Der LDH-Test: Was der Blutwert bedeutet
Übersicht
LDH steht für Laktatdehydrogenase. Das ist ein Eiweißstoff (Enzym), der in fast allen Zellen des Körpers vorkommt und dort hilft, Zucker in Energie umzuwandeln. Werden Zellen geschädigt oder gehen sie zugrunde, tritt LDH aus den Zellen ins Blut über. Der LDH-Test misst, wie viel davon im Blut ist. Ein erhöhter Wert ist ein Hinweis darauf, dass irgendwo im Körper Zellen geschädigt werden. Er sagt aber nicht, wo das passiert oder warum. Deshalb ist LDH ein Such- und Verlaufswert, kein Beweis für eine bestimmte Krankheit.
Wichtige Fakten
- LDH ist ein Enzym, das in fast allen Körperzellen steckt. Im Blut sichtbar wird es, wenn Zellen geschädigt werden.
- Ein einzelner Wert sagt wenig aus. Ärztinnen und Ärzte schauen ihn immer zusammen mit den Beschwerden und anderen Blutwerten an.
- Der Test selbst ist eine ganz normale Blutabnahme aus der Armvene und dauert nur wenige Minuten.
Ja, sehr sogar. LDH gehört zu den am häufigsten gemessenen Blutwerten. Er wird oft automatisch bei größeren Blutuntersuchungen mitbestimmt, auch wenn gar kein bestimmter Verdacht besteht. Viele leicht erhöhte Werte klären sich später als harmlos auf.
Der Test kann bei jedem Menschen gemacht werden, vom Säugling bis zu hochbetagten Personen. Häufiger gemessen wird er bei Menschen mit Gelbsucht, Blutarmut, Leberschäden, Herzbeschwerden, Muskelerkrankungen oder bei einer laufenden Krebstherapie. Die Normalwerte unterscheiden sich je nach Labor, Alter und manchmal auch nach Geschlecht.
Symptome
- Starke Brustschmerzen, die in Arm, Rücken oder Kiefer ausstrahlen, besonders mit Atemnot oder kaltem Schweiß
- Plötzlich auftretende schwere Atemnot
- Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder ein Krampfanfall
- Sehr blasse Haut, kalter Schweiß oder kaum ansprechbar sein – mögliche Zeichen eines großen Blutverlusts
- Dunkelroter bis colafarbener Urin zusammen mit Schwäche, Fieber oder Rückenschmerzen
- ⚠Neu aufgetretene gelbliche Färbung von Haut oder Augen
- ⚠Dunkler Urin oder auffällig heller, entfärbter Stuhl
- ⚠Unerklärlicher Gewichtsverlust
- ⚠Müdigkeit, die über Wochen nicht besser wird
- ⚠Neue Muskelschmerzen mit Schwäche, etwa beim Treppensteigen oder Aufstehen
Häufige Symptome
- Der LDH-Test selbst verursacht keine Beschwerden – er ist nur eine Blutabnahme. Gemessen wird er meist wegen anderer Zeichen. Dazu können gehören:
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche über längere Zeit
- Blässe oder Kurzatmigkeit schon bei leichter Anstrengung
- Gelbliche Haut oder gelbliche Augen (Gelbsucht)
- Dunkler, teefarbener Urin
- Muskel- oder Gelenkschmerzen ohne klaren Grund
- Fieber oder andere Zeichen einer Infektion
- Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache
Ursachen
Hauptursachen
- Zerfall roter Blutkörperchen (Fachwort: Hämolyse) – dabei platzen rote Blutzellen auf und setzen LDH frei
- Erkrankungen der Leber, zum Beispiel eine Leberentzündung
- Schädigung des Herzmuskels
- Verletzungen oder Erkrankungen der Muskulatur
- Nierenerkrankungen
- Erkrankungen von Lunge oder Herz-Kreislauf-System
- Infektionen, teilweise auch schwere Verläufe
- Krebserkrankungen, unter anderem des Blutes und der Lymphdrüsen
- Gewebezerfall nach einer Operation oder nach einer Verletzung
- Sehr anstrengender Sport – hier ist der Wert meist nur leicht erhöht
Risikofaktoren
- Bekannte Erkrankungen von Leber, Herz, Niere oder Muskeln
- Blutarmut oder andere Erkrankungen des Blutes
- Eine laufende Behandlung wegen einer Krebserkrankung
- Sehr intensive körperliche Belastung direkt vor der Blutabnahme
- Schwangerschaft – die Werte können leicht abweichen
- Bestimmte Medikamente: Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, ob Ihre Medikamente den Wert beeinflussen können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Gelbsucht, also gelblicher Haut oder gelben Augen
- Bei dunklem Urin oder entfärbtem Stuhl
