Long-QT-Syndrom: Was es ist und wie man damit lebt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Long-QT-Syndrom ist eine seltene Störung der elektrischen Aktivität des Herzens. Zwischen zwei Herzschlägen braucht das Herz eine bestimmte Erholungszeit. Diese Zeit nennt man im EKG die QT-Zeit. Beim Long-QT-Syndrom ist diese Zeit verlängert. Dadurch kann es manchmal zu gefährlich schnellen Herzrhythmusstörungen kommen.
Wichtige Fakten
- Es ist meist angeboren, also durch das Erbgut verursacht.
- Beschwerden treten häufig bei körperlicher Anstrengung, Stress oder beim Erschrecken auf.
- Mit der richtigen Behandlung lässt sich das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen stark senken.
Das Long-QT-Syndrom ist selten. Etwa 1 von 2000 bis 2500 Menschen ist betroffen.
Es kann jeden betreffen, vom Kleinkind bis zum Erwachsenen. Bei manchen Formen beginnen die Beschwerden erst im jungen Erwachsenenalter.
Symptome
- Plötzliche Ohnmacht ohne Vorwarnung
- Krampfartige Bewegungen oder Krampfanfall
- Keine Atmung oder kein Puls
- Zusammenbruch beim Sport oder bei einem Schreckereignis
- ⚠Nach einer Ohnmacht, auch wenn man sich schnell wieder erholt hat
- ⚠Wiederholtes Herzrasen oder Schwindel
- ⚠Wenn Sie schon einmal wegen Long-QT-Syndrom behandelt wurden und starke Beschwerden haben
Häufige Symptome
- Ohnmacht (kurze Bewusstlosigkeit), besonders bei Sport oder starker Erregung
- Herzrasen oder Herzstolpern
- Schwindel oder Schwarzwerden vor Augen
- Manche Menschen haben gar keine Beschwerden
Symptome bei Kindern
- Ohnmacht beim Toben, Schwimmen oder Erschrecken
- Manchmal werden diese Ohnmachtsanfälle fälschlich für einen Krampfanfall gehalten
- Plötzliches Zusammenzucken ohne ersichtlichen Grund
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ohnmacht oder Schwindel können auftreten, besonders wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden
- Manchmal keine Beschwerden, die Erkrankung wird zufällig im EKG entdeckt
- Herzrasen auch in Ruhe
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Veränderung im Erbgut (Gen-Mutation)
- Bestimmte Medikamente, die die QT-Zeit verlängern können
- Niedriger Kalium- oder Magnesiumspiegel im Blut
- Andere Herzerkrankungen oder eine sehr langsame Herzfrequenz
Risikofaktoren
- Eine familiäre Vorbelastung für Long-QT-Syndrom
- Einnahme von Medikamenten, die die QT-Zeit beeinflussen
- Elektrolytstörungen, zum Beispiel durch starkes Schwitzen oder Durchfall
- Ein plötzlicher Schreck oder emotionaler Stress
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einer Ohnmacht oder einem Krampfanfall
- Bei wiederholtem plötzlichen Herzrasen oder Schwindel
- Bei Bewusstlosigkeit oder fehlender Atmung sofort die 112 wählen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn in Ihrer Familie das Long-QT-Syndrom bekannt ist
- Wenn Sie Herzrasen oder Ohnmacht bei Belastung bemerken
- Vor der Einnahme neuer Medikamente, wenn Sie wissen, dass Sie ein Long-QT-Syndrom haben
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel mit einem Elektrokardiogramm (EKG) gestellt. Dabei wird die QT-Zeit im Ruhe-EKG gemessen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin folgt dabei unter anderem den Empfehlungen der AWMF-Leitlinie.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG (Elektrokardiogramm)
- Langzeit-EKG über 24 Stunden
- Belastungs-EKG (EKG auf dem Fahrrad oder Laufband)
- Genetischer Bluttest zur Suche nach Veränderungen im Erbgut
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt oder die Ärztin wird ein ausführliches Gespräch führen: über Ihre Beschwerden, Ihre Familiengeschichte und alle Medikamente, die Sie einnehmen. Möglicherweise werden Sie an eine kardiologische Fachambulanz überwiesen.
