankungen und Herzkrankheiten in der Familie. Danach folgen eine Blutdruckmessung und eine Blutuntersuchung. Aus all diesen Angaben schätzt die Ärztin oder der Arzt Ihr persönliches Risiko ein. Das klingt kompliziert, hilft aber sehr: Denn davon hängt ab, welche Schritte bei Ihnen sinnvoll sind.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung, oft an beiden Armen und in verschiedenen Situationen
- Manchmal eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden
- Blutuntersuchung: Blutfette, Blutzucker und Langzeitblutzucker, Nieren- und Leberwerte
- Ein EKG, also eine Aufzeichnung der Herzströme
- Ein Belastungs-EKG, bei dem das Herz unter Anstrengung auf einem Fahrrad gemessen wird
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie), um Größe, Kraft und Klappen zu beurteilen
- Ultraschall der Halsgefäße, weil sich dort Ablagerungen gut erkennen lassen
- Bei bestimmten Fragen eine Herz-CT oder eine Herzkatheteruntersuchung
- Ein Risikorechner, der aus Alter, Blutdruck, Cholesterin, Rauchen und anderen Angaben Ihr Gesamtrisiko schätzt; in Deutschland orientiert man sich dabei häufig an den Empfehlungen der AWMF-Leitlinien und der europäischen Fachgesellschaften
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Für das Belastungs-EKG fahren Sie zum Beispiel etwa zehn Minuten Fahrrad und werden dabei überwacht. Nach der Auswertung bekommen Sie in einem Gespräch eine Einschätzung: welche Faktoren bei Ihnen am wichtigsten sind und was Sie als Nächstes tun können.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Ihrem Gesamtrisiko. Wenn das Risiko niedrig ist, reichen oft Veränderungen im Alltag. Ist das Risiko höher, kommen häufig Medikamente dazu. Ziel ist immer dasselbe: das Herz zu entlasten, bevor es zu einem Schaden kommt.
Selbsthilfe zu Hause
- Nicht rauchen – die Rauchberatung in der Hausarztpraxis oder ein Raucherentwöhnungsprogramm hilft dabei
- Regelmäßig Blutdruck messen und die Werte notieren
- Bewegung fest in den Alltag einbauen
- Salzarm essen
- Wenn nötig, Gewicht reduzieren – schon ein paar Kilo bringen etwas
- Schlaf und Entspannung ernst nehmen
- Weniger Alkohol trinken
Medizinische Behandlungen
Wenn der Lebensstil allein nicht ausreicht, können Medikamente helfen. Dafür gibt es zum Beispiel Mittel, die den Blutdruck senken, Mittel, die den Cholesterinspiegel senken, und Mittel, die den Blutzucker verbessern. Manche Medikamente schützen die Gefäße auch unabhängig von diesen Werten. Welche Behandlung zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen – abhängig von Ihren Werten, Ihrem Alter und Ihren Begleiterkrankungen. Nehmen Sie Medikamente nie auf eigene Faust ein und setzen Sie sie auch nicht ohne Rücksprache ab. Fragen Sie bei Unsicherheiten Ihre Hausarztpraxis oder Ihre Apotheke.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei deutlich eingeengten Herzkranzgefäßen kann ein Eingriff sinnvoll sein. Möglich sind zum Beispiel eine Aufdehnung des Gefäßes mit einer kleinen Gefäßstütze oder eine Bypass-Operation. Ob so ein Eingriff für Sie in Frage kommt, hängt von den Befunden und Ihren Beschwerden ab – das bespricht das Herzzentrum im Detail mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem bekannten Risiko zu leben heißt nicht, ständig an das Herz zu denken. Hilfreich ist ein fester Rhythmus: Blutdruck einmal am Tag messen, Medikamente zu einer festen Zeit nehmen, Bewegung einplanen. Viele Menschen mit erhöhtem Risiko leben völlig normal, oft sogar aktiver als vorher.
Tipps für den Alltag
- Feste Termine für Bewegung im Kalender eintragen
- Nicht alles auf einmal verändern – ein Schritt pro Monat hält besser
- Rauchfrei zu werden bringt den größten Einzelgewinn für das Herz
- Regelmäßig zur Kontrolle gehen
- Auf Warnzeichen achten und lieber einmal zu viel anrufen
- Gemeinsam mit Familie oder Freunden umstellen – das klappt leichter
Ernährung und Bewegung
Für das Herz ist eine ausgewogene Ernährung günstig: viel Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn, pflanzliche Öle, Fisch statt viel Fleisch und Wurst, wenig Salz und wenig gesüßte Getränke. Bei der Bewegung gilt: Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Schon etwa 150 Minuten moderate Bewegung in der Woche sind ein gutes Ziel – zum Beispiel zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren. Treppen statt Aufzug ist auch Bewegung. Wenn Sie lange inaktiv waren, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über den Einstieg.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Herzrisiken können belasten. Viele machen sich Sorgen und entwickeln Stress, weil das Thema immer im Kopf ist, und genau dieser Stress tut dem Herzen nicht gut. Wenn Sie merken, dass Ängste, Grübeln oder Niedergeschlagenheit überhandnehmen, sprechen Sie darüber – in Ihrer Hausarztpraxis oder bei einer psychotherapeutischen Stelle in Ihrer Nähe. Bei akuten seelischen Krisen können Sie sich jederzeit an den Notruf 112 wenden. Es gibt außerdem kostenlose und anonyme Beratungsangebote wie die Telefonseelsorge. Sie müssen das nicht allein durchstehen.
Vorbeugung
Ein großer Teil der Herzkrankheiten lässt sich verhindern oder zumindest deutlich verzögern. Am meisten bewirken: nicht rauchen, Blutdruck im Griff haben, cholesterinbewusst essen und sich regelmäßig bewegen. Auch wer bereits einen Risikofaktor hat, kann viel erreichen – es ist nie zu spät.
Impfungen
Bestimmte Herz- und Gefäßerkrankungen belasten den Körper und können Infekte schwerer machen. Deshalb kann für Erwachsene mit Herzkrankheiten eine Grippe-Impfung oder eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll sein. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis, was für Sie empfohlen ist.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland bekommen gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up mit Blutdruckmessung und Blutuntersuchung. Blutdruckmessen sollte ohnehin zur Routine werden. Bei familiär erhöhten Blutfettwerten kann eine frühe Untersuchung sinnvoll sein. Welche Vorsorge zu Ihnen passt, besprechen Sie am besten in Ihrer Praxis – oft orientiert man sich dabei an den Empfehlungen der AWMF-Leitlinien.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt
- Herzschwäche, bei der das Herz nicht mehr genug pumpen kann
- Herzrhythmusstörungen
- Schlaganfall, weil Ablagerungen auch die Hirngefäße betreffen können
- Nierenfunktionsstörungen
- Einengungen der Beinarterien
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute gut. Wer Risikofaktoren kennt und behandeln lässt, kann sein persönliches Risiko deutlich senken. Auch nach einem Herzinfarkt leben viele Menschen noch viele Jahre beschwerdefrei. Der wichtigste Schritt ist ein Gespräch in Ihrer Praxis – danach wird alles konkreter und weniger beängstigend.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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