Hüftprothese: Das künstliche Hüftgelenk verstehen
Übersicht
Bei einer Hüftprothese – auch künstliches Hüftgelenk oder Hüftendoprothese genannt – ersetzt eine Operation das abgenutzte oder geschädigte Hüftgelenk durch ein künstliches Implantat aus Metall und Kunststoff. Das Hüftgelenk verbindet das Becken mit dem Oberschenkelknochen. Es funktioniert wie ein Kugelgelenk: Der runde Kopf des Oberschenkelknochens sitzt in einer Pfanne im Becken. Ist der Knorpel – also die glatte Schutzschicht zwischen den Knochen – abgenutzt, reiben die Knochen aufeinander. Das tut weh und macht das Gehen schwer. Die Prothese übernimmt dann die Aufgabe des eigenen Gelenks.
Wichtige Fakten
- Die Operation dauert meist etwa eine bis zwei Stunden.
- Die meisten Menschen können danach wieder deutlich besser gehen und haben weniger Schmerzen.
- Eine Rehabilitation (Reha) nach der Operation ist ein wichtiger Teil der Behandlung.
- Ein künstliches Hüftgelenk hält in der Regel viele Jahre, oft 15 bis 20 Jahre oder länger.
- Nicht jeder Hüftschmerz braucht eine Prothese. Oft helfen zuerst Bewegung, Physiotherapie und andere Maßnahmen.
Ja. Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks gehört in Deutschland zu den häufigsten Operationen überhaupt. Jedes Jahr werden hier viele zehntausend Hüftprothesen eingesetzt. Entsprechend gibt es viel Erfahrung mit dem Eingriff und mit der Zeit danach.
Vor allem ältere Menschen ab etwa 60 Jahren sind betroffen, weil der Gelenkverschleiß mit dem Alter zunimmt. Aber auch jüngere Menschen können eine Prothese brauchen, zum Beispiel nach einem Unfall, bei einer angeborenen Fehlstellung der Hüfte oder bei bestimmten entzündlichen Gelenkerkrankungen.
Symptome
- Nach einer Hüftoperation: plötzliche Atemnot, Brustschmerzen oder ein sehr schneller Herzschlag – mögliche Anzeichen einer Lungenembolie, also eines Blutgerinnsels in der Lunge. Sofort den Notruf 112 wählen.
- Nach einer Operation: einseitige, starke Schwellung, Rötung oder Überwärmung eines Beins – möglicher Hinweis auf eine Thrombose (Blutgerinnsel in einer Vene). Sofort ärztliche Hilfe holen.
- Nach einer Operation: Fieber über 38,5 Grad mit Schüttelfrost oder eitrige Wundabsonderung
- Plötzlich starke Schmerzen in der Hüfte, das Bein lässt sich nicht mehr belasten und steht sichtbar verdreht – mögliche Ausrenkung (Luxation) der Prothese
- Ein Sturz auf die Hüfte mit starken Schmerzen und der Unfähigkeit aufzustehen
- ⚠Die Operationswunde nässt, ist gerötet oder öffnet sich
- ⚠Zunehmende Schmerzen, die trotz Ruhe nicht besser werden
- ⚠Eine neu auftretende Schwellung der Wade oder des Fußes
- ⚠Beschwerden beim Wasserlassen oder Schwierigkeiten, Wasser zu lassen
- ⚠Anhaltende Übelkeit oder ein allgemeines Gefühl, dass etwas nicht stimmt
Häufige Symptome
- Schmerzen in der Leiste, manchmal auch an der Außenseite der Hüfte oder im Oberschenkel
- Schmerzen beim Anlaufen, also in den ersten Schritten nach dem Sitzen oder Liegen (Anlaufschmerz)
- Schmerzen, die bei Belastung stärker werden und in Ruhe nachlassen
- Steifheit im Gelenk, besonders am Morgen oder nach längerem Sitzen
- Das Gefühl, das Bein nicht mehr richtig bewegen zu können, zum Beispiel beim Anziehen der Schuhe oder Socken
- Ein Knirschen, Reiben oder Knacken im Gelenk
- Man geht langsamer, legt unbewusst eine Schonhaltung ein oder hinkt
- Schmerzen, die bis ins Knie oder in den Rücken ausstrahlen
Ursachen
Hauptursachen
- Gelenkverschleiß (Hüftarthrose) – der Knorpel im Gelenk wird mit der Zeit dünner und rauer. Das ist die häufigste Ursache.
