Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören
Übersicht
Manche Menschen haben ein höheres Risiko, schwer zu erkranken, wenn sie sich mit einem Erreger anstecken – zum Beispiel mit einem Virus oder Bakterium. Höheres Risiko bedeutet: Der Körper kann eine Infektion nicht so gut abwehren wie bei anderen Menschen. Das hat körperliche Gründe, etwa eine chronische Erkrankung, ein höheres Alter oder ein geschwächtes Abwehrsystem. Das Abwehrsystem (auch Immunsystem genannt) ist die körpereigene Verteidigung gegen Krankheitserreger. Ein höheres Risiko ist kein Grund zur Panik und auch keine Schuld. Es ist ein guter Grund, ein paar Dinge bewusst zu tun – und zu wissen, wann Sie Hilfe holen sollten.
Wichtige Fakten
- Ein höheres Risiko heißt nicht, dass Sie krank werden. Es heißt, dass Sie bei einer Ansteckung besonders gut auf sich achten sollten.
- Viele Schutzmaßnahmen sind einfach und alltagstauglich: Impfungen, Händewaschen, lüften, ausreichend schlafen.
- Wer sein eigenes Risiko kennt, kann früher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen – das macht vieles leichter.
Ja, sehr häufig. Viele Menschen gehören zu einer Risikogruppe – allein durch das Alter oder durch eine gut behandelte chronische Erkrankung. Sie sind damit nicht allein, und die meisten Betroffenen leben ganz normal.
Zum Beispiel ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen von Herz, Lunge, Nieren oder Leber, Menschen mit Diabetes (Zuckerkrankheit), Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem – etwa während einer Krebsbehandlung oder nach einer Organtransplantation –, Schwangere und sehr kleine Kinder. Auch starkes Übergewicht und Rauchen können eine Rolle spielen.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen – rufen Sie sofort 112 an
- Blaue oder graue Lippen, blasse oder marmorierte Haut
- Plötzliche Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder nicht mehr weckbar sein
- Starke Brustschmerzen oder starker Druck in der Brust
- Krampfanfall oder ein Kind, das nicht mehr ansprechbar ist
- ⚠Fieber, das über mehrere Tage anhält oder wieder steigt
- ⚠Zunehmender Husten oder Atembeschwerden schon bei leichter Belastung
- ⚠Sehr wenig trinken, kaum Wasserlassen, trockener Mund
- ⚠Neue Verwirrtheit oder auffällige Schwäche bei einem älteren Menschen
- ⚠Verschlechterung einer bestehenden chronischen Erkrankung
Häufige Symptome
- Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl
- Husten, Schnupfen, Halsschmerzen
- Müdigkeit und Schwäche, die stärker sind als sonst
- Atemnot oder Kurzatmigkeit, besonders bei Belastung
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Appetitlosigkeit und weniger Trinken als gewohnt
Symptome bei Kindern
- Kleine Kinder zeigen Infekte oft zuerst durch Quengeln, schlechtes Trinken oder Fieber
- Schnelleres oder angestrengtes Atmen, Einziehungen zwischen den Rippen
- Weniger nasse Windeln als sonst
- Bei Säuglingen ist Fieber immer ein Grund, ärztlichen Rat einzuholen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Fieber fehlt oft – die Temperatur kann sogar niedriger sein als normal
- Plötzliche Verwirrtheit oder Wesensveränderung
- Schwindel, ein Sturz oder plötzliche Schwäche
- Neue Inkontinenz oder kaum noch Wasserlassen
- Mahlzeiten und Trinken werden weggelassen, der Mensch zieht sich zurück
Ursachen
Hauptursachen
- Das Abwehrsystem ist geschwächt – etwa durch eine Erkrankung, eine Behandlung oder durch das Alter
- Wichtige Organe wie Herz, Lunge, Nieren oder Leber haben weniger Reserven
- Der Körper kann bei Stress durch eine Infektion nicht so schnell gegensteuern
- Bestimmte Medikamente dämpfen die körpereigene Abwehr
Risikofaktoren
- Höheres Alter
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche, COPD oder Nierenerkrankungen
