Keloidnarben (Narbenwülste)
Übersicht
Eine Keloidnarbe ist eine wulstige, verdickte Narbe. Sie entsteht, wenn die Haut bei der Heilung zu viel Bindegewebseiweiß (Kollagen) bildet. Das Narbengewebe wächst über die ursprüngliche Wunde hinaus. Keloide sind nicht ansteckend und kein Zeichen von mangelnder Hygiene.
Wichtige Fakten
- Keloide können jucken, schmerzen oder sich straff anfühlen.
- Sie wachsen manchmal noch Monate nach der Verletzung weiter.
- Behandlungen können die Narbe flacher machen und Beschwerden lindern.
Keloide sind nicht selten, aber auch nicht bei allen Menschen gleich häufig. In manchen Hauttypen und an bestimmten Körperstellen treten sie öfter auf.
Besonders häufig bei Menschen mit dunklerer Haut, bei jüngeren Erwachsenen und bei Personen mit Keloiden in der Familie. Auch Kinder und ältere Menschen können Keloide bekommen.
Symptome
- Keloide selbst sind in der Regel kein Notfall.
- Bei einer starken, nicht stillbaren Blutung aus einer Narbe: Notruf 112.
- Bei plötzlicher Atemnot oder Schluckstörung durch eine Narbe im Halsbereich: Notruf 112.
- ⚠Zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung oder Fieber an einer Narbe
- ⚠Eiter oder unangenehmer Geruch aus der Narbe
- ⚠Eine Narbe, die plötzlich schnell wächst oder aufbricht
- ⚠Starke Schmerzen, die nicht nachlassen
Häufige Symptome
- Erhabene, feste Narbe, die über die ursprüngliche Wunde hinausgeht
- Juckreiz, Spannungsgefühl oder Schmerzen
- Rötung oder dunklere Farbe als die umgebende Haut
- Narbe wächst langsam über Monate
- Berührungsempfindlichkeit
Symptome bei Kindern
- Keloide können nach Impfungen, kleinen Verletzungen oder Akne auftreten.
- Kinder empfinden Juckreiz oder Spannung oft als störend.
- Eltern sollten eine auffällig wachsende Narbe ärztlich abklären lassen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Keloide sind im höheren Alter weniger häufig, können aber auch dann entstehen.
- Nach Operationen oder Hautverletzungen sollte die Narbe beobachtet werden.
- Bei plötzlichen Veränderungen einer alten Narbe ärztlichen Rat suchen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Haut bildet bei der Heilung zu viel Kollagen (Bindegewebseiweiß).
- Häufige Auslöser sind Verletzungen, Operationen, Piercings, Tattoos, Akne oder Verbrennungen.
- Manchmal entsteht ein Keloid auch ohne erkennbare Ursache.
Risikofaktoren
- Dunklere Hauttypen
- Keloide in der Familie
- Junge Erwachsene zwischen etwa 10 und 30 Jahren
- Bestimmte Körperstellen wie Ohrläppchen, Brust, Schultern und Rücken
- Wunden mit starker Spannung oder verzögerter Heilung
- Wiederholte Reizung einer Narbe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Anzeichen einer Infektion: Rötung, Wärme, Fieber, Eiter
- Eine Narbe, die plötzlich blutet oder aufbricht
- Sehr starke Schmerzen oder eine schnell wachsende Narbe
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die Narbe stört Sie optisch oder seelisch.
- Die Narbe juckt, schmerzt oder spannt.
- Die Bewegung ist durch die Narbe eingeschränkt.
- Sie hatten schon einmal ein Keloid und planen eine Operation oder ein Piercing.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt schaut sich die Narbe an und fragt nach ihrer Entstehung, Beschwerden und früheren Narbenwülsten. Meist ist keine aufwendige Untersuchung nötig. Bei unklaren Veränderungen kann eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) sinnvoll sein, um andere Hautveränderungen auszuschließen. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an der AWMF-Leitlinie zur Narbenbehandlung.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Narbe und der umgebenden Haut
- Gespräch über Wundheilung, Beschwerden und familiäre Veranlagung
- Gewebeprobe (Biopsie) nur bei unklaren Befunden
- Blutuntersuchungen sind in der Regel nicht nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin ist meist kurz und schmerzlos. Die Ärztin oder der Arzt erklärt, ob es sich wahrscheinlich um ein Keloid handelt und welche Behandlungsmöglichkeiten passen. Sie können Fragen zu Kosten, Nutzen und Risiken stellen.
