Fehlgeburt: Anzeichen, Ablauf und was jetzt hilft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Fehlgeburt ist der Verlust einer Schwangerschaft in den ersten 20 Wochen. Das Kind kann dann nicht weiterleben, und der Körper stößt die Schwangerschaft ab. Das passiert oft, weil sich das Kind nicht gesund entwickelt hat.
Wichtige Fakten
- Etwa jede fünfte bekannte Schwangerschaft endet in einer Fehlgeburt.
- Die meisten Fehlgeburten passieren in den ersten 12 Schwangerschaftswochen.
- Eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass Sie keine Kinder bekommen können.
Ja, Fehlgeburten sind häufig. Schätzungsweise 10 bis 20 von 100 bekannten Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt – oft sogar bevor die Frau sicher weiß, dass sie schwanger ist.
Jede Person, die schwanger werden kann, kann eine Fehlgeburt erleben. Das Risiko steigt mit dem Alter der Mutter, aber auch jüngere Frauen sind betroffen. Es ist wichtig zu wissen: Eine Fehlgeburt ist nichts, was Sie verursacht haben.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie starke Blutungen haben und dabei große Mengen Blut verlieren.
- Rufen Sie die 112 an, wenn Sie schwindelig werden oder das Gefühl haben, ohnmächtig zu werden.
- Rufen Sie die 112 an, wenn Sie starke Schmerzen im Bauch oder Becken haben.
- Rufen Sie die 112 an, wenn Sie Fieber und gleichzeitig Unterleibsschmerzen haben – das kann auf eine Infektion hinweisen.
- ⚠Bei jeder Blutung in der Schwangerschaft sollten Sie noch am selben Tag ärztlich untersucht werden.
- ⚠Wenn Schwangerschaftsanzeichen plötzlich nachlassen, klären Sie das in einer Praxis ab.
- ⚠Bei Unterleibsschmerzen, die nicht aufhören, suchen Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat.
Häufige Symptome
- Blutungen aus der Scheide
- Krampfartige Schmerzen im Unterleib
- Abgang von Gewebe oder Blutgerinnseln
- Nachlassen von Schwangerschaftsanzeichen wie Übelkeit oder Brustspannen
Ursachen
Hauptursachen
- Chromosomenbesonderheiten des Embryos – dies ist der häufigste Grund und entsteht meist zufällig
- Hormonelle Störungen, zum Beispiel ein Gelbkörpermangel
- Erkrankungen der Gebärmutter oder ein schwacher Muttermund
- Infektionen, etwa mit bestimmten Bakterien
- Fehlbildungen des Kindes
Risikofaktoren
- Alter der Mutter über 35 Jahre
- Fehlgeburten in der Vorgeschichte
- Rauchen, Alkohol oder Drogen während der Schwangerschaft
- Starkes Übergewicht oder starkes Untergewicht
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder eine Schilddrüsenstörung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jeder Blutung während der Schwangerschaft sollten Sie noch am selben Tag Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder das Krankenhaus aufsuchen.
- Wenn Sie Schmerzen im Unterleib haben oder das Gefühl, dass etwas stimmt nicht, suchen Sie bald ärztliche Hilfe.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wieder schwanger werden möchten und Fragen haben, buchen Sie einen normalen Beratungstermin in Ihrer Frauenarztpraxis.
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und untersucht Sie. Meist wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um die Gebärmutter und den Embryo zu beurteilen. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung das Schwangerschaftshormon zeigen. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an der AWMF-Leitlinie zur Betreuung bei Fehlgeburten.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung (Scheidenultraschall)
- Bluttest zur Messung des Schwangerschaftshormons (hCG)
- Körperliche Untersuchung des Unterleibs
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist nicht schmerzhaft. Sie können eine vertraute Person mitbringen. Wenn eine Fehlgeburt festgestellt wird, bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen in Ruhe die nächsten Schritte – alle Optionen und Ihre Fragen haben Zeit.