Behandlung
Die Behandlung hat das Ziel, gefährliche Herzrhythmusstörungen zu verhindern. Welche Behandlung die richtige ist, hängt von Ihrem persönlichen Risiko ab. Ihr Behandlungsteam wird gemeinsam mit Ihnen entscheiden, was am besten zu Ihnen passt.
Selbsthilfe zu Hause
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche körperlichen Aktivitäten für Sie sicher sind
- Nehmen Sie neue Medikamente niemals ohne Rücksprache mit Arzt oder Apotheker
- Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Mineralien wie Kalium und Magnesium
- Vermeiden Sie, wenn Sie dazu geraten bekommen, plötzliche Weckgeräusche (zum Beispiel schrille Wecker)
- Tragen Sie einen medizinischen Notfallausweis
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die das Herz ruhiger und gleichmäßiger schlagen lassen. Sie werden eingesetzt, um gefährliche Rhythmusstörungen zu verhindern. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wählt das passende Medikament für Sie aus. Bei manchen Menschen ist auch ein eingepflanzter Schrittmacher oder Defibrillator hilfreich.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn das Risiko für einen Herzstillstand hoch ist, kann ein kleiner Defibrillator (ICD) unter die Haut eingesetzt werden. Das ist ein Gerät, das den Herzrhythmus dauerhaft überwacht und bei gefährlichen Rhythmusstörungen sofort einen Stromimpuls abgibt. In manchen Fällen wird zusätzlich ein kleiner Eingriff am Nervensystem des Herzens vorgenommen.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, was bei Ihnen persönlich Beschwerden auslöst. Viele Menschen führen ein nahezu normales Leben. Es hilft, Familie und Freunde über die Erkrankung zu informieren, damit sie im Notfall wissen, was zu tun ist.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie vor jeder Medikamenteneinnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker
- Planen Sie bei sportlicher Betätigung immer eine Begleitperson ein, wenn Sie zu Ohnmacht neigen
- Vermeiden Sie Stress, wo es geht, und sorgen Sie für genügend Schlaf
- Informieren Sie alle behandelnden Ärzte und Zahnärzte über Ihr Long-QT-Syndrom
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Sie können auf kalium- und magnesiumreiche Lebensmittel achten, zum Beispiel Bananen, Tomaten oder Haferflocken. Wie viel Sport für Sie sicher ist, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Long-QT-Syndrom kann Angst auslösen – vor allem nach einer Ohnmacht. Es ist wichtig, über Ihre Sorgen zu sprechen. Wenn die Angst Sie im Alltag stark belastet, suchen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel bei einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Das angeborene Long-QT-Syndrom lässt sich nicht vorbeugen. Aber Sie können viel tun, um gefährliche Situationen zu vermeiden: Nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein, meiden Sie auslösende Faktoren und suchen Sie regelmäßigen ärztlichen Rat.
Impfungen
Gegen Long-QT-Syndrom selbst gibt es keine Impfung. Sinnvolle Schutzimpfungen gegen andere Krankheiten sollten Sie aber wahrnehmen – sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin.
Früherkennungsprogramme
Wenn ein Familienmitglied Long-QT-Syndrom hat, können Angehörige mit einem EKG und einer genetischen Beratung untersucht werden. So lassen sich Risiken früh erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohnmachtsanfälle, die wiederholt auftreten
- Gefährliche Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen aus der Herzkammer
- Im schlimmsten Fall ein plötzlicher Herzstillstand
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung und einer guten ärztlichen Begleitung haben die meisten Menschen mit Long-QT-Syndrom eine gute Prognose. Sie können ein erfülltes Leben führen, oft auch mit Sport und anderen Aktivitäten.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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