Legionärskrankheit: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung (Pneumonie). Sie wird durch Bakterien namens Legionellen ausgelöst. Diese Bakterien vermehren sich in warmem, stehendem Wasser, zum Beispiel in Duschen, Whirlpools, Klimaanlagen oder Kühltürmen. Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen von feinsten Wassertröpfchen, die die Bakterien enthalten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
Wichtige Fakten
- Verursacht durch Legionellen-Bakterien in verunreinigtem Wasser
- Ansteckung durch Einatmen von zerstäubtem Wasser (Aerosolen), nicht durch Kontakt mit anderen Menschen
- Betrifft vor allem Menschen mit Risikofaktoren wie Rauchen, höheres Alter oder geschwächtem Immunsystem
- Mit Antibiotika behandelbar, frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose deutlich
- In Deutschland werden jährlich einige hundert bis tausend Fälle gemeldet
Die Legionärskrankheit ist in Deutschland eher selten. Jedes Jahr werden einige hundert bis wenige tausend Fälle gemeldet. Sie zählt zu den schweren Lungenentzündungen und wird deshalb ernst genommen.
Die Krankheit kann jeden treffen, aber besonders gefährdet sind Menschen über 50 Jahre, Raucher, Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem. Männer erkranken häufiger als Frauen.
Symptome
- Schwere Atemnot, die auch in Ruhe nicht nachlässt
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- Starke Schmerzen im Brustkorb
- ⚠Hohes Fieber über 39 °C mit Husten
- ⚠Atemnot bei leichter Belastung oder in Ruhe
- ⚠Starkes Krankheitsgefühl oder zunehmende Schwäche
- ⚠Anhaltender Husten mit Auswurf oder blutigem Auswurf
Häufige Symptome
- Hohes Fieber, oft über 39 °C
- Schüttelfrost
- Husten, zunächst trocken, später mit Auswurf möglich
- Atemnot, besonders bei Belastung
- Muskel- und Gliederschmerzen
- Kopfschmerzen
- Starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Manchmal auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
Symptome bei Kindern
- Kinder erkranken seltener und meist weniger schwer. Warnzeichen sind hohes Fieber, Husten, schnelle Atmung, verweigerte Flüssigkeitsaufnahme und starkes Krankheitsgefühl. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist besondere Vorsicht geboten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann die Krankheit besonders schwer verlaufen. Häufig zeigen sich plötzliche Verwirrtheit, Benommenheit, ein starker Abfall des Allgemeinzustands und hohes Fieber. Husten und Atemnot können im Vordergrund stehen.
Ursachen
Hauptursachen
- Legionellen-Bakterien vermehren sich in warmem Süßwasser (25–45 °C), zum Beispiel in Warmwasserleitungen, Duschen, Whirlpools, Luftbefeuchtern, Klimaanlagen oder Kühltürmen.
- Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen von feinen Wassertröpfchen (Aerosolen), die die Bakterien enthalten. Das passiert zum Beispiel beim Duschen oder in einem Whirlpool.
- Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder durch Trinken von kontaminiertem Wasser kommt praktisch nicht vor.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Rauchen (vor allem starkes Rauchen)
- Chronische Lungenerkrankungen, zum Beispiel COPD
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Medikamente, Organtransplantation oder bestimmte Erkrankungen
- Diabetes mellitus
- Schwere Grunderkrankungen oder ein Krankenhausaufenthalt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 39 °C mit Husten oder Atemnot sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn Sie sich innerhalb kurzer Zeit stark krank fühlen, mit Schüttelfrost und Abgeschlagenheit, ist schnelles Handeln wichtig.
- Bei Verwirrtheit, starkem Husten mit blutigem Auswurf oder Atemnot in Ruhe sollten Sie sofort die Notaufnahme aufsuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit mehreren Tagen Husten und Fieber haben, sollten Sie auch ohne akute Notfallzeichen Ihren Hausarzt aufsuchen.
- Nach einer überstandenen Erkrankung ist eine Kontrolluntersuchung beim Hausarzt oder Lungenfacharzt sinnvoll, auch wenn es Ihnen schon besser geht.
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und möglichen Ansteckungsquellen, zum Beispiel Aufenthalte in Hotels mit Whirlpools oder kürzlich erfolgte Duschgewohnheiten. Danach folgen körperliche Untersuchungen und gezielte Tests.