Behandlung
Nach einer Fehlgeburt muss nicht immer eingegriffen werden. Wenn das Gewebe vollständig abgegangen ist, reicht oft eine Kontrolluntersuchung. In anderen Fällen kann eine abwartende Haltung, eine medikamentöse Unterstützung oder ein kleiner Eingriff sinnvoll sein, um Reste zu entfernen und Komplikationen zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie sich Zeit, um körperlich und seelisch zu erholen.
- Verwenden Sie bei Blutungen Binden statt Tampons.
- Schonen Sie sich und vermeiden Sie schweres Heben, bis die Blutung aufhört.
- Sprechen Sie mit Ihrem Partner, einer Vertrauensperson oder einer Hebamme über das, was Sie erlebt haben.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können eingesetzt werden, um die Gebärmutter zur Entleerung zu bringen. Auch eine Absaugung oder eine Ausschabung (Kürettage) ist möglich. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Wege. Nach einem Eingriff erhalten Sie Informationen zur Wundheilung und können eine seelische Begleitung angeboten bekommen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Kürettage wird empfohlen, wenn Gewebereste in der Gebärmutter geblieben sind, wenn die Blutung sehr stark ist oder wenn eine Infektion droht.
Leben mit der Erkrankung
Der Körper braucht nach einer Fehlgeburt einige Tage bis Wochen zur Erholung. Jede Frau ist anders. Planen Sie kleine Schritte, gönnen Sie sich Ruhe und hören Sie auf Ihren Körper.
Tipps für den Alltag
- Warten Sie mit Sport, bis die Blutung vorbei ist und Sie sich körperlich wohlfühlen.
- Stoppen Sie das Rauchen und verzichten Sie auf Alkohol.
- Achten Sie auf eine zuverlässige Verhütung, bis Sie wieder bereit für eine Schwangerschaft sind – besprechen Sie den Zeitpunkt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und vollwertigen Lebensmitteln unterstützt die Erholung. Leichte Bewegung wie Spaziergänge ist in der Regel günstig. Trinken Sie ausreichend Wasser, vor allem wenn Sie stillen möchten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Fehlgeburt ist auch eine seelische Erschütterung. Es ist normal, traurig, wütend oder leer zu sein. Erlauben Sie sich zu trauern. Wenn die seelische Belastung längere Zeit anhält oder sehr stark wird, wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, eine psychologische Beratungsstelle oder eine psychosomatische Ambulanz. Auch in einer akuten psychischen Krise ist die 112 erreichbar.
Vorbeugung
Die meisten Fehlgeburten lassen sich nicht verhindern, weil die Ursache in der Chromosomenentwicklung liegt und zufällig entsteht. Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko insgesamt senken, aber eine Garantie gibt es nicht.
Impfungen
Lassen Sie sich vor einer geplanten Schwangerschaft impfschutzmäßig beraten, zum Beispiel gegen Röteln. Die Impfung schützt Ihr Kind vor schweren Infektionen und kann Fehlbildungen vorbeugen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind wichtig, um Risiken früh zu erkennen. Auch eine erweiterte Diagnostik zur Untersuchung des Erbguts ist möglich, aber freiwillig. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was für Sie sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Blutungen, die nicht aufhören und zu Blutverlust führen
- Infektion der Gebärmutter mit Fieber und Unterleibsschmerzen
- Starke Blutverluste mit Schwindel und Schwäche
- Anhaltende seelische Belastung, die den Alltag überschattet
Langzeitprognose
Nach einer Fehlgeburt ist eine gesunde Schwangerschaft in vielen Fällen möglich. Die Aussichten sind insgesamt gut – viele Paare erleben später eine unkomplizierte Schwangerschaft. Ihr Ärzteteam unterstützt Sie bei der körperlichen und seelischen Erholung und bei der Planung des nächsten Schritts.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.