Nachtangst (Nachtschreck) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nachtangst, auch Nachtschreck genannt, ist eine Schlafstörung, bei der Menschen plötzlich aus dem Tiefschlaf aufschrecken, laut schreien oder ängstlich wirken – obwohl sie nicht richtig wach sind. Sie erinnern sich danach meist nicht daran. Es ist kein Albtraum, sondern eine Art Übergangszustand zwischen Schlafen und Wachen.
Wichtige Fakten
- Nachtangst passiert meist in den ersten Stunden nach dem Einschlafen.
- Die betroffene Person ist während einer Episode nicht ansprechbar und reagiert kaum auf Trost.
- Am nächsten Morgen gibt es in der Regel keinerlei Erinnerung an das Geschehen.
Nachtangst ist bei Kindern recht häufig – etwa jede dritte Familie erlebt es mindestens einmal. Bei Erwachsenen ist es seltener, kommt aber vor.
Hauptsächlich betroffen sind Kinder zwischen 2 und 6 Jahren. Auch ältere Kinder und Erwachsene können Nachtangst haben, besonders in Zeiten mit viel Stress oder Schlafmangel.
Symptome
- Wenn die Person sich verletzt oder Gefahr läuft, aus dem Bett zu fallen oder gegen Gegenstände zu stoßen
- Wenn Sie einen Krampfanfall beobachten (z.B. Zucken, Zungenbiss, Einnässen)
- Wenn die Person nach der Episode nicht wieder zu sich kommt oder wegdämmert
- ⚠Wenn die Episoden mehrfach pro Woche auftreten und die ganze Familie stark belasten
- ⚠Wenn die Person am Tag auffällig müde ist oder Probleme mit Lernen und Konzentration hat
- ⚠Wenn Sie unsicher sind, ob es wirklich Nachtangst ist oder etwas anderes
Häufige Symptome
- Plötzliches Aufsetzen oder Umherrutschen im Bett
- Weinen, Schreien oder ängstliche Laute
- Schneller Herzschlag, Schwitzen und schnelles Atmen
- Weit geöffnete Augen, die wie glasig wirken
- Keine Reaktion auf Ansprache oder Beruhigungsversuche
- Nach einigen Minuten wieder ruhig einschlafen
Symptome bei Kindern
- Kinder wirken während der Episode untröstlich, sind aber nicht wirklich wach.
- Manche Kinder laufen scheinbar zielgerichtet umher, obwohl sie schlafen.
- Am Morgen erinnern sie sich meist an nichts – es ist für sie kein Erlebnis, wohl aber für die Eltern.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachtangst bei Erwachsenen kann nach stressigen Lebensphasen oder starkem Schlafentzug auftreten.
- Die Episoden können mit nächtlichem Umhergehen verbunden sein.
- Erwachsene berichten manchmal von einer vagen Bedrohung oder Unruhe, aber selten von konkreten Trauminhalten.
Ursachen
Hauptursachen
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlafrhythmus
- Übermäßige Müdigkeit oder Erschöpfung
- Stress und innere Anspannung
- Fieber oder körperliche Erkrankungen
- In manchen Fällen eine familiäre Veranlagung
Risikofaktoren
- Geschwister, die ebenfalls Nachtangst hatten
- Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) bei Erwachsenen
- Angststörungen oder Depressionen im Erwachsenenalter
- Unregelmäßige Tagesabläufe oder häufiger Schlafentzug
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Person sich während einer Episode verletzt
- Wenn die Episoden von Zuckungen oder Einnässen begleitet werden
- Wenn die Person tagsüber sehr benommen ist oder über heftige Tagesmüdigkeit klagt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um Nachtangst oder eine andere Schlafstörung handelt
- Wenn die Episoden länger als einige Wochen bestehen und den Schlaf der Familie stören
- Wenn Sie als Eltern stark verunsichert sind und eine medizinische Einschätzung möchten
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose hauptsächlich anhand der Beschreibung der Symptome und des Schlafverhaltens. Oft sind eine genaue Schilderung der Episoden und ein Schlaftagebuch ausreichend.