Mögliche Untersuchungen
- Urin-Test auf Legionellen-Antigene (schneller Nachweis möglich)
- Blutuntersuchung, um Antikörper oder Erbgut der Bakterien nachzuweisen
- Röntgenaufnahme der Lunge oder Ultraschall zur Beurteilung einer Lungenentzündung
- Manchmal Untersuchung von Hustenauswurf (Sputum) oder einer Lungenspülung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann einige Tage dauern, da die Kulturen Zeit brauchen. Oft wird bei Verdacht sofort mit der Behandlung begonnen, noch bevor das Ergebnis feststeht. Der Arzt kann Sie für die Behandlung ins Krankenhaus überweisen, wenn der Verdacht auf eine schwere Lungenentzündung besteht.
Behandlung
Die Legionärskrankheit wird mit Antibiotika behandelt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Schwere Fälle werden im Krankenhaus behandelt, manchmal auf der Intensivstation, um Komplikationen früh zu erkennen.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie sich körperlich unbedingt schonend und verordnen Sie sich strikte Ruhe, solange Sie Fieber haben.
- Trinken Sie ausreichend, zum Beispiel Wasser oder ungesüßten Tee, um den Flüssigkeitsverlust durch das Fieber auszugleichen.
- Lüften Sie regelmäßig das Zimmer, um frische Luft zu haben.
- Nehmen Sie fiebersenkende Maßnahmen nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, die gezielt gegen Legionellen wirken. Diese werden je nach Schweregrad als Tablette oder als Infusion im Krankenhaus verabreicht. Die Dauer beträgt meist 5 bis 14 Tage, in schweren Fällen auch länger. Bei Atemnot kann zusätzlich Sauerstoff gegeben werden. Alle Medikamente werden verschreibungspflichtig und nach ärztlicher Entscheidung eingesetzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der Legionärskrankheit nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Die Erholung von einer Legionärskrankheit kann mehrere Wochen bis Monate dauern. In der ersten Zeit sind Sie schnell erschöpft. Planen Sie viele Pausen ein und steigern Sie sich nicht zu früh wieder. Bleiben Sie regelmäßig mit Ihrem behandelnden Arzt in Kontakt, bis Sie sich vollständig erholt haben.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie während der Erholungsphase auf das Rauchen, da Ihre Lunge besonders empfindlich ist.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Ruhe.
- Bewegen Sie sich erst nach ärztlicher Freigabe wieder, beginnen Sie langsam zum Beispiel mit Spaziergängen.
- Beobachten Sie Ihren Körper und melden Sie sich bei erneuten Beschwerden beim Arzt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann den Körper unterstützen. Wichtig ist vor allem, ausreichend zu trinken. Bewegung sollte langsam und in Absprache mit dem Arzt gesteigert werden, zum Beispiel durch kurze Spaziergänge, die Sie allmählich verlängern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Lungenentzündung kann emotional belastend sein. Es ist normal, sich verunsichert zu fühlen oder Angst vor einem Rückfall zu haben. Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über Ihre Gefühle. Wenn die Belastung zu groß wird, scheuen Sie sich nicht, zusätzliche Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Ja, die Legionärskrankheit kann größtenteils durch gute Wartung und Hygiene von Wasseranlagen verhindert werden. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen von Warmwasserleitungen, Duschen, Whirlpools und Klimaanlagen. Als Einzelperson können Sie das Risiko senken, indem Sie Whirlpools oder Duschanlagen mit auffälligen Beschwerden wie starkem Keimgefühl meiden und Ihren eigenen Warmwasserboiler regelmäßig auf hohe Temperaturen erhitzen.
Impfungen
Es gibt derzeit keinen Impfstoff gegen die Legionärskrankheit.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine Routine-Untersuchung zur Früherkennung bei gesunden Menschen. Bei Verdacht auf eine Infektion sind gezielte Tests notwendig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Lungenentzündung mit Lungenversagen
- Sepsis (Blutvergiftung), bei der die körpereigene Abwehrreaktion den ganzen Körper schädigt
- Nierenversagen
- Anhaltende Erschöpfung und körperliche Schwäche über Wochen
- In seltenen Fällen ein lebensbedrohlicher Verlauf
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig. Auch wenn es einige Wochen dauern kann, bis Sie wieder völlig fit sind, ist die Prognose in der Regel gut. Je früher gehandelt wird, desto geringer ist das Risiko für schwere Komplikationen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.