- Bei unerklärlichem Gewichtsverlust
- Bei neu aufgetretener Muskelschwäche
- Wenn ein bereits bekannter erhöhter LDH-Wert deutlich weiter ansteigt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen müde und schlapp sind und keine Erklärung dafür finden
- Wenn Sie wissen möchten, was ein erhöhter LDH-Wert in Ihrem Laborbefund bedeutet
- Wenn in der Familie Leber- oder Bluterkrankungen vorkommen
- Wenn Sie Ihre Medikamente auf mögliche Auswirkungen prüfen lassen möchten
Diagnose
Der LDH-Wert wird über eine ganz normale Blutabnahme aus einer Vene am Arm bestimmt. Das Blut wird im Labor untersucht, und das Ergebnis wird mit dem Normalbereich des jeweiligen Labors verglichen. Wichtig zu wissen: Der LDH-Test stellt keine Diagnose. Er ist ein Baustein, der zusammen mit Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und weiteren Untersuchungen bewertet wird.
Mögliche Untersuchungen
- Blutabnahme aus der Armvene
- Großes Blutbild und weitere Blutwerte, zum Beispiel Leber- und Nierenwerte
- Kontrolle des Werts im zeitlichen Verlauf – ein Verlauf sagt oft mehr als ein Einzelwert
- Urinuntersuchung, wenn der Verdacht auf eine Blutarmut durch Zellzerfall besteht
- Je nach Beschwerden zusätzlich Ultraschall, Röntgen oder andere bildgebende Untersuchungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Das Ergebnis liegt meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen vor. Für die Blutabnahme müssen Sie nicht nüchtern sein, außer es werden gleichzeitig andere Werte bestimmt, die nüchtern gemessen werden müssen – danach fragt Sie das Praxisteam vorher. Nach der Blutentnahme können Sie sofort wieder Ihren Alltag fortsetzen; an der Einstichstelle kann kurz ein kleiner blauer Fleck entstehen.
Behandlung
Der LDH-Wert selbst wird nicht behandelt. Er ist ein Signal, das auf eine mögliche Ursache hinweist. Behandelt wird deshalb immer das, was hinter dem veränderten Wert steckt – oder es wird, wenn sich alles als harmlos herausstellt, einfach abgewartet und kontrolliert.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken, besonders an warmen Tagen und bei Fieber
- Sich Ruhe gönnen, wenn Sie sich schlapp fühlen, aber möglichst in Bewegung bleiben
- Auf Alkohol verzichten, solange die Ursache nicht geklärt ist – er belastet die Leber
- Vor einer geplanten Blutabnahme keinen extremen Sport treiben
- Nicht auf eigene Faust Medikamente oder Nahrungsergänzung einnehmen; fragen Sie vorher in Ihrer Apotheke nach
- Notieren Sie Beschwerden und deren Verlauf – das hilft beim Arztgespräch
- Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn es Ihnen schon besser geht
Medizinische Behandlungen
Wie behandelt wird, hängt ganz von der Ursache ab. Steckt eine Infektion dahinter, steht deren Behandlung im Vordergrund. Bei einer Leber- oder Nierenerkrankung geht es darum, das betroffene Organ zu entlasten und gezielt zu behandeln. Bei einer Blutarmut wird geschaut, warum die roten Blutkörperchen zerfallen, und die Ursache wird angegangen. Bei Krebserkrankungen gehört der LDH-Wert zur Verlaufskontrolle der Therapie. In allen Fällen entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen, welche Schritte sinnvoll sind – oft beginnt es mit einer Kontrolluntersuchung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur dann ein Thema, wenn die Ursache des erhöhten Werts operativ behandelt werden muss – zum Beispiel nach einer inneren Verletzung oder bei bestimmten Gewebeveränderungen. Das ist selten und wird immer von Fachärztinnen und Fachärzten ausführlich mit Ihnen besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Ein auffälliger LDH-Wert begleitet Sie meist nur für kurze Zeit – bis die Ursache geklärt ist. In dieser Phase kann es helfen, den Alltag ruhig anzugehen, Termine aufzuschreiben und sich nicht ständig mit dem Laborwert zu beschäftigen. Fragen Sie beim nächsten Termin gezielt nach: Was bedeutet dieser Wert für mich, und was passiert als Nächstes?