Mögliche Untersuchungen
- Ein ausführliches Gespräch über die Schlafgewohnheiten
- Ein Schlaftagebuch, das Sie über 1–2 Wochen führen
- In seltenen Fällen eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnographie), bei der Gehirnströme, Augenbewegungen und Atmung während des Schlafs gemessen werden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt wird Sie bitten, die Episoden zu beschreiben: Wann treten sie auf? Wirkt die Person verschwitz oder verwirrt? Erinnert sie sich am Morgen daran? Mit diesen Informationen lässt sich die Diagnose meist gut stellen.
Behandlung
In den meisten Fällen ist keine spezielle Behandlung nötig. Beruhigende Maßnahmen, ein fester Schlafrhythmus und die Vermeidung von Schlafmangel helfen häufig gut. Bei starken Beschwerden oder viel Leidensdruck gibt es therapeutische Möglichkeiten, die Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen können.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf- und Aufstehzeitpunkt – auch am Wochenende.
- Schaffen Sie eine ruhige, entspannte Abendroutine, zum Beispiel mit Vorlesen, ruhiger Musik oder einem warmen Bad.
- Vermeiden Sie abends Koffein, schwere Mahlzeiten und Bildschirmzeit bei Kindern und Erwachsenen.
- Wenn Kinder dazu neigen, kann ein geplantes kurzes Wecken etwa 30 bis 45 Minuten nach dem Einschlafen manchmal helfen, die Episode zu überspringen – sprechen Sie dies vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt ab.
Medizinische Behandlungen
Wenn hinter der Nachtangst starker Stress, Ängste oder eine Schlafapnoe stecken, können eine Beratung, Psychotherapie oder die Behandlung der Grunderkrankung helfen. In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung vorübergehend erwogen werden – dies sollte immer eine Ärztin oder ein Arzt entscheiden. Keinesfalls sollten Sie selbst Medikamente ausprobieren.
Leben mit der Erkrankung
Versuchen Sie, während einer Episode ruhig zu bleiben. Wecken Sie Ihr Kind nicht absichtlich und halten Sie es nicht fest – das kann die Episode verlängern. Sorgen Sie dafür, dass die Umgebung sicher ist, und begleiten Sie die Person nur sanft. Nach ein paar Minuten geht die Episode vorbei und das Kind schläft weiter.
Tipps für den Alltag
- Feste Schlafenszeiten einhalten
- Ausreichend Schlaf für das Alter der Person
- Entspannungsübungen wie ruhiges Atmen oder progressive Muskelentspannung am Abend
- Stress reduzieren, z.B. durch körperliche Aktivität oder Hobbys
Ernährung und Bewegung
Regelmäßige Bewegung hilft beim Einschlafen, sollte aber nicht direkt vor dem Zubettgehen stattfinden. Eine ausgewogene Ernährung und ein leichter Abendimbiss sind gut; vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke und schwere Speisen kurz vor dem Schlafen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nachtangst kann bei Eltern und Betroffenen Gefühle von Ohnmacht, Angst oder Schuld auslösen. Es ist völlig normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie offen darüber und holen Sie sich Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird – etwa bei einer Beratungsstelle oder im Gespräch mit der Ärztin.
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht in allen Fällen möglich. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, ausreichender Schlaf und Stressabbau können die Häufigkeit von Nachtangst-Episoden aber deutlich verringern.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Nachtangst.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening für Nachtangst. Wenn Sie unsicher sind, ist der erste Schritt ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verletzungen durch Umherirren oder Stürze in der Nacht
- Tagesmüdigkeit und verminderte Konzentration bei der betroffenen Person
- Schlafmangel und seelische Belastung bei Eltern oder Partner:innen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut. Bei Kindern verschwindet die Nachtangst meist bis zum Jugendalter vollständig. Auch bei Erwachsenen bessern sich die Episoden, sobald man Ursachen wie Schlafmangel oder Stress angeht. Mit einfühlsamer Begleitung, einem geregelten Schlaf und professioneller Unterstützung, wenn nötig, ist die Prognose positiv und der Alltag gut bewältigbar.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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