Behandlung
Keloide müssen nicht immer behandelt werden. Wenn sie stören, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Narbe flacher zu machen. Die beste Wahl hängt von Größe, Lage und Ihren Zielen ab. Besprechen Sie alle Optionen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Die Narbe vor Sonne schützen, um Farbveränderungen zu verringern.
- Reibung und Kratzen vermeiden.
- Die Haut mit einer milden Pflegecreme geschmeidig halten.
- Nicht selbst an der Narbe schneiden oder drücken.
- Ärztlich empfohlene Auflagen oder Verbände regelmäßig anwenden.
Medizinische Behandlungen
Ärztliche Behandlungen können zum Beispiel Druck- oder Silikonauflagen, Kältebehandlungen, Laserbehandlungen oder kleine operative Eingriffe umfassen. Auch Spritzen in die Narbe können eingesetzt werden; die Ärztin oder der Arzt entscheidet, was sinnvoll ist. Keine Methode ist für alle gleich geeignet, und manchmal werden Behandlungen kombiniert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein operativer Eingriff kann bei großen oder sehr störenden Keloiden erwogen werden. Allerdings kann eine Narbe nach der Operation erneut wulstig werden. Deshalb planen Ärztinnen und Ärzte die Nachbehandlung meist mit, zum Beispiel mit Druck- oder Silikonauflagen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag hilft es, die Narbe ruhig zu halten und Reizungen zu vermeiden. Beobachten Sie Veränderungen und halten Sie ärztliche Termine ein. Eine offene Kommunikation mit Ihrer Praxis erleichtert die Behandlung.
Tipps für den Alltag
- Auf Piercings oder Tattoos an bekannten Keloidstellen möglichst verzichten, wenn Sie zu Keloiden neigen.
- Wunden sauber halten und gut heilen lassen.
- Bei Operationen vorher auf Ihre Neigung zu Keloiden hinweisen.
- Stress und Schlaf im Blick behalten, weil sie die Hautheilung beeinflussen können.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen die allgemeine Gesundheit und die Wundheilung. Es gibt keine spezielle Diät, die Keloide sicher verhindert. Nach Operationen oder Verletzungen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wann Sie wieder Sport machen dürfen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Keloide können das Selbstwertgefühl belasten, besonders wenn sie sichtbar sind. Solche Gefühle sind verständlich. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer psychologischen Fachkraft. In akuten seelischen Krisen oder bei Gedanken an Selbstverletzung holen Sie sofort Hilfe: Notruf 112.
Vorbeugung
Ganz verhindern lassen sich Keloide nicht immer, besonders wenn eine Veranlagung besteht. Aber Sie können das Risiko senken: Wunden gut versorgen, unnötige Eingriffe an gefährdeten Stellen vermeiden und bei bekannten Keloiden früh ärztlichen Rat suchen. Nach Operationen können ärztlich empfohlene Druck- oder Silikonauflagen helfen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Keloide. Normale Impfungen sind wichtig; sprechen Sie bei bekannten Keloiden mit Ihrer Praxis über die beste Stelle für die Impfung.
Früherkennungsprogramme
Eine spezielle Früherkennungsuntersuchung für Keloide gibt es nicht. Beobachten Sie Narben nach Verletzungen oder Operationen und lassen Sie auffällige Veränderungen ärztlich abklären.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Narbe kann größer und fester werden.
- Juckreiz, Schmerzen oder Spannungsgefühle können zunehmen.
- Bewegungseinschränkungen sind möglich, wenn die Narbe über ein Gelenk zieht.
- Sichtbare Narben können seelisch belasten.
- Selten entzündet sich eine offene oder gereizte Narbe.
Langzeitprognose
Keloide sind harmlos, auch wenn sie stören können. Viele Narben werden mit der Zeit flacher, und es gibt wirksame Behandlungen. Manchmal kommen Keloide nach einer Entfernung zurück; mit einem guten Behandlungsplan lassen sich Beschwerden aber meist gut kontrollieren. Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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