Beinengeschwüre (offene Beine)
Übersicht
Ein Beinengeschwür – oft „offenes Bein“ oder Ulcus cruris genannt – ist eine offene Wunde am Unterschenkel, die schlecht heilt. Meist steckt eine Durchblutungsstörung dahinter: Entweder können die Venen das Blut nicht gut zurück zum Herzen transportieren, oder die Arterien bringen zu wenig sauerstoffreiches Blut ins Bein.
Wichtige Fakten
- Offene Beine entstehen meist am Unterschenkel, oft über dem Knöchel.
- Die häufigste Ursache sind Probleme mit den Venen.
- Mit guter Wundversorgung und Behandlung der Ursache heilen viele Wunden.
- Ein offenes Bein sollte früh ärztlich angeschaut werden.
Beinengeschwüre sind häufig, besonders bei älteren Menschen. In Deutschland sind sie ein wichtiger Grund für Arztbesuche und Wundbehandlungen.
Vor allem Menschen mit Venenleiden, Diabetes, Arterienverkalkung oder eingeschränkter Bewegung. Auch jüngere Menschen können betroffen sein, wenn sie eine angeborene oder entzündliche Gefäßerkrankung haben.
Symptome
- Starke Blutung aus der Wunde, die nicht aufhört
- Plötzlich kalter, blasser und sehr schmerzhafter Fuß
- Hohes Fieber mit Verwirrtheit oder schnell größer werdender Rötung
- Atemnot nach einer Beinschwellung
- ⚠Neu aufgetretenes offenes Bein
- ⚠Zunehmende Rötung, Wärme oder Schwellung um die Wunde
- ⚠Eiter oder unangenehmer Geruch
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Stärker werdende Schmerzen
Häufige Symptome
- Eine offene Stelle am Unterschenkel, oft über dem Knöchel
- Schwellung des Beins
- Schmerzen, besonders beim Stehen oder Gehen
- Verfärbte, trockene oder juckende Haut
- Wundwasser, Geruch oder Krusten
- Schweregefühl im Bein
Symptome bei Kindern
- Beinengeschwüre sind bei Kindern sehr selten.
- Treten sie auf, stecken oft angeborene Gefäß- oder Bluterkrankungen dahinter.
- Eine Wunde, die nicht heilt, sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen sind häufiger betroffen, weil Venen- und Arterienleiden, Diabetes und Bewegungsmangel zunehmen.
- Die Heilung kann länger dauern.
- Gute Hautpflege und regelmäßige Bewegung helfen, Komplikationen zu vermeiden.
Ursachen
Hauptursachen
- Chronische Venenschwäche (venöse Insuffizienz): Die Venen können Blut nicht gut zurück zum Herzen pumpen, es staut sich.
- Verkalkte Arterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit): Das Bein bekommt zu wenig sauerstoffreiches Blut.
- Diabetes und Nervenschäden: Wunden werden oft nicht bemerkt und heilen schlecht.
- Langes Sitzen oder Liegen und Druckstellen.
- Entzündliche Gefäßerkrankungen oder Gerinnungsstörungen.
Risikofaktoren
- Höheres Alter
- Krampfadern oder frühere Thrombose
- Übergewicht
- Rauchen
- Diabetes
- Bewegungsmangel
- Herz- oder Nierenschwäche mit Beinschwellung
- Beruf mit viel Stehen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn eine Wunde stark blutet, anschwillt oder sich schnell rot verfärbt
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder sich ausbreitender Rötung
- Wenn der Fuß plötzlich kalt, blass und schmerzhaft ist
- Wenn eine bekannte Wunde plötzlich viel stärker schmerzt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Eine offene Stelle am Bein, die nach zwei Wochen nicht heilt
- Wiederkehrende Schwellungen oder Hautveränderungen am Unterschenkel
- Krampfadern oder schwere Beine
- Diabetes mit Fußproblemen
Diagnose
Die Hausärztin oder der Hausarzt schaut sich die Wunde an, fragt nach der Vorgeschichte und tastet die Pulse am Fuß. Oft wird ein Doppler-Ultraschall gemacht. Das ist eine schmerzlose Untersuchung mit Schallwellen, die den Blutfluss in den Beinen zeigt.
