Überzählige Zähne (Hyperdontie)
Übersicht
Hyperdontie bedeutet, dass im Mund mehr Zähne angelegt sind als üblich. Im bleibenden Gebiss sind normalerweise bis zu 32 Zähne vorhanden (mit den Weisheitszähnen), im Milchgebiss 20. Bei einer Hyperdontie kommen ein oder mehrere zusätzliche Zähne dazu. Diese „überzähligen“ Zähne können ganz normal aussehen oder auch fehlgeformt sein. Häufig liegen sie verborgen im Kiefer und fallen nur bei einer Röntgenaufnahme auf.
Wichtige Fakten
- Meist ist nur ein einzelner zusätzlicher Zahn vorhanden, am häufigsten im Oberkiefer zwischen den oberen Schneidezähnen.
- Viele überzählige Zähne verursachen keine Beschwerden und müssen nicht entfernt werden.
- Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, wo der Zahn liegt und ob er andere Zähne, das Zahnfleisch oder den Biss beeinträchtigt.
Hyperdontie ist eher selten. Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 3 von 100 Menschen betroffen. In der Zahnarztpraxis fällt sie oft zufällig bei Röntgenbildern auf.
Sie kann in jedem Alter festgestellt werden, wird aber meist bei Kindern und Jugendlichen entdeckt, wenn die Zähne kontrolliert werden. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. In manchen Fällen tritt Hyperdontie zusammen mit angeborenen Syndromen auf – das sind Kombinationen mehrerer angeborener Besonderheiten.
Symptome
- Starke Schwellung im Gesicht oder am Hals, besonders mit Fieber und Schluckbeschwerden – dann kann sich eine Infektion ausbreiten. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Atemnot oder das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.
- Eine Blutung, die nach einer Zahnbehandlung oder einem Unfall nicht aufhört.
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit nach einem Sturz auf den Mund.
- ⚠Starke Zahn- oder Kieferschmerzen.
- ⚠Fieber zusammen mit einer Schwellung im Mundbereich.
- ⚠Eiteraustritt oder anhaltend schlechter Geschmack im Mund.
- ⚠Ein abgebrochener oder ausgeschlagener Zahn nach einem Unfall – den Zahn in Milch oder Speichel aufbewahren und noch am selben Tag eine Zahnarztpraxis aufsuchen.
Häufige Symptome
- Oft gar keine Beschwerden – der zusätzliche Zahn bleibt unbemerkt.
- Ein zusätzlicher Zahn, der sichtbar durchbricht, manchmal als zweite Zahnreihe.
- Engstand oder verschobene Zähne, weil im Kiefer zu wenig Platz ist.
- Verzögertes Durchbrechen der bleibenden Zähne.
- Schwierigkeiten beim Zähneputzen an schwer erreichbaren Stellen.
- Gelegentlich Zahnfleischentzündung oder Karies an schlecht zu reinigenden Stellen.
- Selten ein Druckgefühl oder eine Schwellung, wenn sich um den Zahn eine mit Flüssigkeit gefüllte Höhle (Zyste) bildet.
Symptome bei Kindern
- Milchzähne brechen verspätet oder in ungewöhnlicher Reihenfolge durch.
- Es entsteht der Eindruck einer „doppelten“ Zahnreihe.
- Das Kind beißt sich manchmal auf den zusätzlichen Zahn oder hat Druckstellen.
- Selten Schwierigkeiten beim Kauen oder Sprechen.
- Häufig fällt der zusätzliche Zahn bei einer Kontrolluntersuchung oder beim Röntgen auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Meist ein Zufallsbefund auf Röntgenbildern, zum Beispiel vor einer Krone, Brücke oder einem Implantat.
- Ein verbliebener überzähliger Zahn kann die Wurzel eines Nachbarzahns schädigen.
- Erschwerte Mundhygiene und dadurch häufiger Zahnfleischentzündungen.
- Manchmal eine Zystenbildung im Kieferknochen.
- Bei Zahnersatz kann ein überzähliger Zahn den Sitz stören.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass während der Zahnentwicklung die Anlage für Zähne mehrfach gebildet wird.
- Erbliche Faktoren spielen eine Rolle: In manchen Familien tritt Hyperdontie gehäuft auf.
- Sie kann Teil eines angeborenen Syndroms sein, also einer Kombination mehrerer angeborener Merkmale.
- Sie entsteht nicht durch falsches Zähneputzen, durch die Ernährung oder durch Impfungen.
Risikofaktoren
- Fälle von Hyperdontie in der Familie.
- Angeborene Syndrome, die die Knochen- oder Zahnentwicklung betreffen.
- Angeborene Besonderheiten im Mundbereich, zum Beispiel eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte.
- Männliches Geschlecht – Jungen sind etwas häufiger betroffen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Schwellung im Gesicht oder am Hals, besonders mit Fieber.
- Starke, anhaltende Zahn- oder Kieferschmerzen.
- Eiteraustritt aus dem Zahnfleisch.
- eine Blutung, die nicht aufhört.
- Atem- oder Schluckbeschwerden – dann sofort den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ein zusätzlicher Zahn wird sichtbar.
- Zähne brechen nicht zum erwarteten Zeitpunkt durch.
- Engstand, schiefe Zähne oder ein veränderter Biss fallen auf.
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt, besonders bei Kindern.
