Impfungen in weiterführenden Schulen
Übersicht
Bei diesem Thema geht es nicht um eine Krankheit, die man schon hat, sondern um Vorsorge. In der weiterführenden Schule sind Jugendliche meist zwischen 10 und 18 Jahre alt. In dieser Zeit sind einige Auffrischimpfungen fällig, und es kommen Impfungen dazu, die in der Kindheit noch nicht nötig waren – zum Beispiel gegen HPV (Humane Papillomviren, das sind Viren, die später Krebs auslösen können). Viele Schulen arbeiten dafür mit Ärztinnen und Ärzten, dem Gesundheitsamt oder anderen Gesundheitsdiensten zusammen: Der Impfpass wird geprüft, Familien werden informiert, und fehlende Impfungen können in der Praxis oder manchmal auch direkt in der Schule nachgeholt werden.
Wichtige Fakten
- In Deutschland gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) Empfehlungen dazu, welche Impfungen in welchem Alter sinnvoll sind. Diese Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet.
- Der Impfpass zeigt, welche Impfungen schon vorhanden sind und welche noch fehlen. Er ist das wichtigste Dokument, um den eigenen Schutz zu überblicken.
- Fehlende Impfungen lassen sich fast immer nachholen – auch noch im Jugendalter. Es ist nie zu spät, damit anzufangen.
Ja. Fast alle Jugendlichen in Deutschland haben einen Impfpass, und viele sind schon gut geimpft. Gleichzeitig sind Lücken in diesem Alter häufig – vor allem bei Auffrischimpfungen und bei der HPV-Impfung. Das ist normal und kein Grund zur Sorge: Solche Lücken lassen sich gut schließen.
Vor allem Jugendliche ab etwa 9 bis 18 Jahren und ihre Eltern oder Sorgeberechtigten. Mit im Boot sind auch Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulsozialarbeit und das Gesundheitsamt. Jugendliche dürfen bei vielen Fragen rund um Gesundheit und Impfungen zunehmend selbst mitreden und mitentscheiden.
Symptome
- Atemnot, pfeifende Atmung oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals
- Plötzliche starke Schwäche, Kreislaufkollaps oder Bewusstlosigkeit
- Ein ausgedehnter Hautausschlag (Nesselsucht), der sich schnell ausbreitet, zusammen mit Unwohlsein
- Ein Krampfanfall
- In all diesen Fällen sofort die 112 anrufen – das ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst.
- ⚠Fieber über etwa 39 Grad, das nicht sinken will oder länger als zwei Tage bleibt
- ⚠Eine Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die deutlich größer wird oder eitert
- ⚠Anhaltendes Erbrechen oder starker Durchfall, sodass zu wenig getrunken wird
- ⚠Starke Kopfschmerzen zusammen mit Nackensteifigkeit oder Lichtempfindlichkeit
- ⚠Wenn ein Kind nach der Impfung sehr schlapp wirkt, nicht trinken will oder kaum ansprechbar ist
Häufige Symptome
- Leichte Schmerzen, Rötung oder eine kleine Schwellung an der Einstichstelle
- Müdigkeit oder Abgeschlagenheit für einen Tag
- Leichtes Fieber oder Kopfschmerzen
- Muskel- oder Gelenkschmerzen
- Ein kurzes Gefühl von Unwohlsein direkt nach dem Pieks
Ursachen
Hauptursachen
- Impftermine wurden verpasst oder sind im Alltag untergegangen
- Umzug, Schulwechsel oder Wechsel der Arztpraxis
- Eine Impfserie ist nicht vollständig – zum Beispiel fehlt die zweite Dosis
- Manche Impfungen sind erst neu dazugekommen, nachdem das Kind klein war
- Offene Fragen oder Unsicherheiten, die nie in Ruhe besprochen wurden
- Der Impfpass ist nicht auffindbar oder unvollständig geführt
Risikofaktoren
- Kein auffindbarer oder unvollständiger Impfpass
- Eine chronische Erkrankung oder Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen – hier ist eine persönliche Beratung besonders wichtig
- Reisen in Länder mit anderen Impfempfehlungen
- Leben in einer Gemeinschaftseinrichtung wie einem Internat
- Sprachbarrieren oder wenig Zugang zu verständlichen Informationen
- Große Angst vor Nadeln, die Termine immer wieder hinauszögert
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Beschwerden, die auf eine schwere allergische Reaktion hindeuten – dann sofort die 112 rufen
- Bei hohem Fieber, das nicht sinkt, oder einer deutlich zunehmenden Schwellung an der Einstichstelle
- Bei starker Schwäche, anhaltendem Erbrechen oder wenn kaum getrunken wird
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der Impfstatus schon länger nicht geprüft wurde
- Wenn der Impfpass verloren gegangen ist oder unklar geführt wurde
- Wenn eine Impfserie unterbrochen wurde und nun nachgeholt werden soll
- Wenn Sie oder Ihr Kind Fragen zu einer bestimmten Impfung haben
- Wenn die HPV-Impfung oder andere neu dazugekommene Impfungen besprochen werden sollen
- Vor einer längeren Reise
Diagnose
Hier wird keine Krankheit festgestellt. Stattdessen wird der Impfstatus erhoben: Welche Impfungen sind schon da, welche fehlen, und welche sind jetzt sinnvoll? Das passiert im Gespräch und mit Blick in den Impfpass. Die Ärztin oder der Arzt berücksichtigt dabei Alter, Gesundheitszustand, Allergien, frühere Reaktionen auf Impfungen und manchmal auch Reisepläne.
