Entzündung im Unterleib (PID)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
PID steht für „Pelvic Inflammatory Disease“ (entzündliche Erkrankung des kleinen Beckens). Dabei kommt es zu einer Entzündung in den weiblichen Geschlechtsorganen, meist in den Eileitern, den Eierstöcken oder der Gebärmutter. Häufig wird sie durch Bakterien verursacht, die von der Scheide in die oberen Geschlechtsorgane aufsteigen.
Wichtige Fakten
- PID ist eine ernstzunehmende Entzündung im Bereich der Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke.
- Ursache sind meist Bakterien, die oft beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.
- Wird PID früh erkannt, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.
- Unbehandelt kann PID zu dauerhaften Schäden wie Unfruchtbarkeit oder Schmerzen führen.
PID tritt nicht selten auf. Besonders betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter, das heißt etwa zwischen 15 und 44 Jahren. In Deutschland wird PID bei vielen Frauen festgestellt, aber die genaue Zahl ist nicht bekannt, da nicht jede Frau sofort zum Arzt geht.
Hauptsächlich sind Frauen betroffen, die sexuell aktiv sind, insbesondere unter 35 Jahren. Ein höheres Risiko haben Frauen, die bereits einmal eine durch sexuell übertragbare Bakterien verursachte Entzündung hatten oder die mehrere Sexualpartner haben. Auch nach der Geburt oder einer Fehlgeburt kann PID auftreten. Bei Kindern ist PID sehr selten, bei Frauen nach den Wechseljahren ebenfalls.
Symptome
- Sehr starke Unterbauchschmerzen, die nicht aufhören
- Hohes Fieber und Schüttelfrost
- Ohnmacht oder Kreislaufzusammenbruch
- Starkes Erbrechen
- Starke Blutungen außerhalb der Regelblutung
- ⚠Fieber und Schmerzen im Unterbauch
- ⚠Deutlich übelriechender Ausfluss
- ⚠Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- ⚠Ungewöhnliche Blutungen
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch
- Kreuzschmerzen
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Ungewöhnlicher Ausfluss aus der Scheide
- Zwischenblutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
Symptome bei Kindern
- PID kommt bei Kindern so gut wie nicht vor. Sollte ein Kind über Unterbauchschmerzen oder Ausfluss klagen, sind häufig andere Ursachen wie zum Beispiel eine Magen-Darm-Infektion oder ein Harnwegsinfekt verantwortlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nach den Wechseljahren ist ein natürlicher Schutz der Scheide schwächer, aber eine echte PID ist selten. Ähnliche Schmerzen können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten, zum Beispiel im Darm oder an den Nieren. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, die meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden, zum Beispiel Chlamydien oder Gonokokken
- Aufsteigende Scheidenbakterien, die aus der Scheide in die Gebärmutter und Eileiter gelangen
- Eingriffe an der Gebärmutter oder an den Eileitern, wenn dabei Bakterien eingeschleppt werden (zum Beispiel bei einer Ausschabung)
Risikofaktoren
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr
- Wechselnde Geschlechtspartner
- Vorangegangene Entzündung im Unterleib
- Alter unter 25 Jahren
- Verwendung einer Spirale (Intrauterinpessar), besonders kurz nach dem Einsetzen
- Kürzliche Geburt, Fehlgeburt oder Abtreibung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie haben Fieber und gleichzeitig Unterbauchschmerzen.
- Sie haben starke Schmerzen im Unterleib, die nicht weggehen.
- Sie haben Blutungen außerhalb Ihrer normalen Regel oder nach dem Geschlechtsverkehr.
- Die Schmerzen werden immer schlimmer.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben leichte Schmerzen im Unterleib, die mehrere Tage anhalten.
- Sie bemerken ungewöhnlichen Ausfluss aus der Scheide.
- Sie haben das Gefühl, beim Wasserlassen Schmerzen zu haben.
- Sie hatten ungeschützten Geschlechtsverkehr und machen sich Sorgen wegen einer möglichen Ansteckung.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht mit Ihnen über Ihre Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dazu gehört eine Tastuntersuchung der Scheide und des Bauches. Dabei kann die Ärztin oder der Arzt Druckempfindlichkeit oder Schwellungen feststellen. Um die Entzündung zu bestätigen, werden weitere Abstriche und Proben genommen.
Mögliche Untersuchungen
- Abstrich vom Muttermund und aus der Scheide, um Bakterien nachzuweisen
- Urinprobe, um eine Harnwegsinfektion zu erkennen
- Blutuntersuchung, um Zeichen einer Entzündung zu finden
- Ultraschall des Unterbauchs, um Veränderungen an den Eileitern oder Eierstöcken zu sehen
- Bei Unsicherheit kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt werden – das ist ein kleiner Eingriff mit einer Kamera im Bauchraum
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei den Untersuchungen kann es kurz etwas unangenehm sein, zum Beispiel beim Abstrich oder bei der Tastuntersuchung. Sagen Sie der Ärztin oder dem Arzt, wenn Sie Schmerzen haben. Sie können vorher fragen, wie die Untersuchung abläuft. Meist bekommen Sie nach den ersten Ergebnissen schnell eine Einschätzung, ob eine PID vorliegt.
