Infektionen im Krankenhaus – das Risiko senken
Übersicht
Eine Krankenhausinfektion (auch „nosokomiale Infektion“ genannt, das heißt einfach „im Krankenhaus erworben“) ist eine Infektion, die während oder kurz nach einem Aufenthalt im Krankenhaus auftritt. Sie entsteht nicht, weil das Krankenhaus schmutzig ist. Der Grund ist eher: Dort sind viele kranke Menschen auf engem Raum, viele haben Wunden, Katheter (dünne Schläuche, die in den Körper führen) oder eine geschwächte Abwehr. Keime, die überall vorkommen, können dann leichter in den Körper gelangen. Wichtig zu wissen: Man kann selbst eine Menge tun, damit dieses Risiko kleiner wird.
Wichtige Fakten
- Ein großer Teil der Krankenhausinfektionen gilt als vermeidbar – vor allem durch gute Händehygiene.
- Typische Eintrittspforten sind Operationswunden, Katheter, Schläuche und die Atemwege.
- Häufige Zeichen sind Fieber, eine gerötete oder schmerzende Wunde, Husten oder Durchfall.
Sie sind nicht selten, aber auch nicht die Regel. Fachleute schätzen für Deutschland grob mehrere Hunderttausend solcher Infektionen pro Jahr – bei vielen Millionen Behandlungen insgesamt. Ein erheblicher Teil davon gilt als vermeidbar.
Vor allem Menschen, die länger im Krankenhaus bleiben, auf der Intensivstation liegen, operiert werden oder einen Katheter bzw. Schlauch brauchen. Auch ältere Menschen, Menschen mit geschwächter Abwehr, mit Diabetes oder nach einer Transplantation sind häufiger betroffen. Junge, gesunde Menschen erkranken nur selten.
Symptome
- Hohes Fieber zusammen mit Verwirrtheit, Benommenheit oder extremer Schwäche – mögliche Blutvergiftung (Sepsis)
- Sehr schnelle Atmung, schneller Herzschlag, kalte, feuchte oder fleckige Haut
- Bläuliche Lippen oder bläuliches Gesicht, Bewusstlosigkeit
- Sehr wenig oder gar kein Urin über viele Stunden
- Schnell größer werdende Rötung an einer Wunde, Blasenbildung oder starke Schmerzen
- Akute Atemnot
- ⚠Fieber über 38 °C oder Schüttelfrost – im Krankenhaus sofort dem Pflegepersonal oder der Ärztin bzw. dem Arzt melden, auch nachts
- ⚠Eine Wunde, die zunehmend rot, warm, geschwollen und schmerzhaft wird oder eitert
- ⚠Starker Durchfall oder Erbrechen, besonders nach einer Behandlung mit Medikamenten gegen Bakterien
- ⚠Brennen beim Wasserlassen oder trüber, übelriechender Urin
- ⚠Neu aufgetretener, anhaltender Husten
Häufige Symptome
- Fieber oder Schüttelfrost
- Wunde: Rötung, Wärme, Schwellung, zunehmender Schmerz, eitrige Absonderung
- Husten, Auswurf, Atemnot bei einer Atemwegsinfektion
- Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang – oft bei einem Blasenkatheter
- Durchfall und Bauchkrämpfe
- Allgemeine Verschlechterung: Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit
- Entzündung an der Einstichstelle eines Zugangs oder einer Infusion
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, Viren oder Pilze gelangen über Wunden, Katheter, Schläuche oder die Atemwege in den Körper.
- Übertragung über die Hände – von Personal, Besucherinnen und Besuchern oder von einem selbst.
- Eigene Keime der Haut oder des Darms, die durch eine Behandlung an eine andere Körperstelle gelangen.
- Eingriffe und Implantate, zum Beispiel künstliche Gelenke oder ein Herzschrittmacher.
- Häufige oder lange Anwendung von Medikamenten gegen Bakterien verändert die natürliche Keimflora und macht anfälliger.
