Pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Pulmonale Hypertonie bedeutet erhöhter Blutdruck in den Blutgefäßen der Lunge. Die Gefäße werden enger, und das Herz muss stärker pumpen, um das Blut durch die Lunge zu befördern. Dadurch wird das Herz auf Dauer belastet.
Wichtige Fakten
- Der Blutdruck in den Lungengefäßen ist erhöht, sodass das Herz gegen einen hohen Widerstand anpumpen muss.
- Die häufigsten Beschwerden sind Atemnot bei Belastung und schnelle Ermüdung.
- Die Krankheit ist selten, aber die Behandlungsmöglichkeiten sind heute deutlich besser als früher.
Pulmonale Hypertonie ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise nur wenige Menschen pro Million Einwohner. Sie wird oft erst spät erkannt, weil die ersten Anzeichen unauffällig sind.
Sie kann in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Bestimmte Formen treten familiär auf, andere entstehen im Laufe des Lebens durch andere Erkrankungen.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn plötzlich starke Atemnot in Ruhe auftritt.
- Starke Schmerzen im Brustkorb oder Engegefühl, die nicht nachlassen.
- Ohnmacht oder weiterhin Bewusstlosigkeit.
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Fingerspitzen.
- Husten mit blutigem Auswurf.
- ⚠Wenn Ihre Beschwerden spürbar zunehmen und Sie schon bei leichter Tätigkeit Atemnot bekommen.
- ⚠Wenn Schwindel oder Ohnmachtsgefühle häufiger werden.
- ⚠Wenn die Beine deutlich anschwellen oder Sie in Ruhe Atemnot spüren.
Häufige Symptome
- Atemnot bei körperlicher Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Schnelle Erschöpfung und allgemeine Schwäche
- Schwindel oder Ohnmachtsanfälle
- Engegefühl oder Schmerzen im Brustkorb
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Geschwollene Knöchel und Beine
Symptome bei Kindern
- Weniger Ausdauer als Gleichaltrige
- Blässe und schnelles Atmen
- Ohnmacht bei körperlicher Anstrengung
- Schlechte Gewichtszunahme oder Gedeihstörung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Atemnot bei alltäglichen Tätigkeiten wie Treppensteigen
- Müdigkeit und Erschöpfung, die oft auf das Alter geschoben wird
- Wassereinlagerungen in den Beinen oder Knöcheln
- Schwindel und Ohnmachtsgefühle
Ursachen
Hauptursachen
- Idiopathische pulmonale Hypertonie: Ursache unbekannt.
- Als Folge von Linksherzschwäche oder Herzklappenfehlern.
- Bei Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenfibrose oder Schlafapnoe.
- Durch wiederholte Blutgerinnsel in der Lunge (chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie).
- Bei Bindegewebserkrankungen, zum Beispiel Sklerodermie oder Lupus.
- Angeborene Herzfehler können ebenfalls zu Lungenhochdruck führen.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (Pulmonale Hypertonie in der Familie)
- Rauchen
- Höhenaufenthalte über 2000 Metern
- Schwangerschaft und Wochenbett
- Bestimmte Medikamente oder Substanzen, die die Lungengefäße verengen können – sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an
- Erkrankungen des Herzens, der Lunge oder des Bindegewebes
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei zunehmender Atemnot im Alltag oder aus dem völligen Wohlbefinden heraus
- Bei Ohnmacht oder Ohnmachtsanfällen
- Bei Schmerzen im Brustkorb oder anhaltendem Herzrasen
- Bei stärker anschwellenden Beinen oder Knöcheln
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bei gewohnter Belastung zunehmend Atemnot bemerken.
- Wenn Sie sich unerklärlich müde und erschöpft fühlen.
- Wenn Schwindel oder Herzklopfen wiederholt auftreten.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von Fachärztinnen und Fachärzten für Lungenheilkunde oder Kardiologie gestellt. Zuerst stehen eine ausführliche Befragung zur Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung. Danach folgen bildgebende und funktionelle Untersuchungen. Eine genaue Messung des Drucks in der Lungenschlagader ist wichtig – das geschieht mit einem Rechtsherzkatheter.
Mögliche Untersuchungen
- Herzultraschall (Echokardiographie): schätzt den Druck in der Lungenarterie
- Elektrokardiogramm (EKG): misst Herzrhythmus und Zeichen einer Herzbelastung
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs
- Lungenfunktionstest
- Blutuntersuchungen
- Rechtsherzkatheter: die genaueste Messung des Drucks in den Lungengefäßen
- 6-Minuten-Gehtest: zeigt die körperliche Belastungsfähigkeit
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und ambulant. Ein Rechtsherzkatheter wird in einer Klinik durchgeführt; Sie bekommen vorher etwas Beruhigendes und liegen während der Messung ruhig. Die Auswertung dauert einige Tage. Ihr Behandlungsteam bespricht danach die Ergebnisse und die nächsten Schritte mit Ihnen.