- Oberschenkelhalsbruch oder andere Brüche am Hüftgelenk, vor allem bei älteren Menschen
- Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Hüfte, etwa eine Hüftdysplasie
- Entzündliche Gelenkerkrankungen, bei denen das Immunsystem das eigene Gelenk angreift
- Absterben von Knochengewebe am Hüftkopf (Hüftkopfnekrose)
- Folgen von Unfällen oder früheren Operationen am Gelenk
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Übergewicht – mehr Gewicht bedeutet mehr Belastung für die Hüfte
- Familiäre Veranlagung
- Berufe mit viel schwerem Heben, Tragen oder Knien
- Sportarten mit hoher Belastung und schnellen Richtungswechseln
- Frühere Verletzungen oder Operationen am Hüftgelenk
- Bestimmte angeborene Fehlstellungen der Hüfte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einer Hüftoperation: Fieber, Schüttelfrost, zunehmende Wundschmerzen oder Wundabsonderung
- Plötzlich starke Schmerzen in der Hüfte oder im Bein
- Ein Bein, das anschwillt, rot oder heiß wird
- Atemnot oder Brustschmerzen – hier sofort den Notruf 112 wählen
- Nach einem Sturz: starke Schmerzen und die Unfähigkeit, das Bein zu belasten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Hüftschmerzen, die länger als einige Wochen anhalten
- Schmerzen, die Sie beim Gehen, Treppensteigen oder beim Anziehen der Schuhe einschränken
- Steifheit am Morgen, die länger als etwa 30 Minuten anhält
- Wenn Bewegung, Physiotherapie und andere Maßnahmen nicht mehr ausreichen
- Wenn Sie über eine Operation nachdenken und Fragen dazu haben
Diagnose
Zuerst spricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen über Ihre Beschwerden: Wo tut es weh, seit wann, was verschlimmert es, was hilft? Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei wird die Beweglichkeit der Hüfte geprüft und man schaut, wie Sie gehen. Meist wird ein Röntgenbild gemacht – damit lassen sich der Gelenkverschleiß und die Form der Hüfte gut beurteilen. In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen nötig. Die Diagnose stellt immer das Behandlungsteam, nicht Sie selbst.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch über Beschwerden und Vorgeschichte (Anamnese)
- Körperliche Untersuchung mit Prüfung der Beweglichkeit und des Gangbilds
- Röntgenaufnahme der Hüfte
- Manchmal eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT)
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel bei Verdacht auf eine Entzündung
- In seltenen Fällen eine Gelenkspiegelung oder eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen tun in der Regel nicht weh. Ein Röntgenbild dauert nur wenige Minuten. Sie müssen nichts Besonderes vorbereiten und können danach meist sofort wieder nach Hause gehen. Wenn eine Operation im Gespräch ist, besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam, welche Behandlung zu Ihnen passt. Es hilft, sich vorher Fragen aufzuschreiben und jemanden zum Gespräch mitzunehmen.
Behandlung
Eine Hüftprothese ist eine gute Option, wenn andere Behandlungen nicht mehr ausreichen. Der Weg dorthin ist aber meist stufenweise: zuerst Bewegung, Physiotherapie und andere Maßnahmen, die Schmerzen lindern und die Hüfte möglichst lange beweglich halten. Erst wenn das nicht mehr genügt und die Beschwerden den Alltag stark einschränken, kommt eine Operation in Betracht.
Selbsthilfe zu Hause
- In Bewegung bleiben – auch mit Schmerzen. Sanfte Bewegung wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren auf einem Heimtrainer hält das Gelenk beweglich.
- Übergewicht abbauen, wenn Sie zu viel wiegen. Schon wenige Kilo weniger entlasten die Hüfte deutlich.
