Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Übersicht
Weitsichtigkeit – Fachleute sagen Hyperopie dazu – ist eine sehr häufige Sehstörung. Dabei erscheint alles, was nah ist, unscharf: das Buch, das Handy, die Speisekarte. Dinge in der Ferne sind oft klarer. Der Grund liegt meist im Aufbau des Auges: Der Augapfel ist etwas zu kurz, oder die Hornhaut (die klare vordere Schicht des Auges) und die Linse brechen das Licht etwas zu schwach. Dadurch treffen sich die Lichtstrahlen nicht genau auf der Netzhaut (die lichtempfindliche Schicht im Augeninneren), sondern dahinter. Das Gehirn bekommt dann ein unscharfes Bild. Wichtig zu wissen: Weitsichtigkeit ist keine Krankheit im Sinne von „kaputt“, sondern eine Fehlsichtigkeit – ähnlich wie eine falsche Brillenstärke. Sie lässt sich in aller Regel sehr gut ausgleichen.
Wichtige Fakten
- Weitsichtigkeit bedeutet: In der Nähe ist es unscharf, in der Ferne oft klarer.
- Ursache ist meist die Form des Auges – es ist häufig etwas zu kurz gewachsen.
- Mit einer passenden Brille oder Kontaktlinsen sieht man in den meisten Fällen wieder scharf.
Ja, Weitsichtigkeit gehört zu den häufigsten Fehlsichtigkeiten überhaupt. Sehr viele Menschen – besonders Kinder – sind leicht weitsichtig, ohne es überhaupt zu bemerken. Nur wenn die Weitsichtigkeit stärker ausgeprägt ist oder Beschwerden macht, braucht man eine Brille.
Weitsichtigkeit kann jedes Alter betreffen. Babys und kleine Kinder sind fast alle leicht weitsichtig, weil ihre Augen noch wachsen; das gleicht sich oft von selbst aus. Auch Erwachsene und ältere Menschen können weitsichtig sein. Ab etwa 40 Jahren kommt zusätzlich die sogenannte Alterssichtigkeit dazu – dann wird das Sehen in der Nähe für fast alle anstrengender, weil die Linse im Auge weniger elastisch wird.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Plötzlich auftretende Doppelbilder
- Plötzlich ein Schatten oder ein „Vorhang“ im Gesichtsfeld
- Blitze oder viele neue „Mückenschwärme“ vor dem Auge
- Starke Augenschmerzen zusammen mit Sehverschlechterung
- Verletzung des Auges oder Chemikalien im Auge
- ⚠Plötzlich deutlich verschwommenes Sehen ohne erkennbaren Grund
- ⚠Gerötetes, schmerzhaftes Auge
- ⚠Lichtringe („Höfe“) um Lichtquellen zusammen mit Schmerzen
- ⚠Neue, starke Kopfschmerzen mit Sehproblemen
- ⚠Sehbeschwerden, die trotz Brille und Pausen nicht besser werden
Häufige Symptome
- Nahe Dinge wie Buch, Handy oder Etikett wirken unscharf
- Man hält Dinge instinktiv weiter weg, um sie scharf zu sehen
- Anstrengung oder Druckgefühl in den Augen beim Lesen oder Bildschirmarbeiten
- Kopfschmerzen nach längerem Nahsehen
- Müde, brennende oder tränende Augen am Abend
- Zusammengekniffene Augen („Augen zukneifen“), um schärfer zu sehen
- Unsicherheit beim Autofahren in der Dämmerung oder beim Lesen von Schildern
Symptome bei Kindern
- Oft gar keine Beschwerden – Kinder können Weitsichtigkeit lange unbemerkt ausgleichen
- Augenreiben, Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen
- Kopfschmerzen oder Müdigkeit nach der Schule oder nach Hausaufgaben
- Schwierigkeiten beim Lesenlernen oder beim Abschreiben von der Tafel
