Borkenflechte (Schulflechte)
Übersicht
Borkenflechte – oft auch Schulflechte oder mit dem Fachwort Impetigo genannt – ist eine ansteckende Hautinfektion, die von Bakterien ausgelöst wird. Typisch sind kleine rote Flecken, die zu Bläschen werden und dann eine honiggelbe Kruste bilden. Meist sitzen sie im Gesicht rund um Mund und Nase, manchmal auch an Händen, Armen oder Beinen. Die Haut darunter ist gerötet und juckt oft. Für gesunde Kinder ist Borkenflechte unangenehm, aber gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- Borkenflechte wird von Bakterien verursacht – meist von Staphylokokken oder Streptokokken – und ist sehr ansteckend.
- Angesteckt wird man leicht über die Hände, Handtücher, Spielzeug oder engen Hautkontakt.
- Mit einer Behandlung durch die Ärztin oder den Arzt heilt sie meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Ja, Borkenflechte gehört zu den häufigsten Hautinfektionen bei Kindern. Besonders in Kindergärten und Grundschulen tritt sie gehäuft auf.
Vor allem Kinder im Alter von etwa zwei bis sechs Jahren sind betroffen. Grundsätzlich kann sie aber jede und jeden treffen – auch Erwachsene, besonders wenn sie kleine Hautverletzungen, Neurodermitis (eine chronisch trockene, juckende Haut) oder ein geschwächtes Abwehrsystem haben.
Symptome
- Hohes Fieber zusammen mit einer Rötung, die sich rasch ausbreitet.
- Starke Schmerzen, große Blasen oder sich ablösende Haut.
- Ein Säugling unter drei Monaten mit Fieber oder einer sich ausbreitenden Hautrötung.
- Verwirrtheit, Kreislaufprobleme, Atemnot oder ein insgesamt sehr krank wirkendes Kind.
- ⚠Die Rötung breitet sich trotz Behandlung schnell weiter aus.
- ⚠Es tritt Eiter auf oder die Stelle schwillt zunehmend an.
- ⚠Fieber über 38,5 Grad kommt hinzu.
- ⚠Die Krusten sind nach etwa drei bis vier Tagen Behandlung nicht besser geworden.
- ⚠Die betroffene Stelle liegt am Auge oder an den Augenlidern.
Häufige Symptome
- Kleine rote Flecken, aus denen sich Bläschen entwickeln.
- Die Bläschen platzen schnell und bilden eine honiggelbe bis bräunliche Kruste.
- Die Haut rund um die Stellen ist gerötet.
- Leichter Juckreiz, manchmal ein Spannungsgefühl.
- Meist rund um Mund und Nase, seltener an Händen, Armen oder Beinen.
- Fieber ist eher selten und wenn, dann nur leicht.
Symptome bei Kindern
- Kinder stecken sich oft gegenseitig an – typisch ist die Ausbreitung in Kindergarten oder Schulklasse.
- Kinder kratzen sich häufiger, dadurch verteilen sich die Bakterien auf weitere Hautstellen.
- Manche Kinder sind quengelig oder schämen sich wegen der Krusten im Gesicht.
- Bei Säuglingen können die Stellen größer wirken und die Haut insgesamt gereizter sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Erwachsenen zeigt sich die Infektion manchmal nur als geröteter, leicht verkrusteter Hautbezirk.
- Ältere Menschen mit Diabetes, Neurodermitis oder geschwächtem Abwehrsystem können schwerere Verläufe haben.
- Kleine Wunden heilen langsamer, deshalb kann es etwas länger dauern.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien – meist Staphylococcus aureus oder Streptokokken – dringen in kleine Hautverletzungen ein.
- Sie können auch ohne sichtbare Wunde auf vorgeschädigter Haut wachsen, etwa bei Neurodermitis.
- Übertragung über Hände, Handtücher, Bettwäsche, Spielzeug oder direkten Hautkontakt.
Risikofaktoren
- Kindesalter, besonders Kindergarten und Grundschule
- Enge Lebensräume und viel Körperkontakt
- Kleine Wunden, Insektenstiche und Kratzspuren
- Neurodermitis oder andere Hauterkrankungen
- Warmes, feuchtes Wetter
- Geschwächtes Abwehrsystem oder Diabetes
- Geteilte Handtücher und wenig Handhygiene
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich die Rötung rasch ausbreitet oder das Kind sehr krank wirkt.
- Bei Fieber oder zunehmenden Schmerzen.
- Bei einem Säugling unter drei Monaten.
- Wenn die Stelle am Auge oder an den Augenlidern liegt.
- Wenn die Behandlung nach wenigen Tagen nicht anschlägt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Beim ersten Verdacht – je früher behandelt wird, desto kürzer ist die ansteckende Zeit.
- Wenn neue Stellen dazukommen.
- Wenn Ihr Kind Neurodermitis hat und sich die Haut verändert.
Diagnose
In den meisten Fällen reicht ein Blick auf die Haut. Ärztinnen und Ärzte erkennen Borkenflechte an den typischen honiggelben Krusten. Manchmal wird ein Abstrich genommen, um die Bakterien genauer zu bestimmen – vor allem, wenn die Behandlung nicht anschlägt oder die Infektion häufig wiederkehrt.
