Brustkrebs beim Mann: Hilfe und Unterstützung
Übersicht
Brustkrebs beim Mann ist eine Krebserkrankung, die im Brustgewebe von Männern entsteht. Auch Männer haben Brustgewebe – nur deutlich weniger als Frauen. In diesem Gewebe können Zellen anfangen, sich unkontrolliert zu teilen. So entsteht eine Geschwulst, die man Tumor nennt. Weil Brustkrebs beim Mann selten ist, wird er häufig später entdeckt als bei Frauen. Diese Seite erklärt, welche medizinische, praktische und seelische Hilfe es gibt – und wo Sie Unterstützung finden können.
Wichtige Fakten
- Brustkrebs beim Mann ist selten: Auf etwa 100 Brustkrebserkrankungen kommt ungefähr eine bei einem Mann.
- Die Behandlung richtet sich nach dem gleichen Grundprinzip wie bei Frauen und folgt in Deutschland der ärztlichen Leitlinie (AWMF) zur Brustkrebsbehandlung.
- Je früher ein Knoten oder eine Veränderung an der Brust abgeklärt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten – Zögern Sie deshalb nicht, einen Termin zu machen.
Nein, Brustkrebs beim Mann ist selten. Deshalb denken viele Männer – und manchmal auch Ärztinnen und Ärzte – nicht sofort daran. Das kann dazu führen, dass Veränderungen erst spät abgeklärt werden. Wichtig zu wissen: Ein Knoten in der Brust ist meistens keine Krebserkrankung, aber er sollte immer ärztlich untersucht werden.
Betroffen sind überwiegend Männer im höheren Lebensalter, meist ab etwa 60 Jahren. Brustkrebs kann aber auch jüngere Männer treffen. Ein erhöhtes Risiko haben zum Beispiel Männer mit bestimmten erblichen Genveränderungen (zum Beispiel BRCA2), mit einer familiären Häufung von Brust- und Eierstockkrebs, nach einer Bestrahlung des Brustkorbs, bei deutlichem Übergewicht, bei Lebererkrankungen und beim Klinefelter-Syndrom (einer angeborenen Besonderheit der Geschlechtschromosomen).
Symptome
- Starke, nicht stillbare Blutung aus einer offenen Wunde an der Brust
- Plötzliche Atemnot, Brustschmerz mit Engegefühl oder Kreislaufkollaps
- Hohes Fieber mit Verwirrtheit, schnellem Puls und sehr schlechtem Allgemeinzustand – zum Beispiel während einer Krebstherapie (Verdacht auf eine Blutvergiftung/Sepsis)
- Plötzliche Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Neu aufgetretener, harter Knoten in der Brust oder Achselhöhle
- ⚠Blutiger Ausfluss aus der Brustwarze
- ⚠Eine Wunde an der Brust, die nach ein bis zwei Wochen nicht heilt
- ⚠Rötung, Überwärmung und Schwellung der Brust mit Fieber
- ⚠Starke Schwellung des Arms auf einer Seite nach einer Operation oder Bestrahlung
Häufige Symptome
- Ein tastbarer, meist harter Knoten hinter oder neben der Brustwarze – oft schmerzlos
- Eine eingezogene oder nach innen gezogene Brustwarze
- Flüssigkeit aus der Brustwarze, manchmal mit Blut vermischt
- Wunde, offene oder schuppende Stelle an der Brustwarze, die nicht heilt
- Veränderung der Haut über der Brust: Dellen, Falten, Rötung oder eine lederartige Oberfläche
- Schwellung, Spannungsgefühl oder Ungleichheit der beiden Brustseiten
- Vergrößerte, harte Knoten in der Achselhöhle oder über dem Schlüsselbein
Symptome bei Kindern
- Brustkrebs beim Mann tritt im Kindes- und Jugendalter praktisch nicht auf.
- Bei Jungen kann sich in der Pubertät vorübergehend Brustgewebe vergrößern (Pubertätsgynäkomastie). Das ist meist harmlos und bildet sich oft von selbst zurück.
- Ein Arztbesuch ist trotzdem sinnvoll, wenn die Vergrößerung nur einseitig ist, sehr hart ist, schmerzt, Flüssigkeit austritt oder in der Familie Brustkrebs vorkommt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter sind Knoten oft schwerer zu tasten, weil das Gewebe sich verändert.
- Begleiterkrankungen können Beschwerden überdecken – ein neuer Knoten sollte trotzdem immer abgeklärt werden.
- Bei Männern mit Demenz oder Pflegebedarf lohnt es sich, dass Angehörige oder Pflegekräfte Veränderungen an der Brust mit beobachten.
- Knoten in der Achselhöhle können bei älteren Männern auch andere Ursachen haben (etwa Infekte) – die Abklärung schafft Klarheit.
Ursachen
Hauptursachen
- Meist lässt sich die genaue Ursache nicht feststellen. Brustkrebs entsteht durch Veränderungen im Erbgut von Zellen – diese Veränderungen nennt man Mutationen. Dadurch geraten Zellen außer Kontrolle und teilen sich ungebremst.