Diagnose
Die Zahnärztin oder der Zahnarzt schaut sich zuerst den Mund genau an. Oft folgt eine Röntgenaufnahme, auf der alle Zähne und der Kieferknochen zu sehen sind. So lässt sich erkennen, wie viele zusätzliche Zähne es gibt, wo sie liegen und ob sie andere Zähne beeinflussen.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung des Mundes und der Zahnstellung.
- Röntgenaufnahme des gesamten Gebisses (Panoramaaufnahme).
- Manchmal eine dreidimensionale Röntgenaufnahme, wenn der Zahn sehr ungünstig liegt.
- Bei Verdacht auf ein Syndrom: Untersuchung in der Kinderarztpraxis oder humangenetische Beratung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin ist meist kurz und schmerzfrei. Röntgenaufnahmen sind mit einer sehr geringen Strahlenmenge verbunden, und die Praxis achtet auf den Strahlenschutz. Nach dem Gespräch wissen Sie, ob der Zahn beobachtet werden kann oder ob eine Behandlung geplant werden sollte.
Behandlung
Nicht jede Hyperdontie muss behandelt werden. Liegt der zusätzliche Zahn ungünstig oder stört er Nachbarzähne, die Mundhygiene oder den Biss, kann eine Behandlung sinnvoll sein. Die Entscheidung wird gemeinsam mit der Zahnarztpraxis getroffen – oft in Absprache mit Kieferorthopädie oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Selbsthilfe zu Hause
- Gründlich und regelmäßig Zähneputzen, auch an schwer erreichbaren Stellen.
- Zahnseide oder kleine Zwischenraumbürsten benutzen, wenn es die Zahnstellung erlaubt.
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen.
- Bei Kindern frühzeitig die zahnärztlichen Früherkennungstermine nutzen.
- Nicht selbst versuchen, einen Zahn zu entfernen oder zu bewegen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Lage gibt es verschiedene Wege: Beobachten mit regelmäßigen Kontrollen und Röntgenbildern, eine kieferorthopädische Behandlung, um Platz zu schaffen und Zähne zu lenken, oder das Entfernen des überzähligen Zahns. Entfernt wird meist in örtlicher Betäubung; bei Kindern oder schwierigen Lagen kann eine Behandlung mit beruhigender Medikation oder in Vollnarkose besprochen werden. Die Behandlung richtet sich nach zahnmedizinischen Fachleitlinien (zum Beispiel der AWMF) und nach Ihrer persönlichen Situation.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Entfernung wird vor allem besprochen, wenn der zusätzliche Zahn andere Zähne schädigt, das Durchbrechen bleibender Zähne blockiert, eine Zyste verursacht, die Mundhygiene stark erschwert oder Zahnersatz im Weg steht. Auch ein Zahn, der im Kiefer liegt und eine kieferorthopädische Behandlung behindert, kann entfernt werden. Liegt der Zahn tief und macht keine Probleme, wird oft zunächst abgewartet.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Betroffenen leben ganz normal. Wichtig ist, den Mund gut im Blick zu behalten und Kontrolltermine wahrzunehmen. Bei Kindern hilft es, das Zähneputzen gemeinsam zu machen und Zahnarzttermine als etwas Selbstverständliches zu erleben.
Tipps für den Alltag
- Feste Routinen beim Zähneputzen, morgens und abends.
- Regelmäßige Kontrollen, meist einmal pro Jahr, bei Bedarf öfter.
- Nicht rauchen – das schützt das Zahnfleisch.
- Bei Sportarten mit Verletzungsrisiko einen Mundschutz tragen.
Ernährung und Bewegung
Eine besondere Ernährung ist nicht nötig. Zahnfreundlich ist es, süße Getränke und häufige Snacks zu begrenzen, weil Zucker Karies fördert. Bewegung ist wie für alle Menschen gut – ein zusätzlicher Zahn schränkt Sie dabei nicht ein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Manche Menschen schämen sich, wenn ein zusätzlicher Zahn sichtbar ist, oder machen sich Sorgen. Das ist verständlich. Sprechen Sie offen mit der Zahnarztpraxis über Ihre Fragen – oft hilft schon ein klärendes Gespräch. Wenn Sorgen oder Ängste Sie im Alltag belasten, suchen Sie Unterstützung, zum Beispiel bei einer psychologischen Beratungsstelle oder in Ihrer Hausarztpraxis. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an den Notruf 112 oder an die Telefonseelsorge wenden.
Vorbeugung
Hyperdontie lässt sich nicht vorbeugen, weil sie während der Zahnentwicklung entsteht. Man kann aber gut damit umgehen, indem man regelmäßig zur Kontrolle geht und Veränderungen früh abklären lässt.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die Hyperdontie verhindert.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind der beste Weg, einen überzähligen Zahn früh zu erkennen. In Deutschland gibt es für Kinder die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen; auch für Erwachsene sind regelmäßige Kontrolltermine sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Engstand und verschobene Zähne, manchmal mit Bissproblemen.
- Verzögertes oder ausbleibendes Durchbrechen bleibender Zähne.
- Schäden an den Wurzeln benachbarter Zähne.
- Zysten im Kieferknochen, die größer werden können.
- Mehr Karies und Zahnfleischentzündungen, weil die Stellen schwer zu reinigen sind.
- In seltenen Fällen eine bakterielle Infektion im Mund- oder Kieferbereich.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Viele überzählige Zähne bleiben ein Leben lang unproblematisch und brauchen keine Behandlung. Wird eine Behandlung nötig, sind die heutigen zahnmedizinischen Möglichkeiten wirksam und gut erprobt. Mit regelmäßigen Kontrollen lassen sich mögliche Probleme früh erkennen.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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