Mögliche Untersuchungen
- Durchsicht des Impfpasses
- Gespräch über die Krankengeschichte, Allergien und Vorerkrankungen
- Manchmal eine Blutuntersuchung auf Antikörper, wenn unklar ist, ob noch ein Schutz besteht
- Bei fehlendem Impfpass: Nachfragen bei früheren Arztpraxen oder beim Gesundheitsamt
- Bei besonderen Vorerkrankungen: zusätzliche Beratung, manchmal mit einer Fachärztin oder einem Facharzt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein solcher Termin ist meist kurz und entspannt. Bringen Sie den Impfpass mit, wenn Sie ihn haben. Sie können alle Fragen stellen, die Ihnen wichtig sind – auch Zweifel. Am Ende steht oft ein einfacher Plan: welche Impfung wann sinnvoll ist und wann der nächste Termin ansteht.
Behandlung
Die eigentliche „Behandlung“ ist hier die Impfung selbst – also das Schließen von Impflücken. Gemeinsam mit der Arztpraxis wird ein Plan erstellt: Was fehlt, was wird aufgefrischt, und in welchem Abstand? Meist sind mehrere Termine nötig, manche Impfungen können aber auch am selben Tag gegeben werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Impftermine wahrnehmen und den nächsten Termin gleich notieren
- Den Impfpass sicher aufbewahren – zum Beispiel als Foto im Handy
- Nach der Impfung einen ruhigen Tag einplanen und viel trinken
- Einen kühlen Umschlag an der Einstichstelle kann angenehm sein
- Beim nächsten Termin ansprechen, wie die letzte Impfung vertragen wurde
- Bei Fragen in der Apotheke oder in der Praxis nachfragen, statt im Internet zu raten
Medizinische Behandlungen
Impfungen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur Bestandteile davon, Lebendimpfstoffe enthalten stark abgeschwächte Erreger. Für manche Krankheiten sind mehrere Dosen nötig, bis der Schutz vollständig ist, und bei einigen ist später eine Auffrischung sinnvoll. Oft werden mehrere Impfungen in einer Spritze kombiniert, damit weniger Piekser nötig sind. Welche Impfungen für eine Person passen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit ihr – abhängig von Alter, Gesundheitszustand und den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei diesem Thema in der Regel nicht relevant.
Leben mit der Erkrankung
Der Impfpass gehört zu den wichtigen Dokumenten im Leben – ähnlich wie der Ausweis. Ein Foto davon auf dem Handy, eine Erinnerung im Kalender und ein fester Platz für das Heft machen es leicht, den Überblick zu behalten. Bei einem Schulwechsel oder einem Umzug lohnt es sich, den Impfstatus einmal neu prüfen zu lassen.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf – gerade in der Pubertät leicht zu unterschätzen
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
- Händehygiene, besonders in der Schule und in den Ferienlagern
- Getränke, Besteck und Zahnbürsten nicht teilen, wenn jemand krank ist
- Nicht rauchen und Passivrauchen meiden
- Bei Reisen frühzeitig klären, ob ein besonderer Impfschutz sinnvoll ist
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie regelmäßige Bewegung und genug Schlaf unterstützen das Immunsystem. Das ersetzt aber keine Impfung – beides zusammen ist am wirksamsten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst vor Nadeln ist verbreitet und völlig in Ordnung. Offen darüber zu sprechen hilft: Man kann sich ablenken lassen, im Liegen geimpft werden oder vorher fragen, was genau passiert. Mit zunehmendem Alter dürfen Jugendliche selbst Fragen stellen und mitentscheiden. Wenn Ängste oder Sorgen stark belasten, gibt es Unterstützung – zum Beispiel über die Telefonseelsorge oder eine psychologische Beratungsstelle. Sprechen Sie auch die Arztpraxis darauf an.
Vorbeugung
Ja – genau darum geht es bei diesem Thema. Impfungen schützen die geimpfte Person selbst und tragen dazu bei, dass sich Krankheitserreger in der Schule und in der Familie weniger ausbreiten. Je vollständiger der Impfschutz in einer Klasse oder Familie ist, desto schwerer haben es manche Erreger.
Impfungen
Für Jugendliche sind in Deutschland je nach Alter und Gesundheitszustand unter anderem Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten sowie Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln, Windpocken, Hepatitis B, HPV und Meningokokken relevant. In manchen Regionen oder bei Reisen kann auch der Schutz gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Zecken übertragene Virusinfektion) sinnvoll sein. Welche Impfungen konkret passen, bespricht die Ärztin oder der Arzt anhand der aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es die Jugendgesundheitsuntersuchung J1 im Alter von etwa 12 bis 14 Jahren. Dort wird unter anderem der Impfstatus angesprochen. Auch schulärztliche Untersuchungen und Angebote des Gesundheitsamts können genutzt werden, um den Impfpass prüfen zu lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Masern können zu einer Lungen- oder Hirnentzündung führen und sind deutlich ansteckender als viele andere Krankheiten.
- Keuchhusten kann über Wochen anhalten und für Säuglinge im Umfeld gefährlich werden.
- Bestimmte HPV-Typen können Jahre später Krebs auslösen – die Impfung senkt dieses Risiko deutlich.
- Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine lebensgefährliche Erkrankung, die sich nicht von Mensch zu Mensch überträgt, aber über Wunden in den Körper gelangen kann.
- Meningokokken können eine Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung verursachen, die schnell lebensbedrohlich wird.
- Windpocken verlaufen bei Jugendlichen oft stärker als bei kleinen Kindern.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Fast jede Impflücke lässt sich auch im Jugendalter noch schließen, und der Schutz baut sich danach zuverlässig auf. Ein unvollständiger Impfpass bedeutet nicht, dass etwas verloren ist – er ist einfach der Anlass, es jetzt in Ruhe anzugehen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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