- Bei einem Teil der Männer spielen angeborene Genveränderungen eine Rolle, zum Beispiel in den Genen BRCA1 oder BRCA2. Diese Gene sind normalerweise an der Reparatur von Erbgutschäden beteiligt.
- Hormonelle Einflüsse können eine Rolle spielen: Männer mit einem Überschuss an weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen) haben ein höheres Risiko. Das kann zum Beispiel bei Lebererkrankungen, starkem Übergewicht oder beim Klinefelter-Syndrom vorkommen.
- Eine frühere Bestrahlung des Brustkorbs, etwa wegen einer anderen Krebserkrankung, erhöht das Risiko ebenfalls.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Familiäre Häufung von Brust-, Eierstock- oder Prostatakrebs
- Angeborene Veränderungen in BRCA1, BRCA2 oder anderen Risikogenen
- Klinefelter-Syndrom (angeborene Chromosomenbesonderheit)
- Deutliches Übergewicht, besonders mit viel Bauchfett
- Chronische Lebererkrankungen, zum Beispiel eine Leberzirrhose
- Frühere Strahlenbehandlung im Bereich des Brustkorbs
- Regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum
- Unfruchtbarkeit oder hormonelle Besonderheiten, die ärztlich abgeklärt wurden
- Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko, kann es aber nicht sicher ausschließen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie tasten einen neuen, harten Knoten in der Brust oder in der Achselhöhle.
- Aus der Brustwarze kommt Flüssigkeit, besonders wenn sie blutig ist.
- Eine Stelle an der Brustwarze oder Brust heilt nicht ab oder blutet immer wieder.
- Die Brustwarze hat sich neu eingezogen oder die Haut über der Brust hat sich deutlich verändert.
- Die Brust ist einseitig gerötet, überwärmt und geschwollen, eventuell mit Fieber.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben eine Vergrößerung der Brust, die über Wochen bestehen bleibt.
- In Ihrer Familie gibt es gehäuft Brust- oder Eierstockkrebs – dann ist eine genetische Beratung sinnvoll.
- Sie hatten früher eine Bestrahlung des Brustkorbs und möchten über Ihre Vorsorge sprechen.
- Sie sind unsicher, wie Sie Ihre Brust selbst abtasten können – Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann es Ihnen zeigen.
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden, nach Erkrankungen in der Familie und nach früheren Behandlungen. Danach wird die Brust und die Achselhöhle mit den Händen abgetastet. Bildgebende Untersuchungen und meist eine Gewebeprobe bringen dann Klarheit. Wird Brustkrebs festgestellt, folgen Untersuchungen, um zu sehen, ob sich Zellen auch an anderen Stellen befinden – das nennt man Stadienbestimmung.
Mögliche Untersuchungen
- Tastuntersuchung von Brust und Achselhöhle
- Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brust)
- Ultraschall der Brust und der Lymphknoten
- Stanzbiopsie: Mit einer dünnen Nadel wird etwas Gewebe entnommen und im Labor untersucht
- Untersuchung des Gewebes auf Hormon-Andockstellen (Rezeptoren) und auf bestimmte Eiweißstoffe, die für die Behandlung wichtig sind
- Blutuntersuchungen, unter anderem zur Kontrolle von Leber- und Nierenwerten
- Weitere bildgebende Untersuchungen, etwa von Lunge, Bauch oder Knochen, wenn der Verdacht besteht, dass sich Zellen ausgebreitet haben
- Genetische Beratung und Testung, wenn in der Familie gehäuft Brust- oder Eierstockkrebs vorkommt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Abklärung dauert meist einige Tage bis wenige Wochen. Bis das Ergebnis da ist, sind viele Menschen angespannt – das ist ganz normal. Es kann helfen, eine Vertrauensperson zu Terminen mitzunehmen und sich vorher Fragen aufzuschreiben. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Sie haben Anspruch auf eine verständliche Erklärung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Art des Tumors, seiner Größe, dem Befall von Lymphknoten und danach, ob sich Zellen im Körper ausgebreitet haben. Auch Ihr Alter und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand spielen eine Rolle. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an der ärztlichen Leitlinie (AWMF) zum Mammakarzinom. Meist arbeiten mehrere Fachrichtungen zusammen – das nennt man interdisziplinäres Team. Gemeinsam mit Ihnen wird ein Behandlungsplan erstellt.
Selbsthilfe zu Hause
- Notieren Sie Ihre Fragen und Wünsche vor jedem Termin – so geht nichts vergessen.
- Bitten Sie um eine Kopie Ihrer Befunde und bewahren Sie sie gesammelt auf.
- Nehmen Sie nach Möglichkeit eine Vertrauensperson zu wichtigen Gesprächen mit.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf, Bewegung und regelmäßiges Essen – das unterstützt die Belastbarkeit während der Therapie.
- Sprechen Sie Nebenwirkungen früh an. Vieles lässt sich lindern, wenn es bekannt ist.
- Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker, bevor Sie zusätzliche Mittel wie Nahrungsergänzung einnehmen – manche können mit der Therapie in Wechselwirkung treten.
