Reibeisenhaut (Keratosis Pilaris)
Übersicht
Bei der Reibeisenhaut – in der Fachsprache Keratosis Pilaris – bildet die Haut an den Haarfollikeln zu viel Horn. Die Haarfollikel sind die kleinen Schläuche, aus denen die Haare wachsen. Durch die zusätzliche Hornschicht verstopfen sie leicht, und es entstehen viele winzige, feste Knötchen. Die Haut fühlt sich dadurch rau an, ähnlich wie ein Reibeisen oder Gänsehaut, die nicht mehr weggeht. Die Reibeisenhaut ist harmlos, nicht ansteckend und keine Krankheit im ernsten Sinn – eher eine Hautbeschaffenheit, mit der viele Menschen leben.
Wichtige Fakten
- Reibeisenhaut ist eine harmlose Verhornungsstörung der Haarfollikel und nicht ansteckend.
- Typisch sind viele kleine, raue Knötchen an Oberarmen, Oberschenkeln, manchmal auch an Wangen oder am Gesäß.
- Sie tritt vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und wird mit dem Alter oft von selbst milder.
Ja, Reibeisenhaut ist sehr verbreitet. In der Kindheit und besonders im Jugendalter haben viele Menschen zumindest zeitweise solche Knötchen. Bei den meisten ist das Ausmaß mild und stört kaum.
Betroffen sind vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Menschen mit sehr trockener Haut oder mit Neurodermitis haben es häufiger, ebenso Menschen, in deren Familie Reibeisenhaut vorkommt. Jungen und Mädchen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Wenn eine Hautstelle plötzlich stark schmerzt, heiß und geschwollen ist und zusätzlich Fieber auftritt, rufen Sie sofort den Notruf 112 an – dahinter kann eine ernste Hautinfektion stecken.
- Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder einer sich rasch ausbreitenden Rötung mit Fieber gilt ebenfalls: sofort 112.
- ⚠Wenn die Knötchen eitern, nässen oder bluten
- ⚠Wenn die Haut stark juckt und Sie sich kaum noch beherrschen können
- ⚠Wenn sich eine Stelle deutlich entzündet, warm wird und schmerzt
- ⚠Wenn Ihr Kind zusätzlich Fieber hat oder sich allgemein krank fühlt
Häufige Symptome
- Viele winzige, feste Knötchen auf der Haut, die sich wie feines Sandpapier oder ein Reibeisen anfühlen
- Typische Stellen: Außenseite der Oberarme, Vorderseite der Oberschenkel, manchmal Gesäß, Rücken oder Wangen
- Meist keine Schmerzen, gelegentlich leichter Juckreiz oder ein Spannungsgefühl
- Trockene, manchmal leicht schuppige Haut
- Die Knötchen sind oft hautfarben, können aber auch leicht gerötet oder bräunlich erscheinen
- Im Winter und bei trockener Heizungsluft wird die Haut meist rauer, im Sommer oft glatter
Symptome bei Kindern
- Beginnt häufig schon im Säuglings- oder Kleinkindalter, bei Babys oft zuerst an den Wangen
- Bei Kindern sind die Knötchen häufig deutlicher sichtbar als bei Erwachsenen
- Meist kein Krankheitsgefühl – die Kinder spielen, schlafen und wachsen normal
- Manche Kinder kratzen sich bei trockener Haut, was die Stelle zusätzlich reizen kann
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei vielen Erwachsenen wird die Reibeisenhaut mit den Jahren von selbst milder oder verschwindet ganz
- Bei manchen bleibt eine leichte Rauheit an den Oberarmen oder Oberschenkeln bestehen
- Im höheren Alter steht meist die allgemeine Hauttrockenheit im Vordergrund, die die Knötchen betonter wirken lässt
Ursachen
Hauptursachen
- Die Haut bildet am Haarfollikel zu viel Horn (Keratin) – dieses Horn verstopft den kleinen Follikel und bildet ein Knötchen.
- Eine angeborene Veranlagung: Reibeisenhaut tritt in vielen Familien gehäuft auf.
- Trockene Haut begünstigt die Verhornung, weil Schutzfette fehlen.
- Kalte, trockene Luft und häufiges Waschen mit austrocknenden Reinigungsmitteln verstärken das Bild.
- Wichtig zu wissen: Reibeisenhaut entsteht nicht durch mangelnde Hygiene und ist nicht die Folge von Schmutz.
Risikofaktoren
- Reibeisenhaut bei Eltern oder Geschwistern
- Sehr trockene Haut oder Neurodermitis
- Jugendalter und Pubertät
- Winter, Heizungsluft und häufige heiße Bäder oder Duschen
- Reibung durch enge oder raue Kleidung
- Starkes Übergewicht, weil Hautfalten und Reibung die Haut zusätzlich reizen können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn eine Hautstelle eitert, nässend wird oder stark schmerzt
- Wenn sich eine Rötung schnell ausbreitet und Fieber dazukommt (dann Notruf 112)
- Wenn Ihr Kind sehr unter dem Juckreiz leidet und nicht mehr schlafen kann
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich wirklich um Reibeisenhaut handelt
- Wenn die Knötchen trotz guter Hautpflege über Monate deutlich schlimmer werden
- Wenn die Haut stark gerötet oder entzündet wirkt
- Wenn Ihr Kind oder Sie selbst sich durch das Hautbild stark belastet fühlen
- Wenn Sie eine Beratung zu passender Hautpflege möchten – auch Ihre Apotheke kann hier gut weiterhelfen
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt in der Regel durch das Ansehen und Abtasten der Haut. Das typische Bild – viele kleine raue Knötchen an Oberarmen und Oberschenkeln – ist meist eindeutig. Zusätzliche Untersuchungen sind nur selten nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Betrachtung und Abtasten der betroffenen Hautstellen
- Gespräch über Beschwerden, Beginn und Hauterkrankungen in der Familie
- Hautspiegelung (Dermatoskopie) mit einem speziellen Vergrößerungsgerät, wenn die Ärztin oder der Arzt das Bild genauer prüfen möchte
- Sehr selten eine kleine Gewebeprobe (Biopsie), wenn eine andere Hauterkrankung ausgeschlossen werden soll
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin ist meist kurz und unkompliziert. Sie werden zu Ihren Beschwerden befragt, und die Haut wird angeschaut. In den allermeisten Fällen steht danach schon fest, dass es sich um Reibeisenhaut handelt – ohne weitere Untersuchungen und ohne Laborwerte.
