Geringe Spermienzahl (Oligospermie)
Übersicht
Bei einer geringen Spermienzahl – auch Oligospermie genannt – enthält die Samenflüssigkeit (Ejakulat) weniger Spermien als üblich. Fachleute sprechen davon, wenn in einem Milliliter Samenflüssigkeit weniger als etwa 15 Millionen Spermien sind. Zum Vergleich: Bei vielen fruchtbaren Männern liegen die Werte deutlich höher. Wichtig zu wissen: Eine geringe Spermienzahl heißt nicht automatisch, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist. Sie kann die Chance auf eine natürliche Empfängnis verringern – aber viele Männer werden trotzdem Vater, manchmal mit etwas Geduld, manchmal mit medizinischer Unterstützung.
Wichtige Fakten
- Eine geringe Spermienzahl verursacht meist keine spürbaren Beschwerden. Sie fällt oft erst auf, wenn ein Paar über längere Zeit nicht schwanger wird.
- Für die Diagnose sind in der Regel mindestens zwei Samenanalysen (Spermiogramme) im Abstand von einigen Wochen nötig, weil die Werte von Natur aus schwanken.
- Spermien brauchen etwa zwei bis drei Monate, um zu reifen. Lebensstiländerungen oder Behandlungen zeigen ihre Wirkung deshalb oft erst nach einigen Monaten.
Ja, das ist häufig. Etwa jedes sechste Paar hat Schwierigkeiten, schwanger zu werden. In etwa der Hälfte dieser Fälle liegen auch oder ausschließlich beim Mann Auffälligkeiten der Spermien vor. Eine geringe Spermienzahl gehört zu den häufigsten Gründen.
Symptome
- Plötzlich auftretende, starke Hodenschmerzen, besonders wenn der Hoden hoch steht oder der Hodensack anschwillt: Hier besteht der Verdacht auf eine Hodentorsion (Verdrehung des Hodens). Das ist ein Notfall – rufen Sie sofort 112 an oder lassen Sie sich in die nächste Notaufnahme bringen.
- Starke Schmerzen im Hodensack nach einer Verletzung.
- ⚠Schwellung, Rötung und Schmerzen im Hodensack zusammen mit Fieber – mögliche Anzeichen einer Entzündung. Bitte am selben Tag ärztlich vorstellen.
- ⚠Neu aufgetretene harte Knoten oder Verhärtungen im Hoden.
- ⚠Blut im Ejakulat, das länger als einige Wochen besteht.
- ⚠Plötzliche Unfähigkeit, Wasser zu lassen.
Häufige Symptome
- Meist keine Beschwerden – die geringe Spermienzahl selbst spürt man nicht.
- Unerfüllter Kinderwunsch: Das Paar wird trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit nicht schwanger.
- Manchmal Anzeichen der zugrunde liegenden Ursache, zum Beispiel kleine oder weiche Hoden.
- Sichtbare oder tastbare Krampfadern am Hodensack (Varikozele), oft als weiche Schwellung beschrieben.
- Wenig Lust auf Sex oder Schwierigkeiten mit der Erektion – mögliche Hinweise auf einen Hormonmangel.
- Schmerzen oder ein ziehendes Gefühl im Hodensack.
- Wenig oder auffällig dünnflüssige Samenflüssigkeit.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird eine geringe Spermienzahl normalerweise nicht festgestellt, weil sie erst im Zusammenhang mit einem Kinderwunsch untersucht wird.
- Wichtig ist ein Hodenhochstand: Ein Hoden, der nicht in den Hodensack gewandert ist, sollte früh behandelt werden – das senkt spätere Fruchtbarkeitsprobleme.
- Eine Hodenentzündung im Kindesalter, zum Beispiel nach Mumps, kann die Fruchtbarkeit später beeinflussen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Fruchtbarkeit nimmt bei Männern mit dem Alter langsam ab – Samenmenge und Beweglichkeit der Spermien sinken oft.
- Erkrankungen, die im Alter häufiger sind (zum Beispiel Diabetes oder Prostataerkrankungen), sowie Medikamente können eine Rolle spielen.
- Ein Kinderwunsch im höheren Alter ist möglich, sollte aber ärztlich begleitet werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Krampfader am Hoden (Varikozele): erweiterte Venen im Hodensack, die die Hoden erwärmen und die Spermienbildung stören können.
- Hormonelle Störungen: Wenn die Steuerung im Gehirn (Hypophyse) oder die Hodenfunktion nicht zusammenpasst, kann die Spermienbildung sinken.
- Blockierte oder fehlende Samenwege, zum Beispiel nach Operationen oder durch angeborene Veränderungen.
- Infektionen der Hoden oder Nebenhoden, zum Beispiel nach Mumps oder durch andere Erreger.
- Hodenhochstand in der Kindheit oder Verletzungen der Hoden.
- Krebsbehandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung.
- Medikamente, Anabolika und andere Substanzen, die die Spermienbildung drosseln.
- Hitze, Giftstoffe am Arbeitsplatz, Rauchen, Alkohol und starkes Übergewicht.