Medizinische Behandlungen
Je nach Situation kommen verschiedene Behandlungswege infrage, oft in Kombination: eine Operation, eine Bestrahlung, eine medikamentöse Therapie mit Zellgiften (Chemotherapie), eine Behandlung, die auf Hormone wirkt (Antihormontherapie), und sogenannte zielgerichtete Therapien, die auf bestimmte Eigenschaften der Krebszellen abzielen. Welche Kombination für Sie passt, bespricht das Behandlungsteam ausführlich mit Ihnen. Fragen Sie nach Ziel, Nutzen und möglichen Nebenwirkungen jedes Schritts – und holen Sie bei Bedarf eine zweite Meinung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
In den meisten Fällen gehört eine Operation zur Behandlung. Häufig wird die gesamte Brustdrüse entfernt (Mastektomie), weil das Brustgewebe beim Mann klein ist. Je nach Befund werden auch Wächterlymphknoten oder Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt und untersucht. Manchmal erhält die medikamentöse Therapie zuerst den Vorzug, um den Tumor zu verkleinern. Brustaufbau und Narbenpflege können Sie mit dem Behandlungsteam besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Diagnose verändert sich der Alltag oft deutlich: Termine, Untersuchungen, Erholung. Es ist in Ordnung, Aufgaben abzugeben und Hilfe anzunehmen. Viele Männer fällt es schwer, Unterstützung zu erbitten – das ist verständlich, aber niemand muss das allein schaffen. Planen Sie Pausen ein und halten Sie so viel Alltag wie möglich aufrecht, wenn es sich gut anfühlt.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – schon Spazierengehen hilft.
- Verzichten Sie möglichst auf Rauchen; Unterstützung beim Aufhören gibt es bei Arztpraxen und Krankenkassen.
- Gehen Sie achtsam mit Alkohol um.
- Achten Sie auf guten Schlaf und feste Ruhezeiten.
- Halten Sie Kontakt zu Menschen, die Ihnen guttun.
- Fragen Sie vor Reisen oder größeren Vorhaben kurz im Behandlungsteam nach.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und guten Eiweißquellen unterstützt den Körper während der Therapie. Bei Appetitlosigkeit oder Geschmacksveränderungen helfen kleine, häufige Mahlzeiten. Sanfte Bewegung wie Gehen, Radfahren oder leichte Gymnastik kann Müdigkeit lindern und die Stimmung heben. Nach einer Operation an der Achselhöhle sind spezielle Übungen für Schulter und Arm sinnvoll – lassen Sie sich dazu anleiten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst, Traurigkeit, Wut und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, sind nach einer Krebsdiagnose sehr häufig. Auch Männer erleben das – sprechen aber oft seltener darüber. Das Bedürfnis nach Gesprächen ist kein Zeichen von Schwäche. Psychologische Unterstützung, Selbsthilfegruppen oder eine Seelsorge können spürbar entlasten. Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst zu verletzen, oder sich in einer akuten seelischen Krise befinden: Holen Sie sich sofort Hilfe – rufen Sie den Notruf 112 an oder wenden Sie sich an die Telefonseelsorge in Ihrer Region.
Vorbeugung
Ein sicheres Mittel, Brustkrebs beim Mann zu verhindern, gibt es nicht. Sie können aber Ihr Risiko senken: durch einen bewegten Alltag, ein gesundes Körpergewicht, den Verzicht auf Rauchen und einen achtsamen Umgang mit Alkohol. Wenn in Ihrer Familie Brust- oder Eierstockkrebs gehäuft vorkommt, sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis auf eine genetische Beratung an. Für Angehörige mit bekanntem Risikogen gibt es in spezialisierten Zentren Früherkennungsprogramme.
Früherkennungsprogramme
Ein flächendeckendes Reihenuntersuchungsprogramm speziell für Männer gibt es in Deutschland nicht – Brustkrebs beim Mann ist dafür zu selten. Wichtig ist, die eigene Brust zu kennen und Veränderungen früh abklären zu lassen. Einmal im Jahr bei der Hausarztuntersuchung auf die Brust ansprechen kann helfen. Bei familiärem Risiko oder nach Bestrahlung des Brustkorbs sind engmaschige Kontrollen in spezialisierten Zentren sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann wachsen und in umliegendes Gewebe, Haut oder Brustkorb eindringen.
- Krebszellen können sich über die Lymphbahnen in Lymphknoten ausbreiten.
- Eine Ausbreitung in andere Organe ist möglich – das erschwert die Behandlung.
- Offene Wunden an der Brust können bluten, schmerzen und sich entzünden.
- Schwellungen des Arms können nach einer Lymphknotenentfernung dauerhaft auftreten.
Langzeitprognose
Brustkrebs beim Mann ist behandelbar, und viele Männer leben nach der Behandlung gut weiter. Da die Erkrankung selten ist, werden Studien meist gemeinsam mit betroffenen Frauen ausgewertet – die Behandlung folgt deshalb weitgehend denselben Prinzipien. Wichtig ist eine frühe Abklärung, ein gutes Behandlungsteam und Unterstützung im Alltag. Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen und Ihre Ziele, damit die Behandlung zu Ihrem Leben passt. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen auch sagen, welche Nachsorge für Sie sinnvoll ist.
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Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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