- Krebserkrankungen und Behandlungen, die das Abwehrsystem beeinflussen
- Organtransplantation oder eine Erkrankung des Immunsystems
- Schwangerschaft
- Sehr junges Alter, besonders Säuglinge und kleine Kinder
- Starkes Übergewicht, Rauchen, sehr wenig Bewegung
- Wohnen in einer Gemeinschaftseinrichtung mit vielen Kontakten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Fieber und Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser, sondern schlimmer werden
- Wenn Atemnot auftritt oder Sie beim Treppensteigen ungewöhnlich außer Atem geraten
- Wenn Sie kaum noch trinken können oder sehr wenig Urin kommt
- Wenn ein älterer Mensch plötzlich verwirrt oder ungewöhnlich schwach ist
- Wenn ein Baby Fieber hat oder ein Kind nicht trinken will
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wissen möchten, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind
- Wenn Sie einen Plan für den Krankheitsfall erstellen möchten, zum Beispiel wer Sie unterstützt
- Wenn Sie Medikamente nehmen, die das Abwehrsystem dämpfen, und Fragen dazu haben
- Wenn eine chronische Erkrankung neu festgestellt wurde
- Wenn Sie unsicher sind, ob eine Beschwerde ernst ist – lieber einmal mehr fragen
Diagnose
Für ein erhöhtes Risiko gibt es keinen einzelnen Test. Ärztinnen und Ärzte schauen auf Ihre Vorgeschichte, Ihre Erkrankungen, Ihre Medikamente und Ihren Impfstatus. So entsteht ein Bild davon, wie gut Ihr Körper mit einer Infektion umgehen kann. Bei einem akuten Infekt kommt eine Untersuchung dazu, zum Beispiel Abhören der Lunge und Fühlen von Puls und Atmung.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch über Beschwerden, Vorgeschichte und Medikamente
- Körperliche Untersuchung mit Abhören von Lunge und Herz
- Messung von Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung
- Blutuntersuchung, wenn die Ärztin oder der Arzt sie für nötig hält
- Bei einem Infekt: Abstrich oder Schnelltest auf bestimmte Erreger
- Überprüfung des Impfpasses
- Lungenfunktionsprüfung bei Beschwerden der Atemwege
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nehmen Sie nach Möglichkeit Ihren Medikamentenplan, Ihren Impfpass und eine Liste Ihrer Erkrankungen mit. Notieren Sie vorher Ihre Fragen. In der Praxis können Sie alles fragen – auch Dinge, die Ihnen klein vorkommen. Wenn Sie möchten, bringen Sie eine Vertrauensperson mit.
Behandlung
Behandlung bedeutet hier vor allem: gut vorbereitet sein und im Krankheitsfall schnell das Richtige tun. Ein offener Austausch mit Ihrer Hausarztpraxis hilft, den eigenen Weg zu finden – körperlich und im Alltag.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken – am besten über den Tag verteilt kleine Mengen
- Ruhe und Schlaf gönnen, den Tag ruhiger gestalten
- Regelmäßig Fieber und Beschwerden notieren, um Veränderungen zu erkennen
- Frische Luft und regelmäßiges Lüften in der Wohnung
- Hände gründlich mit Seife waschen, besonders nach Kontakt zu kranken Menschen
- Bei Erkältungszeichen andere schützen: Abstand halten, in die Armbeuge husten
- Einen Notfallplan bereithalten: wichtige Nummern, Medikamentenliste, Kontaktpersonen
Medizinische Behandlungen
Wird man krank, hängt die Behandlung vom Erreger und von den Beschwerden ab. Bei manchen bakteriellen Infekten können Medikamente gegen den Erreger helfen; bei vielen Virusinfekten steht die unterstützende Behandlung im Vordergrund, also Ruhe, Flüssigkeit und – nach Rücksprache mit der Praxis – Mittel gegen Fieber und Schmerzen. Welche Behandlung zu Ihnen passt, entscheiden Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Das hängt auch davon ab, welche anderen Medikamente Sie nehmen. Nehmen Sie keine Medikamente von anderen ein und ändern Sie Ihre eigene Dauermedikation nie ohne Rücksprache.
