Narbenhernie (Narbenbruch): Was Sie wissen sollten
Übersicht
Eine Narbenhernie ist eine Lücke oder Schwachstelle in der Bauchwand, die genau an einer Stelle entsteht, an der früher eine Operation stattgefunden hat. Durch diese Lücke kann sich Gewebe aus dem Bauch – zum Beispiel Fettgewebe oder ein Stück Darm – nach außen wölben. Sie wird auch Narbenbruch genannt. Das Wort Hernie bedeutet Bruch, also eine Lücke in der Gewebeschicht.
Wichtige Fakten
- Eine Narbenhernie entsteht an einer Operationsnarbe, meist am Bauch.
- Sie kann Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Operation auftreten.
- Viele Narbenhernien sind harmlos, aber manche können einklemmen und müssen dann schnell behandelt werden.
Narbenhernien gehören zu den häufigsten Problemen nach Bauchoperationen. Etwa 5 bis 20 von 100 Menschen entwickeln nach einer größeren Bauchoperation eine Narbenhernie.
Betroffen sein können alle, die eine Bauchoperation hatten. Das Risiko steigt mit bestimmten Faktoren wie Übergewicht, Rauchen, Diabetes, Wundinfektionen nach der Operation oder wiederholten Operationen.
Symptome
- Starke, plötzliche oder zunehmende Schmerzen an der Hernie
- Die Vorwölbung lässt sich nicht mehr sanft zurückdrücken und fühlt sich hart an
- Die Haut über der Vorwölbung ist rot, bläulich oder sehr warm
- Übelkeit, Erbrechen oder ein aufgeblähter Bauch
- Kein Abgang von Winden oder Stuhl über mehrere Stunden
- Fieber oder starkes Krankheitsgefühl
- Rufen Sie in diesen Fällen sofort den Notruf 112.
- ⚠Eine neue Vorwölbung an der Narbe, die vorher nicht da war
- ⚠Die Vorwölbung ist druckempfindlich oder nimmt an Größe zu
- ⚠Leichte bis mäßige Schmerzen, die nicht verschwinden
- ⚠Die Stelle fühlt sich warm an oder die Haut ist verändert
- ⚠Sie haben das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, auch wenn keine starken Schmerzen bestehen
Häufige Symptome
- Eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung an oder neben der Narbe
- Die Vorwölbung wird oft größer beim Husten, Pressen, Heben oder Stehen
- Sie kann im Liegen teilweise oder ganz verschwinden
- Druckgefühl, Ziehen oder leichte Schmerzen an der Stelle
- Manchmal auch Völlegefühl oder Übelkeit, wenn Darm beteiligt ist
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Narbenhernien selten, da sie seltener große Bauchoperationen haben. Wenn eine auftritt, sieht man meist eine weiche Vorwölbung an der Narbe, die beim Weinen oder Pressen deutlicher wird. Schmerzen sind oft gering.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann die Vorwölbung weniger auffallen, weil das Gewebe weicher ist. Oft stehen Druckgefühl oder Schmerzen im Vordergrund. Auch hier gilt: Eine plötzlich schmerzhafte oder nicht mehr zurückdrückbare Vorwölbung ist ein Warnzeichen.
Ursachen
Hauptursachen
- Nach einer Operation braucht die Bauchwand Zeit, um zu heilen. Wenn die Narbe nicht stabil genug verheilt, kann eine Lücke entstehen.
- Erhöhter Druck im Bauch – zum Beispiel durch schweres Heben, chronischen Husten, Pressen bei Verstopfung oder Schwangerschaft – kann Gewebe durch die Lücke drücken.
- Auch eine Wundinfektion nach der Operation kann das Gewebe schwächen.
- Manchmal entsteht eine Narbenhernie ohne klaren äußeren Grund, wenn das Bindegewebe von Natur aus schwächer ist.
Risikofaktoren
- Übergewicht oder starkes Schwanken des Gewichts
- Rauchen, weil es die Wundheilung stört
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Chronischer Husten, zum Beispiel bei COPD
- Chronische Verstopfung mit starkem Pressen
- Schwangerschaft nach einer Bauchoperation
- Mehrere Operationen am Bauch oder großer Bauchschnitt
- Notoperationen oder Wundinfektionen nach der ersten Operation
- Höheres Lebensalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Vorwölbung hart ist, stark schmerzt oder sich nicht zurückschieben lässt – heute ärztlich abklären lassen, bei starken Beschwerden Notruf 112.
- Wenn Übelkeit, Erbrechen, Blähungen oder Stuhlverhalt dazukommen.
- Wenn die Haut über der Stelle rot, warm oder bläulich wird.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie bemerken eine Vorwölbung an einer alten Narbe – auch wenn sie keine Schmerzen macht.
- Die Stelle zieht oder drückt bei Belastung.