- Unkonzentriertheit oder Lustlosigkeit bei Nahaufgaben
- Manchmal ein Schielen (ein Auge weicht nach innen ab)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Kleingedrucktes wird zunehmend schwer zu lesen
- Die Lesebrille muss öfter angepasst werden
- Mehr Anstrengung beim Lesen bei schlechtem Licht
- Mischung aus Weitsichtigkeit und Alterssichtigkeit möglich
- Häufigere Kopfschmerzen oder müde Augen bei Naharbeit
Ursachen
Hauptursachen
- Der Augapfel ist meist etwas zu kurz – dann liegt das Bild hinter der Netzhaut
- Hornhaut oder Linse brechen das Licht etwas zu schwach
- Angeborene Veranlagung – Weitsichtigkeit läuft oft in Familien
- Bei Kindern: Das Auge wächst noch, dadurch ändert sich die Sehstärke
- Im Alter: Die Linse wird steifer, das Nahsehen fällt schwerer (Alterssichtigkeit)
Risikofaktoren
- Weitsichtigkeit bei Eltern oder Geschwistern
- Höheres Alter
- Frühgeborene Kinder haben häufiger Sehauffälligkeiten
- Bestimmte Allgemeinerkrankungen, zum Beispiel ein schlecht eingestellter Diabetes (Zuckerkrankheit), können die Sehstärke zeitweise verändern
- Bestimmte Medikamente können das Sehen beeinflussen – fragen Sie dazu Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Sehverschlechterung oder plötzlicher Sehverlust
- Doppelbilder, die neu auftreten
- Starke Augenschmerzen, starker Lichtschein oder ein gerötetes Auge
- Blitze, ein Schatten oder ein „Vorhang“ im Sichtfeld
- Augenverletzung oder Kontakt mit Chemikalien
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie können in der Nähe schlechter lesen und halten Dinge weiter weg
- Häufige Kopfschmerzen oder müde Augen bei Bildschirm- oder Lese-Arbeit
- Ihr Kind kneift die Augen zusammen, reibt sie oft oder hat Probleme in der Schule
- Es gibt Weitsichtigkeit in der Familie
- Sie brauchen eine neue Brille oder möchten Ihre Sehstärke kontrollieren lassen
- Ab etwa 40 Jahren: regelmäßige Kontrolle beim Optiker oder in der Augenarztpraxis
Diagnose
Die Sehstärke wird mit einem Sehtest gemessen – beim Optiker oder in einer Augenarztpraxis. Dabei schaut man auf Buchstaben oder Symbole in verschiedenen Größen und Entfernungen. Anschließend wird die genaue Brillenstärke bestimmt (Fachwort: Refraktion). Das ist schmerzfrei und dauert meist nur wenige Minuten. Bei Kindern kann die Messung mit speziellen Augentropfen erfolgen, die die Pupille weit stellen, damit man die „echte“ Sehstärke misst.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit Buchstaben, Zahlen oder Symbolen in verschiedenen Größen
- Refraktionsbestimmung – Messung der nötigen Brillenstärke
- Autorefraktometer – ein Gerät, das die Sehstärke automatisch schätzt
- Untersuchung der Augen mit der Spaltlampe (Mikroskop für das Auge)
- Blick auf den Augenhintergrund
- Bei Kindern: Weitstellung der Pupille mit Augentropfen für eine genaue Messung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist kurz, schmerzfrei und meist ohne Vorbereitung möglich. Nehmen Sie, wenn vorhanden, Ihre aktuelle Brille mit. Nach der Messung erhalten Sie ein Brillenrezept oder eine Empfehlung. Bei Kindern lohnt sich eine Kontrolle in der Augenarztpraxis, weil Kinder eine Weitsichtigkeit oft gut „verstecken“ können.