Risikofaktoren
- Langer Krankenhausaufenthalt, besonders auf der Intensivstation
- Operationen, Wunden und Implantate
- Blasenkatheter, zentrale Zugänge, künstliche Beatmung
- Geschwächte Abwehr, zum Beispiel durch Krebstherapie, Transplantation oder bestimmte immunhemmende Behandlungen
- Hohes Alter oder sehr niedriges Geburtsgewicht bei Neugeborenen
- Diabetes, chronische Lungen- oder Nierenerkrankung, extremes Über- oder Untergewicht
- Rauchen und Mangelernährung
- Frühere Krankenhausaufenthalte oder Kontakt zu resistenten Keimen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber, Schüttelfrost oder plötzliche Verschlechterung während oder nach einem Krankenhausaufenthalt
- Eine Wundrötung, die sich ausbreitet, oder Wundsekret
- Atemnot oder anhaltender Husten
- Starker Durchfall mit Zeichen von Austrocknung, zum Beispiel wenig Urin, trockener Mund, Schwindel
- Nach der Entlassung: eine Operationswunde, die anschwillt, schmerzt oder Flüssigkeit absondert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Eine Wunde, die nicht richtig verheilt oder immer wieder nässt
- Anhaltende Müdigkeit und Schwäche über Wochen nach der Entlassung
- Unsicherheit, ob eine Veränderung normal ist – lieber einmal mehr fragen
- Fragen zur Wundpflege, zum Katheter oder zu verordneten Medikamenten
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach dem Verlauf, schaut sich die Wunde an, hört die Lunge ab, prüft Katheter und Zugänge und entscheidet dann, welche Untersuchungen sinnvoll sind. Oft lässt sich die Ursache schnell eingrenzen. Helfen Sie mit, indem Sie ehrlich sagen, wann welche Beschwerden begonnen haben.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung mit Entzündungswerten und Blutbild
- Abstrich von der Wunde oder Probe aus einem Katheter
- Urinuntersuchung
- Stuhlprobe bei Durchfall
- Röntgen oder andere Bildgebung bei Verdacht auf eine Lungen- oder Gewebeentzündung
- Blutkulturen bei Verdacht auf eine Blutvergiftung
- Test auf resistente Keime, zum Beispiel MRSA, bei bestimmten Risikogruppen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bis ein Ergebnis vorliegt, können ein bis drei Tage vergehen; manche Tests gehen schneller. Oft beginnt die Behandlung schon vorher – das ist normal und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Fragen Sie ruhig nach, was gefunden wurde und was das für Ihren Alltag bedeutet.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Art und Ort der Infektion und nach dem Erreger. Sie reicht von sorgfältiger Wundpflege über Medikamente gegen Krankheitserreger bis zum Entfernen eines Katheters oder Schlauchs. Viele Maßnahmen werden sofort eingeleitet, ohne dass man alle Ergebnisse abwartet.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände gründlich waschen oder desinfizieren – vor und nach dem Toilettengang, vor dem Essen und nach dem Kontakt mit einer Wunde.
- Besucherinnen und Besucher bitten, sich die Hände zu desinfizieren; bei Erkältung Besuch ruhig ablehnen.
- Neue Beschwerden sofort dem Pflegepersonal melden.
- Sich bewegen, so weit es erlaubt ist – das hilft Lunge und Kreislauf.
- Atemübungen machen, wenn das Personal sie zeigt.
- Ausreichend essen und trinken, wenn es medizinisch erlaubt ist.
- Wunden nicht selbst behandeln, sondern nach einer Anleitung fragen.