Behandlung
PID wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Diese Medikamente bekämpfen die Bakterien, die die Entzündung auslösen. Es ist wichtig, die Behandlung früh zu beginnen und sie vollständig durchzuführen. Während der Behandlung sollten Sie sich schonen und keinen Geschlechtsverkehr haben, bis die Entzündung abgeklungen ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie die verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein – auch wenn Sie sich schon besser fühlen.
- Schonen Sie sich und vermeiden Sie schwere körperliche Anstrengung.
- Trinken Sie ausreichend Wasser.
- Verzichten Sie auf Geschlechtsverkehr, bis die Entzündung vollständig ausgeheilt ist.
- Bei Schmerzen können Sie eine Wärmequelle wie eine Wärmflasche auf den Bauch legen – fragen Sie kurz Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob das für Sie passt.
Medizinische Behandlungen
Je nach Schweregrad wird eine Antibiotika-Therapie verordnet. Diese kann als Tablette oder als Spritze verabreicht werden. Bei schwereren Entzündungen ist manchmal eine Behandlung im Krankenhaus nötig, damit die Antibiotika über die Vene gegeben werden können. Ihr Partner oder Ihre Partnerin sollte ebenfalls untersucht und behandelt werden, falls eine sexuell übertragbare Infektion vorliegt – auch dann, wenn er oder sie keine Beschwerden hat.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen bildet sich ein Abszess (Eiteransammlung) in den Eileitern oder Eierstöcken. Wenn dieser nicht mit Medikamenten zurückgeht oder reißt, kann ein kleiner operativer Eingriff nötig sein. Das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach einer genauen Untersuchung.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer überstandenen PID können viele Frauen wieder vollkommen normal leben. Manche haben noch für einige Zeit leichte Schmerzen. Es ist wichtig, auf den Körper zu hören, sich ausreichend zu erholen und Stress zu vermeiden. Achten Sie auf einen regelmäßigen Zyklus und gehen Sie bei ungewöhnlichen Beschwerden frühzeitig zur Untersuchung.
Tipps für den Alltag
- Benutzen Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom, um neue Infektionen zu vermeiden.
- Achten Sie auf gute Hygiene im Intimbereich – aber übertreiben Sie es nicht mit Spülungen oder Intimsprays.
- Lassen Sie sich regelmäßig gynäkologisch untersuchen.
- Wenn Sie eine Spirale haben, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob eine Nachkontrolle sinnvoll ist.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder sanftes Yoga kann während der Genesung gut tun – solange es keine Schmerzen verursacht. Sport mit hoher Belastung sollten Sie erst wieder langsam beginnen, wenn die Entzündung abgeklungen ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine PID kann verunsichern und Ängste auslösen – zum Beispiel über die Fruchtbarkeit oder über die Beziehung. Das ist verständlich. Es ist wichtig, mit der Partnerin oder dem Partner offen zu sprechen und sich ärztlich gut beraten zu lassen. Wenn die Belastung zu groß wird, kann eine psychologische Beratung helfen, mit den Sorgen umzugehen.
Vorbeugung
Sie können das Risiko einer PID deutlich senken, indem Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom verwenden. Das schützt zuverlässig vor sexuell übertragbaren Bakterien. Zudem sollten Sie sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen testen lassen, besonders bei wechselnden Partnern. Wenn Sie eine Spirale nutzen, lassen Sie sich vor dem Einsetzen auf Chlamydien testen.
Impfungen
Es gibt keine direkte Impfung gegen PID. Gegen einige Erreger, die Geschlechtskrankheiten auslösen können, gibt es aber Schutzimpfungen – zum Beispiel gegen HPV und Hepatitis B. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Für Frauen unter 25 Jahren bieten viele gesetzliche Krankenkassen in Deutschland einen jährlichen Chlamydien-Test an. Auch beim regulären Frauenarztbesuch kann ein Abstrich gemacht werden. Fragen Sie aktiv danach – so können Infektionen früh erkannt und behandelt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schmerzen im Unterleib
- Verwachsungen (Verklebungen) an den Eileitern
- Unfruchtbarkeit, wenn die Eileiter verklebt oder beschädigt sind
- Erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft (das ist eine Schwangerschaft, die sich außerhalb der Gebärmutter einnistet)
- Abszessbildung (Eiteransammlung) im Bereich der Eierstöcke oder Eileiter
Langzeitprognose
Wenn eine PID rechtzeitig erkannt und richtig behandelt wird, heilt sie sehr oft vollständig aus. Es ist normal, sich während der Behandlung schwach und angespannt zu fühlen – aber die meisten Frauen erholen sich gut. Auch wenn bei manchen Frauen Narben oder Verwachsungen zurückbleiben, gibt es heute viele medizinische Möglichkeiten, damit umzugehen. Eine offene und frühe Behandlung gibt Ihnen die besten Chancen, gesund zu bleiben.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Ihre örtliche Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit (Gesundheitsamt) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.