Mögliche Untersuchungen
- Ärztliche Untersuchung der Haut
- Gegebenenfalls ein Abstrich der Krusten oder Bläschen zur Untersuchung im Labor
- Bei wiederholten Infektionen manchmal eine Untersuchung auf Bakterien in der Nase (sogenannte Träger)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist einfach und schmerzfrei. Ein Abstrich kann kurz etwas kitzeln. Das Ergebnis eines Abstrichs dauert meist einige Tage; oft beginnt die Behandlung schon vorher.
Behandlung
Borkenflechte wird meist mit einer antibiotischen Salbe oder Creme behandelt, die die Ärztin oder der Arzt verordnet. Bei ausgedehnten Stellen oder wenn die Salbe nicht ausreicht, kann ein Antibiotikum zum Einnehmen nötig sein. Antibiotika wirken nur bei Bakterien und nur, wenn sie richtig angewendet werden. Bei Fragen helfen Ihnen Ihre Arztpraxis und Ihre Apotheke weiter.
Selbsthilfe zu Hause
- Die Krusten vorsichtig mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch aufweichen – nicht abkratzen.
- Mehrmals täglich die Hände mit Seife waschen, besonders nach dem Berühren der Stellen.
- Fingernägel kurz schneiden, damit Kratzen weniger Schaden anrichtet.
- Handtücher, Waschlappen und Bettwäsche nicht teilen und bei mindestens 60 Grad waschen.
- Die Stellen locker abdecken, wenn Ihr Kind andere Kinder trifft.
- Nach dem Auftragen einer Salbe die Hände gründlich waschen.
- Die verordnete Behandlung auch dann weiterführen, wenn die Stelle schon besser aussieht.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ausmaß verordnet die Praxis eine antibiotische Salbe oder ein Antibiotikum zum Einnehmen. Bei vielen Kindern reicht eine Salbe. Bei sehr vielen Stellen oder wenn die Infektion trotz Salbe bleibt, kann ein Mittel zum Einnehmen sinnvoll sein. Welche Behandlung passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. In Deutschland gibt es dazu eine Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Borkenflechte in der Regel nicht nötig. Sehr selten muss eine größere, eitrige Hautstelle ärztlich eröffnet werden.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten 48 Stunden nach Beginn der Behandlung ist Borkenflechte am ansteckendsten. Viele Schulen und Kitas möchten, dass Kinder so lange zu Hause bleiben. Fragen Sie am besten direkt in der Einrichtung nach, welche Regel dort gilt. Danach darf Ihr Kind meist wieder hin, solange die Stellen abgedeckt oder abgeheilt sind.
Tipps für den Alltag
- Eigene Handtücher, Waschlappen und eigenes Besteck für das betroffene Kind.
- Kontakt zu anderen Kindern in der ansteckendsten Zeit möglichst begrenzen.
- Lockere Kleidung tragen, die nicht reibt.
- Häufiges Händewaschen in der ganzen Familie.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Ernährung hilft nicht gegen Borkenflechte. Ausgewogenes Essen und genug Trinken unterstützen aber die Heilung. Bewegung ist erlaubt – solange die ansteckendste Zeit nicht vorbei ist, sollte Ihr Kind aber keinen Kontakt- oder Wassersportarten mit engem Hautkontakt nachgehen. Schwimmen vermeiden, solange die Stellen offen sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Honiggelbe Krusten im Gesicht können Kinder belasten – manche schämen sich oder werden gehänselt. Nehmen Sie das ernst, erklären Sie die Infektion ruhig und sachlich und machen Sie deutlich: Das ist nicht schlimm, ansteckend ist nur die Hautstelle, und es geht bald weg. Wenn Ihr Kind sehr traurig oder ängstlich wirkt, sprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis. In seelischen Krisen erreichen Sie in Deutschland die Telefonseelsorge rund um die Uhr.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich Borkenflechte nicht, aber man kann das Risiko senken. Gute Handhygiene, eigene Handtücher und das Abdecken kleiner Wunden helfen am meisten.
Impfungen
Gegen Borkenflechte gibt es keine Impfung.
Früherkennungsprogramme
Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung gibt es nicht. Die Haut wird aber im Rahmen der üblichen Kinderuntersuchungen mit angeschaut.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Infektion breitet sich auf weitere Hautstellen aus.
- Es können sich tiefere, eitrige Hautentzündungen bilden.
- Selten entstehen kleine Narben.
- Sehr selten – vor allem bei bestimmten Streptokokken – kann eine Nierenentzündung auftreten; sie ist behandelbar und heilt meist folgenlos aus.
- Bei Babys und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem kann die Infektion ernster verlaufen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Mit passender Behandlung heilt Borkenflechte bei den meisten Kindern innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, oft ohne Narben. Manchmal kommt sie wieder – auch dann ist sie gut behandelbar. Wenn etwas unklar ist oder eine Stelle nicht besser wird, fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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