Hitzeerschöpfung und Hitzschlag
Übersicht
Bei großer Hitze kann der Körper überhitzen. Dabei unterscheidet man zwei Stufen: die Hitzeerschöpfung und den Hitzschlag. Bei einer Hitzeerschöpfung ist der Körper stark erhitzt und hat durch das Schwitzen viel Flüssigkeit und Salz verloren. Das ist unangenehm und schwächt den Kreislauf, lässt sich aber meist gut behandeln. Ein Hitzschlag ist ein Notfall: Die Körpertemperatur steigt sehr schnell an, der Körper kann sich nicht mehr selbst abkühlen, und lebenswichtige Organe können geschädigt werden. Dann muss sofort der Notruf 112 gerufen werden.
Wichtige Fakten
- Hitzeerschöpfung ist die mildere Form: Der Körper ist überhitzt und ausgetrocknet, der Kreislauf macht schlapp.
- Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall – hier zählt jede Minute. Sofort den Notruf 112 wählen.
- Die wichtigsten ersten Schritte sind immer gleich: aus der Hitze gehen, kühlen, Flüssigkeit anbieten – und bei Warnzeichen nicht abwarten.
Ja, Hitzeerkrankungen kommen bei uns vor allem an sehr heißen Sommertagen und während Hitzewellen vor. Je länger eine Hitzeperiode dauert und je schwüler es ist, desto häufiger treten sie auf. In manchen Sommern suchen deshalb mehr Menschen ärztliche Hilfe.
Grundsätzlich kann es jeden treffen, besonders bei körperlicher Anstrengung in der Hitze. Besonders gefährdet sind Babys und kleine Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Herz-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen, Menschen mit Fieber oder einer akuten Infektion sowie Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Auch obdachlose Menschen, Menschen in engen oder schlecht belüfteten Wohnungen sowie alle, die im Freien arbeiten oder Sport treiben, haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Verwirrtheit, Unruhe, Aggressivität oder Bewusstseinstrübung
- Ohnmacht, Krampfanfall oder keine Reaktion auf Ansprache
- Heiße, trockene, gerötete Haut – die Haut kann aber auch noch feucht sein
- Sehr hohe Körpertemperatur, oft über 40 Grad
- Schnelle, flache Atmung oder ein sehr schneller, kräftiger Puls
- Erbrechen, besonders wenn die Person nicht mehr richtig schlucken kann
- Bei Babys und kleinen Kindern: Teilnahmslosigkeit, schlaffer Körper, Trinkverweigerung
- ⚠Beschwerden, die sich nach 30 Minuten Kühlen und Trinken nicht bessern
- ⚠Erbrechen, das verhindert, dass Flüssigkeit im Körper bleibt
- ⚠Starker Schwindel, Benommenheit oder das Gefühl, gleich umzukippen
- ⚠Muskelkrämpfe, die trotz Trinken und Ruhe bleiben
- ⚠Ein hitzeerschöpftes Kind, das nicht trinkt oder auffällig schläfrig wirkt
Häufige Symptome
- Starkes Schwitzen und das Gefühl, völlig „ausgelaugt“ zu sein
- Schwäche, wackelige Beine, Schwindel oder ein flaues Gefühl
- Kopfschmerzen und Übelkeit, manchmal Erbrechen
- Durst und ein trockener Mund
- Muskelkrämpfe, oft in Beinen oder Bauch
- Blasse, kühle und feuchte Haut
- Schneller, schwacher Puls und flache Atmung
- Das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden
Symptome bei Kindern
- Ungewöhnliche Reizbarkeit, Quengeln oder auffällige Müdigkeit und Schlappheit
- Teilnahmslosigkeit, das Kind reagiert kaum oder wirkt „weggetreten“
- Weniger Urin in der Windel oder seltener Toilettengang
- Trockene Lippen, trockener Mund, eingesunkene Augen, seltener Tränen beim Weinen
- Heiße, gerötete Haut oder im Gegenteil blasse, kühle Haut
- Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
- Bei Babys: schlechtes Trinken und eine vorgewölbte oder eingesunkene Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft kein starker Durst – ältere Menschen merken den Flüssigkeitsmangel häufig nicht
- Verwirrtheit, Unruhe oder ungewohnte Wortfindungsstörungen
- Plötzliche Schwäche, Schwindel beim Aufstehen oder ein Sturz