Behandlung
Eine vollständige Heilung ist bei den meisten Formen nicht möglich. Aber es gibt viele Behandlungen, die die Beschwerden lindern und die Krankheit verlangsamen können. Die Therapie wird individuell angepasst – je nach Ursache, Schweregrad und persönlichen Umständen. Sie sollten in einem spezialisierten Zentrum für pulmonale Hypertonie betreut werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente regelmäßig und genau nach ärztlicher Anweisung ein.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber vermeiden Sie extreme Anstrengung.
- Wiegen Sie sich zwei bis drei Mal pro Woche, um Wassereinlagerungen früh zu bemerken.
- Gönnen Sie sich Pausen und überfordern Sie sich nicht.
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – Unterstützung bekommen Sie in Ihrer Arztpraxis.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie in große Höhen fliegen oder reisen.
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung werden je nach Form Medikamente eingesetzt, die die Blutgefäße in der Lunge erweitern oder den Druck senken. Zusätzlich kann eine Sauerstofftherapie sinnvoll sein. Manche Menschen erhalten Medikamente, die die Entstehung von Blutgerinnseln hemmen, oder Mittel gegen Herzschwäche. Welche Kombination das Richtige ist, entscheidet das spezialisierte Behandlungsteam. Die Medikamente sind in den letzten Jahren deutlich wirksamer geworden und werden genau auf Ihre Situation abgestimmt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei der chronisch-thromboembolischen Form, die durch Blutgerinnsel in den Lungengefäßen entsteht, kann manchmal eine Operation helfen. Dabei werden die Gerinnsel unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine entfernt. Dieser Eingriff wird nur in wenigen dafür ausgewiesenen Spezialzentren durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, auf Ihren Körper zu hören. Planen Sie Ihren Alltag so, dass Sie Ihre Kräfte einteilen können. Nehmen Sie Hilfe von Familie und Freunden an. Auch wenn die Krankheit Herausforderungen mit sich bringt, können Sie mit guter Unterstützung ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, angepasste Bewegung nach Rücksprache mit dem Arzt
- Raucherentwöhnung
- Ausgewogene und nicht zu salzige Ernährung
- Stabilisieren Sie Ihr Gewicht
- Schützen Sie sich vor Atemwegsinfektionen: regelmäßiges Händewaschen, Impfungen nutzen
- Planen Sie Entspannungsphasen ein und reduzieren Sie Stress
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Bei Wassereinlagerungen sollten Sie sparsam salzen. Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit Spazierengehen, leichtem Radfahren oder Schwimmen. Aber: Gehen Sie nicht bis zur Erschöpfung. Besprechen Sie Art und Umfang der Bewegung immer mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann Ängste, Traurigkeit und Unsicherheit auslösen – das ist verständlich. Reden Sie darüber, zum Beispiel mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Auch Selbsthilfegruppen geben Halt. Wichtig: Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, suchen Sie sofort Hilfe – rufen Sie die 112 oder wenden Sie sich kostenlos an die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Eine pulmonale Hypertonie lässt sich nicht immer verhindern, da viele Ursachen nicht beeinflussbar sind. Sie können aber das Risiko senken, indem Sie nicht rauchen, Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Lungenerkrankungen konsequent behandeln lassen und einen gesunden Lebensstil pflegen.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19 impfen. Diese Impfungen schützen vor Infektionen, die die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten können. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihren Impfstatus.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening gibt es nicht. Bei erhöhtem Risiko, zum Beispiel bei familiärer Belastung oder bestimmten Grunderkrankungen, können regelmäßige Kontrollen sinnvoll sein. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin berät Sie dazu.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Belastung des rechten Herzens bis hin zur Rechtsherzschwäche
- Ohnmachtsanfälle und Herzrhythmusstörungen
- Blutgerinnsel in den Lungengefäßen
- Schwere Atemnot auch in Ruhe mit Sauerstoffmangel
Langzeitprognose
Die Prognose ist heute deutlich besser als früher. Mit einer frühzeitigen Diagnose, einer individuellen Therapie und regelmäßigen Kontrollen lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung oft verlangsamen. Viele Betroffene führen ein aktives Leben. Wichtig ist, die Behandlung ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu holen – medizinisch wie im persönlichen Umfeld.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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