Leben mit der Erkrankung
Ein erhöhtes Risiko gehört zum Alltag dazu – es muss ihn aber nicht bestimmen. Viele Menschen planen einfach ein paar Dinge vor: Wer hilft beim Einkauf, wenn ich krank bin? Wo liegen meine Unterlagen? Solche kleinen Vorbereitungen geben Sicherheit und nehmen im Ernstfall Druck weg.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, angepasst an Ihre Möglichkeiten
- Ausreichend Schlaf und Pausen
- Nicht rauchen – oder mit Unterstützung aufhören
- Wenig Alkohol
- Stress reduzieren, wenn es geht
- Kontakte pflegen, die guttun
- Impfungen regelmäßig überprüfen lassen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und ausreichend Flüssigkeit unterstützt den Körper. Bewegung stärkt Herz und Lunge – schon ein täglicher Spaziergang zählt. Wichtig ist, dass Bewegung zu Ihnen passt und Sie sich nicht überfordern. Wenn Sie unsicher sind, wie viel gut für Sie ist, fragen Sie in Ihrer Praxis nach.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sich Sorgen zu machen ist normal, wenn man zu einer Risikogruppe gehört. Manche fühlen sich ängstlich oder ziehen sich zurück. Beides ist verständlich und beides lässt sich ansprechen. Wenn Sorgen Ihren Alltag stark bestimmen, suchen Sie Unterstützung – das ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder sich in einer seelischen Krise befinden, holen Sie sich sofort Hilfe: In Deutschland erreichen Sie den Rettungsdienst unter 112, und es gibt die Telefonseelsorge, deren Nummer Sie in Ihrem Telefonbuch oder auf Ihrer lokalen Gesundheitsseite finden.
Vorbeugung
Nicht jedes Risiko lässt sich wegnehmen – aber viel lässt sich tun. Impfungen, Händehygiene, regelmäßiges Lüften und Abstand bei akuten Infekten senken die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich anstecken. Und wenn es doch passiert, hilft es sehr, früh hinzuschauen und früh Hilfe zu holen.
Impfungen
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bestimmte Impfungen. Für viele Menschen mit erhöhtem Risiko gehören dazu zum Beispiel der Schutz gegen Grippe (Influenza), gegen Pneumokokken – das sind Bakterien, die eine Lungenentzündung auslösen können – und je nach Alter und Gesundheit weitere Impfungen. Lassen Sie Ihren Impfpass einmal prüfen und sprechen Sie mit Ihrer Praxis darüber, was für Sie passt.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Veränderungen früh zu erkennen. Dazu gehören die gesetzlichen Früherkennungsangebote in Deutschland, die sich nach Alter und Geschlecht richten. Ihre Praxis kann Ihnen sagen, welche Untersuchungen für Sie sinnvoll sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Aus einem leichten Infekt kann eine Lungenentzündung werden
- Beschwerden können sich bei Menschen mit erhöhtem Risiko schneller verschlechtern
- Bestehende chronische Erkrankungen können sich verschlechtern, zum Beispiel die Zuckerwerte
- Flüssigkeitsmangel kann zu Schwäche, Schwindel und Verwirrtheit führen
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit erhöhtem Risiko kommen gut durch Infekte – besonders, wenn sie früh hinschauen und rechtzeitig Hilfe holen. Ein guter Impfschutz, ein vorbereiteter Alltag und eine Praxis, die Sie kennt, machen einen großen Unterschied. Sie können selbst viel dafür tun, und Sie müssen dabei nicht allein sein.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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