- Manchmal gar kein Fieber, obwohl der Körper überhitzt ist
- Übelkeit, Appetitlosigkeit oder ein allgemeines „Ich fühle mich seltsam“
- Auffällig trockene Haut und Schleimhäute
Ursachen
Hauptursachen
- Längere Zeit in großer Hitze oder direkter Sonne sein
- Körperliche Anstrengung bei hoher Temperatur, zum Beispiel Sport, Gartenarbeit oder schwere Arbeit
- Hohe Luftfeuchtigkeit: Schweiß verdunstet schlechter und der Körper kühlt sich weniger ab
- Zu wenig getrunken oder zu viel Salz und Flüssigkeit verloren
- Dicke oder enge Kleidung, die die Wärme staut
- Aufenthalt in einem aufgeheizten Auto, in einer Sauna oder in stickigen Innenräumen
Risikofaktoren
- Hohes Alter oder sehr junges Alter
- Herz-, Nieren-, Leber- oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes
- Fieber oder eine akute Infektion
- Übergewicht und geringe körperliche Fitness
- Bestimmte Medikamente, die den Kreislauf oder die Flüssigkeitsausscheidung beeinflussen oder das Durstgefühl dämpfen – fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder Ihre Apotheke
- Alkohol- oder Drogenkonsum
- Wohnung ohne kühle Rückzugsmöglichkeit, Obdachlosigkeit
- Frühere Hitzeerkrankung in der Vergangenheit
- Psychische Erkrankungen, bei denen das Trinken oder die Selbstfürsorge schwerfallen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie oder jemand bei Ihnen Anzeichen eines Hitzschlags bemerken: sofort den Notruf 112 rufen
- Bewusstseinstrübung, Krampfanfälle oder Ohnmacht
- Beschwerden, die sich trotz Kühlen und Trinken nicht bessern
- Anhaltendes Erbrechen, sodass kein Trinken möglich ist
- Ein Kind, ein älterer Mensch oder eine pflegebedürftige Person mit Hitze-Beschwerden – hier lieber früher ärztlichen Rat einholen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie hatten schon mehrfach Hitzeerschöpfung und möchten wissen, wie Sie vorbeugen können
- Sie nehmen Medikamente und sind unsicher, ob sie bei Hitze ein Problem darstellen
- Sie leben mit einer chronischen Erkrankung und möchten einen Plan für heiße Tage machen
- Sie fühlen sich nach dem Urlaub oder einem heißen Wochenende noch tagelang schlapp
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erkennt eine Hitzeerkrankung meistens schon im Gespräch und bei der Untersuchung. Gefragt wird, wo man war, wie lange man der Hitze ausgesetzt war, ob man körperlich aktiv war und wie viel man getrunken hat. Danach folgen einfache Untersuchungen: Körpertemperatur messen, Puls und Blutdruck prüfen, die Atmung, die Haut und die Schleimhäute anschauen und den Bewusstseinszustand beurteilen. So lässt sich gut unterscheiden, ob „nur“ eine Hitzeerschöpfung vorliegt oder ein Notfall.
Mögliche Untersuchungen
- Messung der Körpertemperatur
- Blutdruck, Puls und Atemfrequenz
- Prüfung von Bewusstsein und Orientierung
- Beurteilung von Haut, Schleimhäuten und Hautspannung
- Blutuntersuchung, zum Beispiel Salze wie Natrium und Kalium sowie Nierenwerte
- Urinuntersuchung als Hinweis auf Flüssigkeitsmangel
- Je nach Situation ein EKG zur Kontrolle der Herzfunktion
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Regel geht es schnell. Bei einer leichten Hitzeerschöpfung reicht oft ein kurzes Gespräch und eine Untersuchung. Bei Verdacht auf einen Hitzschlag wird die Person sofort versorgt und gekühlt, während gleichzeitig untersucht wird. Manche Messungen werden nach einiger Zeit wiederholt, um zu sehen, ob die Behandlung wirkt.
Behandlung
Das Wichtigste bei jeder Hitzeerkrankung ist: raus aus der Hitze, runter mit der Körpertemperatur, Flüssigkeit zurückgeben. Bei einer Hitzeerschöpfung genügen dafür oft Ruhe, ein kühler Ort und langsames Trinken. Bei einem Hitzschlag muss die Person notfallmäßig behandelt werden – die Kühlung beginnt schon am Ort des Geschehens und wird in der Klinik fortgesetzt.