- Manchmal findet sich trotz sorgfältiger Untersuchung keine Ursache.
Risikofaktoren
- Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht und wenig Bewegung
- Anabolika oder andere Muskelaufbaupräparate
- Hodenhochstand oder Hodenentzündung in der Vorgeschichte
- Operationen im Becken- oder Leistenbereich
- Krebserkrankung mit Chemotherapie oder Bestrahlung
- Arbeit mit Chemikalien, Pestiziden, Lösungsmitteln oder Röntgenstrahlung
- Dauerhafte Hitze am Hodensack (enge Kleidung, Sauna, Laptop auf dem Schoß)
- Hohes Alter des Mannes
- Starker Stress und Schlafmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche, starke Hodenschmerzen oder Anschwellen des Hodensacks – sofort 112 anrufen oder in die Notaufnahme.
- Schwellung und Rötung des Hodensacks mit Fieber – am selben Tag ärztlich abklären.
- Neu tastbarer harter Knoten im Hoden.
- Blut im Ejakulat, das nicht innerhalb weniger Wochen verschwindet.
- Plötzlich nicht mehr Wasser lassen können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie und Ihre Partnerin nach zwölf Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht schwanger geworden sind – bei einer Partnerin über 35 Jahren schon nach sechs Monaten.
- Wenn bei Ihnen bekannte Risikofaktoren vorliegen: Hodenhochstand, Hodenentzündung, Krebsbehandlung, Operationen im Becken oder Anabolika-Konsum.
- Wenn Sie Beschwerden wie Schmerzen im Hodensack, fehlende Lust auf Sex oder Erektionsprobleme bemerken.
- Wenn bei Ihnen eine Krampfader am Hoden bekannt ist und ein Kinderwunsch besteht.
Diagnose
Die Abklärung beginnt meist in der Hausarztpraxis, häufig mit einer Überweisung an eine urologische Praxis (Männerheilkunde) oder an eine Kinderwunschklinik. Kernstück ist die Samenanalyse (Spermiogramm). Dafür geben Sie eine Samenprobe in einem spezialisierten Labor ab, meist nach zwei bis fünf Tagen ohne Samenerguss. Weil die Werte schwanken, wird die Analyse in der Regel nach einigen Wochen wiederholt. Danach wird geschaut, ob eine behandelbare Ursache vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Spermiogramm: Menge, Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien werden unter dem Mikroskop beurteilt; üblich sind zwei Untersuchungen im Abstand von einigen Wochen.
- Körperliche Untersuchung: Tasten von Hoden und Hodensack, Beurteilen von Größe, Lage und Samenwegen.
- Blutwerte: Hormone wie Testosteron, FSH und LH geben Hinweise darauf, wie die Steuerung zwischen Gehirn und Hoden funktioniert.
- Ultraschall des Hodensacks, um Krampfadern (Varikozele) oder andere Veränderungen zu erkennen.
- Bei Bedarf genetische Untersuchungen oder ein Test auf Antikörper gegen Spermien.
- Gespräch zu Lebensstil, Medikamenten, Infektionen und zum Kinderwunsch – auch die Partnerin sollte sich untersuchen lassen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Weg ist meist Schritt für Schritt. Rechnen Sie damit, dass die Samenanalyse wiederholt wird und dass bis zu einem klaren Ergebnis einige Wochen vergehen. Manche Männer empfinden die Samenprobe als unangenehm – das Team ist daran gewöhnt, und es geht schnell vorbei. Wird eine Ursache gefunden, lässt sich oft gezielt behandeln. Wird keine Ursache gefunden, gibt es trotzdem Wege, den Kinderwunsch zu verfolgen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, ob eine Ursache gefunden wird. Oft beginnt sie mit einem gesünderen Lebensstil und dem Überprüfen von Medikamenten. Wird eine konkrete Ursache gefunden, kann diese gezielt behandelt werden. Lässt sich keine Ursache beeinflussen, gibt es medizinische Wege, eine Schwangerschaft zu unterstützen. Denken Sie daran: Spermien reifen etwa zwei bis drei Monate – Veränderungen zeigen sich also nicht sofort.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören – Rauchen schadet Anzahl und Beweglichkeit der Spermien.
- Alkohol deutlich reduzieren oder ganz weglassen.
- Auf Anabolika und Muskelaufbaupräparate vollständig verzichten; sie können die Spermienbildung stark drosseln.
- Übergewicht abbauen – auch einige Kilo können bereits helfen.
- Regelmäßig in Bewegung bleiben; sehr extreme Dauerbelastungen sind aber nicht für jeden ideal.
- Die Hoden kühl halten: keine engen Unterhosen, keine heißen Bäder oder Sauna direkt vor einer Samenprobe, Laptop nicht auf den Schoß stellen.
- Ausreichend schlafen und für Stressausgleich sorgen.
