Rheumatisches Fieber – verstehen, erkennen, behandeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Rheumatisches Fieber ist eine entzündliche Reaktion des Körpers, die nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien (Streptokokken) auftreten kann. Diese Bakterien verursachen zum Beispiel eine eitrige Mandelentzündung. Bei manchen Menschen greift das Immunsystem nach der Infektion fälschlicherweise den eigenen Körper an – vor allem Gelenke, Herz, Haut und Gehirn.
Wichtige Fakten
- Es tritt meist 2 bis 4 Wochen nach einer unbehandelten oder unzureichend behandelten Racheninfektion auf.
- Es kann zu dauerhaften Herzschäden führen, wenn es nicht frühzeitig behandelt wird.
- In Deutschland ist es dank guter medizinischer Versorgung selten geworden.
In Deutschland ist rheumatisches Fieber heute selten. In ärmeren Regionen der Welt kommt es jedoch noch häufiger vor.
Hauptsächlich betrifft es Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren. Auch Erwachsene können erkranken, zum Beispiel nach einer Racheninfektion, besonders wenn die Infektion nicht richtig behandelt wurde.
Symptome
- Starke Brustschmerzen
- Schwere Atemnot in Ruhe
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufversagen
- ⚠Anhaltendes hohes Fieber über 39°C
- ⚠Stark geschwollene und heiß schmerzende Gelenke
- ⚠Herzrasen oder starkes Herzstolpern
Häufige Symptome
- Fieber
- Schmerzen und Schwellungen in mehreren Gelenken (vor allem Knie, Knöchel, Handgelenke)
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Atemnot oder Herzrasen (möglich bei Herzmitbeteiligung)
- Hautausschlag (eine blasse Rötung mit ringförmigen Figuren)
- Kleine schmerzlose Knoten unter der Haut
Symptome bei Kindern
- Zusätzlich können unwillkürliche zappelige Bewegungen auftreten (Chorea), die wie Nervosität aussehen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Erwachsenen sind Gelenkschmerzen oft das Hauptsymptom, Herzprobleme sind seltener, können aber ernst sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Infektion mit bestimmten Bakterien (A-Streptokokken), meist im Rachen (eitrige Mandelentzündung oder Scharlach)
- Das Immunsystem reagiert übermäßig und greift körpereigene Zellen an.
Risikofaktoren
- Nicht oder zu spät behandelte Streptokokken-Infektion
- Gehäuftes Auftreten von Streptokokken-Infektionen in der Umgebung
- Schlechter Zugang zu medizinischer Versorgung
- Wiederholte Infektionen mit diesen Bakterien
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind Halsschmerzen mit hohem Fieber haben und sich trotz Behandlung nicht bessern
- Wenn Gelenke anschwellen oder heiß werden, vor allem zusammen mit Fieber
- Bei Atemnot oder Herzstolpern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine Mandelentzündung hatten und nun unklare Gelenkschmerzen oder Müdigkeit auftreten
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose anhand der typischen Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Zusätzlich gibt es Blutuntersuchungen und manchmal ein EKG oder Ultraschall des Herzens.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Entzündungswerte und Antikörper gegen Streptokokken
- Rachenabstrich zum Nachweis der Bakterien
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Kontrolle der Herzfunktion
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie), um Herzklappenveränderungen zu erkennen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzlos. Sie müssen nicht nüchtern erscheinen. Die Diagnose braucht manchmal etwas Geduld, da die Symptome auch andere Ursachen haben können.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: die Entzündung zu stoppen und das Herz zu schützen. Dafür gibt es Medikamente, die die Entzündung hemmen und die Bakterien bekämpfen. Eine vollständige Heilung ist möglich, wenn früh gehandelt wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Sich körperlich schonen und ausruhen, solange das Fieber und die Gelenkschmerzen bestehen
- Viel trinken (am besten Wasser oder ungesüßten Tee)
- Regelmäßig die Körpertemperatur messen und den Verlauf notieren
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte verwenden Antibiotika, um verbliebene Streptokokken zu beseitigen. Zusätzlich werden entzündungshemmende Medikamente (wie Salicylate oder Kortison) eingesetzt, um die Immunreaktion zu dämpfen. Die genaue Auswahl und Dauer der Behandlung wird individuell festgelegt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur in seltenen Fällen, wenn Herzklappen stark geschädigt sind und schwere Beschwerden verursachen, kann eine Operation am Herzen notwendig werden.
Leben mit der Erkrankung
Nach überstandener Entzündung sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt wichtig. Manche Menschen benötigen über Jahre eine vorbeugende Antibiotika-Therapie, um eine erneute Infektion zu verhindern.
Tipps für den Alltag
- Stress vermeiden und genügend Schlaf
- Regelmäßige, aber nicht zu anstrengende Bewegung, wenn der Arzt das erlaubt
- Auf Alkohol und Rauchen verzichten, um das Herz zu entlasten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Genesung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen wird nach der Akutphase empfohlen – sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Erkrankung wie diese kann Angst machen, gerade weil das Herz beteiligt sein kann. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie sich Unterstützung bei Ihrem Umfeld oder einem Psychologen.
Vorbeugung
Ja, zum Teil. Eine schnelle und vollständige Behandlung einer Streptokokken-Infektion, zum Beispiel mit Antibiotika, beugt rheumatischem Fieber vor.
Impfungen
Gegen die Bakterien selbst gibt es keine Impfung. Eine Grippeimpfung kann jedoch helfen, zusätzliche Infektionen zu vermeiden, die das Herz belasten.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es kein allgemeines Screening. Aber bei wiederholten Streptokokken-Infektionen in der Familie kann der Arzt engmaschige Kontrollen empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schäden an Herzklappen (rheumatische Herzkrankheit)
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis)
Langzeitprognose
Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose meist gut. Kinder und Jugendliche erholen sich oft vollständig. Entscheidend sind die regelmäßige Kontrolle und die vorbeugende Gabe von Antibiotika, um das Herz langfristig zu schützen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Rheuma-Liga ↗ · Deutschland
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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