Darmatresie – angeborener Darmverschluss beim Neugeborenen
Übersicht
Bei einer Darmatresie ist ein Stück des Darms schon im Mutterleib nicht durchgängig angelegt. Der Darm ist an einer Stelle unterbrochen oder verschlossen – ähnlich wie ein Straßenstück, das fehlt. Dadurch kann Nahrung nicht weiterwandern, und das Baby kann nichts bei sich behalten. „Angeboren“ bedeutet: Die Besonderheit ist bereits bei der Geburt da. „Atresie“ kommt aus dem Griechischen und heißt einfach „Verschluss“ oder „fehlende Öffnung“. Je nachdem, wo die Unterbrechung sitzt, spricht man vom Zwölffingerdarm (Duodenalatresie), vom Dünndarm (Jejunoilealatresie) oder seltener vom Dickdarm (Kolonatresie).
Wichtige Fakten
- Eine Darmatresie ist angeboren – sie entsteht in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft, nicht durch etwas, das die Eltern getan oder nicht getan haben.
- Sie fällt meist kurz nach der Geburt auf, häufig durch grünlich-gelbes („galliges“) Erbrechen und einen geblähten Bauch.
- Die Behandlung ist fast immer eine Operation, bei der die unterbrochene Darmstelle wieder verbunden wird. Je früher das geschieht, desto besser sind die Aussichten.
- Mit rechtzeitiger Behandlung entwickeln sich die meisten Kinder gut und können später ganz normal essen.
Darmatresien sind selten. Man schätzt, dass etwa eines von 2.500 bis 5.000 Neugeborenen betroffen ist. Am häufigsten sind der Zwölffingerdarm und der Dünndarm betroffen.
Betroffen sind ausschließlich Neugeborene – Jungen und Mädchen etwa gleich häufig. Manche Kinder haben zusätzlich andere Besonderheiten, zum Beispiel am Herzen oder an den Nieren. Bei der Zwölffingerdarm-Atresie besteht häufiger ein Zusammenhang mit einem zusätzlichen Chromosom 21 (Trisomie 21). Bei älteren Kindern und Erwachsenen kommt eine echte Atresie nicht vor – Verengungen im Erwachsenenalter haben andere Ursachen wie Narben, Entzündungen oder Tumore.
Symptome
- Grünlich-gelbes (galliges) Erbrechen bei einem Neugeborenen – sofort den Notruf 112 wählen oder direkt in die nächste Kinderklinik fahren.
- Harter, stark geblähter Bauch, das Baby schreit auf oder wirkt apathisch und kaum ansprechbar.
- Anzeichen von Austrocknung: eingesunkene Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf), seit vielen Stunden trockene Windel, schlaffer Körper, graue oder blasse Haut.
- Fieber, Atemnot oder ein plötzlich sehr krank wirkendes Neugeborenes.
- ⚠Verdacht auf Erbrechen mit gelb-grünlichem Inhalt – noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
- ⚠Kein Stuhlgang in den ersten 24 bis 48 Lebensstunden zusammen mit Trinkunlust.
- ⚠Zunehmende Bauchblähung oder häufiges, kräftiges Spucken beim Neugeborenen.
Häufige Symptome
- Grünlich-gelbes Erbrechen (galliges Erbrechen) kurz nach der Geburt oder beim ersten Füttern – das ist das typischste Zeichen
- Aufgeblähter, gespannter Bauch
- Kein oder nur sehr wenig Kindspech (Mekonium) in den ersten 24 Stunden
- Trinkunlust, häufiges Spucken, Unruhe und Schreien
- Später Schlappheit und Anzeichen von Flüssigkeitsmangel
- Bei manchen Babys wurde schon im Mutterleib zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion) gesehen
Symptome bei Kindern
- Eine echte Darmatresie wird immer im Neugeborenenalter erkannt – bei älteren Kindern tritt sie nicht neu auf.
- Nach einer Operation können Kinder anfangs zu Aufstoßen, Reflux oder Blähungen neigen; das bespricht man am besten bei den Kontrollterminen.
- Wenn ein Kind nach einer Darmoperation schlecht isst, nicht zunimmt oder häufig erbricht, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Darmatresie betrifft nur Neugeborene; bei Erwachsenen kommt sie nicht vor.
- Darmverengungen bei Erwachsenen haben andere Ursachen, zum Beispiel Narben nach Operationen, chronische Entzündungen oder Tumore – das ist dann keine Atresie und wird anders behandelt.
Ursachen
Hauptursachen
- Der Darm bildet sich in der Schwangerschaft aus einem Schlauch, der normalerweise durchgängig wird. Bleibt ein Abschnitt verschlossen, entsteht eine Atresie.
- Bei der Dünndarm-Atresie nimmt man an, dass eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Mutterleib einen Darmabschnitt schädigt und ihn später unterbrochen lässt.