- Medikamente nicht eigenmächtig absetzen – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrem Apotheker über mögliche Nebenwirkungen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen verschiedene Ansätze in Frage: das Behandeln einer Infektion, das operative Korrigieren einer Krampfader am Hoden oder eine Hormonbehandlung bei nachgewiesenem Mangel. Welcher Weg passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen. Besserrt sich die Spermienqualität nicht, kann der Kinderwunsch mit Methoden der Fortpflanzungsmedizin verfolgt werden – zum Beispiel durch das Einsetzen aufbereiteter Spermien in die Gebärmutter (Insemination) oder durch Verfahren, bei denen eine Eizelle im Labor befruchtet wird. Diese Verfahren werden in einer Kinderwunschklinik ausführlich erklärt. Medikamente werden immer individuell verordnet – bitte greifen Sie nicht auf eigene Faust zu Mitteln, auch nicht zu frei verkäuflichen sogenannten Fruchtbarkeitsmitteln.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die Ursache eine Krampfader am Hoden (Varikozele) ist oder wenn die Samenwege blockiert sind. Auch ein Hodenhochstand wird im Kindesalter operiert. Nicht jede Krampfader muss operiert werden – ob eine Operation für Sie in Frage kommt, bespricht die Urologie mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Eine geringe Spermienzahl gehört zum Alltag vieler Männer und bedeutet nicht, dass der Kinderwunsch vorbei ist. Hilfreich ist, den Druck aus der Sexualität zu nehmen und Zeiten für Zärtlichkeit ohne Ziel zu schaffen. Paare, die offen über Ängste und Erwartungen sprechen, kommen meist besser durch diese Zeit. Planen Sie Termine bewusst und lassen Sie sich nicht von Monat zu Monat unter Druck setzen.
Tipps für den Alltag
- Rauchstopp, wenig Alkohol, keine Anabolika.
- Ein gesundes Körpergewicht anstreben.
- Regelmäßig schlafen und Stress abbauen.
- Die Hoden nicht dauerhaft großer Hitze aussetzen (Sauna, enge Kleidung, Laptop auf dem Schoß).
- Bei der Arbeit mit Chemikalien, Pestiziden, Lösungsmitteln oder Röntgenstrahlung Schutzkleidung nutzen.
- Den Impfschutz aktuell halten – zum Beispiel gegen Mumps, denn eine Mumps-Infektion kann die Hoden betreffen.
Ernährung und Bewegung
Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch sowie ausreichend Flüssigkeit. Sehr strenge Diäten und extrem hartes Training können der Fruchtbarkeit eher schaden. Moderate Bewegung – etwa 30 Minuten an den meisten Tagen – hilft beim Gewichthalten und beim Stressabbau. Nahrungsergänzungsmittel sind nicht automatisch hilfreich; sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrem Apotheker.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann belasten. Wut, Scham, Trauer, Schuldgefühle und Streit in der Beziehung sind häufige Reaktionen. Männer erleben das oft still und sprechen seltener darüber – das ist verständlich, aber Sie müssen da nicht allein durch. Psychosoziale Beratung, Paargespräche oder Selbsthilfegruppen können sehr entlasten. Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, sich zurückziehen oder nicht mehr schlafen können, suchen Sie bitte Unterstützung. In akuten seelischen Krisen gibt es rund um die Uhr anonyme und kostenlose Hilfe, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Nicht immer – manche Ursachen wie angeborene Veränderungen lassen sich nicht beeinflussen. Einige Faktoren, die die Spermienqualität verschlechtern, können Sie aber selbst angehen: Rauchen, Alkohol, Anabolika, Übergewicht, Hitzeeinwirkung und ungeschützter Umgang mit giftigen Stoffen. Auch das frühzeitige Behandeln von Infektionen und eines Hodenhochstands im Kindesalter gehört dazu.
Impfungen
Eine Impfung gegen eine geringe Spermienzahl gibt es nicht. Eine Mumps-Impfung schützt jedoch vor einer Mumps-Infektion, die bei Jungen und Männern die Hoden betreffen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Ob Ihr Impfschutz ausreicht, klärt Ihre Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening der Spermienqualität für alle Männer gibt es nicht. Sinnvoll ist eine Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch oder bei bekannten Risikofaktoren. In Deutschland orientieren sich Arztpraxen dabei an den Leitlinien der AWMF-Fachgesellschaften zur Abklärung männlicher Fruchtbarkeitsstörungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Kinderwunsch kann sich verzögern oder unerfüllt bleiben – viele Paare finden aber einen Weg, auch mit einer geringen Spermienzahl.
- Eine zugrunde liegende Erkrankung kann unentdeckt bleiben, zum Beispiel ein Hormonmangel, eine Infektion oder eine Krampfader.
- Seelische Belastung, Streit und Rückzug in der Beziehung können zunehmen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind oft besser, als die Diagnose zunächst klingt. Bei einem Teil der Männer bessern sich die Werte durch Lebensstiländerungen oder eine gezielte Behandlung, und eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ist trotzdem gut möglich. Zeigt sich keine Besserung, bieten moderne Kinderwunschverfahren wirksame Wege. Wichtig ist Geduld: Spermien brauchen Monate zur Reifung, und Erfolge lassen sich nicht erzwingen – aber Sie müssen das nicht allein durchstehen.
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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
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