Immunthrombozytopenie (ITP): Wenn Blutplättchen fehlen
Übersicht
ITP ist eine Erkrankung, bei der der Körper zu wenige Blutplättchen hat. Blutplättchen sind kleine Zellen im Blut, die helfen, Blutungen zu stoppen. Bei ITP richtet sich das Immunsystem versehentlich gegen die eigenen Blutplättchen. Dadurch werden sie schneller abgebaut, und im Knochenmark werden oft nicht genug neue gebildet. Die Folge sind zum Beispiel blaue Flecken, kleine rote Punkte auf der Haut oder Nasenbluten. ITP ist nicht ansteckend und kein Krebs.
Wichtige Fakten
- ITP ist selten und kann Kinder und Erwachsene treffen.
- ITP ist nicht ansteckend und keine Krebserkrankung.
- Nicht jede ITP muss behandelt werden. Die Behandlung richtet sich nach Blutungen und Blutplättchenzahl.
ITP ist selten. Sie gehört zu den selteneren Bluterkrankungen und tritt bei Kindern und Erwachsenen auf, aber nicht häufig.
ITP kann in jedem Alter auftreten. Bei Kindern beginnt sie oft plötzlich nach einem Infekt. Bei Erwachsenen, besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter, verläuft sie häufiger chronisch, also über längere Zeit.
Symptome
- Eine Blutung, die sich nicht stoppen lässt
- Blut erbrechen oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- Nach einem Sturz auf den Kopf: starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Erbrechen oder Krampfanfälle
- Plötzliche Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen
- Sehr starke Blutung nach einem Unfall
- ⚠Viele neue rote Punkte oder große blaue Flecken
- ⚠Nasenbluten, das länger als 10 Minuten anhält
- ⚠Sehr starke Regelblutung
- ⚠Blut im Urin oder Stuhl
- ⚠Zahnfleischbluten, das nicht aufhört
Häufige Symptome
- Kleine rote oder violette Punkte auf der Haut, sogenannte Petechien
- Blaue Flecken ohne klaren Grund
- Nasenbluten
- Zahnfleischbluten
- Starke oder verlängerte Regelblutung
- Blut im Urin oder Stuhl
- Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Oft plötzlich blaue Flecken und rote Punkte auf der Haut
- Manchmal Nasenbluten
- Viele Kinder sind sonst fit und zeigen keine weiteren Beschwerden
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger ein chronischer Verlauf
- Leichte Erschöpfung und Müdigkeit
- Blaue Flecken und eine erhöhte Blutungsneigung
- Andere Erkrankungen und Medikamente können eine Rolle spielen
Ursachen
Hauptursachen
- Das Immunsystem bildet versehentlich Antikörper gegen die eigenen Blutplättchen.
- Die Blutplättchen werden dadurch vermehrt abgebaut, besonders in der Milz.
- Das Knochenmark bildet manchmal nicht genug neue Blutplättchen.
- Oft findet sich kein klarer Auslöser.
Risikofaktoren
- Virale Infektionen
- Andere Autoimmunerkrankungen
- Bestimmte Medikamente
- Schwangerschaft
- Weibliches Geschlecht bei chronischem Verlauf
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn viele neue rote Punkte oder große blaue Flecken auftreten
- Wenn Nasenbluten länger als 10 Minuten anhält
- Wenn die Regelblutung sehr stark ist
- Wenn Blut im Urin oder Stuhl bemerkt wird
- Wenn Zahnfleischbluten nicht aufhört
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn immer wieder blaue Flecken ohne erklärbare Ursache auftreten
- Wenn Sie sich häufig müde fühlen und ungewöhnliche Blutungszeichen bemerken
- Wenn bei einer Blutuntersuchung auffällig wenige Blutplättchen gefunden werden
- Wenn in der Familie eine Blutungsneigung bekannt ist
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, nach Medikamenten und nach Infekten. Dann wird Blut untersucht. ITP wird oft dadurch erkannt, dass die Blutplättchen niedrig sind und andere Ursachen ausgeschlossen werden.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild mit Bestimmung der Thrombozytenzahl
- Blutausstrich unter dem Mikroskop
- Gerinnungstests
- Tests auf Infektionen wie HIV oder Hepatitis
- Autoimmuntests
- Schwangerschaftstest bei Frauen
- Knochenmarkuntersuchung nur bei bestimmten Fragestellungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist sind mehrere Blutkontrollen nötig. Bei milden Werten kann zunächst abgewartet werden. Bei Blutungen wird schneller behandelt. Die Behandlung orientiert sich in Deutschland an der AWMF-Leitlinie zur Immunthrombozytopenie.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist, Blutungen zu verhindern. Nicht jede ITP braucht Medikamente. Bei milder ITP ohne Blutung reicht oft Beobachten und regelmäßige Kontrolle.