- Sie möchten wissen, ob die Vorwölbung behandelt werden muss.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihrer Vorgeschichte und untersucht die Narbe. Meist lässt sich die Lücke schon durch Abtasten im Stehen und Liegen feststellen. Oft wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung gemacht, um die Größe und den Inhalt der Lücke zu sehen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung im Stehen und Liegen
- Ultraschall der Bauchwand
- Manchmal eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), wenn die Hernie groß oder unklar ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei. Sie müssen nichts Besonderes vorbereiten. Bei einer Ultraschalluntersuchung wird ein Gel auf die Haut aufgetragen und ein Schallkopf darüber bewegt. Fragen Sie ruhig, wenn etwas unklar ist.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Größe, Beschwerden und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand. Sehr kleine, beschwerdefreie Narbenhernien können manchmal zunächst nur beobachtet werden. Eine Heilung ohne Operation gibt es nicht. Wenn die Hernie Beschwerden macht oder größer wird, wird in der Regel eine Operation empfohlen. Ziel ist, die Lücke zu verschließen und die Bauchwand zu stabilisieren. Ihr Behandlungsteam arbeitet nach den aktuellen medizinischen Leitlinien (AWMF).
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie in der ersten Zeit nach der Operation schweres Heben und starkes Pressen, sofern ärztlich empfohlen.
- Stützen Sie die Narbe beim Husten oder Niesen leicht mit der Hand ab.
- Halten Sie Ihr Gewicht in einem gesunden Bereich.
- Rauchen Sie nicht – Rauchen verschlechtert die Wundheilung.
- Beugen Sie Verstopfung vor, zum Beispiel durch ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Trinken und Bewegung – besprechen Sie das mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können eine Narbenhernie nicht heilen. Bei Schmerzen können allgemein schmerzlindernde Mittel nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden. In manchen Fällen kann für kurze Zeit eine Bauchbinde das Gefühl von Halt geben, sie sollte aber nicht als dauerhafte Lösung gesehen werden. Die wichtigste Behandlung ist das operative Verschließen der Lücke, häufig mit einem Kunststoffnetz zur Verstärkung der Bauchwand.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist empfohlen, wenn die Narbenhernie Schmerzen verursacht, größer wird, die täglichen Aktivitäten stört oder ein Risiko für ein Einklemmen besteht. Auch wenn Darm eingeklemmt ist, muss sofort operiert werden. Die Operation kann offen oder minimal-invasiv (durch kleine Schnitte) erfolgen. Welche Methode geeignet ist, bespricht die Chirurgin oder der Chirurg mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einer kleinen Narbenhernie können ihren Alltag normal fortsetzen. Achten Sie auf Ihren Körper: Wenn eine Tätigkeit Schmerzen oder Druck an der Narbe auslöst, machen Sie eine Pause. Heben Sie keine schweren Lasten, wenn es nicht nötig ist. Nach einer Operation bekommen Sie genaue Hinweise, wann Sie wieder aktiv werden dürfen.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie in Bewegung, aber steigern Sie Belastung langsam.
- Achten Sie auf eine gute Körperhaltung.
- Vermeiden Sie extremes Pressen beim Toilettengang.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und erholsame Pausen, damit der Körper heilen kann.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Wasser hilft, Verstopfung zu vermeiden. Regelmäßige, sanfte Bewegung wie Spazierengehen ist gut. Nach einer Operation sollten Sie mit schwerem Krafttraining oder starkem Bauchmuskeltraining warten, bis Ihre Ärztin oder Ihr Arzt grünes Licht gibt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine sichtbare Vorwölbung kann verunsichern. Manche Menschen haben Angst, dass etwas Schlimmes passiert, oder schämen sich für die Narbe. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über Ihre Sorgen. Auch der Austausch mit Angehörigen oder einer Selbsthilfegruppe kann entlasten.
Vorbeugung
Eine Narbenhernie lässt sich nicht immer verhindern. Sie können das Risiko jedoch senken: Halten Sie sich nach einer Operation an die Anweisungen Ihres Behandlungsteams, vermeiden Sie frühes schweres Heben, behandeln Sie Husten und Verstopfung, rauchen Sie nicht und erreichen oder halten Sie ein gesundes Körpergewicht. Auch eine gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes hilft der Wundheilung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Hernie kann größer werden und mehr Beschwerden verursachen.
- Darm oder Fettgewebe können sich in der Lücke einklemmen (Inkarzeration). Das ist eine Einklemmung, die starke Schmerzen macht.
- Wenn die Blutversorgung des eingeklemmten Gewebes abgeschnitten wird, spricht man von einer Einklemmung mit Strangulation. Das ist ein Notfall und erfordert sofort eine Operation.
- Ein Darmverschluss kann entstehen, wenn der Darm eingeklemmt ist.
Langzeitprognose
Die Aussichten nach einer Behandlung sind in der Regel gut. Durch eine Operation lässt sich die Lücke dauerhaft verschließen, und die meisten Menschen können danach wieder normal aktiv sein. Wie bei jeder Operation gibt es ein gewisses Risiko, dass die Hernie erneut auftritt. Dieses Risiko lässt sich durch erfahrene Chirurgie und die Behandlung von Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht senken.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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