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, aber ohne sich zu überfordern
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und frischen Lebensmitteln
- Ausreichend Schlaf und Pausen im Alltag
- Rauchverzicht
- Vorsichtiger Umgang mit Alkohol und mit Mitteln, die die Leber belasten
- Bei chronischen Erkrankungen die vereinbarten Kontrolltermine einhalten
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle „LDH-Diät“ gibt es nicht. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und regelmäßige, moderate Bewegung unterstützen Leber, Herz, Nieren und Muskeln – also genau die Organe, die den LDH-Wert beeinflussen können. Sehr harte Trainingseinheiten direkt vor einer Blutabnahme können den Wert kurzfristig anheben; planen Sie solche Einheiten daher besser nicht am Tag der Untersuchung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein auffälliger Blutwert löst oft Unruhe aus, besonders wenn noch nicht klar ist, woher er kommt. Das ist völlig verständlich. Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen – mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, mit Angehörigen oder mit einer Vertrauensperson. Wenn die Unruhe überhandnimmt, sich nicht mehr abschalten lässt oder Sie das Gefühl haben, keine Hilfe mehr zu finden, suchen Sie bitte zeitnah Unterstützung. In einer akuten Krise gilt in Deutschland die Notrufnummer 112 – dort bekommen Sie rund um die Uhr Hilfe.
Vorbeugung
Einen erhöhten LDH-Wert kann man nicht gezielt verhindern, denn er ist nur ein Zeichen für etwas anderes. Man kann aber das Risiko für viele Ursachen senken: mit einem maßvollen Umgang mit Alkohol, mit Bewegung, gesunder Ernährung und mit der Behandlung bestehender Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Lebererkrankungen.
Impfungen
Eine Impfung gegen erhöhte LDH-Werte gibt es nicht. Impfungen schützen aber vor manchen Infektionen, die Zellen schädigen können. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Der LDH-Test ist kein Vorsorge-Screening und wird nicht routinemäßig bei gesunden Menschen ohne Anlass empfohlen. Er wird eingesetzt, wenn es einen konkreten Verdacht gibt oder wenn eine Erkrankung im Verlauf beobachtet werden soll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bleibt eine ernsthafte Ursache unerkannt, kann sich die zugrunde liegende Erkrankung weiterentwickeln
- Eine Lebererkrankung kann fortschreiten, wenn sie nicht behandelt wird
- Eine Blutarmut durch Zellzerfall kann zu starker Müdigkeit und Leistungseinbruch führen
- Bei Krebserkrankungen wäre eine verzögerte Abklärung nachteilig für die Behandlung
- Wichtig: Ein erhöhter LDH-Wert allein schadet nicht – behandelt wird die Ursache, nicht der Wert
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den allermeisten Fällen gut. Sehr viele leichte Erhöhungen klären sich als harmlos – etwa durch eine Infektion, Sport oder Flüssigkeitsmangel. Wenn eine behandlungsbedürftige Ursache gefunden wird, lässt sie sich häufig gut behandeln, gerade weil sie früh entdeckt wurde. Sprechen Sie Ihre Fragen offen an: Je klarer Sie informiert sind, desto ruhiger können Sie die nächsten Schritte abwarten.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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