- Bei der Zwölffingerdarm-Atresie liegt die Ursache sehr früh in der Embryonalentwicklung, häufig zusammen mit anderen Besonderheiten.
- Erbliche Faktoren spielen teilweise eine Rolle; oft lässt sich die genaue Ursache aber nicht feststellen.
Risikofaktoren
- Zu viel Fruchtwasser in der Schwangerschaft (Polyhydramnion) – ein Hinweis, kein Auslöser
- Chromosomenbesonderheiten wie Trisomie 21, besonders bei der Zwölffingerdarm-Atresie
- Weitere Fehlbildungen, zum Beispiel am Herzen, an den Nieren oder im Rahmen einer sogenannten VACTERL-Assoziation
- Mukoviszidose (Cystische Fibrose) – sie tritt bei manchen Kindern mit Dünndarm-Atresie zusätzlich auf
- Wichtig zu wissen: In den allermeisten Fällen haben die Eltern nichts falsch gemacht und es gibt keine vermeidbare Ursache.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Ihr Neugeborenes erbricht gelb-grünlich – zögern Sie nicht, sondern rufen Sie 112 an oder fahren Sie sofort in eine Kinderklinik.
- Ihr Baby hat in den ersten zwei Tagen keinen Stuhlgang und trinkt schlecht.
- Der Bauch ist deutlich aufgebläht und hart, das Kind ist unruhig oder auffallend schlapp.
- Nach einer Darmoperation: Fieber, Rötung oder Wundsekret an der Narbe, anhaltendes Erbrechen oder ein aufgetriebener Bauch.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle vereinbarten Kontrolltermine bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt und in der Kinderchirurgie wahrnehmen.
- Bei Kontrollen ansprechen, wenn Trinkmenge, Gewichtsentwicklung oder Stuhlgang Ihnen verändert vorkommen.
- Fragen zu Ernährung, Beikostbeginn oder Impfungen lassen sich gut beim nächsten Vorsorgetermin klären.
Diagnose
Viele Fälle werden schon während der Schwangerschaft im Ultraschall bemerkt, zum Beispiel durch zu viel Fruchtwasser oder einen ungewöhnlich großen Magen. Andere Kinder fallen direkt nach der Geburt durch die typischen Zeichen auf. Dann geht es meist sehr schnell: körperliche Untersuchung, Bildgebung und Blutwerte, damit die Ärztinnen und Ärzte die Stelle des Verschlusses finden und das Baby gut vorbereiten können.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall in der Schwangerschaft (pränataler Ultraschall)
- Ultraschall des Bauches und Röntgenaufnahme nach der Geburt – bei der Zwölffingerdarm-Atresie sieht man oft das typische „Double-Bubble“-Zeichen, also zwei mit Luft gefüllte Blasen
- Röntgen mit Kontrastmittel, um den genauen Ort und die Art des Verschlusses zu bestimmen
- Blutuntersuchungen zu Flüssigkeit, Salzen (Elektrolyten) und Entzündungswerten
- Je nach Situation weitere Untersuchungen, zum Beispiel auf Mukoviszidose oder eine genetische Abklärung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Häufig läuft alles sehr geordnet, aber schnell ab: Das Baby kommt auf die Neugeborenen-Intensivstation, bekommt Flüssigkeit über eine Infusion und eine dünne Sonde über die Nase in den Magen, damit sich Luft und Magensaft entleeren können. Dann wird die Operation geplant. Sie als Eltern dürfen jederzeit Fragen stellen – niemand erwartet, dass Sie alles auf einmal verstehen.
Behandlung
Eine Darmatresie heilt nicht von selbst, und eine Unterbrechung im Darm ist ein Notfall, der zeitnah behandelt werden muss. Die Behandlung besteht fast immer aus einer Operation, bei der die verschlossene Stelle überbrückt und der Darm wieder durchgängig gemacht wird. Vorher wird das Baby stabilisiert, damit es die Operation gut verkraftet. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Selbsthilfe zu Hause
- Sich selbst Zeit geben: Fragen aufschreiben und beim nächsten Gespräch mit dem Behandlungsteam stellen.
- Nach der Entlassung Trinkmengen, Gewicht und Stuhlgang beobachten – so, wie es Ihnen das Team erklärt hat.
- Die Operationsnarbe sauber und trocken halten und auf Rötung, Schwellung oder Fieber achten.
- Gründliche Handhygiene, weil Neugeborene nach einer Operation anfälliger für Infekte sind.
- Vertraute Nähe schenken: Kuscheln, ruhige Stimme und Hautkontakt tun dem Baby gut, sobald es erlaubt ist.