Behandlung
Reibeisenhaut muss nicht behandelt werden, weil sie harmlos ist. Wer sich gestört fühlt, kann mit guter Hautpflege viel erreichen: Die Haut wird weicher, die Knötchen werden flacher und die Rauheit nimmt ab. Geduld ist wichtig – Verbesserungen brauchen meist einige Wochen.
Selbsthilfe zu Hause
- Kurz und lauwarm duschen statt heiß und lange baden
- Milde, rückfettende Reinigungsprodukte ohne aggressive Seifen verwenden
- Nach dem Duschen die Haut noch feucht eincremen, damit Feuchtigkeit eingeschlossen wird
- Regelmäßig eine reichhaltige Creme oder Salbe auftragen – am besten täglich
- Ganz sanft peelen, zum Beispiel mit einem weichen Peelinghandschuh – nicht schrubben und nicht kratzen
- In der Apotheke nach feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten fragen, die die Hornhaut aufweichen; dort bekommen Sie eine passende Beratung
- In geheizten Räumen für etwas Luftfeuchtigkeit sorgen
- Weiche, luftige Kleidung aus Baumwolle bevorzugen und enge, reibende Kleidung meiden
Medizinische Behandlungen
Wenn die Haut trotz guter Pflege sehr rau bleibt oder sich entzündet, kann eine Hautärztin oder ein Hautarzt eine Salbe oder Creme verordnen, die die Verhornung löst oder eine Entzündung dämpft. Solche Präparate werden einige Wochen lang angewendet und sollten ärztlich begleitet werden. Wichtig: Bei entzündeter oder gereizter Haut keine zusätzlichen Peelings anwenden, und die Anwendung immer mit der Arztpraxis oder der Apotheke absprechen. Die Reibeisenhaut selbst heilt durch Geduld und Pflege – nicht durch möglichst viele Produkte.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Reibeisenhaut nicht nötig.
Leben mit der Erkrankung
Reibeisenhaut ist ein Hautbild, kein Grund zur Sorge. Ein tägliches Pflegeritual – nach dem Duschen eincremen – ist die wichtigste Maßnahme. Im Winter lohnt es sich, etwas mehr zu cremen, weil die trockene Heizungsluft die Haut zusätzlich reizt. Im Sommer wird die Haut bei vielen Menschen von selbst glatter.
Tipps für den Alltag
- Tägliche Hautpflege fest in den Tagesablauf einbauen
- Kurze, lauwarme Duschen statt langer heißer Bäder
- Nicht kratzen und nicht kräftig schrubben, auch wenn es juckt
- Weiche Kleidung tragen, die nicht reibt
- In der kalten Jahreszeit die Haut besonders gut schützen
- Bei sportlichem Schwitzen anschließend kurz duschen und wieder eincremen
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die Reibeisenhaut bessert – bestimmte Lebensmittel sind weder Ursache noch Heilmittel. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Trinken sind für die Haut generell gut. Bewegung ist uneingeschränkt möglich und tut gut; wer stark schwitzt, sollte die Haut danach kurz abspülen und eincremen, weil Schweiß die Haut reizen kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Rauheit und die kleinen Knötchen sind meist harmlos, können aber gerade bei Jugendlichen unangenehm sein, wenn sie im Schwimmunterricht oder im Sommer auffallen. Solche Gedanken sind völlig normal. Hilfreich sind ein offenes Gespräch mit den Eltern oder Freundinnen und Freunden und die Erinnerung: Das ist kein Grund, sich zu verstecken. Wenn die Belastung groß wird, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder einer Beratungsstelle. In seelischen Krisen können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden.
Vorbeugung
Die Veranlagung zur Reibeisenhaut kann man nicht verhindern – sie gehört gewissermaßen zur Haut dazu. Man kann aber gut dafür sorgen, dass die Haut nicht zusätzlich austrocknet und gereizt wird. Mit regelmäßiger Pflege lässt sich die Rauheit deutlich mildern.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Reibeisenhaut, und sie ist auch nicht nötig.
Früherkennungsprogramme
Reihenuntersuchungen sind bei Reibeisenhaut nicht erforderlich, weil es sich um eine harmlose Hautbeschaffenheit handelt.
Komplikationen
Unbehandelt
- In den meisten Fällen treten keine Komplikationen auf.
- Durch starkes Kratzen können kleine Entzündungen, Krusten oder vorübergehende Narben entstehen.
- Nach Entzündungen kann die Haut manchmal etwas dunkler nachfärben.
- Bei sehr trockener, gereizter Haut kann zusätzlich ein Ekzem entstehen.
- Die seelische Belastung durch das sichtbare Hautbild kann für manche Menschen groß sein.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Reibeisenhaut ist harmlos und bildet sich bei vielen Menschen mit dem Alter zurück. Mit regelmäßiger, rückfettender Pflege wird die Haut deutlich weicher und glatter. Behandeln lassen muss man sich nur, wenn es Sie stört – geduldig pflegen ist der wichtigste Schritt.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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