- Verordnete Medikamente genau nach Anweisung einnehmen und nicht eigenmächtig absetzen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen Medikamente gegen Bakterien, Viren oder Pilze zum Einsatz, außerdem Mittel gegen Schmerzen, Flüssigkeit über eine Vene und eine gezielte Wundbehandlung. Häufig wird zuerst ein Katheter, ein Zugang oder ein Schlauch entfernt, weil das allein die Infektion deutlich bessert. Welche Behandlung passt, entscheidet das Behandlungsteam. Bitte fragen Sie nach, warum etwas verordnet wird, und sprechen Sie Nebenwirkungen an, statt Medikamente selbst abzusetzen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Manchmal muss eine entzündete Wunde operativ eröffnet und gesäubert werden, oder ein infiziertes Implantat muss entfernt oder ersetzt werden. Das ist kein Zeichen dafür, dass vorher etwas falsch gemacht wurde. Vor geplanten Eingriffen gibt es außerdem einfache Vorsichtsmaßnahmen – zum Beispiel eine Behandlung der Haut, um bestimmte Keime zu verringern, wenn das Team es empfiehlt.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entlassung geht es meist Schritt für Schritt aufwärts. Halten Sie Ihre Wundkontrolltermine ein, schauen Sie sich die Wunde täglich an und notieren Sie Veränderungen. Bauen Sie den Alltag langsam wieder auf und planen Sie bewusst Pausen ein.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – das verbessert die Wundheilung deutlich.
- Auf ausreichend Schlaf achten.
- Händehygiene auch zu Hause konsequent weiterführen.
- Eigene Handtücher und Waschlappen verwenden.
- Die Wunde vor Wasser, Schmutz und Reibung schützen.
- Bewegung nach Absprache mit dem Behandlungsteam.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genug Eiweiß, Obst und Gemüse unterstützt die Heilung, und ausreichend Trinken gehört dazu. Bewegung hilft Kreislauf und Lunge: Beginnen Sie mit kurzen Spaziergängen und steigern Sie langsam, sobald Arzt oder Ärztin zustimmen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Infektion im Krankenhaus macht oft Angst – besonders, wenn man sich ohnehin schwach fühlt. Manche Menschen fühlen sich isoliert, schuldig oder wütend. Diese Gefühle sind verständlich und dürfen da sein. Sprechen Sie mit dem Behandlungsteam, mit Angehörigen oder mit einer Seelsorge. Wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit über Wochen anhalten, ist professionelle Unterstützung sinnvoll. In akuten seelischen Krisen erreichen Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge; im Notfall gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Zum großen Teil ja. Fachleute gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil der Krankenhausinfektionen vermeidbar ist – vor allem durch konsequente Händehygiene, einen sorgsamen Umgang mit Kathetern und eine besonnene Anwendung von Medikamenten gegen Bakterien. In Deutschland gibt es dazu Empfehlungen, unter anderem der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und des RKI (Robert Koch-Institut).
Impfungen
Ein vollständiger Impfschutz senkt das Risiko für bestimmte Infektionen. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt vor einem geplanten Eingriff, welche Impfungen sinnvoll sind – zum Beispiel gegen Grippe, Lungenentzündung oder Gürtelrose. Auch das Personal im Krankenhaus sollte geimpft sein; Sie dürfen danach fragen.
Früherkennungsprogramme
Bei bestimmten Risikogruppen wird vor einem Eingriff nach resistenten Keimen gesucht, etwa MRSA über einen Abstrich der Nase. Das gehört zur Routine und ist kein Grund zur Sorge – findet man etwas, lässt es sich gezielt behandeln und eine Übertragung vermeiden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Infektion kann sich ausbreiten und eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen
- Längerer Krankenhausaufenthalt und langsamere Genesung
- Schlechter heilende Wunden, Narben oder dauerhafte Funktionsverluste
- Befall von Implantaten, die dann entfernt werden müssen
- Bei schweren Verläufen Schäden an Organen
- Selten ein tödlicher Verlauf, vor allem bei sehr kranken Menschen
Langzeitprognose
Die meisten Krankenhausinfektionen lassen sich gut behandeln, und viele Menschen erholen sich vollständig. Wichtig ist, Veränderungen früh zu melden – je früher eine Infektion erkannt wird, desto einfacher ist die Behandlung. Und Sie selbst können viel beitragen: Händehygiene, Fragen stellen und die verordnete Behandlung zuverlässig mitmachen.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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