Medizinische Behandlungen
Vor der Operation bekommt das Baby über eine Infusion Flüssigkeit und Nährstoffe, eine Magensonde leitet Luft und Magensaft ab, und Wärme sowie eine engmaschige Überwachung helfen, den Kreislauf stabil zu halten. In der Operation entfernt das chirurgische Team meist den verschlossenen Abschnitt und verbindet die gesunden Darmenden wieder miteinander. Manchmal ist ein vorübergehender künstlicher Darmausgang (Stoma) nötig, der in einer späteren Operation zurückverlegt wird. Danach wird die Ernährung schrittweise aufgebaut, Schmerzen werden nach ärztlicher Anweisung gelindert, und bei Bedarf gibt es vorübergehend künstliche Ernährung über eine Infusion.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Operation ist die eigentliche Behandlung und wird durchgeführt, sobald das Baby stabil genug ist – meist innerhalb der ersten Lebenstage. Sie wird nicht unnötig hinausgezögert, weil ein unbehandelter Verschluss zu einem Darmdurchbruch führen kann.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation stehen in den ersten Wochen und Monaten Gewicht, Trinkmenge und Stuhlgang im Mittelpunkt. Viele Kinder lernen das Essen zunächst langsam und brauchen Geduld. Später gibt es Kontrolltermine in der Kinderchirurgie und bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Die Narbe verblasst mit der Zeit, und die meisten Kinder können ganz normal spielen, toben und in den Kindergarten oder die Schule gehen.
Tipps für den Alltag
- Feste Kontrolltermine einplanen und Befunde sammeln, damit alle Behandelnden den Überblick behalten.
- Bei Durchfall, Erbrechen oder Fieber früher ärztlichen Rat suchen, weil Babys nach einer Darmoperation schneller Flüssigkeit verlieren.
- Eine rauchfreie Umgebung und möglichst wenig Infektquellen in den ersten Monaten.
- Die regulären Kinderimpfungen nach Empfehlung der Kinderärztin oder des Kinderarztes durchführen lassen.
- Austausch mit anderen betroffenen Familien suchen – das entlastet oft mehr, als man vorher denkt.
Ernährung und Bewegung
In den ersten Monaten ist Muttermilch oder Säuglingsnahrung die beste Basis; wie schnell die Mengen gesteigert werden, gibt das Behandlungsteam vor. Die meisten Kinder brauchen später keine spezielle Diät. Wenn ein größerer Darmabschnitt entfernt werden musste, kann ein individueller Ernährungsplan sinnvoll sein – dabei unterstützt eine Ernährungsberatung. Bewegung ist nach der Heilung der Narbe ganz normal möglich: Krabbeln, Toben und später Sport sind in der Regel kein Problem. Bei besonderen Situationen lohnt sich eine kurze Rücksprache mit der Kinderchirurgie.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Krankenhausaufenthalt mit Operation ist für Eltern sehr belastend – Gefühle von Angst, Schuld, Überforderung oder Hilflosigkeit sind völlig normal. Manche Eltern schlafen schlecht, manche fühlen sich innerlich leer oder sind ständig in Alarmbereitschaft. Auch Geschwisterkinder brauchen in dieser Zeit Aufmerksamkeit. Wenn Sie sich überfordert, anhaltend niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, sprechen Sie Ihr Behandlungsteam an. In einer seelischen Krise erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos. Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke, kein Versagen.
Vorbeugung
Nein, eine Darmatresie lässt sich nicht verhindern. Sie entsteht in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft, lange bevor man etwas dagegen tun könnte. Ganz wichtig: Eltern trifft keine Schuld, auch nicht, wenn sie während der Schwangerschaft zum Beispiel geraucht oder ungesund gegessen haben. Eine gesunde Lebensweise in der Schwangerschaft ist generell sinnvoll, und ob Folsäure speziell vor einer Darmatresie schützt, ist nicht belegt.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Darmatresie. Die regulären Kinderimpfungen werden nach Empfehlung der Kinderärztin oder des Kinderarztes durchgeführt.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening gibt es nicht. Der Ultraschall in der Schwangerschaft kann aber Hinweise geben, etwa auf zu viel Fruchtwasser oder einen vergrößerten Magen. So kann die Geburt in einem Zentrum mit Kinderchirurgie geplant werden, was die Versorgung erleichtert.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starker Flüssigkeitsverlust mit Austrocknung und gestörtem Salzhaushalt
- Darmdurchbruch (Perforation) mit Bauchfellentzündung
- Blutvergiftung (Sepsis) durch Bakterien, die aus dem Darm in die Bauchhöhle gelangen
- Gedeihstörung und Mangelernährung, weil das Baby nichts bei sich behalten kann
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut: Mit rechtzeitiger Operation überstehen die allermeisten Kinder die Behandlung gut und wachsen normal auf. Manche brauchen etwas länger, bis sie das Essen gut vertragen, oder haben anfangs mit Reflux, Blähungen oder langsamem Zunehmen zu tun. Bei sehr frühen oder komplizierten Verläufen kann eine längere Begleitung und manchmal auch künstliche Ernährung über einen bestimmten Zeitraum nötig sein. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo – das Behandlungsteam begleitet Sie Schritt für Schritt, und bei Fragen dürfen Sie jederzeit nachhaken.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.