Selbsthilfe zu Hause
- An einen kühlen, schattigen Ort gehen, am besten in einen Raum mit Klimaanlage oder Ventilator
- Enge oder dicke Kleidung öffnen und ausziehen
- Sich hinlegen und die Beine etwas hochlegen
- Kühle, feuchte Tücher auf Stirn, Nacken, Handgelenke und in die Achseln legen
- Mit einem Fächer oder Ventilator Luft zufächeln
- Langsam in kleinen Schlucken trinken – Wasser oder eine leichte Salz-Flüssigkeit, keine eiskalten Getränke in großen Mengen
- Auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke verzichten
- Mindestens einige Stunden ausruhen und an diesem Tag keine Anstrengung mehr machen
Medizinische Behandlungen
Beim Hitzschlag steht die schnelle Abkühlung im Mittelpunkt: zum Beispiel durch kaltes Wasser, kalte Umschläge, Besprühen mit Wasser und Luftbewegung. Gleichzeitig bekommt die Person über einen Zugang Flüssigkeit, und Kreislauf, Atmung und Bewusstsein werden eng überwacht. In der Klinik werden die Körpertemperatur und wichtige Blutwerte kontrolliert und, falls nötig, Störungen im Wasser- und Salzhaushalt oder an Organen behandelt. Bei einer Hitzeerschöpfung ohne Notfallzeichen genügen meist Ruhe, Kühlung und Trinken – gelegentlich ist eine Flüssigkeitsgabe über eine Infusion sinnvoll. Welche Behandlung im Einzelfall passt, entscheidet das medizinische Team.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation gehört nicht zur Behandlung von Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Hitzeerkrankung braucht der Körper oft ein bis zwei Tage, bis er sich wieder normal anfühlt. Trinken Sie an diesem und am nächsten Tag bewusst mehr als sonst, meiden Sie die Mittagshitze und gönnen Sie sich Pausen. Viele Menschen merken danach, dass sie Hitze schlechter vertragen – das ist normal und ein guter Anlass, an heißen Tagen vorsichtiger zu planen.
Tipps für den Alltag
- An heißen Tagen körperliche Anstrengung in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden legen
- Leichte, helle, weite Kleidung tragen und einen Sonnenhut aufsetzen
- Immer eine Wasserflasche dabei haben und regelmäßig trinken, ohne auf den Durst zu warten
- Räume morgens lüften und tagsüber abdunkeln, Ventilator oder Klimaanlage nutzen
- Nachbarn, Angehörige und alleinlebende Menschen an Hitzetagen kurz anrufen oder besuchen
- Bei Sport im Sommer langsamer anfangen und die Intensität über einige Wochen steigern
Ernährung und Bewegung
Essen Sie an heißen Tagen leichte Mahlzeiten mit viel Obst und Gemüse, die gleichzeitig Flüssigkeit liefern. Salzhaltige Speisen können nach starkem Schwitzen helfen, aber übertreiben Sie es nicht. Beim Sport gilt: lieber kürzer und früher am Tag trainieren, vorher und währenddessen trinken und bei Warnzeichen sofort abbrechen. Nach einer Hitzeerkrankung warten Sie am besten ein bis zwei Tage, bevor Sie wieder Sport machen, und starten Sie langsam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hitze kann auf die Stimmung schlagen: Viele sind gereizt, schlafen schlechter und fühlen sich erschöpft. Ein Hitzschlag oder eine schwere Hitzeerschöpfung kann bei Betroffenen und Angehörigen noch eine Zeit lang nachwirken – Sorgen, Unruhe oder Angst sind verständlich. Sprechen Sie darüber mit Menschen, denen Sie vertrauen, oder mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie sich in einer seelischen Notlage befinden und keinen Ausweg sehen, holen Sie sich bitte sofort Hilfe – in akuten Krisen gilt der Notruf 112, und Sie können sich jederzeit an eine Telefonseelsorge wenden.
Vorbeugung
Ja, Hitzeerkrankungen lassen sich in den allermeisten Fällen gut verhindern. Entscheidend sind drei Dinge: die Hitze meiden, ausreichend trinken und den Körper langsam an Hitze gewöhnen. An Hitzewarn-Tagen sollten Sie besonders auf sich und andere achten.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening gibt es nicht. Sinnvoll ist es aber, vor dem Sommer mit Ihrer Praxis zu sprechen, wenn Sie chronisch krank sind oder regelmäßig Medikamente nehmen – dann lässt sich klären, worauf Sie bei Hitze achten sollten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Hitzeerschöpfung kann in einen Hitzschlag übergehen
- Starker Flüssigkeitsmangel mit Kreislaufproblemen und Ohnmacht
- Verwirrtheit und Stürze, besonders bei älteren Menschen
- Beim Hitzschlag: Schäden an Organen wie Nieren, Leber, Herz oder Gehirn
- Beim Hitzschlag: Krampfanfälle, Koma und im schlimmsten Fall Lebensgefahr
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Wer früh reagiert, erholt sich von einer Hitzeerschöpfung meist innerhalb weniger Stunden vollständig. Auch nach einem Hitzschlag ist eine gute Erholung möglich, wenn schnell geholfen wird – deshalb ist das frühe Erkennen so wertvoll. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten für heiße Tage können Sie selbst sehr viel dafür tun, dass es gar nicht so weit kommt.
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Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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