Selbsthilfe zu Hause
- Kontaktsport und risikoreiche Aktivitäten meiden, solange die Thrombozyten niedrig sind
- Eine weiche Zahnbürste und einen Elektrorasierer benutzen
- Stürze vermeiden, zum Beispiel durch gutes Licht und freie Wege
- Blutungszeichen notieren und bei Änderungen melden
- Schmerzmittel nur nach Rücksprache einnehmen, weil manche das Blutungsrisiko erhöhen
Medizinische Behandlungen
Bei Blutungen oder sehr niedrigen Werten gibt es verschiedene Behandlungswege: Medikamente, die die Immunabwehr dämpfen; Medikamente, die die Bildung von Blutplättchen anregen; Blutplättchen-Gaben in akuten Notfällen. Bei chronischen Verläufen kann eine Milzentfernung erwogen werden. Die Wahl hängt von Alter, Beschwerden und Verlauf ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Milzentfernung, auch Splenektomie genannt, kann bei anhaltender ITP erwogen werden, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen. Der Eingriff wird sorgfältig besprochen, weil danach das Risiko für bestimmte Infektionen steigen kann.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit ITP leben normal. Bei niedrigen Werten achten sie mehr auf Verletzungen und Blutungen. Regelmäßige Arzttermine helfen, den Verlauf im Blick zu behalten.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend schlafen
- Stress möglichst reduzieren
- Bei Sport und Alltag auf Schutz achten, zum Beispiel Helm tragen
- Blutungszeichen früh melden
- Impfungen und andere Vorhaben mit dem Behandlungsteam besprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Gesundheit. Bewegung ist gut, aber bei niedrigen Thrombozyten sind Sportarten mit Verletzungsrisiko ungünstig. Spazieren, Schwimmen oder Radfahren mit Helm sind oft möglich. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, was für Sie passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor Blutungen kann belasten. Auch Müdigkeit und Unsicherheit sind verständlich. Sprechen Sie darüber. Psychologische Unterstützung kann helfen. Wenn Sie in eine seelische Krise geraten, holen Sie sich sofort Hilfe über den Notruf 112.
Vorbeugung
ITP lässt sich nicht sicher verhindern, weil die Ursache oft nicht bekannt ist. Man kann aber Blutungen vorbeugen, indem man Verletzungen meidet und Blutungszeichen ernst nimmt.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen ITP. Routineimpfungen sind bei ITP meist möglich. Besprechen Sie den Zeitpunkt und offene Fragen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Eine Reihenuntersuchung gibt es nicht. Bei bekannter ITP sind regelmäßige Blutkontrollen sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke Blutungen, zum Beispiel aus der Nase, dem Zahnfleisch oder der Gebärmutter
- Blut im Urin oder Stuhl
- Sehr selten eine Blutung im Gehirn
- Müdigkeit und Einschränkungen im Alltag
- In der Schwangerschaft können Blutungen für Mutter und Kind ein Thema sein
Langzeitprognose
ITP ist oft gut behandelbar. Viele Kinder werden vollständig gesund. Bei Erwachsenen bleibt ITP manchmal bestehen, lässt sich aber meist gut kontrollieren. Mit regelmäßiger Betreuung ist ein normales Leben oft möglich.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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