- Physiotherapie zur Kräftigung der Muskeln rund um die Hüfte
- Ein Gehstock oder eine andere Gehhilfe kann vorübergehend entlasten
- Wärme oder Kälte anwenden, je nachdem, was Ihnen guttut
- Alltagswege geschickt planen: kürzere Strecken, Pausen, Hilfsmittel im Bad
- Rutschfeste Schuhe tragen und das Zuhause sicher gestalten, um Stürze zu vermeiden
Medizinische Behandlungen
Je nach Beschwerden kommen verschiedene Behandlungen in Frage: Physiotherapie und Bewegungstraining, Maßnahmen zur Schmerzlinderung, Spritzen in das Gelenk oder – bei entzündlichen Erkrankungen – eine gezielte Behandlung durch Fachärztinnen und Fachärzte. Bei weit fortgeschrittenem Verschleiß kann eine Operation sinnvoll sein. Welche Behandlung zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die deutsche Leitlinie (AWMF) empfiehlt, zuerst die nicht-operativen Möglichkeiten auszuschöpfen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist dann empfohlen, wenn die Schmerzen im Alltag stark belasten, Sie nachts davon aufwachen, das Gehen nur noch kurze Strecken möglich ist und andere Behandlungen über längere Zeit nicht geholfen haben. Gemeinsam mit dem Behandlungsteam entscheiden Sie, ob der Zeitpunkt richtig ist. Es gibt keinen festen Grenzwert auf dem Röntgenbild, der allein über eine Operation entscheidet – es geht um Ihre Beschwerden und Ihre Lebensqualität. Meist wird der Eingriff einige Wochen vorher geplant, damit Sie sich vorbereiten und organisieren können, zum Beispiel eine Reha oder Hilfe im Haushalt.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation beginnt die Erholung. In den ersten Tagen steht vorsichtiges Bewegen an, oft mit Unterstützung durch Physiotherapie. Meist folgt eine Rehabilitation (Reha), entweder in einer Klinik oder ambulant. Dort lernen Sie, sicher zu gehen, Treppen zu steigen und den Alltag zu bewältigen. Viele Menschen brauchen anfangs Gehhilfen. Bis Sie sich wieder ganz sicher fühlen, können einige Wochen bis Monate vergehen. Das ist normal – jeder erholt sich in seinem eigenen Tempo.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, sanfte Bewegung – Spazieren, Schwimmen und Radfahren sind meist gut geeignet
- Muskelaufbau für Beine und Gesäß, am besten angeleitet durch Physiotherapie
- Auf ein gesundes Gewicht achten
- Stolperfallen im Zuhause beseitigen, für gute Beleuchtung und rutschfeste Matten sorgen
- Bewegungsregeln beachten, die Sie im Krankenhaus oder in der Reha lernen – zum Beispiel bestimmte Drehbewegungen zunächst vermeiden
- Sportarten mit schnellen Richtungswechseln erst nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam wieder aufnehmen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt die Heilung und den Muskelaufbau. Eiweiß steckt zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Eiern, Milchprodukten, Fisch und magerem Fleisch. Ausreichend zu trinken ist ebenfalls wichtig. Bewegung ist der wichtigste Baustein: Schon kurze Spaziergänge mehrmals am Tag helfen. Steigern Sie sich langsam und hören Sie auf, wenn Schmerzen deutlich zunehmen. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen zeigen, welche Übungen zu Ihnen passen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Operation an der Hüfte kann auch emotional belasten. Viele Menschen sorgen sich, ob sie danach wieder wie früher gehen können, ob sie Hilfe brauchen oder ob alles gut verläuft. Es ist normal, nervös zu sein. Nach der Operation gibt es Tage, an denen die Fortschritte langsamer wirken als erhofft – auch das ist meist vorübergehend. Sprechen Sie offen darüber. Wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen, ängstlich oder hoffnungslos fühlen, suchen Sie Unterstützung. In Deutschland erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 222 2 222. Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Ein künstliches Hüftgelenk lässt sich nicht immer verhindern. Aber Sie können das Risiko für starken Gelenkverschleiß senken: durch ein gesundes Gewicht, regelmäßige Bewegung und einen guten Umgang mit Belastungen im Beruf. Wichtig ist auch, Stürze zu vermeiden – besonders im Alter. Ist der Verschleiß schon weit fortgeschritten, lässt sich eine Prothese oft nicht mehr aufhalten. Das ist kein Grund zur Sorge: Die Operation ist ein bewährter Eingriff mit guten Aussichten.
Impfungen
Eine Impfung schützt nicht vor Gelenkverschleiß. Vor einer Operation prüft das Behandlungsteam aber häufig, ob Ihr Impfschutz aktuell ist, zum Beispiel gegen Tetanus oder Pneumokokken. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Früherkennungsprogramm für Hüftverschleiß gibt es nicht. Wenn Sie Hüftschmerzen haben oder in der Familie Gelenkprobleme bekannt sind, lohnt sich ein Gespräch in der Hausarztpraxis. Ein Röntgenbild wird meist erst gemacht, wenn Beschwerden bestehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Schmerzen können stärker werden und irgendwann auch in Ruhe bleiben
- Das Gehen wird immer schwieriger, die Strecken werden kürzer
- Die Muskeln werden schwächer, weil man sich weniger bewegt
- Das Risiko für Stürze steigt
- Alltag, Arbeit und Freizeit können stark eingeschränkt werden
- Auch andere Gelenke können stärker belastet werden
Langzeitprognose
Die Aussichten nach einer Hüftprothese sind in der Regel sehr gut. Die meisten Menschen haben danach deutlich weniger Schmerzen und können wieder besser gehen. Viele nehmen nach der Reha wieder am Alltag, an Hobbys und am sozialen Leben teil. Ein künstliches Gelenk hält oft viele Jahre. Es kann sein, dass es irgendwann ersetzt werden muss – das ist aber nicht bei allen so. Wichtig ist, dass Sie sich gut informieren und mit Ihrem Behandlungsteam einen Plan für die Zeit vor und nach der Operation aufstellen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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