Behandlung
Die wichtigste und häufigste Behandlung ist eine Brille oder – für Erwachsene – eine passende Kontaktlinse. Sie sorgt dafür, dass das Bild wieder genau auf der Netzhaut landet. Medikamente können eine Weitsichtigkeit nicht korrigieren. Bei Kindern ist eine frühzeitige Brille wichtig, damit sich das Sehen gut entwickelt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen einlegen und in die Ferne schauen
- Für gutes Licht beim Lesen sorgen – grelles Gegenlicht vermeiden
- Am Bildschirm Schrift und Darstellung etwas größer einstellen
- Eine Ersatzbrille oder alte Brille als Backup bereithalten
- Regelmäßig zur Kontrolle gehen, vor allem bei Kindern
- Ausreichend blinzeln und trockene Augen mit Pausen und Raumluft beachten
- Bei Sport und im Alltag auf passenden Schutz der Augen achten
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung besteht aus einer Sehhilfe: einer Brille mit der passenden Stärke oder Kontaktlinsen. Für Erwachsene mit stabiler Sehstärke kann auch eine Operation am Auge infrage kommen, bei der die Hornhaut so verändert wird, dass die Fehlsichtigkeit ausgeglichen wird. Bei Kindern wird in der Regel eine Brille verordnet; manchmal sind zusätzlich Übungen oder eine Behandlung durch die Augenärztin oder den Augenarzt sinnvoll, wenn ein Schielen oder eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie – ein Auge sieht deutlich schlechter, weil das Gehirn es „abschaltet“) vorliegt. Welche Möglichkeit zu Ihnen passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Augenärztin, Ihrem Augenarzt oder Ihrer Optikerin, Ihrem Optiker.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist meist eine freiwillige Entscheidung für Erwachsene, die ohne Brille oder Kontaktlinsen auskommen möchten. Voraussetzung ist eine über längere Zeit stabile Sehstärke und ein gesundes Auge. Bei Kindern wird in der Regel nicht operiert. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab und sollte ausführlich mit einer Augenärztin oder einem Augenarzt besprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer gut angepassten Brille oder Kontaktlinsen lässt sich Weitsichtigkeit im Alltag sehr gut bewältigen. Viele merken nach ein paar Tagen gar nicht mehr, dass sie eine Brille tragen. Wichtig ist, die Brille regelmäßig zu tragen – besonders Kinder sollten sie konsequent aufsetzen, damit sich das Sehen gut entwickelt.
Tipps für den Alltag
- Feste Plätze für Brille und Etui, damit sie nicht verloren geht
- Bei Bildschirmarbeit auf bequeme Sitzposition und guten Abstand achten
- Regelmäßige kurze Pausen für die Augen einplanen
- Bei Sport eine passende Sportbrille oder Kontaktlinsen nutzen
- Sonnenbrille mit UV-Schutz bei hellem Licht tragen
- Regelmäßige Kontrolltermine in den Kalender eintragen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt die Gesundheit der Augen. Bewegung an der frischen Luft tut gut und hilft, Bildschirmpausen einzulegen. Es gibt keine Ernährung, die eine Weitsichtigkeit „wegheilen“ kann – aber ein gesunder Lebensstil ist gut für die Augen und die allgemeine Gesundheit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Menschen machen sich zunächst Sorgen, besonders Eltern, wenn ihr Kind eine Brille braucht. Meist legt sich das schnell, denn eine Brille hilft sofort und ist heute ganz normal. Wenn Sehprobleme zu Kopfschmerzen, Frust oder Unsicherheit führen, sprechen Sie darüber – mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrem Umfeld. Bei anhaltender Belastung oder Sorgen können Sie sich auch an eine Beratungsstelle oder psychosoziale Unterstützung wenden; in akuten Krisen ist der Notruf 112 oder die Telefonseelsorge erreichbar.
Vorbeugung
Angeborene Weitsichtigkeit lässt sich nicht verhindern, weil sie mit der Form des Auges zusammenhängt. Man kann aber verhindern, dass daraus Probleme entstehen: durch frühes Erkennen, eine passende Brille und regelmäßige Kontrollen. So bleibt das Sehen auch bei Kindern gut entwickelt.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Weitsichtigkeit. Impfungen schützen aber allgemein vor Infektionen, die auch die Augen betreffen können – sprechen Sie dazu mit Ihrer Arztpraxis.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland sind Sehtests Bestandteil der Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen). Auch in der Schule und bei der Kinderarztpraxis werden Sehprobleme oft erkannt. Erwachsene sollten ihre Sehstärke bei Bedarf und ab etwa 40 Jahren regelmäßig kontrollieren lassen. Bei familiärer Weitsichtigkeit oder Beschwerden lohnt sich eine frühe Kontrolle.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Kopfschmerzen und müde, angestrengte Augen
- Schwierigkeiten beim Lesen, Lernen und bei der Bildschirmarbeit
- Bei Kindern: Schwachsichtigkeit (Amblyopie) oder Schielen, wenn eine starke Weitsichtigkeit lange unbemerkt bleibt
- Unsicherheit im Straßenverkehr, zum Beispiel beim Autofahren in der Dämmerung
- Frust oder schlechtere Konzentration in Schule und Beruf
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut: Mit einer passenden Brille oder Kontaktlinsen sieht man in den meisten Fällen wieder scharf und kann ganz normal am Alltag teilnehmen. Bei Kindern ist eine frühe Brille besonders wertvoll, weil sich das Sehen dann gut entwickeln kann. Regelmäßige Kontrollen helfen, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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