Mögliche Untersuchungen
- Doppler-Ultraschall der Beinvenen und -arterien
- Blutdruckmessung am Knöchel im Vergleich zum Arm (Knöchel-Arm-Index)
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel auf Zucker oder Entzündungswerte
- Abstrich von der Wunde, wenn eine Infektion vermutet wird
- In seltenen Fällen eine kleine Gewebeprobe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzlos und dauern nicht lange. Manchmal wird die Wunde leicht berührt oder gespült. Sie können Fragen stellen und um eine Pause bitten.
Behandlung
Die Behandlung hat drei Ziele: die Wunde sauber halten, die Ursache behandeln und verhindern, dass neue Wunden entstehen. In Deutschland richten sich viele Praxen nach der AWMF-Leitlinie zum Ulcus cruris (offenes Bein).
Selbsthilfe zu Hause
- Bein hochlegen, wenn möglich über Herzhöhe
- Die Wunde nicht mit Hausmitteln oder Alkohol behandeln
- Verordnete Kompressionstrümpfe oder Verbände regelmäßig tragen
- Die Haut um die Wunde sanft pflegen und trocken halten
- Regelmäßig bewegen, aber Überlastung vermeiden
- Nicht rauchen
Medizinische Behandlungen
Der Arzt reinigt die Wunde und wählt einen passenden Verband. Bei einer Venenschwäche wird das Bein mit Kompression behandelt, also mit einem Druckverband oder Kompressionsstrumpf. Wichtig ist, die Ursache zu behandeln, zum Beispiel eine Venen- oder Arterienerkrankung. Bei einer Infektion wird eine passende ärztliche Behandlung verordnet. Schmerztherapie und regelmäßige Kontrollen gehören dazu.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, wenn die Ursache anders nicht gut behandelt werden kann. Beispiele sind Eingriffe an Venen oder Arterien, eine Hauttransplantation oder eine Wundreinigung im Krankenhaus. Das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag dreht sich oft um Wundversorgung, Kompression und Arzttermine. Planen Sie Pausen ein, in denen Sie das Bein hochlegen. Kleine Routinen helfen, die Behandlung in den Tag zu integrieren.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen
- Übergewicht abbauen, wenn nötig
- Regelmäßig spazieren gehen, wenn es die Wunde erlaubt
- Beine nicht lange hängen lassen
- Haut mit rückfettender Pflege schützen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genug Eiweiß und Flüssigkeit unterstützt die Heilung. Bewegung fördert die Durchblutung. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, welche Bewegung für Sie sicher ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein offenes Bein kann belasten: Schmerzen, Geruch oder häufige Termine machen manchen Menschen zu schaffen. Das ist verständlich. Sprechen Sie darüber – mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie oder einer Beratungsstelle. In seelischen Krisen hilft die Telefonseelsorge, anonym und kostenfrei.
Vorbeugung
Vieles lässt sich vorbeugen: Beine in Bewegung halten, Übergewicht vermeiden, Rauchen aufgeben und Grunderkrankungen wie Diabetes gut behandeln. Wer zu Venenproblemen neigt, kann mit Kompression und Hautpflege viel tun.
Impfungen
Bei offenen Wunden ist ein aktueller Tetanus-Schutz wichtig. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis, ob Ihr Impfschutz ausreicht.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening gibt es nicht. Bei bekannten Venen- oder Arterienleiden sollten die Beine regelmäßig angeschaut werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Wunde kann sich entzünden und größer werden
- Bakterien können tiefer ins Gewebe eindringen
- Chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkung
- In seltenen Fällen kann eine Amputation nötig werden
- Die Wunde kann immer wiederkehren
Langzeitprognose
Mit guter Behandlung heilen viele Beinengeschwüre. Es kann dauern, und manchmal kommen sie zurück. Eine gute Wundpflege, Kompression und die Behandlung der Ursache verbessern die Heilungschancen deutlich.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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